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Jüdische Wochenschau · 1960-06-17 · 1787 (17.6.1960) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1787 (17.6.1960)
Date
1960-06-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German, Spanish
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r i I ( Il i I 1 (sfl 1 ELI T A Año XXI, No. 1787 Vier ne*. IT 4m Juai« dm 19W Aul der Suche nach Kriegsverbrechern T>W Verfasser iksss Berichte* war seinerzeit Mitglvd de» Wswd Hahazalab, de* jüdische» Hettangsarusaeiwisse» in Bttdapest. der awr Nazizeit eine historisch bedeutsame Bolle bei dem Versuch gespielt hat, wenigstens Teile des europäoschen Judentums zu retten. Joel Brand hatte der Staatsanwaltschaft in Frankfurt atm Main Besuche abgestattet» um nach dem Verbleib Eichmanns zu forschen. * Am Morgen nach meiner Ankunft in Frankfurt/M. rief ich den Untersuchungsrichter Grabert au, der seit etwa 3 Jahren die Voruntersuchung gegen den Stellvertreter Eichmanns, SS- Obersiurmführer Hermann Krumey, und Eichmanns Nachfolger, SS-Hauptsturmführer Otto Hunsche, wegen Beihilfe zum Mord an etw,a 50b.000 ungarischen Juden führt. Herr Dr. Grabert war auf einer Dienstreise. So konnte ich ihn nicht fragen, wie es kommt, dass die seit 3 Jahren laufende Voruntersuchung noch nicht abgeschlossen ist, und warum die zwei Angeklagten trotz ebner derartigen ungeheuerlichen Anklage sich weiter auf freiem Fuss befinden. Krumey hat in Korbach eine gut gehende Drogerie samt Sportartikelgeschäft, das er sich mit Darlehen aus den Wiedergutmachungsgeldern ff) aufgebaut hat. Krumey hatte trotz der ungeheuren Anzahl von Morden, die ihm zur Last gelegt werden, und bei denen er zweifellos beteiligt war, einen rechtlichen Anspruch auf Wiedergutmachung. Er stammt nämlich aus dem Swdetengebiet und war frühzeitig ein treuer Gefolgsmann in Henleins Mordko- : rönnen ge worden, Aber die!Tschechen wiesen nach dem Kriege derartige „deutschstämmige“ Leute aus dem Sudetenland kurzerhand laus. So geht es ihm jetzt wirtschaftlich gut. Bel Otto Hunsche steht die Sache etwas anders. Er hatte als guter Nazi im Dritten Reich schnell Karriere gemacht. Als glänzender Organisator (einer Mordorganisation) wurde er frühzeitig juristischer Berater beim Eichrr annschen Stab, wo er | die juristischen Formulierungen, die den Mord an Millionen „rechtfertigten“, erfand. Dieser Kerl wurde nach dem Kriege Rechtsanwalt in Recklinghausen, ein würdiger Sachverwalter von Recht und Gerechtigkeit... Da ich bei Dr. Grabert kein Glück hatte, versuchte ich es beim Frankfurter Oberstaatsanwalt Dr. Heinz Wolf. Dr. Wolf kannte meinen Namen und lud mich sofort ein, zu ihm zu kom men. Im Vorzimmer wurde ich schon erwartet und gleich ins „Heiligtum“ geführt. Dr. Wolf ist ein eleganter Mann in den besten Jahren. Sein Arbeitszimmer ist so gross, dass sicher 100 Menschen bequem dort Platz finden könnten. Die Einrichtung ist elegant, aber nicht prunkhaft. Ein gewaltiger Schreibtisch mit nicht zu vielen Akten, steht an einer Seite. Ein grosser runder Tisch mit bequemen 'Lehnstühlen nimmt den grössten Teil des Zimmers in Beschlag. An einer Wand steht ein grosser Bücherschrank. Ich konnte einen Blick hereinwerfen und war überrascht. Es gab dort nicht die üblichen Gesetzbücher und juristischen Kommentare, sondern in eivon JOEL BRAM) ner langen Doppelreihe die Protokolle der Nürnberger Kriegsverbrecher - Prozesse und nur noch antinazistische Literatur. Nachdem ich erklärt hatte, dass ich vor allem deswegen nach Europa und Deutschland gekommen sei, um alte und neue Nazis aufzustöbern, und um festzustellen, was diese jetzt treiben, erklärte Oberstaatsanwalt Dr. Wolf, dass er mir gerne mit allen seinen Kräften hierbei behilflich sein were und hoffe, dass durch meine Arbeit versteckte Nazis gefunden und Beweismaterial aufgetrieben werden könnte. „Wir bereiten jetzt hier die zwei grössten Prozesse der Frankfurter Geschichte, vor“, fuhr er fort. „Der eine wird der Auschwitz-Prozess sein. Für diesen habe ich schon eine Beschuldigtenliste von 599 Personen. Diese Liste ist aber noch nicht vollständig. Sie wird erweitert werden. Dabei konzentrieren wir uns nur auf Angeklagte, die für Totschlagsdelikte belangt werden können. Mit Raub, Diebstahl oder Quälereien, soweit diese nicht zum Tode der gequälten Menschen führten, befassen wir uns kaum noch. Leider sind von diesen 599 Mördern vorläufig nur 9 in Haft. Gegen 13 weitere kann ich heute einen Haftbefehl unterschreiben und dem Untersuchungsrichter vorlegen. Ich hoffe, sehr bald gegen viele weitere Beschuldigten Haftbefehle erlassen zu können. Aber alles ist sehr schwierig. Wir wissen, was in Auschwitz und den übrigen Plätzen geschah, und wir wissen auch, wer die Menschen waren, welche diese Grausamkeiten begingen. Aber wir brauchen Zeugen, die konkrete Angaben machen können, und juristische Beweise, die unsere Gerichte anerkennen müssen. Wenn sich Menschen melden würden, die in Auschwitz waren, und die bereit sind, konkrete Angaben zu machen, so würden diese dadurch der Menschheit einen grossen Dienst erweisen. Denn wer immer zu solchen Grausamkeiten fähig war, muss unschädlich gemacht werden. Den zweiten, historisch vielleicht wichtigsten Prozess bereiten wir gegen Eichmann, Krumey, Hunsche sowie die Gesandten Veesenmayer und Krell vor“. „Was heisst Eichmann? unterbrach ich den Oberstaatanwalt. „haben Sie ihn denn? Ober besteht Aussicht, ihn zu fassen?“ „Wie es mit Eichmann steht, will ich nicht mit Ihnen diskutieren. Darüber werden Sie mit Herrn Generalstaatsanwalt Dr. Bauer der Sie in einer Stunde erwartet, sprechen. Gegen Krumey werden wir überdies einen separaten Prozess starten. Es handelt sich hierbei um die 86 Lidice- Kinder, die nachdem sie Krumey für die „Sonderbehandlung“ übernommen hatte, spurlos verschwunden sind. Aber im Falle des Gesandten Veesenmayer werden wir vielleicht nicht vorwärts kommen. Verschiedene Oberlandesgerichte haben nämlich in der Zwischenzeit entschieden, dass Nazis, die schon einmal vor einem alliierten Gericht gestanden haben nicht nochmals angeklagt werden können. Das wäre sehr schade. Denn Veesenmayer war sicher bei der Deportierung und Vernichtung von hunderttausenden Menschen führend beteiligt. Dafür erhielt er 20 Jahre. Aber nach 6Y> Jahren war er schon frei. Der Krell dagegen, der nicht vor einem alliierten Gericht gestanden hat, dafür viel weniger belastet als Veesenmayer ist, kann, wenn er verurteilt wird, lebenslänglich bekommen. „Im übrigen“, setzte Oberstaatsanwalt Wolf seine Ausführungen fort, „glaube ich nicht, dass in Deutschland noch eine nazistische Gefahr besteht. Dazu sind wir jetzt mit zu vielen Fäden mit sehr vielen anderen westeuropäischen Staaten verknüpft. Jedoch auf dem Gebiet der Umerziehung der deutschen Jugend müsste noch manches geleistet werden.” Dabei fiel mir die Statistik der österreichischen Zeitung „Die Furche“ ein, die ich erst kürzlich in die Hand bekam. In dieser wurden die Geschichtsbücher, die in deutschen Schulen in den Jahren 1949 und 1958 Montevideo. — Auf drei jüdische Qebäudwurden terroristische Attentate verübt. Bei dem einen wurde ein l7jähriger argentinischer Bürger getötet, und zwei andere Männer uruguayischer Staatsbürgerschaft wurden verletzt. Kurz nach 10 Uhr abends explodierte eine starke Bombe in einem jüdischen Tempel in der Strasse Buenos Aires 234, die jedoch nur materiellen Schaden anrichtete. Die Explosion war so heftig, dass mehrere Häuser auf der gegenüberliegenden Strassenseite beschädigt wurden. Des weiteren entstand ein Feuer, das jedoch schnell von drei Mannschaften der Feuerwehr gelöscht werden konnte. Gleichzeitig wurden von der Polizei in der Synagoge Durazno 972 und im Gebäude der Nueva Congregación Israelita, der Gemeinde der deutschsprechenden Juden, das in der Rio Branco 1168 gelegen ist, zwei s* irke Bomben gefunden, bevor diese zur Explosion gelangten. Im Gebäude der N.C.I. befinden sich eine grosse Synagoge und die Verwaltungsräume der Gemeinde. Wenig später ereignete sich in einer in der Strasse Alarcón 1513 in Montevideo gelegenen Garage, im Zentrum von Pocitos, eine heftige Explosion. Wie die Polizei feststellte, wurden die Bomben in dieser Garage hergestellt. Der Inhaber der Garage dürfte in die Angelegenheit verwickelt sein. Bei der Explosion wurde einer der Bombenwerfer, 17 Jahre alt und argentinischer Staatsangehöriger getötet, während die beiden anderen, ebenfalls jung’ Leute, uruguayischer Staatsangehörig, keit, schwer verletzt worden sind. Wie in diesem Zusammenhang mitgeteilt wird, gehörte der ums Leben gekommene Argentinier einer nationalistischen antisemitischen Organisation an und oll regelmässig zwischen Buenos Aires und Montevifiir die 5. und 6. Klasse benutzt wurden, untersucht. Das Ergebnis war: Ueber die Geschichte des Hitlerreiches gab es in der Ausgabe von 1949... 41 Seiten, 1958... 13 Seiten. Ueber die Judenverfolgungen gab es in der Ausgabe von 1949... 3 Seiten, 1958... 14 Zeilen. Ueber Konzentrationslager gab es in der Ausgabe von 1949... 5 Seiten, 1958... nichts mehr. „Auch glaube ich“, fuhr der Oberstaatsanwalt fort, „nicht daran, dass die Hakenkreuzsehmier.Propaganda beweist, dass in Deutschlan: der Antisemi.Ismus wieder an Boden gewinnt!“ „Ich möchte in diese Debatte jetzt nicht tiefer ein. steigen“, antwortete ich. „Ich bin hergekommen, um c tl. versteckte Nazis aufzustöbern. Dabei sehe ich für den in Deutschland la tent vorhandenen Antisemitismus viele Anzeichen: z.B. die Goldstein.Angelegenheit. J Ein Mensch, der sich als Dok or und Grossrabbir.er ausgibt und gar keiner ist, gibt der neonazistischen „Deutschen Soldatenzeitung“ ein Exklusiv - Interview. Dort vertritt er die These, deo gereist sein. Es wird vermutet, dass es sich um ein nazistisches Komplott handelt, dessen Hintermänner nicht in Uruguay sitzen. Wie ferner mitgeteilt wird, war die explodierte Bombe für die israelische Botschaft in Uruguay bestimmt. OEFFENTLICHKEIT BESTUERZT Montevideo. — Die terroristischen, antisemitischen Attentate haben in Montevideo 'Wie in der ganzen Republik Bestürzung ausgelöst. Man ist der Meinung, dass dieser Ausbruch einer neuen antisemitischen “Welle die Fortsetzung der antisemitischen Kampagne vom Januar dieses Jahres darstellt. Die Bevölkerung zeigte sich von den Terrorakten völlig überrascht, die sich ereigneten, ohne dass man vorher eine Bewegung in dieser Richtung bemerkt hätte. In einigen Kommentaren wird die Vermutung ausgesprochen, dass die Terrorakte mit dem Fall Eichmann in Verbindung stehen könnten, der auch in Uruguay die Gemüter stark bewegt hat. Die Polizei ist bemüht, durch weitere Untersuchungen die Hintermänner zu entdecken, die sich der jugendlichen Verbrecher bei ihren Anschlägen und Terrorakten gegen fremdes Leben und Eigentum bedient 5 die Juden solltm die Verbrechen der Nazimörch r vergessen und verzeihen. Die Wiedergutmachungs-Leistungen sollten eingeschränkt werden, dann würde eine wirkliche Aussüh iung zwischen allen Deutschen (a. h. auch den alten Nazi Verbiechern) und den Jucen erfol. gen. In der Folge zollten viele im Dunkeln verborgen le. bende Nazis diesem arg.biicher „Nathan dem Weisen" in unzähligen Leserbriefen stürmischen Leiiall. Man sollte diesen Briefschreibern mal auf die Finger schauen.“ Antwortete Oberstaatsanwalt Wolf: „Ich habe iiler diesen Goldstein von verschiedenen Persönlichkeiten, auf deren Meinung ich etwas gebe, auch Verschiede. : -S gehört. Danach dürfte vielleicht das /orleben des Herrn Goldstein nicht sehr einwandfrei sein. Aber das, was er in seinem Interview für die Soldatenzeitung sagt ist moralisch vertretbar. Auch wenn ich es nicht begreifen kann, dass er seine Ansichten gerade dort publiziert.“ Der gute Eindruck, den ich zuerst vom Obersten Frankfurter Staatsanwalt hatte, wurde durch dieses Gespräcli etwas gedämpft. Weitere Dämpfer sollten bald folgen. (Weitere Berichte folgen) haben. Die Polizei erklärt, dass sie versuchen will festzustellen, ob und welche Beziehungen die Terrorban. de mit ähnlichen Organisationen im Ausland hat. ERKLAERUNGEN DES Z ENTR AL-COMITES Der Vorsitzende des Zentral-Comités der jüdischen Gemeinden und Vereinigungen in Uruguay, Herr José Weinstein, berief den Vorstand zu einer Eilsitzung, um über die Vorkommnisse zu beraten. Vom Polizeipräsidenten wurden Garantien verlangt, dass sich derartige Terrorakte nicht wiederholen. Die Polizei verstärkte die Bewachung aller Gebäude, in denen jüdische Organisationen ihren Sitz haben, sowie die Bewachung der Synagogen der Stadt Monte video. Die in Montevideo erscheinende grosse Tageszeitung „El Dia’’ gab der Meinung Ausdruck, dass ein Zusammenhang zwischen der Affaire Eichmann und diesen Terrorakten bestünde. Wie dem auch sei, so schreibt die Zeitung, man müsse von den Behörden verlangen, dass alles getan wird, um dem Ausbruch einer neuen antisemitischen Welle und neuer Terrorakte mit aller Energie entgegenzutreten, damit die Wiederholung derartiger Attentate unterbunden wird. WINTERFERLEN vom 1. bis 31. JnK HOTEL LAGO Inh. LEO KAHN RIO CEBALLOS — Cas. Correi 34 — RITUELLE KUECHE CORDOBA iWWMWMMWWWWWWWWWVWWWWW; Restaurant »Paso! Paso 452 (al fondo) — T. E. 87-9259£ > Untar Aufsicht des Vaad Harabonim der Kebilla MITTAGS, und ABENDTISCH Anrichten von kleinen Festlichkeiten und Banketten t -y--t"g~n—>-#—y-Rp-p § p pp-ppp.pt % t p - -p i p pty pt--g p t -g--p—y DAUNENDECKEN j -GARDINEN IMPORT. CHINTZ und VOILE i BENNO DE LE VIE S.R.L. j T. E. 76-4155 1 NUR: ECHEVERRIA 22Al\ rmmwwmwwwwyß^wwwwwmHrwmwwwwwwwwww H. ROSENZWEIG TAILOR HENRY Tucumán 563, piso! j Neues Telefon: 32-0913 Grösste Auswahl ia tap. und hiesigen Stoff«* I Als Leiter unseres neuen Altersheims suchen wir einen Herrn mit Erfahrung in der Verwaltung eines gleichen oder ähnlichen Institutes, mit ausgesprochener organisatorischer Begabung, besonders auch' in der Behandlung eines grösseren Personals, mit Energie und Takt. Der Bewerber soll möglichst nicht älter als 50 Jahre und verheiratet sein, und seine Ehe. frau soll die Fähigkeit besitzen, sich als „Ama de llave” zu betätigen. Der Posten wird gut honoriert Handgeschriebene Bewerbungen mit Lebenslauf wolle man an den Unterzeichneten Vorstand richten der seinerseits dem ausgewählten Kandidaten zur Vor bereitung auf seinen Posten die Möglichkeit bieten wird, sich vorher in einem ähnlichen Institut einzuarbeiten. Vorstand der NUEVA CONGREGACION ISRAELITA Montevideo, Rio Branco 1168 Antisemitischer Terror in Uruguay

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