Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1782 (31.5.1960)
- Date
- 1960-05-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PU E Y RttEDON 2190 — 1? izq- Año XXI. JkJen*£ut&JMaelita BUENOS AIRES. MARTES 31 DE MAYO DE 1960 83.2613 No. 1782 Ei Gerüchte und Vermutungen London. — Die Zeitung „Daily Mail” behauptet jetzt, dass auch Bonner Behörden an der Ergreifung Eichmanns mitgewirkt haben. Demgegenüber wird darauf hingewiesen, dass die deutschen Stellen das Gerücht lanzieren, Eichmann sei in dem britischen Protektorat Kuweit, am Persischen Golf, gefangen genommen worden. Von dort aus habe er seiner Familie in Oesterreich die neue Adresse mitgeteilt. Daraufhin sei er von jüdischen Agenten aufgespürt und verhaftet worden. Er selbst sei der Meinung gewesen, dass die lokale Polizei ihn verhaftet habe. Die Verhaftung sei schon vor längerer Zeit er- folgt, aber erst jetzt bekannt gegeben worden. Mitteilungen über den Prozess Das Interesse an der Verhaftung und dem bevorstehenden Prozess gegen Eichmann erregen ein immer noch wachsendes Interesse in Israel und der ganzen Welt. Aus Jerusalem wird mitgeteilt, dass der Gerichtshof, der Eichmann aburteilen wird, aus drei oder fünf Richtern, darunter einigen ad hoc bestimmten Mitgliedern Der Fall des Massenmörders Adolf Eichmann hat die Aufmerksamkeit der ganzen Welt erregt, nachdem man allmählich die Bedeutung dieser Verhaftung begriffen hatte. Noch einmal wird vor der ganzen M eit die schreckliche und unvorstellbare Targödie des jüdischen Volkes aufgerollt werden, der sechs Millionen unschuldige Menschen zum Opfer gefallen sind. Dieser millionenfache Mord war nur möglich, weil die Nazis über eine Gruppe von Männern verfügten, die kein Gewissen hatten und deren Skrupellosigkeit ohne Grenzen gewesen ist. Zu diesen Männern gehörte Eichmann, der getreue Diener seiner Herren, der den Beschluss der Realisierung der „Endlösung der Judenfrage” zur Ausführung brachte. Diese Endlösung bestand einfach in der Ermordung aller Juden, deren die Nazis habhaft werden konnten. Welcher Mittel sie sich dabei bedienten, ist inzwischen bekannt. Um diese Schandtaten wieder in Erinnerung zu bringen, wird dieser Prozess mit der notwendigen Klarheit und Breite geführt werden, den man in Israel vorbereitet und der mit ungeheurer Spannung in aller Weljt erwartet wird. des Obersten Gerichtes bestehen wird. Es werden zahlreiche Zeugen aus allen europäischen Ländern, insbesondere aus Westdeutschland erwartet. Man nimmt an, dass auch zahlreiche ausländische Experten vorgeladen und zugelassen werden. Die israelischen Behörden werden dem Prozess einen internationalen Charakter verleihen. Der Prozess wird in hebräischer Sprache stattfinden. Jedoch werden vielsprachige Doltmetscher alle notwendigen 'Uebersetzungen vornehmen. Der Beginn des Prozesses ist bisher nicht bekannt. Man rechnet aber damit, dass für die Vorbereitungen nur acht bis zehn Wochen gebraucht werden. Dr. Abraham Selinger, der israelische Polizeichef des Norddistrikts, der in Deutschland geboren ist, wurde zum Chef des Untersuchungsausschusses ernannt, der die Anklage vorbereitet. Eichmann in der Zelle Jerusalem. — Die Polizei teilte ¡mit, dass sich Eichmann in Einzelhaft befindet, aber ständig von einem unbewaffneten Wächter bewacht wird. Man gab darüber keine nähere Auskunft, I WIE ICH ES SEHE ob es die Aufgabe dieses \V achtmannes ist, einen Selbstmord Eichmanns zu verhindern. Da die israelischen Behörden erklärt haben, niemals darüber Informationen zu geben, wo Eichmann verhaftet worden ist, wird der Teil der Verhandlung, der sich mit diesem Punkt beschäftigen könnte, weil Eichmann hierzu selbst Angaben machen möchte, geheim geführt werden. Fotografische Aufnahmen von Eichmann zu machen, ist verboten und wird auch während des Prozesses nicht gestattet werden. Schon jetzt wurde bekannt gegeben, dass Jad Waschern das Geständnis des Majors Dieter Wisliceny, des ersten Adjudanten Eichmanns besitzt, das auf ein Spruchband aufgenommen wurde, und in dem er die Verbrechen seines Chefs schildert. Wisliceny ist vor Jahren als Kriegsverbrecher hing^richtet jvorden. Phantastische Gerüchte Tel Aviv. — Wie es heisst, hat sich Eichmann bei den Verhören recht gesprächig gezeigt. Die israelische Presse veröffentlichte verschiedene Dementis, nachdem in den letzten Tagen die phantastischsten Gerüchte verbreitet wurden, die sich auf die Umstände beziehen, unter denen Eichmann festgenommen worden ist. „Jerusalem ’Post” widmet dem Fall zwei Spalten und (Fortsetzung auf Seite 5) von JEHUDA GOTTHEIMER William S. Schlamm begeistert das deutsche Publikum. Natürlich sind nicht alle Deutschen mit Schlamm einverstanden, sodass Vorbehalte durchaus am Platze sind. Immerhin findet dieser merkwürdige Mann immer ein volles Auditorium. Die deutsche Presse hat sich seit einigen Monaten mit Schlamm beschäftigt. Auch für uns dürfte es interessant sein, einmal den Spuren zu folgen, die von diesem Schlamm hinterlassen werden. Schlamms Auftreten ist sensationell. Wir wollen jedoch keine Sensationen, sondern einen sachlichen Bericht geben, wobei wir im wesentlichen den Berichten folgen, die in einer so angesehenen Zeitschrift wie den .Frankfurter Heften” gemacht worden sind. Schlamm sprach u. a. auch in der Universität zu Münster. Das Auditorium Maximum war überfüllt, sodass der Vortrag durch Lautsprecher noch auf einen anderen Hörsaal übertragen werden musste. Schlamm folgte einer Einladung des Allgemeinen Studentenbundes und des Kuratoriums .Unteilbares Deutschland’. Er hatte einen überragend grossen Erfolg. Telegramm des Präsidenten In Beantwortung des Telegrammes, das die Lateinamerikanische Exekutive des Jüdischen Weltkongresses anlässlich der Feier des 150. Jahrestages der argentinischen Unabhängigkeit geschickt hat, richtete der Präsident Argentiniens, Dr. Arturo Frondizi, an den Präsidenten dieser Exekutive, Dr. Moisés Goldman, das folgende Kabel: ..Ich danke Ihnen für die freundlichen Worte des Anschlusses,*dio Sie mir im Namen des Jüdischen Weltkongresses und der südanrerikanischen Gemeinden liebenswürdigerweise anlässlich des 150. Jahrestages der Mairevotution ausgesprochen haben. ARTURO FRONDIZI Präsident Argentiniens”. Mit welchen Fragen beschäftigt sich Schlamm, die er nicht müde wird, in seinen Vorträgen zu erörtern? Er ist der Meinung, dass es nur die Alternative gebe: totale Kapitulation vor dem Kommunismus oder aggressive Politik, die zum Atomkrieg ernstlich bereit ist. Die Politik einer Koexistenz bedeute nur eine nichtssagende Verteidigungsbereitschaft. Im Grunde genommen sei diese Politik nichts anderes als Lauheit und Inkonsequenz. — Man wird zugeben, dass diese Ausführungen bereits „schwerer Tabak” sind. In einer Zeit, wo alle Kräfte sich um einen Weg bemühen, zu einigermassen befriedigenden Ergebnissen eines Ausgleichs zwischen den bestehenden Kräften unserer Zeit zu gelangen, predigt dort ein Mann unter dem tosenden Beifall eines deutschen Auditoriums nichts anderes als die offene Vorbereitung eines Krieges der einen Erdhälfte gegen die andere. Er verlangt die Bereitschaft zum Atomkrieg. der doch nach der übereinstimmenden Auffassung aller Wissenschaftler und ernster Politiker die totale Destruktion unseres Planeten bedeuten müsste. Die von Schlamm verlangte, vermeintliche .Politik der Stärke’ mündet in das allgemeine Chaos. Dies ist jedenfalls die Meinung aller verantwortlichen Staatsmänner und der Militärs, dies ist die Ansicht der bedeutenden Atomforscher und die ihrer Techniker. Und es gibt keinen ernstlichen Grund, der die Richtigkeit dieser These ausschliesst. In allen Ländern, auch in Deutschland, haben Massen gegen den Atomkrieg demonstriert. Ueberall sind Bewegungen im Gange, die danach streben, die Anwendung der Atomwaffen zu verhindern. Konferenzen werden abgehalten, Proteste erhoben, Broschüren veröffentlicht und Propaganda ■betrieben, um die Welt vor dem Irrsinn eines Atomkrieges zu warnen und Sicherheiten zu schaffen, um ihn zu vereiteln. Aber Mister Schlamm kennt nur die Alternative: Kapitulation vor dein Kommunismus oder Vorbereitung des Atomkrieges. j Schlamm geht jedoch noch j einen beträchtlichen Schritt | weiter. Er forderte, man solile einen klaren und eindeunigen Weg beschreiten und ¡die Russen ultimativ auffor- ) dem, sich auf die Grenzen ¡.von 1938 zurückzuziehen, 1 andernfalls man den Atom La Planta de Potasa Israelí Jerusalem. — El gobierno denegó un pedido de Eugene Black, presidente del Banco Internacional, quien había solicitado que Israel desnacionalizara su planta de potasa del Mar Muerto, pasando la empresa a inversores particulares, según reveló Mordecai Bentov. ministro de desarrollo en la Knesset. . El señor Black estuvo aquí recientemente inspeccionando varias empresas incluyendo la planta de potasio. previo a la decisión a tomarse en jumo por el directorio del banco respecto a un pedido de larga data de Israel por un préstamo. Parte de los fondos del préstamo iban destinados a la expansión de la industria de potasa. Se le explicó a Black que Israel debe mantener la propiedad pública de la industria de potasa puesto que el Mar Muerto contiene la mayor riqueza mineral del país. Asimismo considera el gobierno que lns utilidades no deben salir del país, sino que deben ser «invertidas aquí. Se le explicó a Black que si insiste en la desnacionalización, ello sería interpretado como un intento por parte del banco de usar sus préstamos con fines políticos. Por otra pirte se le eseguró al banco que Israel seguirá buscando inversores extranjeros en la industria de la potasa, pero que tales inversiones serán sólo en sociedad, quedando la mayoría de acciones SCHLOMO S. TANGER Ein Vorschlag wurde abgelehnt Jerusalem. — Die Regierung lehnte den Vorschlag Eugene Blacks, des Präsidenten der Weltbank, ab, der Israel ersuchte, sein Pottasche-Werk am Toten Meer zu entnationalisieren und das Unternehmen privaten Kapitalisten zu übergeben, wie Entwicklungsminister Mordechai Bentow in der Knesset enthüllte. Black weilte kürzlich im Lande und besichtigte verschiedene Unternehmen, darunter das Pottasche- Werk, bevor das Direktorium der Bank im Juni über das Ersuchen um eine langfristige Anleihe für Israel entscheiden soll. Man setzte Black auseinander, dass Israel seine» staatlichen Besitz der Potasche-Indusrie erhalten muss, weil das Tote Meer den grössten Mineralreichtum des Landes enthält. Auch ist die Regierung der Ansicht, dass die Gewinne nicht ausser Landes geführt werden dürfen, sondern hier wieder angelegt werden sollen. Man erklärte Black, seine Forderung auf Entnationalisierung müsse als ein Versuch seitens der Bank interpretiert werden, ihre Anleihen zu politischen Zwekken zu benutzen. Andererseits wurde der Bank die Versicherung abgegeben, dass Israel weiterhin auslän- dische Kapitalien für die Pottasche-Industrie surrten werde, doch solche Investitionen nur in Sozietät durchgeführt würden, während die Mehrheit der Aktien in Händen der Regierung verbleibt. SCHLOMO S. TANGER krieg entfesseln werde... Wie berichtet wird, wurden diese Ausführungen von dem selekten Auditorium in Münster besonders .vehement beklatscht’ ... Man könnte bei der 'Lektüre dieser Ausführungen und „politischen Forderungen” ein wenig gelangweilt die Achseln zucken, wenn dieser Schlamm nicht in vielen Städten solche Propaganda treiben und absurde Meinungen äussern würde, die den starken Beifall seiner Zuhörer finden. Man könnte vielleicht sagen, es sei wenig interessant, dass ein Aussenseiter extreme Re. den hält, die letztlich wie Schall und Rauch verhallen oder verfliegen. Das würde jedoch nichts daran ändern, dass sich überall ein Kreis begeisterter Stammtisch-Politiker findet, der seinen Beifall zollt und damit den Wanderprediger Schlamm ermuntert, seinen Werbevortrag und Propagandafeldzug fortzusetzen, um neue Anhänger für seine Parolen zu enthusiasmieren und damit für die Verbreitung seiner Anschauungen wirksam Sorge zu tragen. Natürlich muss es ein wenig sonderbar erscheinen, dass da ein Mann auftritt, der das Rad der Geschichte bis zum Jahre 1938 zuriiekschrauben will. Alles, was in den Jahren des hitleristischen Krieges geschah, soll ungeschehen gemacht werden. Aus welchen Gründen der Kommunismus die Möglichkeit erhielt, sich über das östliche, mittlere und westliche Europa zu ergiessen, wird nicht erwähnt und nicht berücksichtigt. Dass Schlamm zu seinen Zwecken gerade Anhänger aus den Kreisen sucht, die für diese Entwicklung der Jahre 1938 bis 1945 die alleinige Verantwortung tragen, stört ihn nicht. Ohne Bedeutung scheint es auch für ihn zu sein, dass die Durchführung seiner Pläne Europa endgültig in einen Trümmerhaufen verwandeln muss. Erstaunlich bleibt nur, dass diejenigen, die mit Sicherheit die ersten Opfer der Schlammschen Pläne sein werden, ihm zu ihrem eigenen Untergang zujubeln. Schlamm will also den Russen ein Ultimatum stellen. Hierin dürfte er wohl selbst nur eine Formalität sehen, denn kein Pölitiker darf damit rechnen, dass die Sowjetunion nach diesem Ultimatum sofort in die Knie sinken werde und den Schlammschen Forderungen nachgibt. Schlamm weiss doch allein genau, dass nicht nur die Russen über eine Atombomben-Fabrikation verfügen, sondern dass auch die Chinesen bereits so weit sind, eigene Atomwaffen herzustellen. Man braucht die militärische Kraft des Ostblocks nicht zu überschätzen und mag getrost von der Ueberlegenheit des Westens überzeugt sein. Das ändert nichts daran, dass der Westen sich durch die von Schlamm geforderte Entfesselung eines Atomkrieges in die gleiche Gefahr bringt wie den nichtwestlichen Teil unserer Erde. Aber das stört Schlamm ganz offensichtlich nicht. Sein Motto heisst Krieg, Atomkrieg! „Den 17. Juni und den Ungarn -An ist and nicht zum Anlass eines Angriffs genommen zu haben.- sei das grosse Versagen der westli- (Fortsetzung auf Seite 2)