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Jüdische Wochenschau · 1960-07-15 · 1795 (15.7.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1795 (15.7.1960)
Date
1960-07-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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JÜDISCHE« faJknuutaJbàjG&lUG, PUEYRREDON / 2190 — 1’ ixq. Año XXI. r. E. 832*13 BUENOS AIRES. VIERNES 15 DE JULIO DE I960 No. 1795 Die Anklage gegen Eiehmann Boston. — Verschiedene asiatische und südamerikanische Länder sind bemüht Israel davon zu überzeugen, dass es sich damit einverstanden erklären sollte, Adolf Eichmann in Israel vor einem Tribunal abzuurteilen, das von Richtern aus Indien, Mexiko und Schweden gebildet wird, wie der „Christian Science Monitor” mitteilt, der diese Nachricht auf Aeusserungen aus UN-Kreisen zurückführt. „Man hat vorgeschlagen”, schreibt diese Zeitung, „dass der Prozess der heutigen Generation die furchtbare Lektion der Verwüstung und des Todes vor Augen führen soll, die der Rassenhass und Völkermord als Spur hinter sich lassen. Wenn israelische Richter über Eichmann zu Gericht sitzen würden, so könnte der Fall Eichmann als etwas erscheinen, was er In Wirklichkeit nicht ist, nämlich als ein Racheakt. Alle diese Länder anerkennen ohne Einschränkung die israelische These, dass es Zweck des Prozesses ist, der neuen Generation in Erinnerung zu rufen, was vor erst 15 Jahren in dem von den Nazis besetzten Europa geschehen ist. Wir sind der Ansicht, dass dieser Zweck besser erreicht werden würde, wenn Eichmann nicht vor einen israelischen sondern vor einen internationalen Gerichtshof gestellt werden würde. Argentinien wäre wahrscheinlich mit einem Prozess vor einem solchen Tribunal auch einverstanden. EICHMANN IM BILDFUNK Frankfurt. — Die Leitung des westdeutschen Fernsehnetzes plant, ein dokumentarisches Programm zu senden, das die Verbrechen Adolf Eichmanns veranschaulichen und zeigen soll, wie dieser Naziverbrecher die „Endlösung der Judenfrage” handhabte und die europäischen Juden in die Gaskammern verfrachten liess. Die Beamten des Bildfunks teilten mit, das Programm werde m,i Hilfe des Instituts füv die Dokumentation der nazistischen Kriegsverbrechen in Haifa vorbereitet. WO IST MENGELE? Jerusalem. — Ministerpräsident David Ben Gurion erklärte in der Knesset, die israelischen Diplomaten hätten alle Regierungen über die Verbrechen informiert, die der Naziarzt Josef Mengele, dessen Auslieferung von Argentinien durch die Regierung von Bonn verlangt wurde, während des Krieges verübt hat. Ben Gurion machte seine Erklärung in Beantwortung einer Frage, welche der Abgeordnete der Allgemeinen Zionisten, Eliezer Rimalt, an ihn richtete. Der Ministerpräsident be. WIE ICH ES SEHE MAN MUSS WACHSAM SEIN: stätigte, dass ein argentinischer Richter Haftbefehl ge. gen Mengele erlassen hat, doch sei nicht bekannt, ob der Verbrecher dingfest gemacht wurde. NEUES GESETZ IN VORBEREITUNG Jerusalem. — Das Justizministerium und die Anwaltskammer von Israel bereiten ein Gesetz vor, durch das ausländische Advokaten vor den israelischen Gerichten zugelassen werden, um es zu ermöglichen, dass der als Kriegsverbrecher angeklagte Adolf Eichmann von Juristen aus dem Ausland verteidigt werde? kann. ANTISEMITISMUS SOLL VERBOTEN WERDEN Brasilien. — Ein brasilianischer Abgeordneter beantragte ein Gesetz, dass den Antisemitismus in Brasilien verbieten soll. Arelio Viana erklärte in der Kammer, der Antisemitismus sei das „Vorspiel zum Völkermord“ und man müss eine Sondermassnahme treffen, obwohl der Rassenhass durch die Verfassung verboten sei. Viana begründete seinen von JEHUDA G<% HEIMER Verhaftungen Man kann nicht in Abrede stellen, dass die Frage jiaheliegt, aus welchem Grunde erst jetzt zahlreiche Kriegsverbrecher in Westdeutschland gefasst worden sind. Immerhin ist es auffallend genug, dass sich erst eine weltweite Diskussion nach der Ergreifung Eichmanns durch israelische „Kommandos” ergeben musste, um wichtige Komplizen des Massenmörders zu fassen und dingfest zu machen. Ohne Zweifel hat diese Eichmann-Debatte, die bekanntlich bereits einmal den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschäftigt hat, eine ganze Reihe interessanter Fragen aufgeworfen, die schlagartig die bittere Lage beleuchten, in der sich unsere Nachkriegswelt befindet, k Wenn man darüber nachzudenken beginnt, aus welchen Gründen wir unter so unverändert schlechten und antidemokratischen Bedingungen zu leben gezwungen ► sind, werden wir schnell feststellen, dass die demokratischen Kräfte den Mäch. ten der Unterwelt kaum gewachsen sind, zumal breite Kreise, die zur demokratischen Peripherie gehören, nicht den notwendigen Ernst für die Beurteilung der Sachlage aufbringen und das bequeme Leben einer harten Wirklichkeit vorziehen. Es ist eine alte Tatsache, dass Demokratie eine gewisse sittliche Reife voraussetzt. Und hieran fehlt es häufig... Wir leben jetzt 15 Jahre nach einem alles vernichtenden Kriege, in dem die Völker geschworen haben, echte Friedensvoraussetzungen zu schaffen, um die einmal erlebten Schrecken allen künftigen Geschlechtern zu ersparen. Aber nur 15 Jahre haben genügt, um alles wieder vergessen zu machen, die erduldeten Leiden, die aufgestellten Ideale, die guten Vorsätze und die politischen Ziele. Als wäre nichts geschehen, als habe sich der Abgrund wieder g'eschlos- Besorgnis um Juden im Kongo Jerusalem. — Es herrscht Besorgnis über das Schicksal der rund 2.500 Juden, die in Belgisch-Kongo leben, der der Schauplatz heftiger antieuropäiseher Unruhen ist. Die jüdische Bevölkerung dieses neuen unab. hängigen Staates in Afrika ist in acht Gemeinden organisiert, die sämtlich der zentralen Gemeinde von Eli. zabethville an geschlossen sind. Ehrud Avriel. der neue israelische Botschafter in der jungen Republik wurde beim Aussenminister vorstellig, um sich im Namen des diplomatischen Korps über die Behandlung zu beschweren, die den Diplomaten von den Soldaten zuteil wurde. Später suchte der Aussenminister Avriel auf, um sich im Namen seincr Regierung zu entschudigen. (ITA) sen, der Millionen verschlang, treiben Völker und Menschen nur deswegen aufs neue ins Chaos, weil der Mut zur Erkenntnis und die Verantwortlichkeit zur Entscheidung fehlen. Man hat weder durchgegriffen noch aufgeräumt, um die Schlacken der Vergangenheit zu überwinden, man hat weder den Kurs herumgeworfen noch die Jugend gelehrt, andere, bessere Wege zu gehen, damit verhütet werde, dass Ueberhebliehkeit und Eitelkeit, dass die niederen Leidenschaften der Herrsch, und Habsucht zu den bewegenden Kräften und entscheidenden Normen der bürgerlichen Gesellschaft werden. Hierin liegt die Gefahr: in der Ahnungslosigkeit einer neuen Generation, die gewiss anders seiwill, als die Väter waren, die aber nicht begreifen kann, dass ein verbrecherisches Regime auch ihre Väter mitschuldig werden liess. Unzweifelhaft stehen wir hier zugleich vor einer menschlichen, vor einer pädagogischen und psychologischen Frage, die schwierig und unverkennbar vorhanden ist. Umso stärker hätte die Um. kehr sein müssen, um so gründlicher hätte man die Schlacken der Vergangenheit beseitigen sollen, umso entschiedener hätte man von allem abrücken müssen, was die Verbindung zu den Frevlern und Verbrechern des tausendjährigen Reiches aufrecht erhielt. Man hat nicht gründlich aufgeräumt; die Schlacken der Vergangenheit wurden nicht endgültig beseitigtman ist auch nicht von dein, was geschah, mit Ernst und Entrüstung abgerückt. Dabei braucht man sich durchaus nicht bei seinen Feststellungen auf die Deutsche Bundesrepublik zu beschrän. ken, obwohl natürlich für diesen Staat diese Schilderung in erster Linie zutrifft. Es gibt praktisch kaum eine Ausnahme. Im Osten, wo man mit Entrüstung nicht müde wird, auf die westdeutschen Kriegsverbrecher hinzuweisen, befinden sich zahlreiche ehemalige Nazibonzen in wichtigen Positionen. Dies gilt auch für die Kernländer der westlichen Demokratie, die überall dort mit der Verfolgung der Nazis aufhörten, wo dies ihr eigenes Konzept stören konnte. Auch die Amerikaner haben nazistische Verbrecher geschützt. Und andere demokratische Länder bemühen sieh heute noch darum, direkt oder indirekt selbst zu entscheiden, wer ein Nazi und wer ein Mörder war, nach dem alten, ein wenig variierten nazistischen Grundsatz „Wer ein Jude ist, bestimme ich!”... Beinahe täglich kann man in den westdeutschen Zeitungen über Verhaftungen von Naziverbrechern lesen, kleineren und grösseren, bekannten und weniger bekannten SS-Leuten oder Gestapo-Agenten, die inzwischen in mehr oder weniger wichtige Amtsstellen eingerückt sind. In Bremen wurde ein Oberregierungsrat — das ist schon ein hoher Beamter — festgenommen, weil er 1941 an Ersehiessungen im Raum Lemberg teilgenommen haben soll. „Zufällig” gelang es auch in diesen Wochen, einen besonders gefährlichen Kriegsverbrecher, den früheren Hauplsturmführer der Waffen-SS, Konrad Fiebig, zu fassen, der als Kommandeur Un Avión Armado en Israel Tel Aviv. — El primer avión "a chorro” montado en Israel, un Fouga Magister francés a reacción para adiestramiento, fué entregado ahora a la Fuerza Aérea Israelí, por la Israel Air Indusiry Llda., anteriormente la compañía Bedek. El avión fué armado con componentes Iraidos de Francia. Once aparatos más serán asamblados aquí sobre esta misma base. Al Swimmer, jefe de la compa¬ ñía. dijo que todas las partes serán fabricadas localmente con excepción del motor, que seguirá siendo importado de Francia. El uso de estos aviones de retropropulsión acortará considerablemente el tiempo necesario para adiestrar a los pilotos para la fuerza aérea. En lo pasado los pilotos debían pasar largas horas en aviones con. vencionales a pistón, hasta tanto pudieran subir a Jes poderosos Mystere y Vautoure. SCHLOMO S. TANGER In Israel montiertes Flugzeug Tel Aviv. — Das erste, in Israel montierte, Flugzeug „mit Rückantrieb”, ein französischer Fouga Magister-Düsenapparat zu Schulungs-Zwecken wurde von der Israel Air Industry Ltd., der füheren Bedek-Gesellschaft, nunmehr der israelischen Luftwaffe übergeben. Das Flugzeug wurde mit aus Frankreich gebrachten Bestandteilen zusammengesetzt. Weitere elf Flugzeuge werden hier in gleicher Weise montiert werden. Al Swimmer, der Chef der Gesellschaft, berichtete, alle Teile würden an Ort und Stelle fabriziert werden ausser dem Motor, der weiter aus Frankreich importiert werden wird. Der Gebrauch dieser Flugzeuge mit Rückantrieb wird die Zeit zur Ausbildung von Piloten für die Luftwaffe beträchtlich verkürzen. Früher mussten die Pilotén lange Stunden in üblichen, mit Zündkerzen betriebenen Apparaten verbringen, bevor sie die starken Mystere und Vautoure-Apparate besteigen konnten. SCHLOMO S. TANGER Antrag mit einer antisemitischen Kampagne, die in der Nordprovinz Alagoas durchge t wird. ANKLAEGER IM EICHMANN-PROZESS Jerusalem. — Gideon Hauser, der neue israelische Generalstaatsanwalt, wird im Prozess gegen Eichmann als Ankläger auftreten, wi« jetzt mitgeteilt wird. Inzwischen gaben die Polizeibehörden ’ bekannt, dass die Untersuchung von Eichmanns Verbrechen und die Vorbereitung der Unterlagen möglicherweise ein Jahr dauern könnten. einer „Sondereinsatzgruppe” in Russland massgebend an Massenersehiessungen von Juden beteiligt gewesen ist. Was hinter dem Begriff „Massenersehiessungen” von Juden in Russland durch diese Einsatzkommandos steht, das wurde bereits wiederholt hier mitgeteilt, und wir werden es noch einmal gelegentlich schildern. Wir publizieren diese Informationen über die nazistischen Schreckenstaten nicht deswegen, um alte Wunden aufzureissen oder sensationelle Nachrichten aufzufrischen. Wir veröffentlichen diese Darstellungen deswegen, weil es notwendig ist, der jüdischen wie der nichtjüdischen Oeffentlichkeit ins Gedächtnis zu rufen, was vor nur 15 oder 20 Jahren geschehen ist, um zu vermeiden, dass sich diese oder ähnliche Bluttaten wiederholen. Wir veröffentlichen diese Informationen aber auch aus konkretem Anlass, um jedem die Möglichkeit zu bieten, sich und andere über das aufzuklären, was von SS und Gestapo, was von Eichmann und Genossen, in den Ghetti und Konzentrationslagern vollbracht wurde mit dem einzigen Ziel der Vernichtung des jüdischen Volkes, der Liquidierung aller ihnen unbequemen Menschen und Gruppen. Denn die nichtjüdische, insbesondere lateinamerikanische Oeffentliehkeit, versteht nicht, was vor sich gegangen ist, weil es vielleicht die menschliche Fassungskraft übersteigt, und weil dieser Kontinent weit ab vom Geschehen lag. Deswegen haben lateinamerikanische Völker auf die Vorgänge reagiert, als wären sie gerade aus einem langen und angenehmen Traum erwacht, der sie die Wirklichkeit nicht miterleben liess. Unsere, d. h. aller Juden Mission ist es in diesem Augenblick, unsere Mitbürger aufzuklären, wie hart, wie schwer, wie traurig diese Wirklichkeit war, in der sechs Millionen Juden und auch Millionen unschuldige Opfer anderer Nationen zugrunde gegangen sind. II. Der Fall Heyde Ueber den Fall des Prof. Heyde, der für den Tod tausender Menschen verantwortlich ist, haben wir an dieser Stelle bereits vor Wochen berichtet. Heyde, der bereits zum Tode verur. teilt war, dann aber entfliehen konnte, hat Jahre hindurch in Schleswig Holstein gelebt, wo er unter dem falschen Namen Sawade wirk, te und bis zum Gutachter beim Landes . Sozialgericht avanzieren konnte, obwohl (Schluss auf Seite 2) Israeli persona non grata London. — Der rumänische Rundfunk teilte mit, dass ein Mitglied der Israel - Legation in Bukarest von der Regierung zur persona non grata erklärt wurde und das Land verlassen muss. Der ausgewiesene Israeli ist der Légations-Attaché Schlomo Aharon. Er wird von den rumänischen Behörden beschuldigt, „Handlungen begangen zu haben, die mit den diplomatischen Usancen nicht in Einklang stehen.” (ITA)

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