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Jüdische Wochenschau · 1960-07-12 · 1794 (12.7.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1794 (12.7.1960)
Date
1960-07-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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U PUEYRREDON 2190 — 1’ iaq. m Jentana MfaG&uto, Año XXI. BUENOS AIRES. MARTES 12 DE JULIO DE 1960 T. E. i 83-2613! No. 1794 Neonazis in Nordamerika Die letzten Wochen brach, ten weitere, stark deprimierende Meldungen über das Treiben der amerikanischen Nazis. In Washington sah sich die Polizei gezwungen, gegen eine unter freiem Himmel veranstaltete Kundgebung der „Amerikanischen Nationalsozialistischen Partei” unter der Führung des berüchtigten Lincoln Rockwell einzuschreiten, um Handgreiflichkeiten zwischen den von Rockwell zu dieser Versammlung beorderten „Sturmtruppen” und den entrüsteten, aus den Nachbarbezirken . der Stadt gekommenen Hörern zu verhindern. Von ihnen hatten sich viele, besonders Studenten, mit Knüppeln versehen und gingen gegen die Veranstalter vor, als Rockwell als Hauptredner die Kundgebung, die in der Nähe einer grossen Kunstgalerie stattfand, mit einer Hetzrede gegen die Juden begann. Die Polizeibeamten entzogen ihm das Wort und erklärten die Versammlung für aufgelöst. Von den gegen die Hetzer versammelten Demonstran. ten, entfernten sich etwa 150 Juden unter dem Absingen der „Hatikwa”. Nach einer Meldung der New York Times verstärkten antisemitische Kreise ihre Agitation letzthin in der Stadt Nashville, im Staat Tennessee. Diese Hetzkampagne scheint von den gleichen Gruppen auszugehen, die sich gegen die Aufnah. me der Kinder von Negern in öffentliche Schulen wenden. Im Jahre 1958 war auf das Jüdische Gemeindezentium von Nashville ein Sprengstoffanschlag verübt worden, ohne dass die Täter bisher gefunden worden sind. Letzthin wurde ein Zweiundzwanzigjähriger, aus gutem Haus, der öffentlichen Orts Hakenkreuze angeschmiert hatte, zu einer Geldstrafe von 3 Dollar (!) verurteilt. Seine beiden Komplizen wurden zwar verhaftet, nicht aber vor Gericht gestellt. In Dayton (Ohio) fahndet die Polizei nach einem Fünfzehnjährigen, der in seiner Schulklasse eine nazistischantisemitische „Zelle” ins Leben gerufen hatte und, als er dingfest gemacht werden sollte, aus seinem Elternhaus verschwand. Er wird als ein Junge von besonderer Intelligenz bezeichnet. Bevor er „untertauchte”, hinterliess er seinen Gesinnungsfreunden ausführliche Anweisungen zur Weiterführung ihrer Tätigkeit. In Jacksonville (Florida) gründeten sieben Schuljungen eine ähnliche „Zelle” zu antisemitischer Agitation. Ihr Rädelsführer ist ein 16- WIE ICH ES SEHE Du sollst es weiter sagen von JEHUDA GOTTHEIMER Die Antisemiten haben es zu allen Zeiten verstanden, den Faktor „Unkenntnis der breiten Massen” sehr geschickt einzusetzen. Je plumper die von ihnen aufgestellten Lügen gewesen sind, desto leichter wurden sie von den ahnungslosen Mitläufern geglaubt. Je grotesker die Geschichtsfälschungen waren, desto schneller jubelte man ihren hohlen und abgedroschenen Parolen zu. Das war zu allen Zeiten so, das ' at sich, nicht geändert... Man sollte sich einmal die Müsse nehmen, die Methodik der Herren Antisemiten durch die Jahrtausende zu verfolgen. Mit wachsendem Erstaunen wird man feststellen, dass sich nichts geändert hat. Das Vorgehen der Antisemiten kann man getrost auf eine einfache Formel bringen: sie sagen das, was ihnen in den Kram passt, was ihnen gefällt, was ihnen nützlich erscheint, was ihnen politischen Vorteil bringen könnte, was ihrem eigenen Ehrgeiz frönt und was ihren Zuhörern gefällt. Der Inhalt der einzelnen, im übrigen im Laufe von Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden nicht sehr abwechslungsreichen Anschuldigungen und Verleumdungen, Verdächtigungen und Vorwürfen ist nicht entscheidend wichtig, wenn die psychologischen Voraussetzungen nur erfüllt sind, die hier angedeutet wurden. Man braucht nur einen langen Blick in die Geschichte zu werfen, um sich von der Richtigkeit dieser Darstellung zu überzeugen. Einer der bekanntesten Antisemiten der alten Zeit war der römische Politiker, Rech.anwalt, Rhetor und Schriftsteller Marcus Tullius Cicero, der um die Zeitenwende lebte (106—43 v. d. g. Z.), und sich in einigen seiner Polemiken klassisch-gewordener antisemitischer Argumente bediente. In einer seiner vielen Reden gefiel es dem berühmten Cicero, die Juden anzugreifen, deren Einfluss in Rom offensichtlich im Steigen war. (Ueber die Hintergründe dieser äusserst interessanten Ein Verteidiger für Eichmann Jerusalem. — Das 6. Büro der israelischen Polizei, das die Unterlagen für die Prozessierung des Nazispezialisten für die Ausrottung der Juden sammelt, wird Eichmann eine Liste von Anwälten vor legen, die sich bereit erklärt haben, bei der bevorstehenden Gerichtsverhandlung in Jerusalem als sein Verteidiger zu fungieren. Sämtliche Kandidaten für die Strafverteidigung leben im Ausland, die Mehrzahl in Westdeutschland und Oesterreich, doch es haben sich auch verschiedene An. wälto aus anderen europäischen Ländern für dieses Amt gemeldet. Eichmann wird die Wahl seines Verteidigers mit einer Ausnahme, gestattet sein, d. h. die israelischen Beamten haben darauf verwiesen, dass keinem Anwalt mit einer Nazi-Vorgangenhe;t ein israelisches Visum erteilt werden wird. UTA) Entwicklung soll in diesem Zusammenhang nicht näher eingegangen werden, obwohl sie sehr lehrreich sind.). — Taktik Nr. 1 des Debatteredners und Politikers Cicero: masslose Verallgemeinerung. Das Argument ist einfach: alle Juden sind schuld, alle sind verantwortlich, alle haben Einfluss usw., wie das im Laufe der Zeiten tausendfach wiederholt und als .Beweis’ gegen die Juden zur Anwendung gebracht wor. den ist, bis in die letzten Tage. Cicero: Der römische Senat sitzt voller Juden. — Eine Begründung für diese sinnlose Behauptung gab Cicero nicht. — Hitler (als weiteres Beispiel in der langen Reihe antisemitischer Hetzer, die auf Cicero folgten und bewusst oder nicht bewusst von ihm lernten): Deutschland ist verjudet. — (Auch Hitler ist den Beweis für diese närrische Behauptung schuldig geblieben, denn von den 60 oder gar 80 Millionen Deutschen waren weniger als 1 Prozent Juden...) Taktik Nr. 2 läuft schlicht darauf hinaus, meist unverstandene, deswegen geheimnisvoll wirkende Sitten und Gebräuche zu verspotten, um damit die Lacher auf seine Seite zu ziehen. In dieser Hinsicht zeichneten sich auch einige römische Dichter und Satiriker aus, denen allerdings antisemitische Motive fern gewesen sein dürften. Immerhin blieben diese „witzigen” Argumente, das Anspielen auf fremde, merkwürdig anmutende, meist kultische oder sonstige Vorschriften für den jüdischen Lebenswandel, insbesondere die Speisegesetze, ein fester Bestandteil des antisemitischen Arsenals. Soweit die Antisemiten jähriger Gymnasiast, der in einer SS-Uniform zu erscheinen pflegt. Die sieben Schüler sehen ihrer Aburteilung vor dem Jugendgericht entgegen. ★ ELF NEONAZISTISCHE GRUPPEN Nach einer Darstellung die das American Jewish Committee kürzlich in New York veröffentlichte, wurden von seinen Rechercheuren neonazistische Organisationen in elf Städten der USA festgestellt. Eine dieser Gruppen hat eine „Hinrichtungsliste” vorbereitet, auf der sich u. a. Präsident Eisenhower befindet. Nach der Meinung des American Jewish Committees handelt es sich in allen Fällen um kriminell veranlagte Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren, die in ihrem Treiben angeblich nicht von Erwachsenen gefördert werden. Das „Committee” beschloss, sich mit Berufspsychologen, Sozialfürsorgern, Jugendpflegern usw. zu beraten, um dem Unwesen zu steuern. Die Gegenaktion soll aufgrund eingehender Analysen dieser Sachverständigen „in erzieherischer Einflussnahme” bestehen. Ob diese Wege der Abwehr ausreiclien, steht auf einem anderen Blatt. die entsprechende Macht hierzu hatten, haben sie auch einen physischen Krieg gegen die Juden geführt. Der nazistische Ausrottungsfeldzug war nur in einem Umfang — wohl auch in der Zielsetzung — eine letzte Konsequenz. Man hat Juden immer dort togeschlagen, weil sie Juden sind, wo man es konnte, und wo es zweckmässig erschien. Die Judenverfolgungen durch die Kirche, durch die 'Landesherren oder die geduldeten Verfolgungen durch den Mob wandten sich gegen die physische Existenz. Es ist interessant, dass die Fürsten mitunter die Juden aus den gleichen antisemitischen Gründen schützten, aus denen andere sie tot geschlagen haben. Denn die „Kammerknechte” waren eine wichtige Geldeinnahme- Quelle, die man nicht einfach verlieren wollte, indem man gestattete, dass die Juden totgeschlagen werden. Hier begegnen wir aber einem interessanten „Klassen”-Kampf um den Juden, zwischen dem Fürsten und dem einfachen Mann, der wie sein Kaiser den Juden als Freiwild ansieht. Der Kaiser kann aber den Juden nur ausbeuten und seine „Judensteuer” einziehen, wenn der Jude lebt, der einfache Bürger oder Bauer kann sich aber nur dann bereichern, wenn der Jude tot ist. Man sieht, es besteht ein echter Konflikt um den Juden, der zwischen diesen un. st'.¡gen Kräften vegetiert oder stirbt, je nachdem, welche dieser Kräfte obsiegt. Durch Vorurteile, erziehungsbedingte Hassempfin- El Sionismo Estadounidense Londres. _ El sionismo estadounidense está "en una posición desastrosa” porque le falla la unidad, dijo la Sra. Rose Halperin, copresidenia de la confederación mundial de sionistas generales. 70 delegados de 28 países asisten a la convención. La Sra. Halperin defendió enérgicamente las tareas que la organización sionista todavía tiene por delante y expresó su enfático desacuerdo con algunas de las opiniones expresadas por el premier David Ben Gurion, porque a los judíos les faltan los ingredientes necesarios para apoyar a Israel en momentos de necesidad y sólo la organización sionista posee esos ingredientes.” El Dr. Israel Goldstein advirtió que una posible concecuencia del empeoramiento de las relaciones internacionales puede ser "la persepetiva de días más duros para los 3.000.000 de judíos en la URSS . Recor. dó a los delegados que ha sido una regla invariable en lo pasado que cuando la guerra fría se reavivaba, la vida dentro de Rusia generalmente era más oprimida y los judíos eran los primeros en sufrir. Subrayó que corresponde a las comunidades judías y a les organizaciones en el mundo mantener vivas las exigencias de igualdad de trato hacia la minoría judía, para el derecho de cultivar su religión y su heredad cultural y por el derecho fundamental de la migración. M. ASHER Zionistische Arbeit in USA London. — Der Zionismus in USA ist in einer “un. glücklichen Lage”, denn es fehlt die Einigkeit, so berichtete Rose Halperin, Kopräsidentin der Weltföderation der Allgemeinen Zionisten. Siebzig Delegierte aus 28 Ländern, nehmen an der Konvention teil. Frau Halperin verteidigte energisch die Aufgaben, welche die Zionistische Organisation noch vor sich hat, und erklärte entschieden, sie sei mit einigen der von Premierminister Ben Gurion ausgesprochenen Meinun. gen über das jüdische Volk nicht einverstanden, denn den Juden fehlten die nötigen Voraussetzungen, um. Israel in notwendigen Augenblicken zu unterstützen, und nur die Zionistische Organisation besitze diese Eigens-' aften.” Wr. Israel Goldstein führte aus, dass eine mögliche Folge der Verschlechterung der internationalen Beziehungen „die Aussicht auf härtere Tage für die 3 Millionen Juden in Russland” sein könne. Er erinnerte die Delegierten daran, dass es in der Vergangenheit unweigerlich die Regel war, dass bei einem Aufflackern des kalten Krieges das Leben in Russland im allgemeinen stärker unterdrückt wurde und die Juden die ersten Leidtragenden waren. Goldstein hob hervor, die jüdischen Gemeinden und Organisationen in der Welt müssten die Forderungen auf gleiche Behandlung der jüdischen Minderheit, das Recht zur Pflege ihrer Religion und ihres Kulturerbes, sowie das fundamentale Recht der Auswanderung lebendig erhalten. M. ASHER düngen, durch Standesdünkel und einen fehl geleiteten Patriotismus’ wird der Antisemitismus genährt. Da man mit einer weitgehenden Unwissenheit spekulieren darf, haben die antisemitischen Hetzer meistens ein leichtes Spiel. Deswegen sollten die verantwortlichen jüdischen Stellen immer, und nicht nur in Zeiten der Hochspannung oder der Gefahr, um eine Aufklärung der breiten Massen über jüdisches Leben und Schicksal bemüht sein. Gerade im Zusammenhang mit den Vorgängen um den Fall Eichmann wurde es wieder einmal recht deutlich, dass selbst wohlmeinende Nichtjuden — und gewiss auch, viele Juden — wenig über die jüngste Vergangenheit wussten. Mit allgemeinen Darstellungen und Ziffern allein ist die notwendige Information noch nicht gegeben. Ohne Zweifel muss man heute damit rechnen, dass eine neue antisemitische Welle über manche Länder dahinflutet. Der Fall Eichmann bietet hierzu nur einen äusseren Anlass. Erst vor wenigen Monaten haben wir den Hassausbruch der enttäuschten Antisemiten er. lebt, die eine grosse Schmierkampagne eröffneten, um ihre Existenz zu beweisen und -Ue eingetretene Beruhigung jäh zu unterbrechen. Damals gab es noch keinen Fall Eichmann. Der Kriegsverbrecher lebte unter fal. sehem Namen. Man wusste noch nicht, wo er sieh aufhillt. Aber cs gab sehr wohl eine antisemitische Aktion. Ob er daran beteiligt war, kann dahingestellt sein, weil es ohne Bedeutung ist. Dagegen hat man nach der Affaire Eichmann feststellen können, wohin die Spuren einer internationalen antise. mitischen Bande führen, die es versteht, sich hinter Bie. dermännern zu verstecken. Ahnungslose Menschen werden als Aushängeschilder be. nutzt, ohne zu vermuten, dass sie sich und ihren Namen für eine der schmutzig, sten Angelegenheiten hergeben, für die Wiederkehr nazistischer Quertreiber und Hetzer, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, Menschen gegen Menschen, (Schluss auf Seite 2) Prozess in Israel Rom. _ Eine Resolution zugunsten der Aburteilung Eichmanns in Israel wurde hier von dem Verein für italienischisraelische Freundschaft gefasst. Der Verein erklärte sich mit allen denen solidarisch, „die für die grössten rechtlichen Garantien und eine breite Oeffentliehkeit bei dem Prozess eintreten“. In der Resolution wird die Hoffnung zum Aus. druck gebracht, dass die von Argentinien gegen die Verletzung seiner Souveränität erhobenen Proteste, „durch ein freundschaftliches Ueberemkoinjnen zwischen beiden Ländern beigelegt werden können”. (ITA) n.,feig. _,

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