Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1783 (3.6.1960)
- Date
- 1960-06-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON z 2X90 — l9 i*q> T. E. 832612 i Año XXI. BUENOS AIRES. VIERNES 3 DE JUNIO DE 1960 No. 1783 Vie tonen r Eichmann New York. — Der Prozess gegen Eichmann, einen der grössten Kriegsverbrecher, der jetzt gefasst werden konnte, wird in der richtigen Stunde abgehalten werden. Dies erklärte Dr. Maurice L. Perlzweig, der Direktor des Departaments für internationale Fragen im Jüdischen Weltkongress. In der Welt und auch in Deutschland ist eine neue Generation herangewachsen, die wenig oder garnichts von den Schrecken des Nazismus weiss, und die deswegen auch diesen Einflüssen keinen ernsten Widerstand zu leisten vermag. Die letzten Vorkommnisse haben erstmalig die UN veranlass umfassende Studien und Erhebungen über die Ursachen des Antisemitismus anzustellen. Deswegen liegt eine besondere Bedeutung des bevorstehenden Prozesses darin, wenn noch einmal die Wichtigkeit her- Vorg:hoben wird, die „das Der Mord an sechs Millionen Juden während des Hitler-Regimes ist nur möglich gewesen, weil es solche Erscheinungen wie Eichmann gab, dfer jetzt von den israelischen Behörden gerichtet werden wird. Wir wollen nicht auf die vielen Spekulationen über die Verhaftung dieses Massenmörmörders und über seine Verbringung nach Israel eingehen, weil es keinen Sinn hat, sich in solchen Vermutungen zu ergehen. Alle bisherigen Darstellungen tragen den Stempel der Unwahrscheinlichkeit und bilden nur einen Reflex der Ungewissheit und des Nichtwissens von Tatsachen, die auch letztlich für die Beurteilung des Falles ohne jedes Interesse sind. In dem bevorstehenden Prozess wird sicherlich die Rolle geklärt werden, die Eichmaun bei der Durchführung der nazistischen Endlösung gespielt hat, die einfach darin bestand, dass die Nazis beschlossen hatten, alle in ihrer Hand befindlichen Juden umzubringen. In diesem Zusammenhang wird noch einmal vor der Weltöffentlichkeit die grausige Tragödie unseres Volkes zur Sprache kommen, jene unfassbare Tragödie des Untergangs und des Schrekkens, die als unsere grösste Katastrophe tiefe Schatten auf unser Leben und das mancher anderen Völker wirft. An der Verfolgung und Vernichtung der Juden waren die Nazis sämtlich beteiligt, auch die einfachen Parteimi(„ glieder. Bereits im Jahre 1520 wurde im Programm der Nationalsozialistischen Deutj «chen Arbeiterpartei die Ausschaltung der Juden aus I grösste Verbrechen in der menschlichen Geschichte” — wie Präsident Roosevelt die Untaten der Nazis einmal bezeichnet hat — für die Menschheit gehabt hat. Noch habe die Menschheit nicht den endgültigen Triumpi über den Nazismus davongetragen. Der Jüdische Weltkongress hat bereits bei den Nürnberger Prozessen aktiv mitgearbeiiet, er werde dies jetzt auch in Israel tun. Damals habe der Weltkongress auf Verlangen des obersten Anklägers Jackson umfangreiches Material zur Verfügung gestellt. Er wird auch jetzt dasselbe tun. Eichmann habe nicht nur die Mordmaschine der Nazis in Gang gesetzt und nach Belieben gelenkt. Er benutzte seine Stellung auch zu politischen und strategischen Zwecken gegen die Alliierten. Eichmann wurde zum Symbol der Verworfenheit der nazistischen Mordpläne, Volks- und Staatsverband festgelegt. „Kein Jude kann daher Volksgenosse sein“, heisst es dort. Nach der Machtergreifung hatten die Nazis die „gesetzlichen“ Mittel, um mit der Realisierung dieses Programms zu beginnen. Wie sie es taten, haben gerade wir alle aus nächster Nähe miterlebt. Der Boykott-Tag am 1. April 1933, die Gesetze zur Ausschaltung der Juden aus ihren Berufen, die Nürnberger Rassengesetze und der grosse Pogrom vom November 1938 mit seinen Massenverhaftungen, Plünderungen und vor allem mit der Niederbrennung aller in Deutschland befindlichen Synagogen waren nur nach aussen hin sichtbare Zeichen auf dem Wege zur „Endlösung“, wie die Nazis selbst ihr Programm zur Vernichtung der europäischen Juden nannten. Die Lage sollte sich dann mit dem Kriegsbeginn und der Eroberung Polens entscheidend verschärfen. In seiner Reichtstagsrede vom 30. Januar 1939 drückte sich Hitler klar aus; er sagte? „Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in und ausserhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa.“ An diesem Vemichtungsorogramm haben die Nazis bereits vor dieser Hitlerrede gearbeitet. Im Zuge des nazistischen Kampfes gegen das jüdische Volk hatte Göring den SS-Gruppenführer denen ein Drittel aller Juden zum Opfel fielen. Heute sind wir bereits über alle Einzelheiten des nazistischen Vorgehens unterrichtet, wenn auch immer noch manche Fragen aufgeklärt werden müssen. Der Prozess gegen Lehmann wird hierzu die Gelegenheit bieten. Wenn erst einmal alles aufgeklärt sein wird, kann sich die Menschheit ein Bild davon machen, in welchem Umfang der Antisemitismus als eine Kriegswaffe gegen die Demokratie, gegen die Freiheit und das Ideal einer auf Gerechtigkeit aufgebauteri Gesellschaft dient. (OJI) Experte nach Israel New York. — Die Leitung des Jüdischen Weltkongresses prüft den Antrag der israelischen Abteilung dieser Organisation, die israelischen Behörden bei der Vorbereitung des Prozesses gegen Eichmann zu beraten. Es ist beabsichtigt, diesem Antrag stattzugeben und Dr. Nehemia Robinson, den bedeutendsten Sachverständigen im Kampf gegen die Kriegsverbrecher nach Israel zu entsenden. Das von Dr. Robinson geleitet: Institut verfügt über umfangreiches Material, das jetzt verwendet werden kann. Der Jüdische Weltkongress wird auch eine Leibe von Belastungszeugen wie bei den Nürnberger Prozessen benennen. (OJI) Weitere Verhaftungen in Deutschland Tel Aviv. — In verschiedenen Teilen des Bundesrepublik Deutschland wurden Verhaftungen von Kriegsverbrechern vorgenommen, die des Massenmordes angeklagt werden. Es werden Erklärung1 Golda Meirs « 4 London. — Israels Aussenminister Golda Meir erklärte, die Form sei „uninteressant”, in der Eichmann nach Israel gebracht wurde. „Wichtig ist, dass er sich in Israel befindet”, so äusserte sie in Erklärungen, die sie den Journalisten im Flughafen von London abgab, wo sie sich auf der Durchreise nach New York aufhielt. (ITA) WIE ICH ES SEHE Ein Henker unseres Volkes von JEHUDA GOTTHEIMER Heydrich im Januar 1939 damit beauftragt, die „jüdische Auswanderung zu organisieren.“ Was das bedeuten sollte, hat man erst viel später verstanden. Natürlich ist es nicht möglich, in einem Zeitungsartikel ein abschliessendes und umfassendes Bild aller nazistischen Massnahmen zu geben, die diesem teuflischen Zweck dienten. Ueber die Gestapo, die SS, die Konzentrationslager und die Uassenvernichtung der Juden sind zahlreiche ernste und sehr umfangreiche Werke geschrieben worden, die in mühseliger Arbeit das vorhandene Material zusammengetragen haben. Himmler hat einmal in einer Rede vor seinen SS-Leuten gesagt: „Dies ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte.“ Und es gab Millionen Menschen, die an die Richtigkeit seiner Worte geglaubt haben... Sicher ist, dass Eichmann nicht unter der ersten Garnitur der nazistischen Machthaber figurierte, zu der neben Hitler, Göring, Goebbels und Himmler auch die fragwürdige Erscheinung eines Heydrich gehörte. Aber Eichmann war in den Kalkulationen dieses Führungsstabes ein wesentlicher Faktor als ein skrupelloser Vollstrecker des nazistischen Ausrottungsprogrammes, der grosse Vollmachten besass, um in seinem Amtsbereich das verhängnisvolle Amt des Henkers auszuüben. Seine Vergangenheit ist bisher nicht klar. Manche behaupten, er sei in Sarona, einer alten deutschen Kolonie bei Tel Aviv geboren worden; aus diesem Grunde neue Feststellungen im Zusammenhang mit dem Prozess gegen Eichmann getroffen werden, wie man allgemein erwartet. Einige der Verhaftungen sollen im folgenden aufgezählt werden.' Die Untersuchungen befinden sich noch im Anfangsstadium. 1.) Bodo Struck, Polizeiinbeherrsehe er auch die h’ bräische und die jiddäscl Sprache. Nach anderer Ve sion kam er in Solingen zi Welt; die Familie sei aö< bald nach Linz über siede wo Eichmann grossgeword« wäre. Schliesslich sagt ma er sei in Linz geboren ur wie Hitler Oesterreicher g wesen. Aber auch dies dür te nicht wesentlich sein. 1 beweist nur, dass man bi her niemals etwas Genau* über das Herkommen dies* menschlichen Ungeheue: wusste. Nach anfänglichen St: dien, die wegen der Wir schaftskrise unterbreche werden mussten, habe Eid mann dann seinen Platz i der österreichischen NSDA gefunden (1931). Er kai nach Berlin, wo er in ve: schiedenen Naziämtem Ui terkunft fand. Der Siche: heifsdienst habe ihm dan erstmalig 1937 eine wichtig Aufgabe an vertraut; er wui de nach Palästina geschick um den Kontakt mit de arabischen Aufständische En Honor de Teodoro Herzl Jerusalem._ El directorio del Keren Kayemeí en esta cépital acordó trasladar al Museo Herzl. que se está construyendo sobre el monte del mismo nombre, la famosa Sala Herzl que desde hace 20 años ha estado funcionando e*i el edificio del mismo Kcren Kayemet. El museo se estrena con motivo de las celebraciones del centenario de nacimiento del Dr. Herzl. Denlro del recinto del museo se ha erigido una copia exacta de la pieza de trabajo del Dr. Herzl, que el fundador del sionismo político tenía en sus habitaciones de Viena. E’.i esa pieza se colocarán los muebles que Herzl usaba, así como muchos otros objetos que fueron entregados hace treinta años al Keren Kayemet Leisrael. Con motivo de las celebraciones se difundió aquí la copia de una carta de Reuter, la más vieja agencia noticiosa de Inglaterra, dirigida en 1897 al padre del sionismo político. Allí se le decía a Herzl que indudablemente, el Congreso Sionista no interesará a la opinión pública mundial." Se trata de una carta escrita a mano. Fechada el 26 de julio de 1897, fué enviada al Dr. Isidoro Shalit, secretario del Dr. Herzl, en respuesta a una invitación para que Reuter enviara un corresponsal al Congreso Sionista. La agencia no lo envió por "falta de interés público", pero hizo votos porque los futuros congresos despertasen suficiente interés para justificar el envío de su representante. SCHLOMO S. TANGER Ehrungen für Herzl in Israel Jerusalem. — Das hiesige Direktorium des Keren Kajemet gab sein Einverständnis, das berühmte Herzl- Zimmer, das seit 20 Jahren im Gebäude des Keren Kajemet gezeigt wird, in das Herzl-Museum zu überführen, welches jetzt auf dem Herzl-Berg gebaut und anlässlich der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Dr. Herzls ein geweiht wird. In diesem Museum befindet sich eine genaue Nachbildung des Arbeitszimmers Dr. Herzls, das dieser in seiner Wohnung in Wien hatte. Hier finden die Möbel Aufstellung, die Herzl benutzte, sowie viele andere Gegenstände, die dem KKL vor dreissig Jahren übergeben wurden. Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde die Kopie eines Briefes der Reuter-Agentur, des ältesten Nachrichtendienstes Englands, veröffentlicht, welcher im Jahre 1897 an den Vater des politischen Zionismus gerichtet wurde. Darir wurde Herzl mitgeteilt, dass „der Zionistenkongress unzweifelhaft die öffentliche Weltmeinung nicht interessieren würde.” Es handelt sich um ein mit der Hand abgefasstes Schreiben, das vom 26. Juli 1897 datiert und an Dr. Isidoro Shalit, Herzls Sekretär, in Beantwortung einer Einladung gerichtet ist, durch die Reuter aufgefordert wurde, einen Korrespondenten zum Zionistenkongress zu entsenden. Die Agentur schickte diesen nicht, weil kein „öffentliches Interesse” vorlag, doch gab sie der Hoffnung Ausdruck, dass künftige Kongresse genügendes Interesse wachrufen würden, um die Entsendung eines ihrer Vertreter zu rechtfertigen. SCHLOMO S. TANGER spektor, wurde in Hannover unter dem Verdacht verhaftet, als Hauptsturmführer der SS in Russland an der Massenerschiessung von Juden beteiligt zu sein. — 2. ) Dr. Hans Maly, Polizeichef in Bonn, wurde seines Amtes unter dem Verdacht enthoben, an Kriegsverbrechen beteiligt zu sein. — 3. ) Alfred Krumbach und Gerke, beide in Dortmund verhaftet; sie werden beschuldigt, mehr als tausend Juden in Litauen erschossen zu haben. — 4. ) Eine Spezialpolizeitruppe in Nürnberg, die eigens zu dem Zweck zusammengestellt worden war, um Verbrechen an der Zivilbevölkerung während des Krieges zu begehen. Mitglieder dieser Truppen gehören auch heute noch zur Polizei Nürnbergs. — 5.) Eine Gruppe von neun Wärtern, die in einem KZ bei Hannover Greueltaten begangen haben, wurden verhaftet. Ihre Taten werden jetzt unter dem Gesichtspunkt untersucht, ob es sich um Kriegsverbrechen handelt. — . 6.) Untersuchungen unter ähnlichen Anschuldigungen werden gegen zwölf Richter und Staatsanwälte eingeleitet. — 7.) Der frühere SS-General Erich von dem Bach Zalewski wurde unter der Anklage verhaftet, Mordtaten begangen zu haben. — (Fortsetzung auf Seite 5) aufzunehmen. Dort sei er dann bald ausgewiesen worden und habe den Grossmufti in Kairo getroffen, mit dem er Pläne machte. Seine eigentliche Laufbahn begann jedoch erst in Wien, wo er mit der von Göring beschlossenen „Organisierung“ der jüdischen Auswanderung beauftragt wurde. Als dann die CSR von den Deutschen besetzt war, verlegte Eichmann seinen Amtssitz mit der gleichen Mission nach Prag. 1940 kam er nach Berlin. In Wien und Prag (1938 und 1939) wütete Eichmann bereite in rücksichtsloser Weise, erpresste Juden, vei-folgte sie, versuchte sie mit allen Gewaltmitteln einzuschüchtem und gewann sich die Sporen, die ihn dann auf der nazistischen Stufenleiter weiterführten. Der Führerklüngel war überzeugt, dass Eichmann der richtige Mann für die geplante Endlösung sei. In Berlin fand im Januar 1940 eine von Heydrich einberufene Konferenz statt, an der sich Eichmann beteiligte. Das einzige Thema dieser Besprechungen war die „Umsiedlung der Juden und Polen“. Bereits einige Monate später leitete Eichmann die Zentralstelle für die Auswanderung und die Abteilung der Gestapo für „Judenerhebungen“. Diese beiden Aemter wurden dann zum „Büro IV A,4 b” des Reichssicherhc-itshauptamtes (Fortsetzung auf Seite 2)