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Jüdische Wochenschau · 1960-06-17 · 1787 (17.6.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1787 (17.6.1960)
Date
1960-06-17
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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TíCO r.r»oc»V Vrí ti tut * Z) 1 :''V \ i .:>K . ji. FRANQUEO PAGADO Concesión 908 EL EJEMPLAR» en toda la República Q Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? isq. T. E. 83 . 2613 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 17 DE JUNIO DE 1960 No. 1787 ruentinische Beschwerde vor «Fortsetzung von Seite 3) den sollte. Eingeweihte Kreise glauben, dass Argentinien der Entführung Eichmanns in seiner Beschwerde wegen folgende Forderungen stellen wird: a) Rückstellung von Eichmann nach Argentinien; b) Bestrafung seiner Entführer; c) .Entschuldigungen. Wie aus informierten Quellen verlautet, besteht die Annahme, dass Israel nicht bereit ist, die beiden ersten Verlangen zu erfüllen und sich darauf beschränken dürfte. Entschuldigungen zu präsentieren. Die beiden heute im Sicherheitsrat vertretenen Nationen Lateinamerikas sind Ekuador und Argentinien. Die Botschafter dieser beiden Länder haben sich, wie es heisst, über den Fall Eichmann in Verbindung gesetzt. Dr. José A. Correa, der Botschafter Ekuadors, hat erklärt, seine Delegation identifiziere sich völlig mit der Argentiniens, was die Verteidigung der Souveränität betreffe. „Obwohl Ekuador mit Israel und mit Argentinien j die besten Beziehungen unterhält“, führte er aus, „und obwohl es die von Eichmann begangenen Verbrechen zutiefst verurteilt, so müssen wir doch in diesem Falle, in dem Argentinien seine Souveränität verteidigt energisch für Argentinien Partei ergreifen.“ ¿ MEXIKANISCHE NATIONALISTEN Mexico City. — Die Unión Revolucionaria Democrática Nacional sandte eine Botschaft an Papst Johannes XXIII., in dam um sein Eingreifen im Fall Eichmann ersucht wird. De Verband stellt sich als eine „revolutionäre Organisation ehemaliger Frontkämpfer“ vor und stellt fest, die Entführung Eichmanns sei“ ein schw: reres Verbrechen als die von Eichmann verübten Verbrechen alle zusammen“. Israel wird in dem Schreiben ein „Briikkenkopf des Kommunismus“ genannt. Drohungen in Guatemala Guatemala. — Hiesige Juden erhielten mit Hakenkreuzen Unterzeichnete Drohungen, dass die Juden erschlagen werden wunden, falls Eichmann hingerichtet werden sollte. Die Drehbriefe wurden durch die Post zugestellt. Sie waren an zwei führende Kaufleute und das Oberhaupt einer bekannt» n jüdischen Fami. Irr adressiert. Auch die Briefumschläge trugen J1 a k <'"!■: r ru zo. < TT A1 HIMMLER-ADJUTANT IN BRASILIEN Rio de Janeiro. — Einer der führenden Nazis, der an der Ermordung vieler Juden die Mitschuld trägt, lebt heute unter einem falschen Namen in Sao Paulo, wie eine hiesige jüdische Zeitung berichtet. Es handelt sich um Bubi von Alw’ensleben, der im Kriege Adjutant Himmlers war. Die Annahme, dass er sich in Brasilien befindet, stützt sich auf eine Bemerkung, welche der vor einigen Monaten verstorbene frühere Leibarzt Himmlers, Dr. Felix Kersten, in einer privaten Unterhaltung fallen liess. * ER KANNTE EICHMANN .Stockholm. — Prof. Georg Klein, ein jüdischer Krebsforscher, hat Einzelheiten über die Betätigung Eichmanns in Ungarn im Jahre 1944 enthüllt. Zu jener Zeit arbeitete der jetzt 35jährige Dr. Klein als Bote im Büro der Jewish Agency in Budapest. Klein berichtet, Eichmann sei häufig in den B|iros der Jewish Agency erschienen, um grosse Mengen von Wäsche, Kleidungsstücken, Schmucksachen, Grammophonplatten u. a. zu fordern, wobei er stets Drohungen ausstiess, falls die Dinge nicht schnell herbeigeschafft werden sollten. Einmal habe er einem der dort arbeitenden Juden die Pistole an die Stirn gehalten und gebrüllt: „Ich bin zwar im allgemeinen ein friedlicher Mensch, aber heute bin ich ein Schweinehund”. * ANRUFUNG DES SICHERHEITSRATS UN. — Argentinien beschuldigte Israel formell, seine Souveränität durch die auf seinem Territorium erfolgte Festnahme des ehemaligen Obersturmbannführers Adolf Eichmann verletzt zu haben, und ersuchte den Sicherheitsrat um die Verfügung einer „gerechten Wiedergutmachung“. Der argentinische Botschafter Mario Amadeo überreichte dem Präsidenten des Rates, Tiungu Tsiang aua dem nationalistischen China, eine Note, in der er die Einberufung einer „eiligen“ Sitzung verlangt. Nach Ueberreiehung der Note stattete Amadeo Generalsekretär Hammarskjöld einen Besuch ab, um ihn über den Schritt seiner Regierung zu informieren. Man hofft, dass Golda Meir der Sitzung beiwohnen wird, deren Anberaumung für Anfang nächster Woche erwartet wird. Aus Tel Aviv stammende Nachrichten besagen, dass Fron di zi und Ben Gurion, die sieh beide in Europa befini den, in Paris oder Brüssel {Zusammentreffen dürften, j j ’um sieh über den Fall aus-j i zusprechen. Dr. Fixmdizi, in Rom über diese Möglichkeit ■befragt, äusseate, er sei von diese- Id,ee nicht sehr eingenömme;.. Er erklärte jedoch dem argentinischen Botschafter in Israel, mit dem er in Italien zusammentraf, er sei zu einer Aussprache mit Ben Gurion bereit. TEXT DER ARGENTINISCHEN NOTE UN. — Der Text der Note durch die Argentinien um Einberufung des Sicherheitsrats ersucht, der ein Memorandum über den Fall Eichmann beigefügt ist, lautet wie folgt: „Ich habe die Ehre, mich gemäss der von meiner Regierung erhaltenen Instruktionen an Sie mit dem Ersuchen um eine eilige Sitzung des Sicherheitsrats zu wenden, um über die Verletzung der Souveränitäts- Rechte Argentiniens zu beraten. Diese Verletzung x^urde durch die unerlaubte und heimliche Entführung Adolf Eichmanns aus argentinischem Territorium nach Israel begangen, durch die die Normen des internationalen Gesetzes und die Ziele und Prinzipien der UN-Charter übertreten wurden. Hierdurch ist eine Atmosphäre der Unsicherheit und des Misstrauens geschaffen werden, die mit der Bewahrung des internationalen Friedens unvereinbar ist. Ich füge ein Memorandum über die Einzelheiten des Falles bei und begrüsse Sie mit ausgezeichneter Hochachtung (gez.) Mario Amadeo, Botschafter.“ I Das Memorandum hat folgenden Wortlaut: „Mit Datum vom 10. Juni 1960 unterbreitete die argentinische Regierung dem Sicherheitsrat den Text der vom Aussenministerium am 8. Juni 1960 an die Botschaft Israels in Buenos Aires gerichteten Note, die die Antiwort auf die Note darstellt, welche die israelische Bot- | schalt am 3. Juni 1960 im Zusammenhang mit de Festnahme von Adolf Eichmann, auf argentinischem Territorium präsentierte. Das Schreiben der diplomatischen Schritte, die die argentinische Regierung vor der Regierung Israels unternommen hat, zwingt sie nunmehr, in Verteidigung von grundsätzlichen Rechten die Behandlung des Falles durch den Sicherheitsrat zu fordern in dem sie sich darauf beruft dass dieser in den Bestimmungen der Artikel 34 und 35, Paragraph q) der UN- Charter ausdrücklicn eingeschlossen ist. Die Tatsachen die zu dieser Situation geführt haben, sind folgende: 1. In Kenntnis von Informationen, die an die internationale öffentliche Meinung gelangten, nämlich dass die Festnahme von Adolf Eichmann auf argentinischem Territorium von „Freiwilligen-Gruppen“ geschehen sei, die ihn auf israelisches Territorium brachten, wo sie ihn den Landesbehörden übergaben*, hat sich die argentinische Regierung um Aufklärung hierüber an die Regierung Israels gewandt. 2. Die Regierung von Israel antwortete auf dieses Ersuchen durch ihre Botschaft in Buenos Aires in einer Note mit Datum vom 3. Juni 1960. Hierin wird erklärt, dass Eichmann wirklich aus argentinischem Territorium nach Israel geschafft wurde, nachdem Eichmann sein Einverständnis mit dieser Ueberführung gegeben habe. Die Note sehliesst mit dem Hinweis, dass „falls die Freiwilligen- Gruppe das argentinische Ge' setz oder den Machtbereich der argentinischen Souveränität verletzt haben sollte, die israelische Regierung ihrem Bedauern hierüber Ausdruck zu geben wünscht“ Information des Aussenministeriums Das Aussenministerium Argentiniens gab eine Information bekannt, die mit dem Begehren nach Auslieferung des deutschen Staatsangehörigen Dr. Josef Mengele im Zusammenhang steht. Mengele war Arzt im KZ-Lager Auschwitz während des zweiten Weltkrieges und lebt heute in Argentinien. Das Communiqué hat folgenden Wortlaut: „Der Antrag auf Auslieferung des Josef Mengele, der von der Botschaft der Deutschen Bundesrepublik gestellt worden ist, wurde dem Herrn Generalprokurator der Nation zugeleitet, wie es im Artikel 652 des Código de Procedimientos en lo Criminal vorgesehen ist, falls kein Auslieferungsvcrp’ag zwischen Argentinien und dem Antrag stellenden Land besteht. „Der Herr Generalprokurator bemängelte das Fehlen folgender Dokumente: Kopie des Gerichtsverfahrens, durch das das Gesuch auf Auslieferung dekretiert wird, Kopie der gesetzlichen Bestimmungen, die auf die Straftaten Anwendung finden und zur Zeit ihrer Verübung gültig waren, Kopie der Gesetzes Vorschriften, die sich auf die Verjährung der strafbaren Handlungen beziehen. „Nachdem dieser Entscheid der Botschaft zur Kenntnis gebracht worden war, hu! diese die verlang- > ten Dokumente beschafft, deren entsprechende Bearbeitung zeitgemäss erfolgen wird-'’ 3. Nachdean die Wahrheit der mit der Festnahme Eichmanns verbundenen Tatsachen anerkannt worden war. erhob die argentinische Regierung in der vorerwähnten Note vom 8. Juni formellen Protest gegen den unerlaubten Akt, der in Schädigung eines der fundamentalen Rechte des argentinischen Staates begangen wur. de, und forderte eine angemessene Wiedergutmachung, die nichts anderes sein kann als die Rückstellung Eichmanns. Hierfür setze sie den Termin von einer Woche fest und forderte die Bestrafung der für die Verletzung des argentinischen Territoriums Schuldigen. Andernfalls erklärte sie ihren Entschluss. die Frage den UN vorzulegen. Der in der erwähnten Note gestellte Termin ist abgelaufen, ohne dass eine Autwort von der Regierung Israels eingegangen ist. Darüber hinaus haben die bekannten Erklärungen von Repräsentanten dieser Regierung zu der Schlussfolgerung geführt, dass der verlangten Wiedergutmachung nicht stattgegeus-ii wkA. Es ist nicht notwendig, in Weiterungen einzugehen, um j auf die Schwere der sich hieraus ergebenden Lage zu verweisen. Der unerlaubte und heimliche Abtransport Eichmanns aus argentinischem Territorium stellt eine offenbare Verletzung des Souveränitäts-Rechtes des argentinischen Staates dar, und seine Regierung ist legitim gerechtfertigt, eine Wiedergutmachung zu fordern. Keine Rücksicht anderer Art, auch nicht die von der israelischen Regierung über die Bedeutung angeführten, welche das Recht zur Aburteilung des Mannes in sich sehliesst, der der Morde «n den Konzentrationslagern angeklagt ist, kann über dieses Recht gestellt werden, obwohl das Volk Argentiniens und seine Regierung diese Gründe voll zu werten wissen. D gegenteilige Fall würde das Zugeständnis bedeuten, dass ein jeder sich selbst Gerechtigkeit verschaffen kann und das Gleichgewicht der internationalen Ordnung von unilateralen Akten abhängig zu machen, deren Wiederholung unweigerlich Gefahren für die Bewahrung des Friedens in sich bergen würde. Vor Anrufung des Sicherheitsrats hat die argentinische Regierung versucht, gemäss der Bestimmungen der UN-Charter, auf normalem diplomatischem Verhandlungsweg zu einer befriedigenden Lösung zu gelangen. Hierbei hat sie es nicht unterlassen, sich von der .engen Freundschaft leiten zu lassen, die sie mit Israel verbindet. Aber diese Bemühungen haben keinen E folg gezeitigt. Unter diesen Umstünden bleibt kein nnocrer Weg als über den Sicherheitsrat. Es handelt sich hierbei in Wahrheit um eine politische Frage, die nicht nur eine schwere Verletzung der argentinischen Souveränität darstellt, sondern auch ein gefährlicher Präzedenzfall für den Frieden und die Sicherheit im der Welt ist, für deren Aufrechterhaltung . der Rat in erster Reihe die Verantwox*- tung trägt. Die argentinische Regierung hegt die Hoffnung, dass der Sicherheitsrat dieser Frage die ihr gebührenoe Bedeutung beimessen und die Entschlüsse fassen wird, die eine gerechte Wiedergutmachung der verletzten Rechte darstellen.“ FUER EINE GUETLICHE BEILEGUNG UN. — Der Sicherheitsrat ist für den kommenden Mitwoch um 10 Uhr 30, ein berufen worden, um darüber zu befinden, ob Israel die argentinische Souveränität im Fall Eichrnann verletzt hat. Sollte der Rat entscheiden, dass eine solche Verletzung vorliegt, so dürfte er eine entsprechende Erklärung abgeben-, in der eine „angemessene Wiedergutmachung“ empfohlen wird. Da die Sitzung des Sicherheitsrats nicht sofort anberaumt wurde und bis zu seinem Zusammentritt eine Woche Zeit verbleibt, so besteht offensichtlich der Wunsch, die Möglichkeit zu einer gütlichen Beilegung des Streitfalles offe:- zu lassen. * DIE SUCHE WIRD FORTGESETZT New York. — „Israel ist entschlossen, den Nazi Eichmann in Haft zu halten und vor Gericht zu stellen“, erklärte der israelische Aussenminister Golda Meir in Chicago den Journalisten, die sie kurz nach Uebergabe der Beschwerde Argentiniens vor den UN interviewten. Frau Meier enthüllte bei dieser Gelegenheit, dass ihr Land die Suche nach anderen Nazis fortsetzen werde, „die frei in der Welt herumlaufen“. Sie betonte, die Frage Eichmann sei nicht ei;l legales Problem, sondern eine Frage von Gerechtigkeit und Menschlichkeit. An unsere Leser Hierdurch machen wir unser». Leser darauf aufmerksam, dass die Jüdische Wochenschau wogen des staatlichen Feiertages am kommenden Montag, erst am Mittwoch, den 22, Juni erscheinen kann. Wir bitten, hiervon freundliehst Kenntnis | nehmen w wollen. | __J. Registro de la Propiedad Intelectual N* 024.97» Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 31M.

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