Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1792 (5.7.1960)
- Date
- 1960-07-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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--*rr,-y- OS; PUEYRREDON J 2190 — 1’ isq. üft JfenUlHjCijbAjGi&liiCL Año XXI. BUENOS AIRES. MARTES 5 DE JULIO DE 1960 T. E. 8 3-3613 mmtmmm No. 1792 NEUE GERÜCHTE OM EICKMANM Das argentinische Aussen ministerium gab eine Information über den Fall Eichmann bekannt, in der sie das Verlangen bestätigt, das die Regierung Argentiniens in der Note vom 8. Juni ausgesprochen hat. Darin wurde festgestellt, dass unter „angemessene Wiedergutmachung'’ die Rückgabe Eichmanns zu verstehen sei. Wie erinnerlich protestierte die argentinische Regierung nach Bekanntgabe der Einzelheiten über die Festnahme des SS-Obersturmbannführers und seiner Ueberführung nach Israel formell vor der Regierung Israels und kündigte ihren Entschluss an, die Angelegenheit dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu unterbreiten, wenn die israelische Regierung der argentinischen nicht in einer festgesetzten Frist eine genügende Genugtuung leisten sollte. Da diese Genugtuung nicht gegeben wurde, brachte Argentinien die Frage vor den Eine Erklärung Dr. Frondizis Den Haag. — Der Präsident Argentiniens, Dr. Arturo Frondizi, kündigte hier an, dass die Unterhandlungen zwischen Argentinien und Israel begonnen haben, um die argentinische Forderung nach „angemessener Wiedergutmachung“ für die Festnahme des ehemaligen SS-Obersturmbannfiihrers Adolf Eichmann in Buenos Aires, dem die Ausrottung von sechs Millionen Juden zur Last gelegt wird, endgültig zu befriedigen. Argentiniens Präsident enthüllte, dass die Unterhaltungen während seines Aufenthalts in Holland Fortschritte machten. (ITA) Sicherheitsrat der UN, der einstimmig, mit nur zwei Stimmenthaltungen beschloss, Israel müsse Argentinien eine „angemessene Wiedergutmachung” leisten. Die argentinische Regierung stellt sich jetzt auf den Standpunkt, dass die angemessene Wiedergutmachung einzig und allein erfüllt ist, „wenn Eichmann an Argentinien zurückgegeben und die an seiner Entführung Schuldigen bestraft werden, da ihr Vorgehen eine Verletzung der argentinischen Souveränität darstellte.'’ ■ DER OFFIZIELLE TEXT „Einige bonaerenser und ausländische Presseorgane haben sich mit der Haltung beschäftigt, welche Argentinien im Fall Eichmann zu der Interpretation einnimmt, die dem Ausdruck „angemessene Wiedergutmachung” zu geben sei, der in dem kürzlichen Beschluss des Sicher- WIE ICH ES SEHE Die Zeit nicht verstehen ton JEHUDA GOTTHEIMER Wir sind gewohnt, von „Weltgeschichte“ zu sprechen. Wie kurz ist jedoch die Zeit, über die wir sichere Informationen besitzen. Etwa fünf Jahrtausende werden vor. den Forschern überblickt, ohne dass man behaupten könnte, dass die Entwicklung und die inneren Zusammenhänge des Geschehens in den verschiedenen Ländern und Kontinenten unserer Erde wirklich klar erkannt worden seien. Grosse Kulturen, mächtige Imperien und blühende Handelszentren sind verschwunden, ohne noch sichtbare Spuren hinterlarsen zu haben. Gelegentliche Funde bei Ausgrabungen lassen vermuten, da-S es „in grauer Vorzeit” wohl Menschen und Stämme gegeben haben muss, die Staunenswertes schufen, bevor die uns bekannten Völker die MittelmeerL.nder beherrscht haben. Wie begrenzt unser Wissen tim die Entwicklung der Menschheit ist, beweist der ■wissenschaftliche Streit über die Frage sdes Unterganges von Atlantis, der gewiss ein, die damalige Welt erschütterndes Ereignis gewesen sein muss. Von den einen in das Gebiet der Fabel verwiesen, von den anderen als eine feststehende Tatsache behaupten, bleibt als einzige historische Quelle für die Existenz der in den Fluten verschwundenen Insel die Darstellung, die uns Platon in seinen Dialogen „Timaios" wnd ..Kritias” hinterlasscn hai. Der grosse griechische Philosoph gibt auch die Quellen an, aus denen er seine Kenntnisse über die Vorgänge bezieht, die etwa zehntausend Jahre vor seiner Zeit gelegen haben. Seine Schilderungen enthalten manche interessanten Einzelheiten, die darauf schliessen lassen, dass auch die Menschen damals schon eine hochentwickelte Kultur besessen haben, die in mancher Hinsicht der unsrigen überlegen gewesen sein mag. Das alles ist sicherlich sehr interessant, soll hier aber nicht weiter erörtert werden; in diesem Zusammenhang kann es nur darauf ankommen, die mangelnden historischen Kenntnisse über die vergangenen Zeiten hervorzuheben, um uns zur Nachdenklichkeit zu veranlassen. Hat doch bereits Platons Zeitgenosse Aristoteles die Darstellungen in das Reich der Sage verwiesen, die Platon über Atlantis gegeben hat. Seit dieser Kontroverse zwischen den beiden bedeutendsten griechischen Philosophen ist die Wissenschaft nicht viel weiter gekommen, obwohl der Streit um Atlantis niemals aufgehört hat. In den wenig mehr als zweitausend Jahrin, die uns von Platon und Aristoteles trennen, konnte man trotz allen wissenschaftlichen und technischen. Fortschritten nichts Genaues darüber feststellen, ob es einen versunkenen Kontinent oder eine versunkene Grossinsel Atlantis jemals gegeben hat. Dass gewaltige Naturkatastrophen von Zeit zu Zeit :dio Erde heimsuehen und ihr geographisches Bild verändern, wird heute nicht mehr angezweifelt. Wir selbst haben gerade jetzt ein Vorspiel hierzu erlebt und die Macht der entfesselten Urgewalten beobachten können, die erloschene Vul kane zu neuer Tätigkeit brachte, die Erde erbeben liess und Sturmfluten aufpeitsehte, deren vernichtende Folgen von den Menschen schweigend und hilflos getragen werden müssen. Wenn wir nun die uns erreichbare und bekannte „Welt” - Geschichte betrachten und nach einem Gesetz suchen, das die Entwicklungen von Ländern und Natiotionen lenkt, so werden wir ganz allgemein eine stete Bewegung, ein ständiges Auf und Ab, beobachten können. Blühende Reiche sind zusammengebrochen, neue Völker sind aufgetreten, deren Herkunft und Entstehung gleichermassen zu den Rätseln unseres Lebens gehören. Wir brauchen nur an die Zeiten der Völkerwanderung zu denken, in denen — nur den Wellen des Meeres vergleichbar — Volksstamm nach Volksstamm auftrat und über die Bühne der Weltgeschichte hinwegschlug. Die meisten dieser Völkerschaften verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren, nachdem sie wie Kometen am Himmelszelt aufgetaucht waren. Aber sie alle, die in ihrem zufälligen oder gewollten Zusammenwirken das Phänomen cter Völkerwanderung gebildet haben, hinlerliessen ihre Spuren in der Geschichte heitsrates der UN enthalten ist. Das Aussenministerium erachtet es für notwendig zu erklären, dass die Position der argentinischen Re. gierung schon in der Note vom 8. Juni an die Botschaft Israels festgelegt wurde, in der die israelischen Behörden aufgefordert worden sind, Adolf Eichmann an Argentinien zurückzugeben, um seine Auslieferung durch die im internationalen Gesetz berücksichtigten Wege zu verlangen. Hierzu wiederholt die Regierung Argentiniens, dass die in der erwähnten Note umrissene Position unverändert bleibt.” Dessenungeachtet hat der stellvertretende Aussenminister Dr. Mac Kay nach Bekanntwerden der Resolution des Sicherheitsrats zu gegebener Zeit die Botschaft Israels ersucht, sich offiz-iell hierüber zu äussern, um die Haltung kennenzulernen, die seine Regierung hierzu einnimmt.” ■ ARGENTINIENS NOTE VOM 8. JUNI In ihrer Note vom 8. Juni yertrat die argentinische Regierung den Standpunkt, dass die Festnahme des ehemaligen SS-Obersturmbannfiihrers durch angebliche jüdische Freiwillige und sein darauffolgender Abtransport nach Israel, welche Tatsachen sind, die von der Regierung Israels ausdrücklich gebilligt wurden, als sie sich öffentlich mit den Urhebern solidarisch erklärte und diese beglückwünschte, Akte der Verletzung der argentinischen Souveränität darstellen. „Aus diesem Grunde”. so heisst es in der Note, erwartet die argentinische Regierung, von der Regierung Israels, der sie ih. ren höchst formellen Protest wegen der in Schädigung eines der fundamentalsten Perspectivas de la Minéría Jerusalem. — "La misión del Banco Mundial que visitó últimamente Israel para reunir información sobre la solicitud israelí de un gran préstamo, llegó a conclusiones positivas con respecto a las perspectivas de inversión en los yacimientos mineros del Negutv y a su explotación económica." Así lo manifestó el ministro de desarrollo, señor Bentov. El ministro agregó que existen grandes planes para la explotación de la minería israelí y que dentro de cuatro años la producción de potasio, bromo, sal, cobre, fosfatos, etc. llegará a un valor anual de 130—135 millones de libras isralies, í)0 millones más que en la actualidad. Dijo el señor Bentov que estos productos tienen un gran mercado, especialmente en los países de Asia y Africa, con sus millones de agricultores y sus grandes necesidades de fertilizantes. SCHLOMO S. TANGER Die Aussichten des Bergbaus Jerusalem. — „Die Mission der Weltbank, die kürzlich Israel besuchte, um Informationen über das israelische Ersuchen um eine grosse Anleihe zu sammeln, ist zu positiven Schlüssen über die Aussichten einer Investition in die Bergbauanlagen des Negew und ihrer wirtschaftlichen Ausbeute gelangt.” Dies erklärte Entwicklungsminister Bentow. Der Minister fügte hinzu, dass umfangreiche Pläne für die Ausbeute der israelischen Bergwerke bestehen und innerhalb von vier Jahren die Produktion von Pottasche, Brom, Salz, Kupfer, Phosphaten, etc. auf einen jährlichen Wert von 130 bis 135 Millionen 1L, d. s. 90 Millionen mehr als heute kommen dürfte. Bentow bemerkte, dass diese Erzeugnisse einen grossen Markt haben, besonders in den Ländern Asiens und Afrikas mit ihren Millionen von Land wirten und ihren grossen Bedürfnisse nach Dünge mittein. SCHLOMO S. TANGER Rechte des argentinischen Staates verübten Tat ausspricht, dasssie die angemessene Wiedergutmachung für diesen Akt verfügt, die nichts anderes sein kann als die Rückstellung Eichmanns im Lauf dieser Woche (die Frist lief am 12. Juni ab), sowie gleichermassen die Bestrafung jener, die sich dieser Verletzung argentinischen Territoriums schuldig gemacht haben.” Am Schluss hiess es, dass „nach erfolgter Rückstellung der israelischen Regierung der Weg offen stehe, die Auslieferung durch die im internationalen Gesetz berücksichtigten Mittel zu verlangen.”. ■ Dr. GARCIA ARIAS VERSETZT Im Aussen- Ministerium wurde bekanntgegeben, dass der argentinische Botschafter in Israel, Dr. Garcia Arias, der seit einigen Tagen in Buenos Aires weilt, in das Aussenministerium versetzt wurde und in Tel Aviv an der Spitze der argentinischen Botschaft Botschaftseinfach dadurch, dass sie durch ihr Erscheinen die bestehende Ordnung stürzten und damit am Ende einer Epoche und am Neubeginn weiterer Planung standen. So können wir Zeiten relativer Ruhe und einer friedlichen Entfaltung der kulturellen wie zivilisatorischen Kräfte von jenen aufgeregten Epochen unterscheiden, in denen eine „Welt”, eine bestehende Gesellschaftsordnung oder ein politisches Macht - System, zusammenbrach, um durch neue Formen und Inhalte, durch neue Menschen und Völker, durch neue Staaten und Imperien ersetzt zu werden. Dann sprechen wir von Revolutionen und Umwälzungen, die sich nicht immer und unbedingt in Kriegen oder blutigen Auseinandersetzungen zu äussern brauchen. Derartige geistige Revolutionen standen stets an der Zeitenwende. Wir beobachteten sie bei der Durchdringung der griechisch . römischen Kulturwelt mit den Gedanken des Urchristentums, wo wir einen Prozess vor uns haben, der zugleich von der tiefen Sehnsucht einer enttäuschten Menschheit auf Erlösung Zeugnis ablegt. Es wäre jedoch falsch, diese Entwicklung für sich isoliert zu betrachten. Denn erst durch andere Ereignisse, wenn man will durch die Vorläufer dieser oder ähnlicher Vorstellungen, mussten die Menschen für die Aufnahme der urchristlichen Auffassungen vorbereitet werden. (Nur nebenbei sei bemerkt, dass der Begriff „Urchristentum” sich weitgehend mit dem Begriff dgjk—flamaligen Judentums deckt). — Derartige Wegbereiter für die innere Aufnahmefähigkeit derMencshen im römischen Imperium waren die Gracchen, die eine gerechtere Sozialordnung einführten, und war Spartacus, ein politischer Idealist, der mit der Geissei der Sklaverei aufräumen wollte. Die Zeit war also allmählich reif geworden, um den ge. waltigen Umbruch zu vollziehen, den die Historiker im Bemühen um die Verein. (Schluss auf Seite 2) rat Dr. Eduardo Colombo verblieben ist. DER SPRINGENDE PUNKT ,DN. — Nachdem der Sicherheitsrat über die argen, tinische Beschwerde gegen Israel wegen Verletzung der Souveränität durch die Festnahme Adolf Eichmanns in Buenos Aires eine Resolution gefasst hat, liegt es nunmehr in Händen der beiden Regierungen, zu einem Uebereinkommen über die Form der „angemessenen Wiedergutmachung“ zu gelangen, die Israel an Argentinien zu leisten hat. Dies erklärte Generalsekretär Dag Hammarskjöld. „Die Resolution wurde von dem argentinischen Delegierten unterbreitet“, führte Dr Hammarskjöld aus. „Daher ist sein Wort bei der Inter* pretation massgebend. Meine eigene Interpretation be. zog sich nur auf den gesetzlichen Aspekt, denn wenn eine Frage in einer Form gelöst wird, welche zweideutig bleibt, so müssen beide Teile die Antwort in dem Sinne ausarbeiten der durcl ihren Wunsch, freundsehaft« liehe Beziehungen aufrecht zu erhalten, angezeigt ist. Das soll heissen, dass sie über den Fall verhandeln und zu einem Einverständnis über das gelangen müssen, was die eine Partei als .angemessene Wiedergutmachung* betrachtet und die andere als vernünftig zu gewähren ansieht.“ ■ ANTWORT AUF NEUE NOTE Jerusalem. — Ministerpräsident Ben Gurion und Mit. glieder des Kabinetts haben über die Antwort beraten, die sie auf die jetzt in Jerusalem eingetroffene neue argentinische Note geben wer. den, durch die die israelische Regierung aufgefordert wird, sich dazu zu äussern, was sie als „angemessene Wiedergutmachung“ für die Verletzung der argentinischen Hoheitsrechte durch die Festnahme Adolf Eichmanns anzubieten gedenkt. Die Note die dem argentinischen Botschafter, Dr. Arie Levavi. in Buenos Ai- 1 •Fortsetzung aut Seite 8) VJ