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Jüdische Wochenschau · 1960-06-24 · 1789 (24.6.1960) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1789 (24.6.1960)
Date
1960-06-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German, Spanish
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Tierna*, U da Junio de 19M L A SEMANA ISRAELITA Año XXI. — No. 1789 Himmelstór — Weliíor Fliegen — der Traum der Menschheit ist längst eine Selbstverständlichkeit geworden. Heines schnoddriges Wort: „Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen...“ gehört endgültig der Vergangenheit an, denn zahlreiche Luftlinien aller Länder und Völker durchziehen 'den so lange „unberührten Aether“ und verbinden die Kontinente miteinander. Das Tempo des Fluges hat sich in der letzten Zeit so verstärkt, dass Fliegen eigentlich mehr ein psychologisches Problem geworden ist: der Reisende kann sich gar nicht so rasch umstsellen, wie es das' Fliegen mit sich bringt. Am Nachmittag hat er noch in Zürich Kaffee getrunken. und um Mitternacht ist er bereits im heimischen Tel Aviv... Es geht alles so schnell, dass man innerlich einfach nicht ganz mitkömmt. Ueberdies verwischen sich alle geographischen Begriffe, und man hat den Eindruck, dass die Welt aus festen Städten und leeren Räumen besteht, während man bei einer Schiffsreise die Weite des Meeres und bei anschliessender Bahnfahrt die Fülle der Eindrücke der realen Umwelt erlebt. Fliegen ist sozusagen Reisen mit Gedankenstrichen, die zwischen den festen Punkten über den Atlas verstreut sind. Israels Tor zur Weite des bevölkerten Himmels ist unser einziger internationaler Flughafen, Lodd, auch Ludd oder Lydda genannt, eine uralte Stadt, die nach der Tradition bereits in den Tagen Josuas, des Eroberers .mit einer Mauer umgeben war und in der Zeit des Zweiten Tempels eine Hochburg der Gelehrsamkeit der Tanaiten war. Hier lehrte Rabbi E-Peser Ben Hvrkanos und die reichen Kaufleute von Ludd gaben den Weisen oft prakt'sehe Beispiele für die verwickelten Fragen des Handelsrechtes. das sie weltzugewandt behandelten. Im Flughafen von Ludd ahnt man natürlich nichts mehr von der klassischen Vergangenheit des Ortes. Der Flughafen ist ja eigentlich eine Welt fiir sich, hat mit dem bescheidenen Olimvon SCHALOM BEN-CHORIN Städchen, das durch einen modernen hebräischen Dramatiker in Misskredit geriet, gar nichts zu tun. Die eleganten Autobusse und die jerusalemer Nescher-Taxis bringen den Ankömmling sofort nach Tel Aviv oder in die Hauptstadt, und von Ludd bekommt er kaum etwas zu Gesicht, wobei er allerdings nicht sehr viel versäumt. Am eindruckvollsten präsentiert sich der Flughafen bei Nacht. Während Ludd und Umgebung rings bereits in Tiefschlaf verfallen sind, pulsiert hier das internationale Leben. Alles ist bei uns teurer, meint ein Beobachter lakonisch und deutet auf zwei Uhren,, die im Flughafen- Cafe angebracht sind: eine mit der Greenwicher Normalzeit und eine mit der Israel-Zeit, die immer zwei Stunden voraus ist, s’. er die Verspätung mancher Flugzeuge sorgt doch dafür, dass die allerklügsten Zeitberechnungen immer wieder über den Haufen... geflogen werden. Die Tatsache, dass Israel nur einen internationalen Flughafen hat, bringt es mi'. sich, .dass die Zufahrt zu den Städten sehr erschwert ist. Die jerusalemer Nescher-Taxi-Gesellschaft hat das Monopol des Zufahrts¬ und Abholdienstes für Lodd. und dieses Monopol schliesst die Verpflichtung in sich, zu jedem Flugzeug mindestens ein Taxi zu entsenden. Aber aber... die Verhältnisse, sie sind nicht so: wir wollten einen Ankömmling empfangen, der um 23.50 Uhr mit dem El-Al-Flugzeug 426 aus Zürich erwartet wurde. Um fünf Minuten vor 9 Uhr rief mich Nescher, wo ich gemeldet war an, um mir mitzuteilen, dass das Tax; um... 9 Uhr abgeht. Wer nicht über einen privaten Helikopter verfügt, wird schwerlich von einem Aussenbezirk Jerusalems um 9 Uhr in der Innenstrdt zur Stelle sein, wenn er 5 Minuten vor 9 verständet wird. Nun, man fuhr auch nicht um 9 Uhr. sondern etwas später, aber natürlich noch immer viel zu früh, um zum 23.50 Uhr Aeroplan zur Stelle zu sein... zumal wenn | i Restaurant »Paso Paso 452 (al fondo) — T. E. 87 9259; j Unter Aufsicht des Vaad Harabonim der Kehilla * MITTAGS, und ABENDTISCH Anrichten von kleinen Festlichkeiten und Banketten j! DAUNENDECKEN j — GARDINEN! IMPORT. CHINTZ and VOILE \ BENNO DE LEVIE SR.L. j T E. 76-415* Í NUR: ECHEVERRIA 22421 : -,,. . » H. ROSENZWEIG ' TAILOR HENRY % Neues Telefon: 32.0913 Tucumcitn 563, piso 1 ¡ < < » » < t Grünt« A uiw ah] in imp. und hiesigen Stoffe« dieser eineinhalb Stunden Verspätung hat. Der Grund für diese vorzeitige Abfahrt war einfach, dass die Maschine bereits zu ei/.em um 22 Uhr erwarteten Alitalia-Flugzeug rechtzeitig eintreffen wollte... und der Passagier hat eben zu warten. Er sitzt nicht im Wasser, sondern in eimm sehr hübschen, aber auch sehr teueren Café. Sollte er von nächtlichem He.sshur.ger befallen werden, so lohnt 'es sich, rinös um die Gebäude ches Flughafens zur Personalkantine zu pilgern, wo man zwar eng gepfercht, und ohne äs.hetiscnes Beiwerk, aber sehr billig und nahrhaft verköstigt wird. Dann kann man seinen Espresso im riesigei- Flugh.afen-Foyer ge niitlich als Nachtisch schlürfen. Die Flughafen-Cafes gleichen sich libera'- auf der Welt: in Amsterdam ui d in London, in Zürich und in München sehen sie nicht viel anders aus als in Israel; weitläufig und neonbeleuchteta und mit riesigen Glasscheiben zum Flughafen hin. Wenn dann die grünen und roten, orangenen! und grellweissen Lichter der Flugzeuge am tiefschwarzen Nrchthimmel sichtbar werden, kommt Leben in die müde Schar der Café . Haus - Gäste mitternächtlicher Stunde und alles eit an die Monstre-Fenster um die Landung eines moderen Zugvogels mitzuerleben. Nur besonders Privilegierte dürfen dar Rol’feld selbst betreten, wo sich die Maschinen niederlassen und in erster Berührung mit der Erde über eine weite Aus- Ilaufstrecke .hinfegen. Die „Masse des Volkes“ , steigt auf eine erhöhte Rampe im ersten Stock, um von dort aus im kreideweiss machenden Scheinwerferlicht die Ankömmlinge zu mustern, über denen Faust’s Wort schwebt: „Die Erde hat mich wieder“. Zwischen den Hochprivilegierten, die sozusagen an den Schauplatz der Hand. Iung oder besser gesagt der Landung zugelassen werden und der Masse des Volkes, die vom hohen Baikone aus dem Schauspiel folgt, gibt es i. -h die Mittelklasse, die in die Zoll, und Empfangs räume zugelassen wird, wq die Reisenden zunächst, von einer allzu pathetisch, elektrisch angestrahlten Standarte der Israel-Armee begrüsst werden, die elf Jahre den Flugplatz so erfolgreich gehalten hat, damit das Himmelstor bewahrend. Im Oberstock des Flughafen-Gebäudes gab es übrigens ein Hotel, das jetzt liquidiert wird. Es erwies sich nicht als . ruhig genug. Ja, unsere El-Al-Flugzeuge a la Britannia, die flüstern, den Riesen, schweben schier lautlos zur Erde hernieder. Aber ihre englischen Landsleute „Viscount“ zum Beispiel, machen einen so ohrenbetäuoenden Lärm, dass man mehr an Titanensturz als an schwebende Vögel denkt... und so oft so ein Luftschreier sich herniederstürzte, fielen die Gäste aus den Betten, erklärte mir ein Routinier des Flugplatz- Nachtlebens. Ein guter Rat: fühlst du dich einsam, dann fahre nachts nach Ludd. Und wenn du wissentlich niemand abzuholen hast, die Bekannten flattern hier aus * allen v«‘i' Uimmeisrichtun. gen an. Ich habe noch nie so viele Bekannte auf einmal getroffen, wie in der Nacht von Ludd, wo ich drei Stunden zu warten hatte. Vor den Feiertagen z. B. zieht es die fliegenc-en Israelis und „Auslandsisraelis“ (ein feineres Wort für Abwanderer oder Jordim) mi. magischer Gewalt ins Ländie zurück. Und sie kommen an: glückstrahlend und müde, verschwitzt und mit allen Schätzen Europas und Amerikas bepackt. Muntere kleine Sabre-Kinder als... Cowooys verkleidet. (Man kommt im Vor-Barmizwa-Alter j 'cht aus Texas zurück, ohne die romantische Kluft der Prärie'arzuiegen). Da- ' men, die das Bat-Mizwa. j Alter zwar schon hinter sich ' gelassen haben, tragen die neuesten Kreationen der pariser Modell-Ateliers auf dem dauergewellten Haupt, und ehrsame Israelis haben sich mit Original-Borsalinos in Rom und Neapel behütet. Soweit so gut... was man auf dem Kopfe und am Leibe trägt (wenn man nicht gerade doppelte Devisen.Hosen anhat, wie kürzlich jener Schochet, der Besitz von Sitzen ableitete und über dreitausend Dollar unter seiner Sitzfläche luftgewärmt ins Land einführen wollte...) muss nicht verzollt werden, aber die Koffer... ach, die Koffer, so liebevoll und ordentlich gepackt, müssen dem Zöllner geöffnet und dargeboten werden. Das ist oft eine langwierige und nicht mehr imm.: ganz erfreuliche Prozedur. Wenn man etwa vergessen hat, sein sorgfältig in gebrauchter Wäsche eingewickeltes Taschenradio abzustellen und es dem Zollbeamten eine italienische Arie entgegenschmettert, so soll man sich nicht wundern, dass diese leise flehenden Lieder, einen eine Stange Geld kosten. Auch ist es nicht ganz plausibel, dass ein monogam*verheirateter Ehemann 20 Paar Nylon-Strümpfe „zum eigenen Gebrauch“ mitbringt. Unsere Zollbeamten sind hervorragende Psychologen. Sie wissen einfach, wie W ii ns'holruten gäriger, wo sie zu öffnen und zu durchsuchen haben. Mari lernt das eben... mi! der Zeit. Auch mein jun. ger Kollege Dan Sachs von der ITIM . Agentur, der Flugplatz - Reporter, hat schon einen Blick dieser Art bekommen. Er späht allerdings nicht nach Reisenden, die Devisen, Gold oder Radioapparate mit sich führen, sondern nacn solchen, die aktuelle Neuigkeiten zu vergeben haben. Er studiert die Listen der Ankommenden und stellt sich dann „seinen Mann“ oder die interessanteste Dame des jeweiligen Flugzeugs. Am schwierigsten, so er klärt er mir, sind Filmstars und Fussball-Grössen. Nur schwer' ist ein publizierbare: Wort aus ihnen herauszupressen: sie wollen nur fotografiert werden. Politiker hingegen sind sofort bered, meterlange Erklärungen abzugeben, die aber in 99 % der Fälle das allen Bekennte nur mit einer „persönlichen Note“ wiederholen. Le bensgefährlich sind chassidische Wunder-Rabbis für den Reporter. Kommen sie au~ dem Himmel herab in Lodd an, so stürzt sich auf sie die ekstatische Menge d:r Wischnitzer, Satmarer oier. Karliner Chassidim (der Katalog kann beliebig -erweitert werden, seit wir nur das beachtliche Buch vor Jizchak Alphasi, „Geschieh te des Chassidismus von de”- Tagen des Baal-Schem bis heute“, besitzen). Nur wenige jiddische Brocken wirf' der Gabbe des Rebben dem hungrigen Reporter hin, der dafür oft eine halbe Nacht durchwachen muss, wenn er sich nicht in sein k’eirr' Schlafzimmerchen auf ein paar Ruhestunden vorher zurückgezogen hat. das der Presse im Lufthafen zur Verfügung steht. Die „Very Important Per sons“ sind weniger interessant als mittlere Reisende die etwas Spezifisches zu erzählen haben. Da kommt etwa ein Gymnasiallehrer von einem folklorist:sc''e" Kongress aus Bukarest und bringt das erste jiddische j Gedichtbuch mit, dass seit I Kriegsende in Rumänien er- I schienen ist, da erscheint * Neue Steuern Jerusalem. — Die Hausbesitzer werden den grössten Teil der neuen Steuern zu tragen haben, die zur Finanzierung des erweiteren Budgets Israels, welches 58 Mil. lionen IL erfordert, notwendig sind, wie die interministerielle Kommission be. kanntgab. Es wurde der Antrag gestellt, dass d.ese Steuerzahler die Abgacen auf 4 bis 5 Jahre im voraus leisten sollen. Aridere Eingänge werden aus Schatzaaweisungen stammen, die n Höhe von 22 Millionen IL aufgelegt werden sollen und von der Knesset bewilligt werden müssen. Das jetzige Budget von 1.600.000.000 IL wird um 80 Millionen erhöht werden, um die zusätzlichen Au gaben fiir Sicherheit, Folgen der Dürre, Zuwendungen an die Bauindustrie und a 'deren Subsidien zu decken. — (ITA) -ein Siebzigjähriger aus New York, um nac l für fzigj;irrir ger Trennung seinen Zwillingstruder aus Petach-Tikwa zu umarmen, eine „story \ die jedes Blatt — unabhängig von der Parteirichtung — gerne und ausfiihr. lieh bringt. Oder ein geheiltes ' Kind, das aus Europa oder Amerika zuriiekkehrt... das sind die Lichtpunkte am Nachthimmel von Ludd für den Flughafenreporter. - Wir aber haben nun endlich „unseren“ Ankömmling entdeckt und schleusen ihn allmählich durch alle Instanzen von Pass, Bank und Zoll zum wartenden Taxi, in welchem man wieder eine dreiviertel Stunde warten muss, aber man hat sich inzw’ischen (zum Glück) etwas zu erzählen. Alle Wege führen nach Ludd, die Wege von Air. France, Alitalia, von KLM, Cyprus Air Ways, von Swiss Air, Sabena, TWA, BOAC und wie all die vielen Ab. kürzungen heissen, die alle Entfernungen abkürzan. Und natürlich die Luftwege Israels selbst, die El Al- Flugwege, die unser ur-altes Land und unseren blut-jungen Staat mit der ganzen Welt verbinden. Dr. Hardi Swarsensky Asuntos Europeos exclusivamente Sprechstunden: Dienstag, Mittwoch u. Freitag v. 15—19 Uhr Dr. Gunter Frey Asuntos Argentinos y Sudamerieanog TESTAMENTE - ERBSCHAFTSSACHEN VERTRAEGE - VERWALTUNGEN — BUEROZEIT: 10—12 und 15—18 Uhr PUEYRREDON 2190 esq. A?. LAS HERAS “ T. I. 8t-MH

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