Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1791 (1.7.1960)
- Date
- 1960-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE moum PUEYRREDON 1190 — 1» i«q. Año XXI. fc Jewucata JsA&elUcL BUENOS AIRES. VIERNES 1? DE JULIO DE 1960 r. E. 83.2613 No. 1791 Die Diplomaten haben das Wort Inmigrantes de Sudamérica o Tel Aviv. _ La Sociedad Sudamericana para la colonización agrícola e induslrial elaboró un programa para el establecimiento de 150 familias de inmigrantes pertenecientes a la clase media de procedencia sudamericana. Tal programa se llevará a cabo en colaboración con la sociedad RASSCO y el Departamento Económico de la Agencia Judía. En Nir Tzwi. cercano a Ramie, se harán las disposiciones necesarias para la absorción de 150 familias de inmigrantes pertenecientes a la clase media sudamericana. Se ampliará la fábrica de textil existente y se erigirá una nueva. Ambos establecimientos constituirán las fuentes de trabajo de los nuevos habilen/- tes. En Omer, cercano de Beer Sheva, se fundará la primera aldea agrícola para la clase media en el neguev. Los colonizadores invertirán unas S.00C IL y el resto de los fondos les será concedido en concepto do préstamos. Los mismos recibirán vivienda y una parcela de tierra. 3CHLOMO S. TANGER Einwanderer aus Südamerika Tel Aviv. — Die südamerikanische Gesellschaft für landwirtschaftliche und industrielle Kolonisation hat ein Programm für die Ansiedlung von 150 Einwandererfamilien ausg-earbeitet, die der Mittelklasse aus Südameriko angehören. Dieses Programm wird in Zusammenarbeit mit der RASSCO und der Wirtschaftsabteilung der Jewish Agency durchgeführt werden. In Nir Zwi in der Nähe von Ramie sollen die notwendigen Vorbereitungen für die Absorption von 150 Einwandererfamilien aus der südamerikanischen Mittelklasse getroffen werden. Die bestehende Textilfabrik soll vergrössert uhd eine neue errichtet werden. Beide Unternehmen werder die Arbeitsquellen für die neuen Einwohner darstellen. In Omer bei Beer Schewa wird das erste Agrardorf für die Mittelklasse im Negew gegründet werden. Die Kolonisten werden rund 5.000 IL investieren, und der Rest der Fonds wird ihnen als Darlehen gewährt werden. Die Einwanderer werden Wohnung und eine Parzelle Boden erhalten. SCHLOMO S. TANGER Bonn. — Der Generalstaatsanwalt wird voraussichtlich einen Delegierten nach Israel entsenden, um den einzelnen Verhören beiluwohnen, denen die israelische Polizei den Massenmörder Adolf Eichmann unterzieht, wie die ITA in Erfahrung bringen konnte. Falls die israelischen Behörden damit einverstanden sind, wird dieser Delegierte sich persönlich am Verhör beteiligen. Er hoffe, so erklärte der Generalstaatsanwalt, dass er durch Eichmanns Aussagen belastendes Beweismaterial gegen Wilhelm Koppe erhalten werde, der kürzlich wegen Mittäterschaft an Massenverbrechen im Jahre 1943 in Chelmo in Polen verhaftet wurde. ■ ERKLAERUNG IM BUNDESTAG Bonn. — Die Auslieferung Von Nazis, die nach Argenti- Die breite Oeffentlichkeit vergisst schnell. Neue aufregende Ereignisse, neue Sensationen und Katastrophen lenken die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich, das sich dessen garnicht recht bewusst wird, dass es auf schwankendem Boden seine Feste feiert und sich ein wenig leichtfertig der Hoffnung hin gibt, man werde die drohenden Gefahren schliesslich doch vermeiden. Seit vielen Jahrzehnten sind die Völker nicht zur Ruhe gekommen, sodass die stete Ungewissheit unserer Existenz allmählich zu einem Dauerzustand geworden ist, an den sich die Mehrheit gewöhnt hat. Es ist ein Leben voller Hochspannungen und Abwechslungen, das wir fühnien geflüchtet sind, wird eines der Themen bilden, welche mit dem Präsidenten Ar. gentiniens, Dr. Arturo Frondizi, während seines jetzigen Besuches in Deutschland zur Sprache gelungen werden. Dies enthüllte Bundes-Justizminister Dr. Fritz Schäffer in seiner Rede im Bundestag, wo er eine Interpellation der sozialdemokratischen Opposition beantwortete. Dr. Schaffer versicherte, die Bundesrepublik werde unverzüglich die Ausliefe, rung des Naziverbrechers Eichmann beantragen, falls Israel ihn an Argentinien zurückgeben sollte. Er betonte, die argentinischen Behörden hätten ein Begehren auf Auslieferung eines Naziverbrechers abgelehnt, und in anderen Fällen seien die Nazis in Argentinien nicht auffindbar gewesen, weil sie in ein anderes Land geflohen seien, bevor die argenren; Zeugen des dramatischen Ablaufs eines wechselvollen Kampfes zwischen rivalisierenden Partnern und streitenden Gegnern bleibt das Interesse in diesem ständigen Auf und Ab des internaionalen Ringens nicht immer das gleiche. Man wartet auf die nächste Sensation... Mit welchen Hoffnungen blickten in diesem wogenden Meer des Geschehens alle gutwilligen und friedliebenden Menschen und Völker auf die so schmählich und schändlich gescheiterte Gipfelkonferenz in Paris, die uns neue Perspektiven für eine vernünftige Koexistenz oder gar für einen sicheren Frieden eröffnen sollte, auf den wir vergeblich seit langem warten. Der Zusammenprall der Blöcke, tinische Regierung einen Beschluss gefasst habe. ■ BEWEISMATERIAL Jerusalem. — Die Archiv- Abteilung in Tel Aviv stellte den mit der Voruntersuchung für den Eichmann- Prozess beauftragten Beamten eine Reihe von Mikrofilmen zur Verfügung, die über Eichmanns Verbrechen in den verschiedenen europäischen 'Ländern während des Krieges Aufschluss geben, wie der israelische Rundfunk mitteilte. Die gleiche Abteilung, so fügte der Rundfunksprecher hinzu, wird der Untersuchungsbehörde wichtige Dokumente über den ehemaligen SS-Obersturmbannführer übergeben, die aus dem Aussenministerium des Dritten Reiches stammen. ■ TODESSTRAFE FUER NAZIVERBRECHER Wien. — Das polnische Gericht von Przemysl hat der unmittelbar bevorzustehen schien, war noch einmal verhindert worden, als die führenden Staatsmänner der gespaltenen Welt unserer Gegenwart den Ton ihrer Reden und den Tenor ihrer Absichten änderten. Schon setzte ein Debattieren darüber ein, wem die Friedenspalme gehören sollte, die ihre ersten Blätter zu entfalten suchte, als Nixon nach Russland und Polen fuhr, als McMillans versöhnliche Politik für kurze Augenblikke sich durchsetzte und Nikita Krutschew zahlreiche Freundschafts . Bezeugungen mit Eisenhower in den USA austauschte. Alles war für einen neuen Kurs vorbereitet, der auf der Pariser Gipfelkonferenz zu greifbaren Resultaten führen sollte. Es kam anders. Ein amerikanischer Flieger wurde über russischem Gebiet abgeschossen. Eine neue Sensation stürzte sich über die völlig unvorbereitete Menschheit, als man aus diesem Flieger einen der grossen Spionageiälle nachte, die nur deswegen so bedeutsam sind, weil die Partner oder einer von ihnen einen Vorfall für seine politischen Zweck0 geschickt benutzen könnte. Diese Chance sah der russische Diktator gekommen, um vor der Welt in dramatischen und pathetischen Deklarationen auf die Schuld Amerikas zu verweisen, das allein die Verantwortung dafür tragen solle, wenn die bestehenden Spannungen trotz des guten sowjetischen Willens nicht entlastet werden können. Sicherlich haben die führenden amerikanischen Staatsmänner von diesen Erkun. dungsfliigen gewusst, die unter Bruch des internationa- Jan Szpotek, Exchef der nationalistischen Bewegung der Ukraine, zum Tode verurteilt, wie in einer polnischen Rundfunksendung bekanntgegeben wurde. Szpotek beteiligte sich an den Massenmorden, denen die Juden in der Gegend von Rzeszow in Polen in den Jahren 1944 bis 1955 zum Opfer fielen. ■ DIREKTE VERHANDLUNGEN Bonn. — Der Präsident Argentiniens, Dr. Arturo Frondizi erklärte in einer Pressekonferenz, „die Wiedergutmachung, die Israel an Argentinien für die Fortschaffung des ehemaligen SS . Obersturmbannführei*; Adolf Eichrhann zu leisten habe, würde durch direkte Verhandlungen zwischen beiden Ländern bestimmt werden.“ Er beschränkte sich auf die Versicherung, dass Argentinien vom Beschluss des Sicherheitsrats „äusserst befriedigt“ sei, lehnte es jedoch ab, weitere Kommentare zu dem Fall zu i .chen. „Wir glauben“, bemerkte er, „dass Israel uns eine irgendwie geartete Wiedergutmachung leisten muss, deren Form jedoch von beiden Regierungen festgesetzt wird.“ ■ DIE AUSLIEFERUNG MENGELES Auf eine weitere Frage entgegnete Dr. Frondizi, dass, wenn Westdeutschland genügend Beweise für den (Fortsetzung auf Seite 8) len Rechtes von der USA- Luftflotte unternommen wurden. Aber nicht nur dem Präsidenten Eisenhower waren diese Spionageakte bekannt, was er auch zugab, auch die Russen wussten hiervon, sonst wäre es ihnen sicherlich nicht gelungen, einen Flieger aus solcher Höhe herunterzuholen. Was dann folgte, war schon ein schlechtes politisches Spiel. Dass ausgerechnet die Russen aus dieser Affaire eine Staatsaktion machten, wirkte merkwürdig und wandelte ihr Recht auf Verurteilung einer Verletzung ihrer Hoheitsrechte in ein politisches Instrument, das nur schädliche Wirkungen auszuüben vermochte. Man kann nicht für Koexistenz und Frieden plädieren und gleichzeitig danach streben, nur eigene Vorteile wahrzunehmen. Man kann nicht Frieden verlangen und mit Krieg drohen. Man kann nicht zu einer Versöhnungs-Konferenz schreiten und in der selben Stunde Bedingungen stellen, die nicht akzeptabel sind und nur ausgesprochen wurden, um abgelehnt zu werden. Seit den furchtbaren Schimpfkanonaden, die Krut. schew ln Paris als seinen einleitenden Beitrag zur Gipfelkonferenz hielt, hat sich die Situation keineswegs beruhigt. Eine ganze Serie Krutschewscher Reden prasselte auf die westliche Welt nieder, die in erster Linie gegen die Nordamerikaner gerichtet waren, die nun ihrerseits auch nichts Besseres wissen, als in dem gleichen Ton zu antworten. Der amerikanische Staatssekretär Christian Herter klagt den russischen Premier an, sich in interne amerikanische Angelegenheiten zu mischen und den Versuch einer Beeinflussung der Wahlen zu machen, indem er einfach verkündet, er werde nicht noch einmal mit Eisenhower verhandeln. Herter ist offensichtlich der Auffassung, dass daraufhin alle Amerikaner „Umfallen” und in Zukunft nie wieder ihre Stimme dem bisherigen Präsidenten oder seiner Partei geben. Ob sich der Aussenminister Herter damit selbst in den Dienst einer Wahlpropaganda stellt, sei dahingestellt. Wir könnten uns vorstellen, dass es viele Gründe für die amerikanischen Bürger geben könne, in Zukunft es einmal wieder mit der anderen politischen Richtung zu versuchen. Krutschew stören diese Anklagen wenig; wie so viele „Schachzüge“ der amerikanischen Politik in den letzten Jahren kommen sie ihm sogar gelegen, weil sie ihm billige Argumente liefern. Im übrigen darf man die Herterschen Anklagen auch auf der westlichen Seite nicht recht ernst nehmen, denn sie sind in unserer Gegenwart ebenso geläufig wie die Spionage, die von allen Staaten betrieben wird, vor allem von den Russen und ihren Vasallen. Krutschew antwortete in der ihm eigenen prägnanten und rohen Sprache mit einer fürchterlichen Drohung: „Wir werden bewirken, dass die Im. perialisten in einer Pfanne mit siedendem Oel zappeln, als wären sie gefischt worden“. — Was das im einzelnen bedeuten soll, bleibt offensichtlich der Phantasie des eizelnen überlassen. Der rirde Ton, den ein Regierungschef wieder einmal -ein zu schlagen für richtig hält, — man denke an dj<e pöbelhaften Ausfälle Hjtlers . gen die westliche pjrd auch gegen die russische^ Staatsmänner seiner Zeit —, verspricht wenig Erfreuliches für die Zukunft... Die Flötentöne der Friedenspfeifen und Leiern sind jedenfalls völlig unmittelbar und rücksichtslos in die traurigste Disharmonie umgeschlagen und haben die Bemühungen um einen inter, nationalen Ausgleich jäh zu. riiekgeworfen. Der kalte Krieg, den man überwinden wollte, hat recht lebhafte und heisse Formen angenommen. Keinem der beteiligten Staatsmänner ist es gelungen, über seinen Schatten zu springen. Krutschew zeigt wieder das verzerrte Gesicht eines nach der Macht über alle Völker strebenden Tyrannen. Seine amerikanischen Gegenspieler sind fassungslos. Die nordamerikanische Aussenpolitik erhielt ihren Stempel in der Aera Eisenhower durch den verstorbenen L laatssekretär John Foster Dulles aufgedrückt, der die Lösung der Probleme in der kalten Faust erblickte, (Schluss auf Seite 2) Syrischer Angriff Tel Aviv. — Israelische Kreise beschuldigten Syrien, dass seine Artillerie verschiedentlich die Aufforderung der UN-Beobachter zur Einstellung des Feuers ignoriert hätten, nachdem ein israelischer Grenzpolizist verwundet worden war. Das Kanonenfeuer hatte es unmöglich gemacht, den Mann zu retten, der kurz darauf seinen Wunden erlag. Diese Gewährsleute sagten, das Feuer liabe 75 Minuten angehalten. Der Zwischenfall ereignete sich bei Bet Hakalzir. Später nahmen die dort lebenden Siedler ihre Arbeit in den Weinbergen wieder auf. (ITA) Ben Gurion wieder in Israel Tel Aviv. — Ministerpräsident Ben Gurion traf nach einer zweiwöchigen Europareise wieder in Israel ein, nachdem er Frankreich, Belgien und Holland einen offiziellen Besuch abgestattet hatte. Als er in Ludd dem Flugzeug entstieg, erklärte er: „Ich möchte dem israelischen Volk sagen, dass wir nicht allein stehen. Wir haben ehrliche und treue Freunde, deren Freundschaft bedingungslos ist.” Ben Gurion wurde im Flughafen vom Stellvertretenden Premierminister Levi Eshkol und den anderen Ministern, Deputierten und Mitgliedern des diplomatischen Korps unter Führung des Sowjet-Botschafters in seiner Eigenschaft als Doyen begrüsst. Auch der Geschäftsträger der argentinischen Botschaft war erschienen. „Ich kehre von einer kurzen, ermüdenden, doch sehr interessanten Reise zurück”, erklärte Ben Gvirion der Presse. „Ich hoffe, dass meine Besuche nützlich waren.” Er sprach mit Bewunderung vom holländischen Volk, das mit wahrem Päoniergeist dem Meer Boden abgewonnen hat. In Frankreich, so bemerkte er, habe er nützliche Unterhaltungen geführt und festgestellt, dass die französischen Staatsmänner zu der. internationalen Problemen den gleichen Standpunkt wie Israel einnehmen. De Gaulle habe volles Verständnis für die israelischen Probleme gezeigt. ¡ITA) WIE ICH ES SEHE-j Vergessene Gipfelkonferenz - von JEHUDA GOTTHEIMER