Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1781 (27.5.1960)
- Date
- 1960-05-27
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 27 de Mayo de 1960 LA SEMANA ISRAELITA Año XXI. No 1781 ERINNERE DICH AN DAS UNHEIL Paris, 1. April Am Rande des alten jüdischen Quartiers in Paris steht die Gedenkstätte für sechs Millionen ermordeter Juden. Der Besucher betritt einen mauerumschlossenen ‘Hof (die Mauer ist eine Nachbildung derjenigen, die das Warschauer Ghetto eingrenzte), dessen Rückseite von einem hohen Kubus abgeriegelt wird, fensterlos zum Hof hin, nur ein Davidstern und eine Inschrift ßind in die Strenge des Mauerwerks eingefügt. Rechts und links von dem Stern etehen auf Hebräisch und Jiddisch die Worte: „Erinnere dich!” Darüber in Französisch: „Neige dich in Ehrfurcht vor dem unbekannten jüdischen Märtyrer, vor allen Märtyrern; wandle in Gedanken auf ihren schmerzensreichen Wegen; sie werden dich auf den höchsten Gipfel der Gerechtigkeit und der Wahrheit führen.“ Und wieder auf Hebräisch: „Erinnere dich an das Unheil, das der Amalek der heutigen Zeit angerichtet hat: er hat sechs Millionen der Söhne Israels vernichtet, Frauen und Kinder, unbewaffnet und ohne Verteidigung.“ von VILMA STURM Inmitten des Hofes ein Bronzezylinder, grün oxydiert, mehr breit als hoch, auf ihm sind die Namen der Vernichtungslager eingetragen. Gitterpforten beim Eingang in den Hof und beim Eingang in das Gebäude: sie sollen an die Gitter der Gefängnisse erinnern. Im Innern des Gebäudes grünliche Dämmerung — die Farbe der Zyklonkristalle, die zu dem tödlichen Gas verdampften. Von einem Vestibül aus geht es tief hinunter in eine Art Krypta: Hier werden hinter sechs kupfernen Laden die sechs Bücher aufbewahrt, in die man die Namen der Opfer eintrug. Sechs Scheinwerfer bestrahlen den Raum, einige Stufen tiefer liegt ein riesiger Davidstern aus schwarzem Marmor, aus seinem Zentrum züngelt die immerwährende Flamme gleich wie die am Grabmahl des Unbekannten Soldaten. Sechs in den Stern eingelassene Urnen bergen Asche aus den Lagern, ein wenig israelische Heimaterde ist ihnen beigegeben. Immer wieder weist die Zahl sechs auf die Millionenzahl der Opfer hin. Auf der Stirnwand der Krypta ein Vers aus den Klageliedern des Jeremias: „Schauet doch und sehet, ob irgendein Schmerz sei wie mein Schmerz. Junge und Alte, unsere Jünglinge und Jungfrauen sind durch das Schwert gefallen.“ Vielleicht sähen wir lieber weniger Marmor und fühlen uns nicht ganz eins mit der Vorliebe fürs Aufwendige, das aus diesem Denkmal spricht. Andererseits hat die Geste: „Seht, für euch war uns nichts gut genug!“ auch etwas Rührendes. Aber solche ästhetischen Erwägungen ziehen nur wie Schatten über die Trauer hin, in die das zyklonfarbene Dämmerlicht uns einhüllt. Wir stehen in einem Heiligtum des Schmerzes, der fast ohne Trost ist — wenn es nicht das Wort von Abrahams Schoss gäbe, in dem die Mörder und die Ermordeten und die, die zusahen und sich nicht kümmerten vielleicht trotz allem doch einmal vereinigt sein werden. Das Gebäude, in dem wir uns befinden, das „Centfe de Documentation juive contemporaine“, hat vier Stock¬ Neue archäologische Funde »Wenn du das Kleid deines] Nächsten pfändest, bis Sonnenuntergang gib’s ihm zurück. Denn seine einzige Decke für seine Haut ist’s, darauf er lieget und so er zu Mir schreiet, will ich ihn hören, denn barmherzig bin Ich“. (Exodus 22, 25—26). An dies Wort aus der Thora wird man erinnert, wenn man das Bittgesuch eines Bauern sieht, das mit Tinte in der althebräischen Schrift der berühmten Lakhisch- Briefe auf eine Tonscherbe im siebenten vorchristlichen Jahrhundert geschrieben wurde und erst jetzt ans Tageslicht kam. Joseph Naveh, einer der Kontrolleure der Altertümer - Abteilung der Regierung hat mit Hilfe der Archäologischen Gesellschaft diese Entdeckung bei Minet-Turbin, nahe der Küste von Java gemacht und zeigte seine Funde kürzlich auf einer Pressekonferenz der archäologischen Regierungsabteilung in Jerusalem. Bis vor einem Jahr war die Fundstelle noch unbekannt, aber Amateur-Archäologen lenkten das Augenmerk der Behörden auf das von Sanddünen bedeckte Ruinenfeld, das sich als zwei Verwaltungsgebäude mit Hof und Tor aus der Zeit des Königs Josia erwies „Jischma Adoni Hassar“ beginnt der Bitt- und Klägebrief des unbekannten Bauern. „Es höre, mein Herr der Fürst“. Und nun wird dem Fürsten, wohl dem Bezirks-Vogt in sich wiederholender Weise dargestellt, dass in den Tagen der Ernte das Kleid (Beged) des Klagestellers gepfändet wurde, wiewohl er unschuldig ist, und nun hat er nicht, womit seine Blösse zu decken. So möge denn der Fürst das Kleid des Armen seinem Besitzer wieder zurückstellen und dieser will gern seine Schuld begleichen. Ob dieses Schriftstück jemals in die Hand des Fürsten gelangt ist... Wir glauben es kaum. Denn im Vorhofe, wo vermutlich der Schreiber sass und das Bittgesuch des Armen auf Ton schrieb, wurde es gefunden. Achtlos fortgeworfen, niemals bis zum Amtssitz des königlichen Vogtes gelangend. Und so klagt der namenlose, vermutlich judäische Siedlungsbauer noch nach Jahrtausenden und ein nie beachtetes Bittgesuch ist nun ein Ausstellungsobjekt ersten Ranges geworden, vermutlich noch älter als die Lakhish-Briefe. Nach der Zerstörung des Nordreiches hat König Josia j seine Siedlungspolitik auf philistäischen Gebieten ausgedehnt, und hier scheinen wir ein Beweisstück für diese Agrar- und Expansionspolitik des königlichen Reformators vor uns zu haben. Drei weitere beschriftete Scherben sind von Interesse zeigen doch zwei davon jene theophore Namer.sendung „Jahu“, die Prof. Tur- Sinai für ein Kennzeichen gerade der Judäer im Gegensatz zu den Israeliten) hält. Ein Krug gehörte, nämlich einem Manne namens Ch.ischavjahu, wie aus der diesmal eingeritzten. Beschriftung ersichtlich ist. Da Josua 15,11 von Grenzausläufen des Stammes Juda bis zum Meer spricht, haben wir vielleicht hier in diesen Funden den ersten archäologischen Beweis dafür, dass sich judäisches Siedlungsgebiet tatsächlich, vielleicht nicht in den Tagen Josuas selbst, aber in der Königszeit bis zum Mittelmeer erstreckte. werke. Im vierten ist das „Museum“ untergebracht. Ein Museum, angefüllt mit Bildern des Grauens, mit zum Teil lebensgross reproduzierten Fotografien aus den Lagern und dem Warschauer Ghetto, von den Transporten und Exekutionen, mit fotokopierten Dokumenten von Hand der Naziführer (darunter auch Hitlers Testament, dessen letztes Wort „Judentum” lautet; mit diesem Wort auf den Lippen sozusagen hat er sich umgebracht), mit Erinnerungsstücken aus den Lagern, Sträflingsanzügen, Zahnbürsten, Kämmen, Essgeschirre^ Giftdosen, Knüppeln, Frauenhaaren und einem Stück daraus gewebter Decke... Die Bilder der Leichenberge sind fast nicht so schrecklich wie manchmal das Gesicht eines einzelnen Geschundenen. Wenn Kinder auf den Bildern sind, muss man auf die Zähne beissen, dass man nicht schreit, man muss sich zusammennehmen, dass man nicht die Fäuste hineinknallt in die Gesichter der Henker. Men möchte es so gerne nicht glauben, dass jemals Menschen dies Menschen antttn konnten. Aber sie taten es — und wir kümmerten uns nicht darum. Freilich, etwas zu tun, wäre so gut wie Selbstmord gewesen, was der Mensch nur freiwillig leisten kann, was man ihm aber nicht abverlangen darf. Hätten wir alle aber unsere Gedanken mit aller Anstrengung, mit aller Aufmerksamkeit und Liebe FREISPRUCH FÜR SCHMIERER Wien. — Die beiden Jugendlichen Heinz Quintus und Karl Bayer standen am 2ß. April 1960 vor einem Jugend-Schöffensenat, weil sie im Februar 1959 Flugzettel mit neonazistischem Inhalt gestreut und auf die Pfarrkirche Döbling geklebt, sowie die Hochschule für Welthandel und noch zwei auf das gerichtet, was in den Lagern vor sich ging, hätte es nicht doch sich ausgewirkt? Es gehört zu den moralischen Forderungen, die unser Zeitalter an uns stellt, die Vorstellungskraft zu üben, dass gegenwärtige und drohende Schrecken den Menschen bewusst werden. Das ist vielleicht das Wichtigste,was wir den jungen Menschen übermitteln müssen wenn von politischer Erziehung die Rede ist; dass sie die Vergangenheit in Bildern präsent haben. Wir wissen mittlerweile, dass sehr viele Lehrer in Deutschland nicht imstande .sind, über diese Dinge zu reden. Wir wissen, dass sehr viele Kindern vom Elternhaus her die Ueberzeugung mitbringen: Es war nicht so schlimm. In diesem Dilemma täte eine Dokumentation Dienste. Es kommt nicht nur darauf an zu wissen. Es kommt darauf an, Vorstellungen zu haben, Vorstellungen, aus denen das „Nie wieder!“ unausrottbar hervorwächst. (Aus „Frankfurter Allgemeine Zeitung“) andere Schulen mit Odalsnunen beschmiert hatten. Bei Quintus wurde ausserdem eine Waffe gefunden, für deren Besitz er keine Erlaubnis hatte. Die rechtliche Situation gestaltete Sich insofern schwierig, als der Staatsanwalt die Anklage nach dem Verbotsgesetz wegen Streuung von Flugzetteln nicht erheben konnte, da die „Heimattreue Jugend” (HJ), die damals noch nicht verboten war, für den Text der Flugzettel veranwortlich zeichnete. So konnten die beiden Jugendlichen nur wegen Sachbeschädigung, verursacht durch das Aufkleben mit Wasserglas, und Quintus . überdies wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor Gericht gestellt werden. Von der Anklage wegen boshafter Sachbeschädigung wurden sie freigesproohen, da sie sich als Laien der Wirkung des für die Schmierereien verwendeten Wasser, glases angeblich nicht bewusst waren. Quintus wurde lediglich wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu drei Wochen Arrest bedingt verurteilt. — 'Oi.l-'U Untersuchung '! von NS-Verbrechend Bonn. — In den letzten” 15 Monaten hat die Zentralste]-^1 le der Landesjustizverwal- ' tungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbre- ” sehen 395 Vorgänge zur Üeberprüfung erhalten. Davon sind 240 Fälle inzwischen’ ' bearbeitet worden. (AWZ) it TELBRIN INDUSTRIAL Y COMERCIAL Fabricación e Industrialización de Tejidos SCHLIESST SICH DEN FEIERN ZUM 150. Unabhaengigkeitstag der Republik AN MEDR ANO 1654 T. E. 71-3009 — Buenos Aires —. T. E. 71-1507 .. rmrsnr, En el sesejuicentenario Í de IMayo ¡«iiesfros votos de grandeza y prosberidndf LUFTHANSA LINEAS A E R t a S A L E M A N A S it ☆ ' J&7