Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1793 (8.7.1960)
- Date
- 1960-07-08
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO Concesión 908 EL EJEMPLAR en toda la República Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 Isq. T. E. 83 . 2613 TARIFA REDUCIDA Concesión 167.9 Ano XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 8 DE JULIO DE 1960 No. 1793 Die ..muss Schande der Kriegsverbrecher tilgen Neue Erklärungen (Fortsetzung von Seite 1) nen dem jüdischen Volke angchörigen Menschen trägt, vor Gericht gestellt wird, und sie hegt die volle Gewissheit. dass die argentinische Regierung diesen historischen und moralischen Gesichtspunkten Rechnung tragen wird.” ■ ARGENTINISCH¬ ISRAELISCHE FREUNDSCHAFT Bei dieser Debatte im Sicherheitsrat wiederholte Israels Aussenminister die Entschuldigungen ihres Landes für die Uebeitretung der argentinischen Hoheitsrechte, die von irgendeinem israelischen Bürger begangen worden sei. Mit der dem argentinischen Delegierten gebührenden Achtung stellte sie dagegen fest, er irre, wenn er die illegalen Akte von Individuen, für die Israel sein Bedauern ausgesprochen habe, mit der nicht beabsichtigten Verletzung der Souveränität eines Mitgliedsstaates durch einen anderen verwechsele. „Wir verstehen, dass es über seine Souveränität wacht, aber wir achten es auch wegen seines Gerechtigkeitssinnes. Wir vGsSen ferner, dass Israel weder die Souveränität Argentiniens noch die irgendeines anderen Landes bedrohen wird. Und wegen des Sinnes für Gerechtigkeit. den wir mit Argentinien teilen, sagen wir in wahrer Freundschaft, dass dies keine Frage ist, die uns in Zukunft trennen sollte.” ■ REDE DES USA¬ DELEGIERTEN Hierauf wird festgestellt, dass der USA-Delegierte Cabot Lodge in seiner Rede vor dem Sicherheitsrat vom 22. Juni drei Gesichtspunkte seiner Regierung geltend machte. Erstens dürfte keine Aeusserung seiner Regierung zur Trübung der bisher guten Beziehungen zwischen Argentinien und Israel beitragen, noch eine gerechte Regelung dieser Frage ersc-iweren. Zweitens müssten kn Interesse des Friedens und der guten Ordnung zwischen den Völkern in derartigen Fällen die internationalen Praktiken befolgt werden, und drittens dürfe man die ganze Frage MacMillan rät zu Konzessionen London. — Hach bisher noch nicht offiziell bestätigten Mitteilungen soll MacMillan im Laufe seiner Unterredungen mit dem Präsidenten Argentiniens Dr. Frondizi geäussert haben, dass Argentinien in dieser Angelegenheit Israel gegenüber aus verschiedenen Gründen Konzessionen machen müsse. nicht getrennt von den monstruösen Taten betrachten, die Eichmann zur Last gelegt weiden. Eichrrumn ist der systematischen Ausrottung von rund sechs Millionen Menschen angeklagt, deren einziges Verbr :chen es nach den Gesetzen der Nazis war, Juden zu sein. Ein solch abschreckendes Verbrechen hat selbst unser an entsetzlichen Tragödien und Brutalitäten ohne Ende gewohntes Jahrhundert noch nie gesehen, so stellte Cabot Lodge fest. Aus diesem Grunde müsse man die Gefühle der Regierung Israels verstehen, dessen Bürger Söhne, Brüder, Schwestern und Eltern der in Europa Ermordeten sind. ■ DAS URTEIL DER GANZEN WELT „Die ganze Welt verurteilt diese Verbrechen”, fuhr der USA-Delegierte fort, „und die Völker aller Länder wünschen, dass Eichmann für die Verbrechen, die er verübt hat, gerichtet wird.” Cabot Lodge gab abschliessend seiner Zuversicht Ausdruck. dass die traditionell freundschaftlichen Beziehungen zwischen Argentinien und Israel fortgesetzt würden. '• ■ DER STANDPUNKT ENGLANDS Der Repräsentant Grossbritanniens, Sir Pearson Dixon, unterstrich in seiner Rede vor dem Sicherheitsrat zwei Punkte, die sich Israel von ganzem Herzen zu eigen macht. Er stellte fest, dass der Abtransport von einer Person oder Personen aus dem Gebiet eines Staates in das eines anderen ganz klar ein illegaler Akt ist, den die internationale Völkergemeinschaft verurteilen müsse. Doch gebe es ein Prinzip, dem Israel verständlicherweise grosses Gewicht beimisst. Dieses Prinzip sei zweifellos ein ganz anderes, aber doch für die Völkergemeinschaft von Bedeutung. Es handele sich darum, dass diejenigen, die so entsetzlicher Untaten angeklagt werden und fast unfassbare Verbrechen gegen eine solch ungeheure Anzahl von unschuldigen Menschen begangen haben, auf irgendeine Weise abgeurteilt wer. den ■ üssen. „Es wäre daher falsch”, fuhr Sir Pearson Dixon fort, „wenn der Sicherheitsrat die Macht der Gefühle, der Juden in aller Well in diesem Falle unterschätzen würde. Eichmann wurde im Nürnberger Prozess als Chef der. jenigen Abteilung der Gestapo genannt, der die Durchführung der Ausrottung der unter der Naziherrschaft lebenden Juden oblag. Diese furchtbaren Verfolgungen können nach so wenigen Jahren nicht vergessen sein.” Hierauf gab auch der britische Delegierte der Hoffnung auf Fortsetzung der freundschaftlichen Beziehun. gen zwischen beiden Län dern Ausdruck, da cs sehr zu bedauern sein würde, wenn eine Meinungsverschiedenheit über die Führung des Falles Eichmann den Anlass zu einer Entfremdung geben sollte. ■ DIE „ANGEMESSENE WIEDERGUTMACHUNG" Im Laufe ihrer Rede vor dem Sicherheitsrat hat Israels Aussenminister, Frau Golda Meir, den Standpunkt ihrer Regierung zu der Frage einer „angemessenen Wiedergutmachung” klargelegt, als sie erklärte, dass „die Entschuldigungen, die wir der argentinischen Regierung direkt ausgesprochen haben und die ich heute hier wiederholt habe, die angemessene Wiedergutmachung darstellen.” Die Regierung Israels verweist darauf, dass drei der acht Mitglieder des Sicherheitsrates, die für die Resolution stimmten,.* <jies öejfgrund einer klaren Annahme taten. Aus den Worten des USA-Delegierten sei hervorgegangen, dass seine Delegation für die Resolution stimme, weil sie das von der Regierung Israels direkt und nochmals vor den Ratsmitgliedern ausgesprochene Bedauern als „angemessene Wiedergutmachung” betrachte und daher den Fall für abgeschlossen ansehe. Sie glaube deshalb, dass nach der Annahme der Resolution, die angemessene Wiedergutmachung geleistet und somit der Fall abgeschlossen sei, so dass die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern wieder aufgenommen werden könnten. Ferner habe der englische Delegierte betont, der Delegierte der USA habe auf die ungeheure Befriedigung verwiesen, die Argentinien durch Annahme der Resolution im Sicherheitsrat zuteil werden würde. Auch sei die Entschuldigung Israels für die Uebertretung der argentinischen Hoheitsrechte in die Akten aufgenommen worden. Daher teilte die Delegation Grossbritanniens die Ansicht, dass diese Genugtuung vernünftigerweise als die angemessene Entschädigung betrachtet und dem Zwischenfall ein Ende gesetzt werden könne, welcher keine Gefahr für die bisher freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden interessierten Ländern berge. Schliesslich habe der Delegierte Frankreichs unterstrichen, sein Land sei der Ansicht, dass die Regierung Argentiniens im Laufe dieser Debatte di_ Genugtuung erhalten habe, die sie erwarten konnte. „In dom Umfang, in dem der uns jetzt vorliegende, verbesserte Text des Beschlusses als Ausdruck einer endgültigen Lösung und als ein Symbol der wieder hergestellten Harmonif zwischen den beiden Landern zur Annahme gelangen sollte, wird meine Delegation für diesen Text stimmen”, waren die Worte des französischen Delegierten. Kein Mitglied des Sicherheitsrates hat dieser Interpretation widersprochen. ■ ABSCHLIESSENDE FESTSTELLUNGEN Aus diesen Gründen wünscht die Regierung Israels die folgende Erklärung ihres Aussenministers bei Beendigung der Debatte im Sicherheitsrat zu wiederholen: „Wir sind tief bewegt von dem einstimmigen Ausdruck des Abscheus und der Verurteilung, die die Mitglieder des Sicherheitsrates für die Verbrechen ohnegleichen bekundet haben, die das Hitlerregime und im besonderen Eichmann begangen hat. Seit Israel ein Staat wurde, ist es unser Bestreben, in Gemeinschaft und Freundschaft mit allen Völkern zu leben, und ich möchte nochmals unseren Anschluss an das Prinzip be- | kräftigen, dass die Beziehungen zwischen den Nationen sich auf die gegenseitige Achtung vor der staatlichen Souveränität, der politischen Gleichheit und Unabhängigkeit und territorialen Integrität stützen müssen. — „Uns sind die traditionellen Bande mit der Republik Argentinien sehr teuer. Die Mitglieder des Sicherheitsrates haben der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass diese Freundschaft gewahrt bleiben möge. Ich kann dem Sicherheitsrat versichern, dass dies auch der aufrichtige Wunsch meiner Regierung und meines Volkes ist. „Die Regierung Israels hegt die Zuversicht, dass die argentinische Regierung im Geiste gegenseitiger Achtung und Harmonie, die stets unsere Beziehungen getragen haben, den gleichen Wunsch wie wir zur Fortsetzung dieser glücklichen Beziehungen nährt.” ■ BEMUEHUNGEN UM LOESUNG Jerusalem. — Hier ist man bemüht, einen Weg der Annäherung an den argentinischen Standpunkt und zur Wiederaufnahme der freundschaftlichen Beziehungen zu finden, die zwölf Jahre hindurch mit Argentinien bestanden haben. Man zieht die Entsendung einer Per. sönlich hohen Ranges in Betracht, deren Aufgabe es sein würde, die Härten auszugleichen, die dadurch verursacht worden sind, dass Israel die Verletzung der argentmischen Souveränität zugeg-ben hat. Inzwischen ist die Regierung Israels von der Regierung Argentiniens verständigt worden, dass der argentinische Botschafter, Dr. Rodolfo Garcia Arias, der im vergangenen Monat zur Berichterstattung über den Fall Eichmann nach Buenos Airev berufen wurde, rieht wieder auf seinen Posten zurück kehren wird. Seine Familie, die in Israel geblieben war, ist nunmehr aus Tel Aviv abgereist. ■ NEUE ERKLAERUNGEN Dr. FRONDIZIS London. — Dr. Arturo Frondizi wiederholte hier neuerlich seine Forderung auf Rückgabe des Naziverbrechers Adolf Eichmann an Argentinien. Er kündigte an, Argentiniens Botschafter Rodolfo Garcia Arias werde nicht auf seinen Posten in Israel zurückkehren, „bis Israel nicht eine weitgehende Wiedergutmachung” für die die Verletzung der argentinischen Souveränität geleistet habe. Präsident Frondizi machte die Mitteilung über die Aufrechterhaltung von Argentiniens Verlangen nach Rückstellung Eichmanus in Beantwortung von Fragen, die die Journalisten in einer Pressekonferenz an ihn stellten. Seiner Erklärung, dass sein Land bei seiner Forderung auf Rückgabe Eichmanns verharre, fügte er hinzu: „Sollte Israel unserem Verlangen nicht stattgeben, so werden wir weitgehende Entschädigungen fordern.” Ueber di« Art dieser Entschädigungen wollte Dr. Frondizi sich nicht äussern. Er bemerkte dass gegenwärtig Unterhaltungen zwischen beiden Regierungen über diese Frage stattfinden. sehen Behörden die Möglichkeit einer Vermittlung der Westmächte in dem noch nicht beigelegten Streit um Eichmann, weil die Einstellung Argentiniens, das dio für die Festnahme des Judenhenkers auf argentinischem Territorium vorge. brachten Ausdrücke des Be. dauerns nicht akzeptieren will, anscheinend negativ ist und noch immer eine „angemessene Wiedergutmachung” verlangt wird. Argentinien hat nicht öffentlich erklärt, was es als „angemessene Wiedergutmachung” erachtet. Diese Gewährsleute äussern, das Ersuchen um eine westliche Vermittlung sei einer der beiden Wege, um zu einer gütlichen Beilegung des Konfliktes zu gelangen. Sollte Argentinien die argen-: tinische Note anr.ehmen, in der nochmals festgestellt wird, dass Israel seine Argentinien ausgesprochenen Entschuldigungen als „angemessene Wiedergutmachung” betrachtet, so beabsichtigt die Regierung Israels als weitere Geste ihres guten Willens Aussenminister Golda Meir nach Buenos Aires zu entsenden. Sollte Argentinien auf seinem negativen Standpunkt beharren, so ist die Anrufung der Westmächte aus dem Grunde geplant, weil die westlichen Delegier, ten bei der Debatte über die argentinische Beschv, erde im Sicherheitsrat deutlich erklärt haben, dass sie die öffentliche Entschuldigung Israels als „angemessene Wiedergutmachung” ansehen. In diesem Sinne sollen die westlichen Regierungen ersucht werden, ais Vermitt- Später äusserte Dr. Frondizi nur, Garcia Arias werde nicht auf seinen Posten zurückkehren, bis man keine „volle Genugtuung” von Is- 1 rael erhalten habe. Auf die Frage, ob seine Regierung den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Israel in Betracht ziehe, falls die mit Israel geführten, augenblicklichen Verhandlungen zu keinem Ergebnis führen sollten, antwortete er: „Dies hängt vom Resultat der Besprechungen ab.” Dr. Frondizi versicherte den Journalisten, Argentinien sei bereit, die Verbrecher auszuliefern, wenn das entsprechende Auslieferungsbegehren gestellt werden sollte. Er enthüllte, dass die argentinische Polizei eine Liste der Kriegverbrecher, die in Argentinien leben, aufgesteltl hat, aber, so fügte er hinzu, „ein jedes Begehren djuf Auslieferung wird ind&JIduell behandelt werden.” ■ DER WESTEN SOLL VERMITTELN Jerusalem. — Wie aus unterrichteten Quellen verlautet. erwägen die israeli- Inzwischen sprach Israel der Sowjetunion und Polen seinen Dank für ihre Erklärungen im Sicherheitsrat aus, in denen sie die Posi. tion Israels über die Bestrafung der flüchtigen Nazis unterstützten. ■ VORSCHLAG BRASILIENS Rio de Janeiro. — Aussenminister Horacio Lafer schlug die Bildung einer „internationalen juristischen Formel” vor, die Länder daran hindern würde, Kriegs. Verbrecher zu decke.i. In ei. ner Pressekonferenz erklärte Lafer, der Fall Eichmann habe die Notwendigkeit einer solchen Formel erwiesen. denn die Kriegsverbreeher seien „wirklich ein Unglück für die menschliche Rasse.” Eine ähnliche gesetzliche Lösung wurde im Parlament' von dem Deputierten Sergio. Magalhaes yorgeschlagen, der feststellte, die staatliche Souveränität dürfe „nicht als Vorwand gebraucht wer-, den, um Kriegsverbrecher zu schützen.” jstro de la Propiedad Intelectual N* 624 070 091449