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Jüdische Wochenschau · 1960-06-24 · 1789 (24.6.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1789 (24.6.1960)
Date
1960-06-24
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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o « îh FRANQUEO PAGADO Concesión 908 K g a o & a TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Ano XXI. ISRAELITA BUENOS AIRES. VIERNES 24 DE JUNIO DE 1960 No. 1789 EL EJEMPLAR en toda la República Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? T. E. 83 . 2613 3.- Golda Mein „Israel verletzte nicht Argentiniens Souveränität” (Fortsetzung von Seite 3) der in Ungarn geboren ist, und heute in Westdeutschland lebt, erklärte dem europäischen Büro des Jüdischen Amerikanischen Comités in Paris, er habe in der vergangenen Woche an Israels Ministerpräsidenten geschrieben und sich erbötig gemacht, als Belastungszeuge im Eichmann-Prozess auszusagen. Biss versicherte, Eichmann sei nicht der Mann gewesen, der den Plan •Vorschlug im Austausch gegen 10.000 Lastwagen für die Nazi-Armee den Alliierten eine Million Juden zu übergeben. Biss oehauptet, Bev eise zu besitzen, dass Efchmann sein Möglichstes 4at. um diesen Tausch zu verhindern, dessen Projekt von seinem Vorgesetzten, dem Gestapo-Chef Heinrich Himmler stammte. Biss erklärte, „wenn es »ach Eichmann gegangen •wäre, so wären alle ungarischen Juden ausgerottet worden wie die Juden anderer Gemeinschaften. Eichmann versuchte mit allen Mitteln, die Befehle Himmlers, mit uns zu verhandeln, zu sabotieren. Er war offensichtlich glücklich, als er im Juli 1044 Rudolf Kästner und mir mitteüte, die Verhandlungen seien beendet.“ Biss, der in Ungarn mit einer Vaada genannten Geheimorganisation arbeitete, deren Ziel die Rettung von Juden aus den Konzentrationslagern der Nazis war, äusserte. er habe das Leben von 14.000 Juden gerettet, indem er mit anderen zugänglicheren Mitgliedern der Nazihierarchie verhandelt habe, und er sei stets bemüht gewesen, Eichmann möglichst zu umgehen. ■ DAILY TELEGRAUH greift jetzt Argentinien scharf an. In einem Leitartikel wird Argentinien darauf aufmerksam gemacht, dass „die argentinische Regierung Gefahr läuft, einen unglücklichen Eindruck über ihre eigene Haltung und Absichten zu schaffen“, falls sie bei ihrer Ablehnung der israelischen Note bleibt. „Das Gerichtsverfahren gegen Eichmann zu verhindern, kann für viele Leute dasselbe bedeuten, wie für Eichmann Partei zu ergreifen. Es liegt im Interesse Argentiniens, die Gefahr eines solchen Eindrucks zu vermeiden.“ Die Zeitung schlägt vor, Argentinien solle eines der Angebote Israels akzeptieren, das ihm durchaus gestattet, die Prinzipien aufrecht zu erhalten, die vom Präsidenten Frondizi aufgestellt worden sind. ■ DER SOHN SCHREIBT Jerusalem. — Die israelischen Behörden besitzen einen Brief, den Klaus Eichmann aus Buenos Aires an seinen Vater geschrieben haben soll. In diesem Brief bringt der Sohn seine Sympathie für den Vater zum Ausdruck. pAnrn. d. Red.: Das Märchen, Klaus Eichmann hätte nicht gewusst, wer sein Vater ist, dürfte angesichts des vorliegenden Materials nicht aufrecht erhalten bleiben.) ■ DIE ARGENTINISCHE ANKLAGE Der argentinische Delegierte, Dr. Mario Amadeo, trug vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die argentinische Anklage gegen Israel vor. Dr. Amadeo Hoheitsrechte. Wollte man in dem Falle Eichmann von diesem klaren juristischen Standpunkt abgehen, so wäre damit jede Intervention in die Hoheitsrechte eines anderen Staates sanktioniert. Hierdurch aber wurde die Gefahr herbeigerufen, dass der Weltfrieden gefährdet wird. Er sagte u. a. wörtlich: „Handlungen, wie die durch Israel durchgeführte, sind an sich schon schwerwiegend unter jeden Verhältnissen. Sie sind umso weniger zu gestatten wenn sie sich gegen die fundamentalen Rechte eines befreundeten Landes richten, dass so oft Beweise seiner Freundschaft gegeben hat " In seinen weiteren Ausführungen wies Dr. Amadeo darauf hin, dass Argentinien sofort auf die internationalen Verpflichtungen insbesondere auf den Artikel 33 der UN-Charter aufmerksam gemacht ‘habe. Die israelische Antwort sei nicht zufriedenstellend gewesen. Auch die Besprechung mit Golda Meir hätte zu keinem zufriedenstellenden Resultat geführt. Argentinien habe Vertrauen zu den internationalen Institutionen. Der Sicherheitsrat sei zu, ständig, um diesen Streitfall zu entscheiden. Wenn auch Ben Gurion in seinem Brief an den Präsidenten Frondizi sein ernstes Bedauern für die Verletzung der argentinischen Hoheitsrechte ausgesprochen hat, so sei damit die Sache doch nicht erledigt, denn damit würde der Bruch der argentinischen Souveränität nicht entschuldigt. Auch das behauptete Einvernehmen Eiehmanns mit seiner Ueberführung nach Israel ändere nichts an dem Bruch der argentinischen Souvernänität, denn diese Ueberführung sei gewaltsam geschehen, was nicht bestritten wird. Ueberhaupt nichts mit der Angelegenheit habe die Tatsache zu tun, dass Eichmann sich in Argentinien illegal aufgehalten hat. ■ KEINE VERTEIDIGUNG DER VERBRECHEN Der argentinische Delegierte sagte dann weiter wörtlich: „Wir verteidigen die Verbrechen Eichmanns nicht noch wollen wir Straflosigkeit dafür erwirken. Sowohl in unseren Bekanntmachungen Wie in unseren Besprechungen mit den israelischen Vertretern haben wir völlig klar festgestellt, dass sich Argentinien keiner Lösung widersetzt, die unser verJ -tzt-ss Rccbt#wieder bersten Und gleichzeitig gestaltet. dass die Gerechtigkeit ihren Lauf fortsetzt. Was wir aber nicht annehmen können, ist, dass die Aburteilung Eichmanns das direkte Ergebnis einer Rechtsverletzung ist.“ In seinen weiteren Darlegungen wies Dr. Amadeo darauf hin, dass Argentinien den Weg dafür freigegeben hat, dass Eichmann abgeurteilt werde. Er sagte: „Es steht hier nicht der Fall des KriegsverV rechers auf dem Spiel, hier handelt es sich nicht um den Fall Adolf Eichmann und seiner Verbrechen, deren er beschuldigt wurde, es handelt sich um den Fall eines Landes, das Gerechtigkeit gegenüber einem Gewaltakt verlangt, der im Wiederholungsfälle die internationale Ordnung erschüttern würde.“ In seinem Schlusswort erklärte Dr. Amadeo, dass er die einstimmige Annahme des argentinischen Vorschlages durch den Sicherheitsrat erwarte, um die internationale Ordnung aufrecht zu erhalten. ■ DIE REDE GOLDA MEIRS UN. — Der Sicherheitsrat i der UN hob seine Sitzung vom Mittwoch, um 18 Uhr 18 (argentinischer Zeit) auf und beschloss, am folgenden Tage um 11 Uhr 30 (argentinischer Zeit) erneut zusammenzutreten, um die Beratungen über den Fall Eichmann fortzusetzen. Der Aussenminister Israels, Golda Meir, gab zu, dass eine Verletzung der argentinischen Gesetze Vorgelegen habe, als eine Gruppe von „Freiwilligen“ aus Israel den ehemaligen Obersturmbannführer festnahm. Sie stellte fest, dass die israelische Regierung der Regierung Argentiniens schon ihre Entschuldigung ausgesprochen hat. „Wir verstehen“, führte sie aus, „was die Souveränität für das Volk eine- Landes bedeutet. Aber hat die Regierung Israels diese Oberhoheit verletzt oder den Versuch hierzu unternom. men? Auf diese Frage muss ich mit einem kategorischen Nein antworten.“ Frau Meir fuhr fort: „Eine gewisse Zahl von Juden, darunter Israelis, haben die Gesetze Argentiniens verletzt, doch nicht bei der Verfolgung ei-ws gr ähnlichen Verbrechers, sondern bei der Festnahme Adolf Eichmanns. Hätte Argentinien Adolf Eichmann die Erlaubnis zum Betreten seines Territuriums erteilt, wenn seine Identität ihm bekannt gewesen wäre? Sicherlich nicht. Die moderne Geschichte hat kein solches Ungeheuer wie Eichmann gekannt.“ Die Rednerin zitierte mehrere Stellen aus den Prozessen von Nürnberg gegen die Kriegsverbrecher, um zu beweisen, dass Eichmann persönlich für den Befehl zur Ermordung von sechs Millionen Juden während des zweiten Weltkrieges verantwortlich war. „Meine Regierung“, setzte sie ihre Ausführungen fort, „glaubt ehrlich dass diese isolierte Verletzung des argentinischen Gesetzes vom Gesichtspunkt des aussergewöhnlichen und einmaligen Charakters der Eichmann zur Last gelegten Verbrechen geprüft werden soll, sowie der Gründe jener, die bei. seiner Festnahme in einer so aussergewöhnlichen Weise vorgingen. Diese Männer gehören ebenso wie ich einem Volke an, dessen Leiden im zweiten Weltkrieg keine Parallele in der Geschichte haben. Wir waren 18 Millionen, als der Krieg begann, und 12 Millionen, als der Krieg endete. Sechs Millionen europäischer Juden, darunter eine Million Kinder wurden vergast und erschlagen. Ich bin überzeugt davon, dass es in der Welt viele Menschen gibt, die wünschten, dass Eichmann vor ein Gericht gestellt wird, doch Tatsache ist. dass fünfzehn J. hre iang ihn niemand firu de,, konnte und er die Gesetze, keiner weiss wievieler Länder, verletzen konnte, indem er diese . Länder mit einem falschen Namen und gefälschtem Pass betrat und die Gastfreundschaft von Völkern missbrauchte, die, dessen bin ich sicher, sich vor seinen Taten entsetzen. Doch die Freiwillige», deren einige persönliche Opfer seiner Brutalität ge. wesen sind, ruhten nicht, bis sie ihn aufspürten und nach Israel brachten, in das Land, an dessen Küsten Hunderttausende von Ueberlebenden der Schrecken Eichmanns gespült wurden; das Land, welches im Herzen der sechs Millionen lebte, die, als sie zum Tode geführt wurden, Unser grosses Glau, bensbekenntnis sangen: Ani maamin beemuna shlema beviat ha Mashia. Der argentinische Botschafter Amadeo erwähnte in seiner Rede, die sich durch ihren kalten juristr. sehen Ton kennzeichnete, dass Präsident Frondizi nicht mit Ben Gurion Zusammentreffen werde, solange Israel darauf bestehe, Eichmann nicht herauszugeben. Friedhof geschändet W7ien. — Auf dem Friedhof der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde in Florisdorf wurden von Unbekannten sieben Grabsteine umgeworfen. Die polizeiliche Anzeige wurde erstattet. (IPN) WARNT London. — Die einfluss-;iche Zeitung „Daily Telet-aph“, die bisher das israesche Vorgehen im Fall ic'nmann kritisiert hatte, nahm in seinen langen Ausführungen einen formaljuristischen Standpunkt ein und erklärte, dass es Argentinien nicht um eine Verteidigung Eiehmanns ginge, sondern um den Schutz seiner Souveränität und seiner Ben Gurion besucht Belgien Brüssel. — Der israelische Ministerpräsident David Ben Gurion traf hier zu einem Staatsbesuch ein. Er wurde mit dem üblichen Zeremoniell im Flughafen mn Premierminister Jacques van Offelen und dem Grafen Meeus d’Argenteuil in Vertretung der Königinmutter Elisabeth empfangen. Nachdem Ben Gurion die Ehrenparade abgenommen hatte, las er eine Erklärung, in der er die Freundschaft zwischen Belgien und Israel unterstrich. Ben Gurion sagte auf Französisch: „Alle freien Völker, die grossen und die kleinen, müssen sich solidarisch zur Verteidigung des Friedens und der grundlegenden Freiheiten zusammen schliessen. Nach den Unterhaltungen, die ich kürzlich in den Vereinigten Staaten, in Engla-d ld jetzt in Paris hatte, ist es mir ein besonderes Vergnügen, mit den belgischen Staatsmännern zu einem Meinungsaustausch über die Probleme, denen wir alle gegenüberstehen, zusammenzutreffen." Die Königinmutter Elisabeth veranstaltete in ihrem Schloss in Stuyvenberg für Ben Gurion und seine Gattin ein Essen, dem als einziger Gast der Sozialistenfüh- .•er Car alle Juysmans beiwohnten. Beim Abschied küsste die Kö-E i-mutter Ben Gurion und seine Frau. UTA) BUNDESTURNFEST NACH „ALTER TRADITION Graz. — Am 13. Juli wird es so weit sein! Untei der Regie von Joseg Hiess, dem Autor des Buches . Glasen, hach“, und nach Goebbelsmuster soll in Graz d T undes. turnfest eröffnet werden. Die Turnerverbände, die wegen ihrer Tätigkeit vor 1938 lange Jahre nach dem Kriege verboten waren, haben, nachdem sie reaktiviert wurden, ihre Arbeit im alten Geiste wieder aufgenommen. Schon die Zusammensetzung des Personenkreises in den Leitungen der Turnvereine, ihre Zeitschriften, sowie der Inhalt der Aushängekästen beweisen eindeutig, dass sich nicht viel geändert hat, und dass sogar sehr häufig die aus Zweckgründen gebotene Tarnung ausser acht gelassen wird. Ehemalige Nationalsozialisten — nicht die kleinen Mitläufer, sondern solche, die wegen ihrer Funktion oder wegen ihrer Tätigkeit nach dem Kriege in Lagern interniert waren — haben dort zu bestimmen und führen Regie. Es nimmt daher nicht wunder, wenn es in der „Bun. desturnerzeitung” von Angriffen gegen österreichische Patrioten wimmelt, und wenn österreichische Freiheitskämp. fer oder Männer der Widerstandsbewegung als „Abschaum der Menschheit” oder „aasstinkende Unterwelt” betitelt werden. Das Innenministerium, das nach den Schmieraktionen Anfang dieses Jahres durchgegriffen und der Ausweitung der Nazipest unter der Jugend Einhalt geboten hat, sollte sich auch mit diesen bräunlich gefärbten Turnern befassen und beobachten, was hier gespielt ,, pardon, geturnt wird. (IPN) Registro de la Propiedad Intelectual Nç 624 070 Impreso mn ta imprenta POLIGLOTA — Corrientes ilU „RACHE FÜR EICHMANN” Wien. — „Verlassen Sie sofort den Tempel. Um zehn Uhr fällt eine Bombe als Rache für Eichmann.” Ein solcher anonymer telefonischer Anruf erfolgte am 14. Juni bei der Hausbesorgerin des Hauses Seitenstettengasse 4, in welchem sich der einzige Tempel der Wiener 7-ultusgemeinde befindet. Eine von der Staatspolizei sofort verfügte Durchsuchung dos Tempelgebäudes brachte, wie erwartet, keine Ergebnisse. Jtfichtadestoweniger wurde seitens der Polizeidirektion eine entsprechende Beobachtung des Gebäudes und seiner Umgebung verfügt. (IPN)

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