Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1784 (7.6.1960)
- Date
- 1960-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 2190 — 1? i*q. Jemand j&i&eliici T. E. 83.2613 Año XXI. BUENOS AIRES. MARTES 7 DE JUNIO DE 1960 No. 1784 Die Identität Adolf Eichmanns Los Primeros Informes de Chile Santiago de Chile. — Las comunidades judías en el Sur de Chile han sufrido grandes pérdidas materiales como resultados de los sismos y de los maremotos, pero aparentemente no hubo pérdida de vidas, informó Samuel Gleiser de la federación sionista de Chile. Según Gleiser los judíos perdieron sus hogares y fondos de comercio, en Concepción. Temuco. Los Angeles, Valdivia y Puerto Montt, pero la extensión del desastre todavía no ha podido ser apreciada. Hasta ahora 1. colectividad judía chilena ha entregado al ministro del interior Dr. Sotelo del Río efectivo por 20.000 dólares, medicinas, alimentos y ropas para aliviar el sufrimiento de los afectados. Además serán puestos a disposición d las autoridades nuevos fondos. Se espera que llegará ayuda para las comunidades judias afectadas de las organizaciones judías internacionales. H. KIRSCH Ben Gurion protestiert Tel Aviv. — Ministerpräeident Ben Gurion protestierte energisch gegen den Vorschlag Dr. Goldmanns, dass Eichmann von einem internationalen Gericht anstatt von einem israelischen Tribunal abgeurteilt werden solle. Er äusserte, er sei „völlig überrascht“ gewesen, als er von Dr. Goldmanns Vorschlag erfahren habe, und erklärte in einem Schreiben, „gegen Ihren Vorschlag“ zu sein. Inzwischen nehmen die Vorbereitungen für den Prozess ihren Fortgang. Man sucht einen geeigneten Saal, da die ständigen Gerichte nicht genügend Raum bieten. Andererseits will man nicht durch die Wahl eines zu grossen Saales den Eindruck erwecken, dass es sich um einen „Schau“-Prozess handele. Man hält einen Raum mit 500 Sitzen für angemessen, da man damit rechnet, dass 400 Ausländskorrespondenten den Ver handlungen beizuwohnen Wünschen. Die Prüfung der Dokumente, die über den Judenmörder vorliegen, wird mit der grössten Beschleunigung Antwort auf eine Anfrage Jerusalem. — Ministerpräsident Ben Gurion informierte das Kabinett in der wie üblich jede AVoche stattfindenden Sitzung über den Inhalt der an Botschafter Dr. Levavi in Buenos Aires übermittelten Instruktionen, die sich auf die Anfrage der Regierung Argentiniens über, die Umstände bei der Festnahme von Adolf Eichmann beziehen. Die israelische Presse gab der Erwartung Ausdruck, dass die argentinische Regierung nur daran interessiert sei, formell Protest zu erheben. In israelischen Kreisen besteht offensichtlich der Wunsch, nicht gezwungen zu werden, mehr als die formelle Verneinung auszusprechen, dass der israelische Sicherheitsdienst Eichmann aus Argentinien entführt habe. Man erwartet, nicht in Einzelheiten über die Tatsache eingehen zu müssen, dass unter dem Perön-Regime tausende Exnazis in Argentinien Zuflucht gefunden hatten. duröhgeführt. Viele Kibbuz-Mitglieder und ehemalige Ghetto-Kämpfer haben sich erbötig gemacht, mit dem 6. Büro der Kriminalbehörden im Falle Eichmann zusammenzuarbeiten. Es heisst, dass die Beamten bis zu 16 Stunden im Tage mit der Sichtung des Materials beschäftigt sind. Eine Gruppe von mit der Untersuchung betrauten Funktionären wird dieser Tage nach Europa reisen, um zusätzliche Unterlagen für den Prozess zu sammeln. Jetzt wurde eine interministerielle Sonderkommission gebildet, um über „die Nachrichten und koordinierte Enthüllung der Berichte“ in diesem Fall zu befinden. Der Kommission gehören Vertreter des staatlichen Pressebüros, des Justiz, und Aussenministeriums, der Polizei und der Sicherheitsbe- WIE ICH ES SEHE Sensationen um Eichmann von JEHUDA GOTTHEIMER Die Presse vieler Länder hat sich auf den Fall Eichmann gestürzt, um über das Schicksal und die Verhaftung dieses Massenmörders überstürzende und sensationelle „Enthüllungen” zu veröffentlichen. Einige grosse Zeitungen haben sich dabei gegenseitig überboten. Man hätte wohl annehmen sollen, dass Blätter mit Riesenauflagen den Fall Eichmann nicht mit einem der vielen AVildwest-Ueberfälle oder Leidenschaftsdramen verwechseln würden, die sich täglich überall und vor allen Dingen in Südamerika abspielen. Der Fall Eichmann ist keine Sensationsaffaire, sondern ein Beweis mehr für das schändliche Treiben eines hasserfüllten Regimes, das vor wenig mehr als 15 Jahren die ganze Menschheit an den Rand der Verzweiflung und beinahe ins Chaos totaler Zerstörung geführt hat. Der Fall Eichmann und die Aufrollung seiner Untaten werden noch einmal den äusseren Anlass für den gewiss gewagten Versuch bieten, in unserer abgestumpften und verhärteten Zeit, in der Rekordsucht und Unterhaltungsindustrie dominieren, das Gewissen aller Men. sehen aufzurütteln. Nur darin kann der Sinn und die Aufgabe des Prozesses erblickt werden, -der in einigen Wochen beginnen soll. Wenn man beobachtet, was über den Fall Eichmann gesagt wird, so kann man nur auf Kombinationen und Ver-- mutungen stossen, die selten Israel und die Negerstaaten Jerusalem. — Ministerpräsident Ben Gurion äusserte, die Probleme der Negervölker Afrikas würden ein wichtiges Gesprächsthema bei seinem Zusammentreffen mit dem französischen Präsidenten Charles de Gaulle bilden, das für diesen Monat geplant ist. In seiner Rede am Schluss der Knesset-Debatte über das Budget für das Büro des Ministerpräsidenten, erklärte Ben Gurion, ausser den Fragen der gegenseitigen Hilfe und der Beziehungen zwischen Israel und Frankreich, werde „eine der wichtigsten Phasen der Zusammenkunft mit de Gaulle das afrikanische Problem bilden, da die Völker der dunklen Erdteils eines nach dem anderen ihre Freiheit erlangen, wovon Frankreich in grossem Masse betroffen ist.” „Ich weiss, dass der Mann, der das französische Staatsschiff steuert, sich' bewusst ist, dass die -Stunde der Freiheit für die farbigen Völker Afrikas geschlagen hat”, bemerkte Ben Gui n n. < ITA) eine Gesinnung oder politische Färbung verraten. Dass einige Blätter, die den Nazis nahestanden oder von Ehemaligen gemacht wer. den,, plötzlich die Familie Eiehmann heroisieren oder Mitleid für Frau und Kin. der zu erwecken bemüht sind, ist so gleichgültig, dass man sieh mit solchen Spielereien gar nicht aufhalten sollte. Die widersprechenden Reportagen mit täglich wechselndem Panorama gehören in die gleiche Kategorie von Meldungen, die man zur Kenntnis nehmen kann, die aber überhaupt nichts besagen. Einige Zeitungen veröffentlichen schon die vierte Adresse, wo Eiehmann angeblich gelebt haben soll. Wesentlich an der Affaire Eiehmann dürfte nur der Prozess sein. Vielleicht ist es auch als interessant zu bezeichnen, Näheres darüber zu erfahren, wie Eiehmann gefasst wurde. Bisher sind wir ausschliesslich auf Vermutungen und Spekulationen angewiesen. Neben anderen Versionen gewann man den Eindruck, dass es wohl in Argentinien gewesen sei, wo man Eiehmann verhaftet habe. Aber irgendeinen Beweis dafür hat noch niemand erbracht. Es blieb bei sich mitunter widersprechenden Behauptungen und „Entdeckungen”. Es sei an das mysteriöse Ubuot erinnert, das — wie es zuerst hiess — Eiehmann nach Israel gebracht haben sollte. Der Reporter sah seinen Irrtum zwar ein, aber gab ihn nicht zu: wenige Tage spähörden an. Gleichzeitig wird diese Kommission die Vorkehrungen für die Anwesenheit von Journalisten bei der Gerichtsverhandlung zu treffen haben. Ausländische Beobachter Im Kabinett herrscht keine Einigkeit über den Vorschlag Dr. Goldmanns, dass ein internationales Gericht zur Aburteilung Eichmanns einberufen w-erden solle. Bekanntlich hat Justizminister Pinchas Rosen dies öffentlich abgelehnt. Andererseits nimmt man an, das Kabinett werde offizielle Beobachter aus all den europäischen Ländern einladen, in denen der Verbrecher Eichmann sein Wesen getrieben hat. Dr. Goldmann hat inzwischen seinen Vorschlag dahingehend abgeändert, dass er jetzt die Einladung offizieller Beobachter befürwortet. Nach anderen Informationen feollen verschiedene Minister nicht mit dem Wunsch Ben Gurions einverstanden sein, den Prozess auf so breiter Basis zü führen, dass die ganze Geschichte der Massenmorde in Europa aufgerollt wird. Diese Minister befürchten, ein solcher Prozess könne leicht eine ausgesprochene antiamerikanische und antibritische Färbung annehmen, wenn aufgezeigt würde, dass die Alliierten die Gelegenheit Vorbeigehen Hessen und vor jeder Bemühung zurüekseneuten, um die Juden aus den Händen der Nazis zu,erretten. Golda Meir lehnt Kommentar ab Aussenminister Golda Meir lehnt es ab, einen Kommentar zu der Nachricht zu geter hiess es dann, die Version mit dem Uboot wäre von den Russen aufgebracht worden, dabei hatte er diese Meldung selbst wenige Tage zuvor als der Weisheit letzter Schluss, als einen ungeheuerlichen Erfolg seines journalistischen Spürsinns und einen Triumph seiner kriminalistischen Fähigkeiten gepriesen... Dann verfiel man auf die — sicherlich naheliegende — Idee, dass Eiehmann mit dem EI Al-Flugzeug nach Israel verschleppt worden sei, das kurz zuvor die israelische Delegation zur 150. Jahresfeier der Mairevolutin ins Land gebracht hat. Man nannte den Namen des Beamten der Fluglinie, der die „ganze Sache gemacht” habe. Leider stimmte auch diese Kombination der tüchtigen Reporter nicht, denn der verdächtige Beamte war zu diesem Zeitpunkt garnicht mehr in Argentinien. Die _ Kombinationen mit dem Uj boot und dem Flugzeug setzen jedoch voraus, dass Eiehmann auf argentinischem Boden verhaftet worden sei, und dass er dann von hier aus weggebracht wurde Dieser Tatbestand ¡fit Erste Nachrichten aus Chile Santiago de Chile. — Die jüdischen Gemeinden im Süden von Chile haben infolge der Erd- und Seebeben grosse Verluste erlitten, doch sind anscheinend keine Menschenleben zu beklagen, wie Samuel Gleiser von der Zionistischen Föderation Chiles mitteilt. Wie Gleiser berichtet, haben die Juden in Concepción, Tamuco, Los Angeles, Valdivia und Puerto Montt ihre Häuser und Geschäfe verloren, doch kann die Ausdehnung des furchtbaren Unglücks noch nicht geschätzt werden. Bisher hat die chilenische jüdische Kollektivität dem Innenminister, Dr. Sotelo del Rio, 20.000 Dollar in bar, Medikamente, Nahrungsmittel und Kleidung übergeben, um die 'Leiden der Betroffenen zu lindern, und es werden den Behörden noch weitere Summen zur Verfügung gestellt werden. Man hofft, dass für die in Mitleidenschaft gezogenen jüdischen Gemeinden Hilfe von den internationalen jüdischen Organisationen eintreffen wird. H. KIRSCH ben, dass der argentinische Aussenminister Dr. Taboada den israelischen Botschafter Levavi zu sich gerufen und von ihm eine ausführliche offizielle Erklärung über die Berichte verlangt habe, dass Eiehmann aus Argentinien entfübi't worden sei. Ein Dementi Tel Aviv. — Jehuda Shimoni, Operationschef der El Al, erklärte, der Bericht der nordamerikanischen Zeitschrift „Time“, die ihn als den Leiter der israelischen Kommando - Truppe bezeichnet hat, welche nach Buenos Aires geschickt worden sei, um Eiehmann zu fangen, sei „völlig unrichtig und unbegründet“. Die Zeitschrift schrieb, die Festnahme des Naziverbrechers sei am 13. Mai erfolgt. Shimoni stellte fest, dass er am 4. Mai nach Buenos Aires geflogen ist und am 10. Mai von dort zurüekkam. In diesen Tagen habe er sich damit beschäftigt, die Bewilli- (Fortsetzung auf Seite 8) bisher jedoch nicht bewie. sen. Da man ausdrücklich erklärt hatte, di^s es hierüber keine exakten Angaben gäbe, tasten alle im Dunklen. Es wird Sache der Polizei sein, den Sachverhalt aufzuklären. Bis die Polizei ihre Untersuchungen nicht abgeschlossen hat; kann man zu diesem Fall überhaupt nicht Stellung nehmen. Im übrigen wird man auch abwarten müssen, was Israel in diesem Zusammenhang mitzuteilen hat. Unter solchen Umständen hat es wenig Zweck, sich mit den einzelnen Versionen abzugeben, ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen oder ihre Widersprüche aufzuzeigen. Immerhin dürfte es interessant sein, dass ein Ricardo Klement oder Clemens — der Name wird unterschiedlich geschrieben —, in Argentinien gewesen ist, mindestens zwei Cédulas besessen hat und snit Adolf Eiehmann, dem berüchtigten Massenmörder identisch sein soll. Ganz klar sind die Umstände nicht, unter denen er sieh damals eine Cédula „besorgte*, Dass hierbei den Behörden ein Vorwurf gemacht werden könne, ist nicht ersichtlich, sie konnte nicht wissen, dass sich hinter dem Ricardo Klement ein Massenmörder verbirgt, der Millionen Leben auf dem Gewissen hat. Es wurde auch erzählt, dass Eiehmann - Klement gleich zwei verschiedene Pässe gehabt habe. Der eine soll vom Internationalen Roten Kreuz, der andere vom Vatikan ausgestellt worden sein. Wir können heute gewiss nicht mehr überprüfen, ob die ausstellenden Behörden ein Verschulden trifft, ob mangelnde Sorgfaltspflicht gewaltet habe oder gar Beihilfe zur Flucht in die Anonymität vorlag. Wenn Eiehmann einen Pass des Internationa, len Roten Kreuzes besessen hat, dann ist er mit den gleichen Papieren nach Südamerika gekommen, wie die berlebenden Opfer der nazistischen Katastrophe, sollen wir verschweigen, dass es einem Eiehmann leichter war, die Einreise in die südamerikanischen Länder zu erhalten als den erfolgten und zerschlagenen Opfern des Nazismus? Welche Einwanderungsbehörde hat sich dagegen gesträubt, Kriegsverbrecher •fzunehmen? Welche siidamerikanisehe Regierung hat nicht gewusst, dass innerhalb der Grenzen ihre 'Landes Kriegsverbrecher leben? Gewiss 1 waren es in erster Linie faschistisch-diktatorial regierte Länder, die Kriegsverbrecher aufnahmen. Aber was ist geschehen, seitdem diese Regierung durch demokratische ersetzt worden sind? Wir wissen, dass der Vatikan während der Verfolgungen den Juden einige Hilfe geleistet hat. Dass auch der Vatikan bei weitem nicht das tat, was ihm möglich gewesen wäre, ist auch eine Wahrheit. Immerhin hat die katholische Kirche, die im Laufe ihrer langen Geschichte selbst für schreckliche Judenverfolgungen direkt oder indirekt verantwortlich ist, einen klaren Trennungsstrich zwischen der zivilisierten Menschheit und dem Nazismus gezogen. Es waren kn- (Fov (Setzung auf Seite 2)