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Jüdische Wochenschau · 1960-06-14 · 1786 (14.6.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1786 (14.6.1960)
Date
1960-06-14
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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r* FRANQJEOPAGADO Concesión 908 EL EJEMPLAR en loda la República TARIFA REDUCIDA Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 izq. Concesión 1629 T. E. 83 Año XXI. BUENOS AIRES, MARTES 14 DE JUNIO DE 1960 No. 1786 llLll (Fortsetzung von Seite 7) so viele Jahre hindurch eine ruhige Zuflucht gefunden habe. „Wenn der Preis hierfür auch vielleicht ein hoher sein sollte, so ist es nicht nur das Recht Israels, über Eich mann zu Gericht Ziu sitzen, sondern auch seine Pflicht, die die Israelis den 6 Millionen Juden gegenüber erfüllen müssen, die nicht mehr sprechen können.” Bekanntlich wurde Dr. Rodolfo Garcia Arias, der argentinische Botschafter in Israel, nach Buenos Aires zurückbeordert. Die Tatsache aber, dass seine Gattin in Israel bleibt, wird als Anzeichen dafür gewertet, dass der Botschafter nur zur Berichterstattung und zum Empfang von Instruktionen gerufen worden ist. if IN DEN UN Vereinte Nationen. — Die Gerüchte, dass der argentinische Botschafter vor den UN nach Buenos Aires gerufen worden sei, nachdem seine Regierung gedroht hatte, sich beim Sicherheitsrat über das israelische Verhalten im Fall des Nazihenkers Eichmann zu beschweren, •wurden hier von der argentinischen Delegation entschieden dementiert. Der ständige Repräsentant Argentiniens, Dr. Mario Amadeo, reiste am 29. Mai nach Buenos Aires, als der Sicherheitsrat die Debatte über die sowjetische Beschwerde gegen das Ueberfliegen Russlands durch USA.Flugzenge abgeschlossen hafte. Argentinien ist Mitglied des Sicherheitsrates. Botschafter Amadeo war zusammen mit anderen argentinischen Diplomaten aus verschiedenen Hauptstädten nach Buenos Aires gerufen worden, um mit Dr. Frondizi vor dessen Europa-Reise verschiedene Fragen zu erörtern. Die Anwesenheit von Dr. Amadeo sollte nur einige Tage betragen. Der argentinische Sprecher hob hervor, dass Botschafter Mario Amadeo seine Reise angetreten hatte, bevor sich der Fall Eichmann zu einer Streitfrage zwischen Argentinien und Israel auswuchs. Die hiesigen Beobachter verweisen darauf, dass die Absicht der argentinischen Regierung, den Fall Eichmann vor den Sicherheitsrat zu bringen, falls sie keine befriedigende Antwort von Israel erhalten sollte, von Buenos Aires aufgrund der Klauseln der UN-Charter geplant ist, die eine „friedliche Beilegung von Streitigkeiten” vorsehen. Diese Klauseln, welche in den Artikeln 33—38 der Charter enthalten sind, sprechen von der Lösung strittiger Fragen „durch Verhandlung, Untersuchung, Vermittlung, Versöhnung, Schiedsgericht, juristische Regelung” und anderen gütlichen Mitteln, welche von den Parteien gewählt werden können. Eine I dieser Klauseln behandelt auch die Beilegung einer Streitfrage wie der jetzt aufgetauchten durch Ueberweisung an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag. * DAS SCHREIBEN BEN GURIONS AN DEN PRAESIDENTEN DER NATION Der Brief, den der israelische Ministerpräsident dem Präsidenten der Nation, Dr. Arturo Frondizi, am letzten Dienstag aus Jerusalem sandte, hat den folgenden Wortlaut: „Sehr geehrter Herr Präsident! In dieser Stunde könnten sich als Folge der Verhaftung und Ueberführung des nazistischen Kriegsverbrechers Adolf Eichmann nach Israel Missverständnisse in den Beziehungen zwischen Massenmörder aus Mauthausen in Haft Köln. — Vor einem kölner Gericht werden sich zwei Massenmörder, die im KZ Mauthausen gewütet hatten, zu verantworten haben. Der eine ist SS-Oberstur,miührer Karl Schulz, der ehemalige Leiter der politischen Abteilung im KZ Mauthausen, der andere der ehemalige Unterstur: führer Anton Streitwieser, der Rapport-Führer im Lager Gusen I, Arrestverwalter in 'Via er hausen, Lagerkommandant in. Melk und zum Schluss Schutzhaitlagerfiihrer in Mauthausen war. Beide hatten bis zu ihrer Verhaftung in Deutschland unter falschem Namen gelebt. Sc'-jIv: steht unter dem Verdacht, acht Tage ' or der Befreiung des La :ers die Hinrichtung von «».»«errcichisehCi Patriot: Truppe Beruasciick) vera musst zu haben.Streitwieser wollte die Häftlinge unmittelbar vor der Befreiung in vorbereitete Stollen bringen, diese sodann zumauern und sprengen lassen. Zahlreiche Aktionen, wie zum Beispiel die „Aktion Heydrieh”, „Aktion 14 F 13”, Vergasungen von unheilbar Kranken im Schloss Hartheim bei Linz sind auf das Konto dieser Mörder zu buchen. Die Polizeidirektion Linz wurde im Rechtshilfe woge ersucht, eine Reihe von ehemaligen Häftlingen des Lagers Mauthausen als Zeugen einzuvernehmen. — In Oesterreich ist seit langem ein Strafverfahren gegen diese beiden Mörder anhängig, doch ist bisher von einem Auslieferungsbegehre» nichts bekamt. tIPN) Argentinien und Israel ergeben. Aus diesem Grunde halte ich es für meine Pflicht, dieses persönliche Schreiben an Sie zu richten. Ich nehme mir die Freiheit, es gerade deswegen zu tun, weil die Beziehungen zwischen unseren Regierungen und unseren Völkern sich tief in meinem Herzen eingeprägt haben und es mir ausserordentlich leid tun würde, wenn diese in irgendeiner Weise als Ergebnis der kürzlich in Zusammenhang mit dem Fall Eichmann eingetretenen Ereignisse in Mitleidenschaft gezogen werden würden. Ich glaube zu wissen, dass Sie der diplomatischen Note, die unser Botschafter in Buenos Aires Ihrem Aussenminister am Freitag, dem 3. Juni übergab, Ihre hohe persönliche Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. In dieser Note werdet Sie »die Elemente unserer Stellungnahme finden. Trotzdem gibt es aber Aspekte, die das eigentliche Wesen des Problems berühren und die Grenzen emer diplomatischen Note überschreiten. Diese Aspekte sind es, die ich kurz darlegen möchte, in der Ueberzeugung, dass nur ihr wirkliches «Verständnis es ermöglicht, ein moralisches Urteil über das Problem zu fällen. Dieser Mensch, Eichmann, war während des zweiten Weltkrieges der direkte Verantwortliche für die Ausführung der Befehle Hitlers zur „Endlösung“ der Judenfrage in Europa, nämlicu der physischen Ermordung jedes Juden, den die Nazis in den weiten Gebieten des von ihnen besetzten Europas ergreifen konnten. Sechs Millionen der Unseren wurden massakriert, und es war Eichmann, der quer durch ganz Europa diese Massenausrottung in einem gigantischen Ausmass ohnegleichen organisierte. Gewiss brauchen Sie, Herr Präsident, keinerlei Erklärung, um zu ermessen, was es für jedes Volk bedeutet, das Opfer einer so satanischen Welle von Morden zu sein, und wie tiefe Narben ln der Seele des Volkes Zurückbleiben, das Derartiges durchlebt bat. Selbst in der Geschichte unseres an Martyrien so reichen Jahrhunderts kannten wir derart entsetzliche Schandtaten nicht. Nicht nur Millionen wurden getötet, darunter über eine Million Kinder, sondern auch das kulturelle und geistige Zentrum unseres Volkes wurde zerstört, das in Europa bis zum zweiten Weltkrieg blühte. Es ist fast unmöglich, irgendwo einen Juden 7.u treffe):, dessen Familienmitglieder nicht das Opfer der Nazis geworden sind. Hundeittau. sende der Ucberlebenden wohnen unter uns, und es gibt Hunderte von Juden, die in Israel und anderen Ländern seit Beendigung des Krieges keinen Frieden gefunden haben, ehe nicht der Mann gefunden wurde, der ein derart fürchterliches Massaker veranstaltete. Das Ziel ihres Lebens war es, den Verantwortlichen für diese in der Geschichte beispiellosen Verbrechen dem Gericht des jüdischen Volkes zu überantworten, ein Gericht, das einzig und allein hier, in Israel abgehalten werden kann. Ich verkenne nicht den Ernst der formellen Verletzung der argentinischen Gesetze, die von denen begangen wurde, die endlich ihre Suche mit der Ergreifung Eichmanns gekrönt sahen. Aber ich bin sicher, dass nur wenige Menschen in der Welt den tiefen Beweggrund und die höchste moralische Rechtfertigung dieser Tat nicht verstehen werden. Dieses Ereignis, Herr Präsident, kann nicht nur vom rein formellen—Gesichtspunkt aus beurteilt werden. Die Verpflichtung der Länder, die Gesetze anderer Länder unbedingt zu achten, steht ausser jeder Frage. Genau so wenig aber kann man die höchsten Beweggründe unbeachtet lassen, die massgebend waren, die gebieterische moralische Kraft, die der Antrieb war, und die Tiefe der Gefühle, die jene bewegten, welche Eichmann fanden, und die ihn mit seinem Einverständnis' nach Israel brachten. Ich habe die Ueberzeugung, Herr Präsident, dass Sie die überragende moralische Kraft dieser Aspekte des Problems würdigen werden. Sie selbst kämpften unermüdlich gegen die Diktatur und haben ständig Ihren tiefen Respekt vor der menschlichen Werten bewiesen. Ich bin sicher, dass niemand besser als Sie unsere wahren Gefühle verstehen und Sie unseren Ausdruck ehrlichsten Bedauerns für jedwede Verletzung der Gesetz® der Republik Argentinien annehmen werden, die unter dem Zwang einer unbezähmbaren moralischen Kraft geschehen sein mag. Tm Verein mit allen Freunden der Gerechtigkeit in der Welt, die in dem Prozess gegen Eichmann in Israel einen Akt höchster’ historischer Gerechtigkeit sehen, werden Sie darüber wacher., dass die freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Republik Argentinien und Israel keine Schwächung erfahren.“ * ENGLAND SOLL VERMITTELN ,UN. — In UN-Kreisen wird die Ansicht vertreten, dass Knglaud wahrscheinlich der Vermittler zwischen Isdürfte, nicht jedoch Frankreich, wie die Presse Argentiniens und anderer Länder vermutet hat. * ISRAEL-KABINETT BERAET Jerusalem. — Wie zunächst offiziell mitgeteilt wurde, beschloss das israelische Kabinett, keine weitere Note oder Antwort an die argentinische Regierung zu senden, sondern zunächst die Besprechung abzuwarten, die der israelische Aussenminister Golda jMeir mit dem zuständigen Delegierten vor den UN, Dr. Mario Amadeo, führen wird. Ausserdem hofft die israelische Regierung, dass Ministerpräsident Ben Gurion in Paris Gelegenheit haben wird, mit dem Präsidenten Argentiniens, Dr. Arturo Fron, diz-i, über diese Angelegenheit zu sprechen. Man erwartet, dass es bei dieser Unterredung zu einer freundschaftlichen Regelung der Streitfrage zwischen beiden Ländern kommen dürfte. * WAS ..NEUES DEUTSCHLAND" BEHAUPTET Berlin. — Die in Ostberlin erscheinende Zeitung „Neues Deutschland“, das Organ der Kommunisten, behauptet in einem Leitartikel, die Bundesrepublik habe Argentinien veranlasst, die Auslieferung Eichmanns von Israel zu fordern, Der Grund sei darin zu suchen, dass die Bundesrepublik fürchtet, viele führende Persönlichkeiten der Bundesrepublik würden durch Eichmann auf das stärkste belastet werden, da sie ihm bei der Durchführung seiner Kriegsverbrechen geholfen haben. Demgegenüber verlangt die in Westberlin erscheinende „Morgenpost“, Argentinien solle seine Diskussionen mit Israel endlich einstellen. Die argentinische München. — Der 66jährige Dr. Walter Schulze, Ministerialdirektor und Leiter der Gesundheitsabteilung des Bayrischen Innenministeriums während der Nazizeit, wurde von einem Schwurgericht beim Landgericht München I, wegen Beihilfe zum Mord zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Angeklagte wurde scnuldig befunden, In die Vergasungsanstalt im Schloss Hartheim bei Linz, einer Aussenstelle des KZ Mauthausen, 260 Personen zur Vergasung geschickt zu haben. Bei den Opfern handelte es sich um Unheilbare oder Geisteskranke. Schulze hatte ausserdem die Errichtung eines Kinder, heimes in der Heilanstalt Regierung möge verstehen, dass die von Eichmann begangenen Verbrechen so schwer sind, dass hierdurch allein das Vorgehen Israels bei der Verhaftung Eichmanns gerechtfertigt sei. ★ FUER UND WIDER London. — Die englischen Zeitungen beschäftigen sich auch weiterhin mit der Affaire Eichmann, während Blätter wie der „Observer" die Meinung vertreten, Israel müsse Eichmann an Argentinien zurückgeben, stehen andere wiederum auf dem Standpunkt, dass das Verlangen Argentiniens nicht gerechtfertigt sei. Die Mei. nungen gehen weit auseinander. Vor der Aburteilung Dortmund. — Der 48 Jahre alte ehemalige Kriminalkommissar Alfred Krummbach aus Dortmund, der wegen Beihilfe an Judenerschiessungen zu Beginn des Russland-Feldzuges zur Zeit in Dortmund inhaftiert ist, war, wie jetzt bekannt wurde, nach dem Kriege Angestellter des Verfassungsschutzamtes. In seinen Vernehmungen hatte er angegeben, er sei nach 1945 Angestellter im „polizeiähnlichen Dienst” gewesen. Krummbach ist zusammen mit seinem ehemaligen Kollegen, den 53 Jahre alten Kommissar Wilhelm Gerke, in Dortmund inhaftiert, weil sie an mindestens 1.000 Juden-Erschiessungen an der litauischen Grenze beteiligt gewesen sein sollen. Darüber hinaus soll der ehemalige Kommissar Gerke für den gewaltsamen Tod mehrerer russischer Kriegsgefangener verantwortlich sein. In der Voruntersuchung haben beide ihre Taten eingestanden. Sie gehörten zur Einsatzgruppe der Staatspolizei- Leitstelle Tilsit. (AWZ) Haar angeordnet, wo in den ersten Kriegsjahren 120 körperbehinderte Kinder durch Schlaftabletten getötet wurden. Die umfangreichen Keller des Schlosses Hartheim bei Linz waren vom 'Linzer Gauleiter Eigruber in Zusammenarbeit mit der Kommandantur des Konzentrationslagers Mauthausen in eine grosse Vergasungsanlage verwandelt worden. Mehrere tausend Personen aus allen Gebieten des damaligen Deutschen Reiches, zum grössten Teil Deutsche und Oesterreicher, die irgendein Leiden hatten, wurden dort als „unnütze Esser” seitens des „Gesundheitsdienstes”' der Vernichtung preisgegeben und umgebracht. (IPN) j Registro de la Propiedad Intelectual Nv 624 070 el i,nd Argén tinien sein ¡ ingreso en la imprenta POLIGLOTA — Comentes 3114: Späte Sühne für schwere Verbrechen

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