Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1790 (28.6.1960)
- Date
- 1960-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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jüdische morose PUEYRHEDON / 2190 — 1? i*q. Año XXI. fa Jkmxxwx JshcJzUta BUENOS AIRES. MARTES 28 DE JUNIO DE 1960 T. E. 83-2613 No. 1790 Der Spruch des Sicherheitsrates Wir setzen im folgende-« den chronologischen Bericht über den Verlauf der Debatten im Sicherheitsrat über den Fall Eichmann fort. (D. Red.) ★ ■ DIE ABSTIMMUNG IN DEN UN UN. — Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bestätigte mit acht gegen keine Gegenstimme, bei zwei Stimmenthaltungen die argentinische Reklamation im Falle Eiehmann und erklärte, dass die Verhaftung Eichmanns durch Israel die Souveränität Argentiniens verletzt habe. Der Sicherheitsrat forderte eine ..adäquate Wiedergutmachung-’ für diese Rechtsverletzung. Für die Resolution stimmte Grossbritannien, Frankreich, China. USA. Ekuador, Tunis, Italien und Ceylon. Der Stimme enthielten sich Russland und Polen. Argentinien als beteiligtes Land an diesem Rechtsstreit nahm an der Abstimmung nicht teil. Kurz vor der Abstimmung nahm der argentinische Botschafter, Dr. Mario Amadeo. den ursprünglichen Antrag seiner Regierung auf Rückgabe Eichmanns an Argentinien zurück. Dr. Amadeo teilte dem Sicherheitsrat mit, dass sein Land mit Israel eine angemessene Wiedergutmachung vereinbaren werde. Wie bekannt, entsprach dem argentinischen Standpunkt ursprünglich, als angemessene Reparation die Rückgabe Eichmanns zu verlangen, nachdem sich die argentinische Regierung mit der Entschuldigung Israels nicht zufrieden gegeben hat. Nach einigen Versionen, die zirkulieren, sollte Eichmann der argentinischen Botschaft in Tel Aviv übergeben und dann wieder an Israel ausgeliefert werden. Dies ging auf Anregungen zurück, die aus den Kreisen europäischer Diplomaten kamen. ■ DER VERLAUF DER DEBATTE UN. — Der Aussenminister Israels. Frau Golda Meir, bat in ihrer Rede vor dem Sicherheitsrat den argentinischen Delegierten Dr. Amadeo, er solle sich konkreter darüber äussern, was unter ,.Reparation” verstan. den wird. Der Delegierte der Vereinigten Staaten, Henry Cabot Lodge machte zwei nicht besonders wichtige Abänderungsvorschläge. In Wirklichkeit handelt es sich um zusätzliche Anträge. Cabot Lodge schlug u. a. vor, dass der Sicherheitsrat die Hoffnung ausspreche, dass die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Argentinien und Israel gebessert werden würden. Auch dieser Teil der Resolution wurde später angenommen, wobei der Vertreter von Tunis es nicht unterlassen konnte zu sagen, dass er diesem Teil der Resolution nicht zustimmen würde und könne, weil kein arabischer Staat dafür WIE ICH ES SEHE-~~1 I Wie Ungarns Juden starben U von JEHUDA GOTTHEIMER Nur derjenige, der Nerven aus Eisen hat, ist imstande, ■die zahlreichen Aussagen und Dokumente zu studieren, die von den Schrecken des nazistischen Terrors berichten. Obwohl sich die Nazis gründlich darum bemüht haben, die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen, haben die alliierten Armeen noch umfangreiches Beweismaterial gefunden, darunter auch Bilder, die von deutschen Soldaten und SS-Männern zum Privatgebrauch gemacht worden sind. Was die Alliierten bei der Eroberung der Konzentrationslager vorfanden, ist in Wort und Bild festgehalten worden und füllt die Archive der meisten Staaten, die mit dem Dritten Reich und seinem Untergang in Verbindung standen. Das fotografische Material, das der •deutsche Publizist Reinhard Schnabel in seinem Buch „Macht ohne Moral” veröffentlichte, ist eine Sammlung von Dokumenten, die den Betrachter mit Entsetzen und Grauen erfüllt, obwohl sie nicht vollständig ist und doch nur einen kleinen Ausschnitt zeigen kann. In allen Büchern und Broschüren, die sich mit der Schilderung dieser blutigen Vergangenheit beschäftigen, erscheint der Namen des Henkers Eichmann, der als «ler Leiter der Abteilung IV A4!) des Reicbsicherheitstiauptumtes die Gesamtverantwortung für die. teuflische „Endiösung” der Juri. ,ifragc trug, die nuf der ’.v. züchtigten Wannsee-Koiufc- **nz verkündet worden ist. Das Wort „Endlösung” bedeutete nichts weiter als Mord an allen Juden, deren das Dritte Reich habhaft werden konnte. An der Durchführung dieses Planes haben alle Nazigrössen mitgewirkt, denn sig alle haben von diesem Beschluss gewusst, dass die Juden ausgerottet, vernichtet, liquidiert werden sollten. Zahlreiche Ministerien waren direkt beteiligt, was aus Dokumenten hervorgeht,' die vor allem von Poliakow und Wulf in ihren Standardwerken „Das Dritte Reich und die Juden”, „Das Dritte Reich und seine Diener” und „Das Dritte Reich und seine Denker” veröffentlicht worden sind. Dass der Gedanke und Befehl zur Vernichtung der Juden von Hitler kam, erscheint auch erwiesen- So berichtet z. B. der schwedische Arzt Dr. Felix Kersten, dass Himmler ihm gesagt habe, er sei nach der Kapitulation Frankreichs ins FührCrhauptquartier gerufen worden, wo ihm Hitler eröffnet habe, dass er die systematische Ausrottung der europäischen Juden durchführen müsse. Der Mann, der dieses verbrecherische Ziel realisierte, war Eiehmann. Er war kein erster Mann in der nazistischen Hierarchie. Dennoch war er auf diesem, seinem Gebiet beinahe unabhängig. Der Befehlsweg war: Hitler— Himmler — Heyd:".:’u (rach ¡dessen Tod Kalienorumier) j— Müller — Eiehmann. Oh- ¡oo auf irgendwelche andere, ’höhere Dienststellen Rück. sicht zu nehmen, unterstanden die lokalen Beauftragten Eichmanns seinen unmittelbaren Anweisungen, sodass er „wirklich unbegrenzte Macht” hatte (vgl. hierzu Edward Crankshaw, Die Gestapo, in deutscher Sprache erschienen beim Colloquium Verlag Berlin). Hier finden wir eine dokumentarische Darstellung der blutigen Arbeit Eichmanns und seiner Stellvertreter in den verschiedenen Ländern (vgl. Seite 134/35), die „ihre schrecklichen Aktionen nominell als Leiter eines Referates, tatsächlich als Executivbeamte eines Spezialunternehmens grossen Massstabes durchführten, das von Berlin aus gelenkt wurde”, wo Eiehmann residierte. Im Bewusstsein seiner Machtfülle reiste Eiehmann unentwegt durch die europäischen Länder, um zu kontrollieren, ob seine Stellvertreter die Befehle mit der notwendigen Härte ausf(ihren, damit kein Jude dem Netzt entkommt, das der Oberhenker über die unglücklichen Opfer des nazistischen Rassenwahns gelegt hot. Eiehmann taucht überall auf, um widerspenstige Regierungen von Vasallenstaaten em/.uschüchtern und mit ihnen zu verhandeln. Beispiele hierfür werden von Gerald Reitlinger in seinem grundlegenden Werk „Die Endiösung” ''mich in deutsche Spreche übersetzt) :<cgehr-n. Ende Jul! 1942 waren während der grossen Razzien in Paris auch 4.051 jüdische Kinder festgenommen worsei, dass die Beziehungen irgendeines Landes mit Israel sich verbessern würden. ■ BRITISCHE INTERVENTION UN. — Der britische Repräsentant, Sir Pierson Dixon, unterstützte die Vorschläge von Cabot Lodge. Dem gegenüber fragte der russische Delegierte, Arkady A. Sobolev, ob Argentinien noch immer darauf bestehen würde, als angemessene Wiedergutmachung die Rückgabe Eichmanns zu verlangen. Hierauf antwortete Dr. Amadeo u. a„ dass die beteiligten Parteien, nämlich Israel und Argentinien, die Aufgabe hätten, die Resolutionen entsprechend zu interpretieren und eine gerechte Lösung zu finden. Später äusserte sich Dr. Amadeo in einem versöhnlichen Ton, dass Argentinien die nordamerikanischen Vorschläge richtig interpretiere und dass auch sein Land den grössten Wert darauf lege, mit aller Entschiedenheit die furchtbaren Verbrechen Eichmanns zu verurteilen. Die Debatte nahm dann ihren weiteren Verlauf, ohne dass neue Gesichtspunkte vorgetragen "wurden, bis der argentinische Delegierte darum bat, zur Abstimmung überzugehen, nachdem auch der Vertreter Ekuadors im wesentlichen Sinn den argentinischen Standpunkt unterstützt hatte. ■ INTERNATIONALE STELLUNGNAHME UN. — Der Delegierte Italiens Botschafter Egirio Ortona, ergriff ebenfalls das Wort und erklärte, dass das Problem des Falles Eichmann eine Abwägung zwischen Ethik und Recht sei. Der Delegierte manifestierte, dass Italien die besten Beziehungen sowohl mit Israel wie mit Argentinien un. den. Selbst die Vichy-Beamten wollten die Kinder der Gestapo entreissen und boten an, sie in französische Waisenhäuser zu bringen. Aber die Gestapo war damit nicht einverstanden. Auch die Kinder sollten wie ihre Eltern den Weg nach Ausch. witz antreten und ausgerottet werden. Die einzige Schwierigkeit war der Abtransport. Aber „Eiehmann, tatkräftig wie immer, hatte sich selbst in Berlin bemüht und telegraphierte, dass er genügend Transportmittel hätte auftreiben können, um die 4.051 Kinder nach Auschwitz zu bringen... 300 bis 400 auf einmal wurden in die Züge geladen und rollten in den Tod.” Auch das war ein Werk Eichmanns. In welcher teuflischen Weise Eiehmann vorging, zeigt das Schicksal des Jakob Edelstein, des ersten Jiidenälteslen des Lagers Theresienstadt, das von Eich, ‘mann ebenfalls besucht und kontrolliert wurde. Edelstein war nach Auschwitz Se Sienten Como en su Casa Jerusalem. — Un curso para oficiales de la marina fué inaugurado en Ghana, con dos divisiones de oficiales de marina y oficiales maquinistas. El curso, en el que participan 30 estudiantes, funciona en la Escuela Naval de Ghana, cuyo comandante es el teniente coronel israelí Yehuda Ben.Ron. El nuevo curso es también dirigido por tres oficiales israelíes. B. Kaurako, dirigente de la "Organizución de Jovenes Pioneros” de Ghana visitó recientemente Israel en un viaje de estudio. La mencionada organización fué constituida en Ghana según el modelo de una organización similar israelí. "Sabemos que cuando africanos vienen a Israel, se sienten como en su casa", declaro en Tel Aviv el ministro de obras públicas de Liberia, señor Tomás Bujarían. Agregó que ei gobierno de Liberia enviará a jóvenes para que estudien métodos agrícolas en Israel, pues su país es principalmente un país agrícola. SCHLOMO S. TANGER Sie fühlen sich wie zu Hause Jerusalem. — Ein Kursus für Marineoffiziere wurde in Ghana mit zwei Divisionen von Marineoffizieren ' und Maschinisten eröffnet. An dem Kursus nehmen 30 Studenten teil. Er findet in der Marineschule von Ghana statt, deren Kommandant der israelische Oberstleutnant Jehuda Ben Ron ist. Der neue Kursus wird auch von drei israelischen Offizieren geleitet. B. Kaurako. der Leiter der „Organisation junger Pioniere” aus Ghana,“ besuchte kürzlich Israel auf einer Studienreise. Die erwähnte Organisation wurde in Ghana nach dem Modell einer ähnlichen israelischen Organisation gegründet. „Wir wissen, dass wenn Afrikaner nach Israel kommen, sie sich wie zu Hause fühlen”, erklärte in Tel Aviv der Minister für öffentliche Bauten von Liberia. Tomás Buchanan. Er fügte hinzu, die Regierung von Liberia werde Jugendliche entsenden, damit sie in Israel Ackerbaumethoden studieren, denn ihr Land sei hauptsächlich ein Agrarland. SCHLOMO S. TANGER terhalte. Italien würde sehr gut die Motive verstehen, welche die Israelis veranlasst haben, Eiehmann zu verhaften, um ihn dann seiner Aburteilung zuzuführen. Nach weiteren Ausführungen kam der italienische Botschafter noch einmal auf das Thema der Abwägung von Ethik und Recht zu sprechen und erklärte wörtlich: „Der von Argentinien vorgelegte Antrag, der dem Sicherheitsrat unterbreitet worden ist, stellt ein gemässigtes und vernünftiges Projekt dar, das uns die Möglichkeit einer Antwort gegenüber dem Dilemma zwischen Ethik und Recht bietet. Die von den USA vorgeschlagenen Abänderungen stellen einen zusätzlichen Beitrag zu diesem Problem dar.” Der französische Vertreter, Botschafter Armand Berard, gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, dass der Fall Eiehmann keine Gefährdung für den Frieden und die Sicherheit darstelle, die eine Intervention des Sicherheitsrates notwendig mache. Er gab nicht zu erkennen, wie er sich im Falle der Abstimmung über denargentinischen Vorschlag verhalten werde. Der Fran. zose sagte u. a.: „Diese Angelegenheit kann man nicht einfach auf einer legalen oder moralischen Ebene behandeln. die Verständigung' müsse man zwischen diesen beiden Polen finden. Wir haben keinen Zweifel daran,! dass man mit gutem Willen und guter Absicht zu einer Verständigung dies auch erreichen wird.” ■VOR EINEM KOMPROMISS New York. — Wie es heisst, steht eine Vergleichs, lösung vor dem Abschluss, die den argentinisch-israelischen Streit über den Fall Eiehmann beilegen wird; Der Plan, der in Europa aufgestellt wurde, wird von den UN-Diplomaten diskutiert. Argentinien soll im- Prinzip hiermit einverstanden sein. Er soll gewisse legale ' Schikanen beinhalten, d. h. Eiehmann, der sich in einem israelischen Geföng- (Fortsetzung auf Seite 3) gebracht worden, weil er angeblich in einigen Fällen Beihilfe zur Flucht aus dem Lager geleistet hatte. Er wurde in einem „Bunker” gefangen gehalten. Als Eichmann im Februar 1944 das „Familienlager” besuchte, liess er die Frau Edelsteins rufen und fragte sie, ob sie eine Bitte habe. Sie bat darum, ihren Mann sehen zu dürfen, was Eiehmann ihr für einen späteren Zeitpunkt zusagte, da ihr Mann irgendwo in Deutschland sei. Wenige Monate danach wurde Edelstein aus dem Bunker geholt; ihm wurde mitgeteilt, dass er zu seiner Familie fahren würde. Man fuhr ihn ins Krematorium III. Nachher wurde .mit dem gleichen Wagen Edelsteins Familie dorthin geschafft, wo man all« erschoss und die Leichen verbrannte, (vgl. H. G. Adler, Theresienstadt 1941 bis 1945 Das Antlitz einer Zwan gsgemei i.sehaft, S 731, Anm. 238). —- Auch die Ermordung von mehr als zwei Milionen im KZ Auschwitz geht zu einem guten Teil auf das Konto Eichmanns, der dorthin nicht nur Juden aus allen Teilen Europas schickte, sondern auch an ihrer Vernichtung aktiv beteiligt war. Hierzu hat sich der Lagerkomandant Höss geäussert, der sich über Eiehmann in seinen während seiner Gefängnishaft gemachten Aufzeichnungen an mehreren Stellen äussert. Eiehmann weihte den Höss in die Aktionen ein, die in den verschiedenen Ländern zur Durchführung kommen sollten. Höss berichtete u. a.: „Ende November 1941 war in Berlin bei der Dienststelle Eichmanns eine Dienstbe. sprechung des gesamten Ju. denreferates, zu der auch ich hinzugezogen wurde. Die Beauftragten Eichmanns in den einzelnen Ländern berichteten über den Stand der Aktionen und über die Schwierigkeiten, die der Durchführung der Aktionen -Schluss auf Seite S)