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Jüdische Wochenschau · 1960-06-14 · 1786 (14.6.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1786 (14.6.1960)
Date
1960-06-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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2X90 — 1’ iaq- No. 1786 BUENOS AIRES. MARTES 14 DE JUNIO DE 1960 Año XXI. Los Judíos Latinoamericanos Tel Aviv. — Los "días del judaismo latinoamericano*', que forman parle de la serie de días del judaismo mundial", organizadopor la sección israelí del Congreso Judío Mundial, dieron comienzo con varios aclos públicos en ciudades, aldeas y kibuzim. Se efec. luaron asimismo asambleas generales de olím de la América Latina y una recepción en honor de los representantes diplomáticos de la región acreditados ante el Gobierno de Israel. Indícase que actualmente residen en Israel 7.500 judíos procedentes de la Argentina, Brasil, Chile, Uruguay y otros países sudamericanos. En la organización de los "días latinoamericanos" colaboran representantes del Congreso Judío Mundial, de la Agencia Judía, del Ministerio de Relaciones Exteriores, del de Educación Pública y de la Federación de Inmigrantes de la América Latina. SCHLOMO S. TANGER Die Juden Lateinamerikas * ANGEBLICHES ATTENTAT Tel Aviv. — Die Polizei liess das Gebäude der argentinischen Botschaft evakuieren, nachdem telefonisch angekündigt worden war, man habe eine Bombe gelegt, um gegen das Ersuchen der argentinischen Regierung um Rückstellung des Massenmörders Eichmann zu protestieren. Die Polizisten durch, suchten das Haus, konnten jedoch keine Bombe finden. Verschiedene Personen wurden verhört. Die telefonische Warnung erfolgte, während Botschafter Garcia Arias im Aussenmini-ierium seine Aufwartung machte, um sich zu verabschieden. Arias besuchte den Generaldirektor dieses Ministeriums, Chaim Jahil, bevor er am Sonntag nach Buenos Aires abreiste. Er wurde zurückgerufen, als Argentinien an Israel das Ansinnen stellte, Eichmann zurückzubringen, da dieser heimlich aus Argentinien von israelischen Agenten entführt worden sei. Die Polizei gab bekannt, der Urheber des telefonischen Anrufes habe erklärt, die Bombe, welche in die argentiische Botschaft gelegt worden sei, stelle eine Repressalie gegen Argentiniens Ersuchen dar, dass Eichmann nach Argentinien zurückgeführt werden solle. Dreissig Minuten nach dem Telefongespräch war die Botschaft evakuiert, und Polizeibeamte durchsuchten sorgfältig jeden Raum und das Innere der Möbel. * Dr. LEVAVI NICHT ZURUECKGERUFEN Jerusalem. — Der israelische Botschafter in Argentinien, Dr. Arie 'Levavi, ist nicht aus Buenos Aires zurückgerufen worden, wie ein Sprecher des Aussenministe. riums erklärte. Dieser Gewährsmann bestätigte jedoch nicht, noch leugnete er, dass Levavi nach Israel reisen werde, um Instruktionen über den diplomatischen Streitfall entgegenzunehmen, der durch die Festnahme des Naziverbrechers Eichmann in Argentinien verursacht worden ist. Der Sprecher äusserte, Ministerpräsident Ben Gurion, der in Abwesenheit von Frau Golda Meir als Aussenminister fungiert, sei der Einzige, der hierüber Erklärungen machen könne, doch sei es unmöglich, ihn im Augenblick zu sprechen. * ANDERER NAZI NICHT AUSGELIEFERT Bamberg. — Die Staatsanwaltschaft von Bamberg gab bekannt, Argentinien habe sich systematisch geweigert, die Auslieferung des Nazis Karl Klingenfuss zu gestatten, damit er in Deutschland über seine Mittäterschaft an Kriegsverbrechen verhört werden könne. Der 59jährige Klingenfuss war Botschaftsrat und Sachverständiger für jüdische Fragen unter dem Naziregime. Kurz nach dem Weltkrieg floh er nach Argentinien, doch reklamieren ihn c'.le westdeutschen Behörden, um seine mögliche Komplizi., tät bei der Ermordung von WIE ICH ES SEHE Internationale Diskussion von JEHUDA GOTTHEIMER Der Fall Eichmann ist zu einem internationalen Gesprächsthema geworden. In allen Orten und in allen Ländern debattiert man über Eichmann, über seine Gef.-igennahme, über den „Menschenraub”, über die Note und Haltung Argentiniens und die israelischen Antworten. Jeder spricht vom Fall Eichmann, in Cafehäusern und Bierstuben, in den Verkehrsmitteln und Geschäften sowie in allen Redaktionen. Jeder hat seine Sensation, obwohl selten ein Fall so wenig dazu angetan war, in dieser Weise behandelt zu werden, da er viel zu ernst und traurig ist, um nur dem Wissensdurst und der Neugier zu dienen. Durch den Notenwechsel zwischen Argentinien und Israel wurde zwar zunächst ein wenig Klarheit in das Dunkel dieser Affaire gebracht. Für Argentinien geht es offensichtlich hierbei nur um eine grundsätzliche Frage, nämlich um die Verhaftung und Fortschaffung Eichmanns durch ein israelisches „Kommando”, das auf argentinischem Boden aktuierte und damit die argentinische Souveränität verletzt hat. Gegen diesen Eingriff in die argentinischen Hoheitsrechte protestierte Argentinien und verlangte Genugtuung, die in der Wiederherstellung des früheren Zustandes, also in der Rückgabe des Verbrechers bestehen müsse. Argentinien Weist auf internationale Abmachungen und Klauseln hin, die das argentinische Verlangen rechtfertigen. Sollte diesen Forderungen nicht stattgegeben werden, so würde, wie die argentinische Note ankündigte, als weiterer Schritt die Uebergabe der Angelegenheit an die Vereinten Nationen zur Entscheidung des Streitfalles erfolgen. Davon, dass Argentinien bei einer Weigerung der israelischen Regierung, den Verbrecher herauszugeben, die diplomatischen Be. Ziehungen mit Israel abbrechen würde, steht in der Note selbst kein Wort. Das Echo, das die Verhaftung Eichmanns in allen interessierten Staaten ausgelöst hat, ist noch nicht verhallt und schon erregt der Notenwechsel zwischen zwei befreundeten Staaten wie Argentinien und Israel die Gemüter. Die Meinungen gehen auseinander, ob die von Argentinien gezogenen Konsequenzen aus einem an sich unbestrittenen Sachverhalt zutreffende sind oder nicht. Hervorragende internationale Juristen, die an dieser Diskussion völlig unbeteiligt sind, gelangen zu anderen Schlussfolgerungen. Sie sind z. B. der Meinung, dass die Entscheidung keine Sache der UN sei sondern von dem Internationalen Schiedsgerichtshof in Den Haag entschieden werden solle. Die Verletzung der argentinischen Hoheitsrechte wird von Israel beinahe ohne jeden Vorbehalt zugegeben; die israelische Regierung hat sogar die argentinische Regierung deswegen um Entschuldigung gebeten. Der Notenwechsel hat die Angelegenheit auf eine Ebene geschoben, die eine sachlich richtige Beurteilung des Falles erschwert. Mit Recht wurde der Inhalt der israelischen wie der argentinischen Noten beanstandet und kritisiert. Der von Israel in diesem Zusammenhang publizierte Brief Eich, manns in welchem er sein Einverständnis zu seinem Abtransport nach Israel erteilt, ist nicht verständlich, da selbst ein Einverständnis Eichmanns nichts am Tatbestand ändert. Denn dass Eichmann mit seiner Festnahme durch ein israelisches Kommtndo einverstanden gewesen sei, hat seihst die israelische Regierung nicht behauptet. Der Bruch der argentinischen Hoheitsrechte liegt aber bereits in der Ergreifung des Verbrechers, die auf argentinischem Boden vorgenommen wurde. Die argentinische Regierung hat sieh auch durch die Bemerkung der israelischen Note getroffen gefühlt, dass Argentinien ein Zentrum der Kriegsverbrecher geworden sei, die hier unangefochten leben konnten. Vielleicht hat die argentinische Regierung diesen Vorwurf nicht gern gehört. Sachlich zutreffend I ist diese Feststellung jedoch ohne jeden Zweifel. Israel j wollte mit diesem Hinweis zum Ausdruck bringen, dass der Bruch argentinischer Tloheitsivchte notwendig gewesen sei. um einen der schwersten Massenmörder aller Zeiten der Gerechtigkeit zu übergeben, sollte Juden während des Krieges festzustellen. Ein Nürnberger Gericht erliess im Jahre 1952 einen Haftbefehl gegen Klingenfuss, nachdem sein Name im Prozess gegen Franz Rademacher genannt worden war. Rademacher war ebenfalls Botschaftsrat und Spezialist für Judenfragen; er arbeitete unter Hitler im Aussenministerium. Wegen Mittäterschaft bei der Ermordung von 1.300 Juden wurde er zu drei Jahren fünf Monaten Gefängnis verurteilt, floh jedoch nach dem Nahen Osten, als er bedingt freigelassen wurde. Die argentinischen Behörden haben es -bgelehnt, die Auslieferung des Klingenfuss zuzulassen, und als Grund hierfür angeführt, dass er nur nebenbei in den im Rademacher-Prozess behandelten Mordfällen genannt worden sei, wie das Büro des Staatsanwalts von Bamberg mitteilte. Klingenfuss selbst hat auf die Aufforderung der bamberger Staatsanwaltschaft, freiwillig zurvickÄukehren, um auf verschiedene Fragen Auskunft zu gebe», nicht geantwortet. Der Oberste Gerichtshof von Bayern hat es der Staatsanwaltschaft von Bamberg überlassen, alle weiteren Schritte im Fall Klingenfuss zu unternehmen. Auch der Fall Rademacher liegt in ihren Händen, da beide Fälle miteinander Zusammenhängen. Nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft hat die Vereinigte Arabische Republik bisher nichts unternommen, um den Aufenthalt Rademachers festzustellen, obwohl die Regierung von Bonn die Auslieferung des flüchtigen Verbrechers verlangt hat. Rademaeher floh nach Aussagen der Staatsanwaltschaft im Jahre 1952 mit einem syrischen Pass auf den Namen Thomas Rossel nach dem Mittelosten. •fr KOMMENTARE IN FRANKREICH Paris. — Ein Gewähr mann des Aussenminister ums erklärte, Argentinie habe mit dem Eruschen, I; rael müsse Adolf Eichman er nun in Israel oder vo: einem Gericht ausserhall der Israelischen Grenzei zur Aburteilung kommen. Befremdend an der argen tinischen Haltung ist di( einseitige Vertretung eine; formalistischen Standpunk tes, der bewusst den Hinter grund der Affaire Eich mann eliminiert, der ab ei letzenendes die auslösendi Ursache dafür gewesen ist dass ein „israelisches Kom mando“ überhaupt in Ak-tioi trat. Dass die argentinischei Behörden von der Existen: der nazistischen Kriegsverbrecher hierzulande nicht gewusst haßen, ist bishei nicht ernsthaft behaupte worden. Man kann aucl nicht die Verantwovtlichkei für diese bedauerlich!' Tat Sache einseitig auf das g Tel Aviv. — Die „Tage des lateinamerikanischen Judentums“, die einen Teil der Reihe der „Tagg des Weltjudentums” bilden, welche von der israelischen Sektion des Jüdischen Weltkongresses veranstaltet werden, gaben den Auftakt mit verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen in Städten, Dörfern und Kibbuzim. Gleichzeitig wurden allgemeine Versammlungen der Olim aus Lateinamerika abgehalten, sowie ein Empfang zu Ehren der südamerikanischen diplomatischen Repräsentanten, die bei der Regierung Israels akkreditiert sind. Wie mitgeteilt wird, leben gegenwärtig 7.500 Juden in Israel, die aus Argentinien, Brasilien, Chile, Uruguay und anderen südamerikanischen Ländern stammen. Bei der Organisation der „lateinamerikanischen Tage” waren der Jüdische Weltkongress, die Jewish Agency, das Aussenministerium, das Ministerium für öffentliche Erziehung und die Föderation der Einwanderer aus Lateinamerika beteiligt. SCHLOMO S. TANGER zurückgeben, einen „wichtigen Rechtsfall” aufgerührt. Es sei verfrüht für die französische Regierung .eine Meinung hierüber abzugeben, doch verdiene die argentinische Position aus rechtlichen Gründen eine eingehende Prüfung. Die französischen Diplomaten äusserten, dass das argentinische Ersuchen über die legalen Aspekte hinaus vom Gesichtspunkt der hier vorliegenden politischen und menschlichen Probleme befrachtetwerden müsse. Verschiedene Diplomaten zeigten sich an der Möglichkeit interessiert, die Frage dem Internationalen Gerichtshof zu unterbreiten. * BONN WIRD EICH. MANNS AUSLIE. FERUNG NICHT VERLANGEN Bonn. — Die Stellung der Bundesrepublik zu Israels Absicht, Eichmann wegen Massenmordes abzuurteilen, hat durch den Streit zwischen Israel und Argentinien über Eichmanns Festnahme, keinen Wandel erfahren. Dies erklärte ein Sprecher der Regierung. Bonn habe niemals Kommentare über die von Israel bei der Festnahme Eichmanns angewandten Methoden abgegeben und gedenke auch nicht, dies jetzt zu tun. Die westdeutsche Regierung habe vielmehr entschieden versichert, dass sie die Au»- lieferung Eichmanns an Deutschland nicht verlangen wird. Sie habe im Gegenteil ihre Bereitschaft zur Mitarbeit bei der Anklage zugesagt. Diese Position habe keine Aenderung erfahren, so betonte der Sprecher. ★ KRITIK AUS HOLLAND Amsterdam. — Die sozialistische Abendzeitung „Het Parool”, die zu Zeiten der Nazi-Okkupation gegründet wurde und damals „geheim” erschien, entfesselte eine Attacke gegen die argentinische Regieiung, deren Stellungnahme im Fall Eichmann sie heftig angreift. „Argentinien*’, schreibt der Leitartikler des Blattes auf der ersten Seite, „scheint einen Weg einzuschlagen, der in Holland auf geringe Sympathien stossen dürfte. Die Regierung fordert die Rückstellung Eichmanns im Zeitraum von einer Woche, obwohl sie wissen muss, dass ihr Verlangen für Israel völlig undurchführbar ist, Argentinien besitzt das wenig angenehme Renommee, eines der Verstecke der Na» zibanditen zu sein, denen e« durch die Flucht in dieses Land nach dem zweiten Weltkrieg gelungen ist, sich der gerechten Strafe zu entziehen. „Gerade jetzt hat ein west, deutscher Beamter öffentlich (Fortsetzung auf Seite 7) stürzte Regime abwälzen, das dieses Land zeitweise in das Paradies der Nazis verwandelt hatte. Dass sieh hier nazistische Hetzer und Propagandisten frei bewegen konnten, war der gesamten Oeffentlichkeit bekannt. Man braucht nur die vielen Nummern der Zeitschrift „Der Weg“ nachzulesen, die hier im Dürer- Verlag erschien, um sich über den Charakter, den Inhalt und die Tendenz zu unterrichten, die dort vertreten wurde. Ohne jeden Decknamen haben dort nazistische Vorkämpfer übte hasserfüllten Polemik«» gegen die Juden und den Staat Israel verbreitet. Die argentinischen Behörden sind gegeuiiber den Reklamationen der verschiedensten Stellen taub gewesen: sie haben sich „uf die ...Pressefreiheit berufen, um dieses Organ nicht anzutasten, in welchem Rudel, Leers u. a. in der unerhörtesten Weise die Juden, also auch die in Argentinien lebenden Juden angegriffen haben. | „Der Weg“ war in Deutschland verboten. Auch vonsei. ton der deutschen Stellen wurde versucht, zumindest den Versand dieser nazistischen Hetzschrift einzustel» len; aber auch diese Bemühungen blieben vergeh, lieh. Um nur noch ein Beispiel in diesem Zusammenhang zu nennen, sei auf das ehe«* falls Irn Dürer-Verlag att Buenos Aires erschienene Buch Rudels „Trotzdem“ ¿Fom. iamg' auf Seite 2) r

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