Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1790 (28.6.1960)
- Date
- 1960-06-28
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Die Zahl der organisierten Zionisten, noch 10t3 auf etwa 139000 geschätzt. ergab sieben Jahre später fast 1.W0.OO0. Doch der Zusammenhalt war gelockert worden: durch Jahre hatte es weder Kongresse noch Sitzungen des Aktionskomites gegeben. Auch die zionistische Führung wies Veränderungen auf: Das auf dem 11. Kongress (1813) eingesetzte „Engere Aktionscomite“ (Sokolow, Dr. Hantke, Dr. Jacobsohn, De, Levin und Prof. War. burg) war durch Dr. Chaim Weiamann. der de facto schon im Kriege die Leitung inne hatte, und einige andere Mitglieder der , LJ rossen Aktionscomites“ verstärkt worden. Dieses nannte sich nunmehr „Exekutive“ und führte die Geschäfte bis zur Jahreskonferenz vom Juli 1920. Man stand vor einer völlig neuen Situation. auf die mar» in organisatorischer Hinsicht und in Fragen der praktischen Kolonisationsarbeit im Lande weder vorbereitet war noch sein konnte. ir. So musste es auf der Londoner Jahreskonferenz vcm Juli 1920, diesem kleinen Kongress, zu ernsten innerzionistischen Konflikten kommen. Weizmanns grosser Gegenspieler Richter Brandeis und dessen amerikanische Freunde vertraten den Standpunkt, dass die Zionistische Organist tion jetzt nach Erlangung des Zieles, der „Nationalen Heimstätte“ keine nationalpolitischen Aufgaben mehr, sondern im wesentlichen nur noch kolonisatorische habe, die nach rein wirtschaftlichen Grundsätzen erfüllt werden müssten. Die Gegensätze in der Frage der Heranziehung von Nichtzionisten, prominenten Juden und die Statuten des von der Jahreskonferena proklamierten Palästina - Aufbau^- Grundfonds, des Keren Hajessod, führten damals dazu, dass sich Brandeis und seine Freunde von der Arbeit in der Bewegung zurückzogen; doch iand der Keren Hajessod insbesondere infolge der Bemühungen. Dr. Weizmaäns die Unterstützung der Mehr. Jfceit der amerikanischen Zionisten. Aber das positive Brgebn is cTör Londoner Tagung von 1920 bestand in (Das erinnerungsreiche Jahr 1920) der Schaffung des Keren H.jessod, der also nunmehr vierzig' Jahre besteht, der Begründung der zionistis.'hen Frauenorganisation W1ZÖ und der Bildung einer neuen Leitung mit Weizmann und Sokolow für die politische Führung, die sich ein Jahr später dem 12. Zionistenkongress au Karlsbad präsentierte. III. Auch für Erez Israel selbst war dieses Jahr 1920 bedeutungsvoll. Am 2. Juli übernahm der jüdisch-englische Staatsmann Sir Herbert Samuel als High Comission er die Administration des Landes und löste damit die bisherige Militärverwaltung ab. Er entfaltete sofort eine rege Tätigkeit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens (Verkehrs- und Sanitätswesen, Nahrungsftirsorge, etc.) und berief ein beratendes Comité au» der Bevölkerung dem drei Juden angehörten, unter ihnen der heutige Staatspräsident Israels Jizchak Ben Zwi. Am 1. Oktober 1920 wurde der Kataster wieder eröffnet und hiermit die während des Krieges gesperrten Bodentransaktionen auigenommen. Sofort traf die zionistische Exekutive alle Vorkehrungen, um die Bodenspekulationen zu verhindern; für grössere Käufe von Böden kamen fortan nur gemeinnützige Gesellschaften in Betracht, zu denen der Keren Kajemet zählte. Auch die „Nationalversammlung** konnte nach jahrelanger Unterbrechung im Oktober 1920 wieder zusammentreten und einen „Nationalrat“ (Waad Leumi) wählen, ehr aus dreissig Mitgliedern aller Parteien bestand und in Zukunft die Interessen der autonomen jüdischen Gemeinschaft Palästinas vertrat. IV. In jenem Sommer 1920, nach seiner Rückkehr von d^r Lodoner Tagung, übernahm Dr. Arthur Hantke die Leitung des europäischen Zentralbiiros für den soeben gegründeten Keren Hajessod. In den folgenden fünf Jahren wurden fünf deutsche Zionisten mit wechselnden Amtszeiten in die Exekutive zu London und Jerusalem gewählt, unter ihnen Richard Lichtheim und Felix Rosenbliith (der gegenwärtige israelische Justizminister Pinchas Rosen). Eine Gruppe deutscher Zionisten mit Dr. Alfred Klee an der Spitze schloss sich damals zu der Vereinigung „Binjan Haarez“ zusammen. Aehnlich wie Brandeis war sie der Ansicht, dass die Zeit der ideologischen Auseinandersetzungen vorbei sei, dass allj Juden sich jetzt, unter Zurückstellung politischer Meinungs-Verschiedenheiten, für das friedliche Aufbauwerk in Erez Israel vereinen könnten. Doch musste wohl noch nicht der richtige Zeitpunkt hierfür gekommen sein, denn diese Gruppe setzte sich nicht durch, wurde vielmehr im darauffolgenden Jahre auf dem Delegiertentag der deutschen Zionisten nieder gerungen und löste sieh auf. Doch batte sie sich, zugleich mit der grossen zionistischen Gruppe, erfolgreich um die Heranziehung der nrehtzionistischen Palästinafreunde ffir die Keren Hajessod- Arbeit bemüht, und diese Verhandlungen mit prominenten deutschen Juden wie Rabb. Dr. Baeck, Direktor Oscar Wassermann (Deutsche Bank), Generalkonsul Eugen Landau, Siegmund Hirsch und Oscar Tieta führten bald darauf zur Schaffung des ,Neutrale» Keren Hajessod“, der wertvolle Vorarbeit für die erst 1929 zustandegekommene erweiterte „Jewish Agency“ leistete. Blieben im Jahre 1920 auch noch die grossen Organisationen wie der „Centralverein” u. a. der Palästinaarbeit fern, so wurde damals doch der Grundstein zum späteren Zusammenwirken von Zionisten und Nichtzionisten gelegt, wobei von beiden Seiten keine Konzessionen in grundsätzlichen Fragen gemacht werden sollten. V. Starken Eindruck auf weite Kreise von Niehtzionisten machte zweifellos der Beschluss der Entente vom San Remo, durch den die Ralfour-Deklaration in den Friedensvertrag mit der Türkei einbezogen wurde (24. April 1929). Die abgegebene feierliche Erklärung der Alliierten stellte eine Bekräftigung der dem jüdischen Volke gemachten Versprechungen dar. Kurz zuvor gab es ein trauriges Geschehnis: Am 29. Februar 1920 fiel Joseph Trumpeldor i und mit ihm drei Chaluzim und Chaluzot bei der Verteidigung von Tel Cbaj in Obergaliläa gegen arabische Angriffe. Um die gleiche Zeit vollzog sich in Deutschland die erste Etappe des Kampfes um die Gemeindestuben. VI. Die Weimarer Republik ermöglichte die Durchführung der Gemeindewablen aufgrund des gleichen, geheimen Proportional - Systems, und so konnte die Alleinherrschaft der antizionistisch gesinnten Liberalen die zuweilen von orthodoxen Zionsgegnern unterstützt worden waren, gebrochen werden. Im Juni 1920 brach eines der Bollwerke zusammen, die am längsten Widerstand geleistet hatten.Die Berliner Zionisten traten zum ersten Mal in den Vorstand und in die Repräsentanz der Berliner Gemeinde ein, wo ihre Stimme fortan nicht mehr überhört werden konnte. Dr. Klee. Prof. Heinrich Löwe, Dr. Abraham Loc-b, Dr. Aron Sandler und Dr, Max Kollenscher leisteten durch viele ’ Jahre in jenen Gremien hervorragende nationale und religiös - kulturelle Arbeit. Einen anderen wichtigen Faktor bildete das mutige Eintreten von Rabb. Dr. Leo Baeck für Erez Israel. In einer denkwürdigen Chanukkapredigt 1920 ging er au3 einer bis dahin geübten Zurückhaltung heraus und verlangte entschieden die Anerken lung des „Diesseitswunders unserer Tage“, die Beteiligung aller deutschen Juden am Aufbau des jüdischen Landes. Gegen den Wunsch hervorragender Persönlichkeiten im liberalen Lager hielt Rabb. Baeck am seiner Ueberzeugung fest und wurde dann führend im „Neutralen Keren Hajessod” in Deutschland; 1929 trat er in da* Verwaltungscomite der „Jewish Agency” ein. VII. Diese Zusammenstellung bedeutsamer Ereignisse des Jahres 1920 wäre unvollständig, wenn man nicht den Besuch von Professor Chaim Weizmann im Dezember 1920 in Deutschland, seine erste Wiederbegegnung mit dem deutschen Zionismus nach dem Kriege, seine Fühlungnahme mit den höchsten Regierungsstellen nämlich mit Reichspräsident Efeert und Reichskanzler Dr. Wirth erwähnen wollte. Weizmannsprach io einem Massenmeeting und nahm u. a. an einem offiziellen Empfang durch die Berliner Jüdische Gemeinde teil, der von deren Präsidenten, Geheimrat Julius Säern, und dem rangältesten Gemeinderabbiner, Dr. Samson Weisse, durchgeftthrt wurde, aber nachträglich die Missbiligung der religiös-liberalen Fraktion fand, was den Gemeinde- Präsidenten seine Stellung kostete. Doch Weizmanns Besuch war von weitreichender Bedeutung und bildete den Auftakt vieler Besprechungen in den folgenden Jahren, z« denen der Präsident der Zionistischen Weltorganisation bis 1932 noch des öfteren nach Deutschland kommen sollte. Schliesslich muss noch der Besetzung der Stadt Amman im November 1920 durch den Emir Abdullah, der Gründung der Kolonie Deg.ania B und der Zusammenfassung der palästinensischen Arbeiter in einer grossen Gewerkschaft, der Histadruth, im Dezember 1920 gedacht werden. Blickt man heute auf jen.s Jahr 1920 zurück, so wird man sich klar über die grandiose Entwicklung innerhalb dieser vierzig Jahre. Sie umspannen mehr als eine Generation, das Leben eines Volkes innerhalb einer langen Epoche. Doch das Leben eines ewigen Volkes, wie dar des jüdischen, gestaltet sich auch in geschichtlichen Zeitbegriffen. Und ein Stück jüdischer und zionistischer Geschichte schliesst jenes Jahr 1920 in sich eia. Curt Wilk NACHRICHTEN AUS ISRAEL TROCKENEIS Die Fabrik „Fertilizers and Chemicals Ltd” in Haifa hat Trockeneis auf den Markt gebracht, das in einer Anlagen von einer Produktions- Kapazität von 150 Tonnen monatlich erzeugt wird. Die Gesellschaft hat eine halbe Million IL investiert. Trockeneis ist ein chemische# Produkt, das Tiefkühlung ohne Schmelzen ermöglicht. Wenn die Temperatur steigt, verdunstet Trockeneis statt sich in Wasser zu verwandeln. Diese Art von Kühlung ist von besonderem Vorteil bei der Beförderung von Nahrungsmitteln auf weite Strecken. Trockeneis findet auch bei der Konservierung von Blut, Medikamenten sowie in der Metall- und Gummiindustrie Ver-1 Wendung. HANDEL MIT ASIEN UND AFRIKA Von den 90 Ländern, mit denen Israel Handelsbeziehungen unterhält, befinden sich 30 auf dem afrikani. sehen Kontinent und im Fernen Osten. Der Umsatz des Handels mit diesen Ländern steigt jetzt buchstäblich von Tag zu Tag. Das Ministerium für Handel und Industrie tut alles, um dort trotz der schweren Konkurrenz i*eue Märkte für den israelischen Export zu erobern. Der grösste Teil der Ausfuhr rtach Afrika und Asten und fast der gesamte Import ans diesen Ländern geht über Elat. VEBSTAEBKTE AUSFUHR NACH HOLLAND Der Sekretär der Holländisch-Israelischen Handelskammer in Amsterdam teilte mit, dass gute Aussichten für die Steigerung der Ausfuhr von Zitrussäften, Kali, Phosphaten, Modeartikeln, Baumwollgarn und Glas von Israel nach Holland bestehen, Im Jahre 1959 betrug der israelische Export nach Holland etwa 20.000.000 Gulden, d. i. über 5 Millionen Dollar. ZITHUSEXPORT Es wurden bereits 8 Millionen Kisten Zitrusfrüchte zum Versand ins Ausland gebracht, gegenüber 7Jy Millionen Kisten in der entsprechenden Periode des Vorjahres Gegen Sarsonende nehmen Umfang und Tempo der Sendungen zu, und man hofft dieses Jahr eine Exportziffer von 10 Millionen Kisten zu erreichen. SPARGEL NACH ENGLAND Die Gesellschaft für die Entwicklung des Hulegebietes hat in den Monaten März und Tii drei Tonnen Spargel nach England exportiert. Ir.i vorigen Jahre wurde eine halbe Tonne Spargel versuchsweise nach England ausgefiihrt, und jetzt konnten von einer Fläche von 40 Dunem drei Tonnen geerntet werden. Es sollen im Hulegebiet 3.000 Tonnen Spargel angebaut werden, hiervon die Hälfte für Export und, die andere Hälfte für inländischen. Konsum und Verarbeitung in Konservenfabriken. BLUMENKOHL NACH USA Kürzlich hat die Gesell, schaft für Iandwirtschafttiche Ausfuhr die erste Sen, dung von israelischem Blumenkohl in die USA abgehen lassen. Sie besteht au* 200 in Holzfässern verpackten Tonnen dieses Gemüse». ERDNUSSAUSFUHR Im laufenden Jahr werden ebenso wie im Vorjahr etwa 5000 Tonnen. Erdnüsse ausgeführt Werden. Dieser Export wird dem Staat 2 Millionen in Devisen einbringen, KAROTTEN NACH DEUTSCHLAND Fte* der gesamte Uebersiteuss der diesjährigen Möferrftbeoernte, etwa 1000 Ton»«!, wird nach West* detttoehland exportiert. EXPORT VON brdSEEjusn Vor eipigen Wochen hat die Exportsaison für Erdbeere« begonnen. Es wtm den auf dem Luftwege in Kartone 1000 Kilogramm Erdbeeren nach der Schweiz und Deutschland zum Versand gerächt. GRAPEFRUITS AFT Zwei Direktoren der österreichischen Gesellschaft Julius Meinl A. G. erklärten bei einem Besuch in Israel, dass ihre Firma grosse Mengen von israelischem Grapef ruitsaft kaufen und in Oesterreich, Italien und Westdeutschland auf den Markt bringen wird. „Julius Meinl“ ist die grösste Firma der Lebensmittelbranche von Oesterreich in den letzten Jahren kaufte sie ir Israel Zitrusfrüchte und Zitrusprodukte für 6 Millionen österreichische Schilling im Jahr KEGENMAENTEL 1959 hat die Ge- Gutfreuna nach Regenmäntel im 1.300.000 Dollar gegeniioer 1 Milim Vorjahr. Sie bei der Erzeu- Mäntel 400 Zu- Im Jahre Seilschaft den USA Werte von exportiert, lion Dollar beschäftigt gung der Schneider. Dieselbe Firma hat eben ihren ersten Auftrag in Höhe von 50.000 Dollar für Sommerho: - .1 aus Baumwollstoff aus der. USA in verschiedenen Färöer erhalten. Es handelt sieh um 20.000 Stück, von denen ein Teil in Bälde aogehen soll. Herr Gutfreund nat in Beer Scheva und Kiria. Schmone Gruppen von Sc-i..eiüern organisiert, die ne Hosen, welche hauptsächlich für Knaben bestimmt sind, nä. hen werden. TAFELGLAS Die Fabrik “Phönicia" hat im Jahre i959 nach Holland, der Türkei und den USA 1.250.000 Quadratmeter Tafelglas versandt. In Holland wird dieses Glaus hauptsächlich für Treibhäuser verwendet.