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Jüdische Wochenschau · 1960-05-20 · 1779 (20.5.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1779 (20.5.1960)
Date
1960-05-20
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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O I I FRANQUEO PAGADO EL EJEMPLAR en lode le República , Concesión 908 Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? izq. T. E. 83 . 2613 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 20 DE MAYO DE 1960 No. 1779 Zwei neue Staaten in Afrika Der x luuss cler Befreiung Afrikas von der Herrschaft des Kolonialismus schreitet in schnellem Tempo vorwärts. Jede Session der UN befasst sich mit den Vorbereitungen für die Erledigung der Selbständigkeit neuer afrikanischer Gebiete und der asiatisch - afrikanische Block wird immer grösser und stärker. SOMALIA Vor kurzem vei. bschiedete der Treuhandschaftsrat der UN einstimmig eine Resolution, nach der Somalia, (Somaliland) seine Unabhängigkeit bereits am 1. Juli 1960 und nicht erst, wie ursprünglich vorgesehen, am 2. November I960 erhalten soll. An diesem Tage werden also die italienische Verwaltung dieses Gebiets und das Treuhandschafts - Abkommen ihr Ende finden. Italien und Somaliland werden in der Resolution aufgefordert, die Ratifizierung der Verfassung durch «ine Volksabstimmung vor- 2ubereiten. Die Aufnahme Somalis in die UN wird gleichzeitig empfohlen. Das 462.000 qkm umfassende Gebiet, das die Engländer im zweiten Weltkrieg den Italienern abgenommen hatten, wurde im Jahre 1950 von den UN wieder der Treuhandschaft Italiens unterstellt, während sich Italien verpachtete, seine Umwandlung in einen selbständigen Staat vorzubereiten. Die Bevölkerung besteht aus 1,3 Millionen Bewohnern. Die Hälfte von ihren sind Viehwirtschaft betreibende Nomaden-- * die zu den Stämmen der Somali gehören. An der Küste des heissen und trockenen Landes leben Oman-Araber (aus Maskat und Oman), die auch die Oberschicht in den einzelnen Sultanaten bilden.' Zur Oberschicht gehören ferner eingewanderte Italiener, Inder und Pakistaner. Die Landessprache ist ein arabischer Dialekt. fSi den Volksschulen wird araNcch, z. T. allerdings auch italienisch unterrichtet, doch sind 90 % der Bevölkerung noch Analphabeten. In der Hauptstadt Mogadischu (MogadiScio) mit etwa 90.000 Einwohnern besteht eine islamische Hochschule. 90 % der Bevölkerung sind Mohammedaner doch ist die christliche » Mission aktiv. Wirtschaftlich lebt das Land hauptsächlich von Viehzucht — Kamele, Rinder, Schafe und Ziegen —, sowie dem Anbau von Dhura, Bananen, Sesam, Baumwolle, Mais und Zukkerrohr. Das Durchschnitts- Einkommen der Bevölkerung pro Jahr wurde 1954 auf 13 Dollar pro Kopf der Bevölkerung geschätzt, und das Ziel des damals durchgeführten Sechsjahres-Plans war es, dieses Einkommen auf 16 Dollar zu heben. Die Somalis sind ein dunkelhäutiges Volk, das wahrscheinlich aus einer Mischung von Arabern und Negern stammt. So entlegen dieses 'Land scheint, dennoch kann es zu einer Zone weltpolitischer Spannungen werden. Ein Teil der herrschenden Partei, der „Liga der Jugend von Somaliland“ die aus den Wahlen vom März ds., Js. mit überwältigender Mehrheit hervorgegangen ist und 83 der 90 Mandate des Parlaments erhielt, strebt nach der Schaffung eines „Vereinigten Somalistaates“, der alle von Somalistämmen bevölkerten Gebiete umfassen soll: also auch Britisch-Somaliland, Französisch-Somaliland mit dem Hafen Djibouti, die abessinische Provinz Ogaden und den nördlichen Zipfel von Kenya. Hinter all diesen Bestrebungen steht Kairo, das eine umfangreiche und an-, scheinend nicht wirkungslose Propaganda entfaltet, die sich vor allem gegen Abessinien und gegen Frankreich richtet. Während die Engländer anscheinend geneigt sind, auf Britisch-Somaliland zu verzichten, ist von den Franzosen ein solcher Verzicht nicht zu erwarten, und ebensowenig von den Abessiniern. Die wirtschaftliche Zukunft des neuen Staates erscheint sehr zweifelhaft. Bisher hat Italien dieses Gebiet erheblich subventioniert und zwar teils durch eine direkte Subvention, teils durch überhöhte Preise für die Somali-Bananen, die die italienische Hausfrau zu bezahlen hatte. Das Defizit eines vereinigten italienischen und britischen Somalilandes würde zwar 5 Millionen Lst. pro Jahr nicht überschreiten, doch ist nicht klar wer diesen Betrag aufbringen wird. Somalia könnte sich nach einem Ausdruck der Londoner „Times“ zu einem ., afrikanischen Transjordanien“ ohne Jordan und ohne König entwickeln, d. h. einem lebensunfähigen Staat und zu einer neuen Quelle der Unruhe, — zu einer der zahlreichen Zonen, in denen der arabische Expansionismus mit der Existenz anderer Völker an den Grenzen des Arabertums zusammenstösst. NIGERIA Von viel grösserer Bedeutung ist die Entstehung des bisher grössten und volksreichsten Staates in Afrika: Nigeria. Nigeria liegt in Mittelafrika an der Küste des Atlantischen Ozeans und erstreckt sich über 878.000 qkm. und" wenn man Britisch-Kamerun, das möglicherweise angeschlossen werden wird, hinzurechnet, über 67.000 qkm, d. h. ein Gebiet, das etwa ebenso gross ist, wie Frankreich, Westdeutschland und die Schweiz zusammen. Nigeria hat etwa 35 Millionen Einwohner, die sich auf eine ganze Reihe von Völkern und Stämmen verteilen. Etwa um 700 v. d. g. Z. kamen sudanesische Völker nach Nigeria, später Bantu und schliesslich Völker hamitischer Sprache und Araber Im Norden ist der Islam vorherrschend, während im Süden heidnische Kulte allmählich vom Christentum und vom Islam verdrängt werden. Nigeria ist gegenwärtig unter der britischen Verwaltung eine Art Bundesstaat und soll es auch nach seiner Unabhängigkeit bleiben. Es besteht aus der Ost-, der West- und der Nordregion, die zusammen eine Föderation mit einem Bundesparlament Lagos bilden. Die Nordregion, in der die alte feudale Stammes-Struktur der Gesellschaft noch am weitesten erhalten ist, wird von ihrem Premierminister Sir Ahmadu Bello, dem Führer des konservativen Northern Peonle’s Congress weitgehend autokratisch beherrscht. Der Premierminister der Westregion ist der gemässigte Häuptling Obafemi Awolowo, der Führer der ..Aktions-Gruppe“ der seine Bildung an der Londo- Senator Fulbright in Israel Jerusalem. — Der USA-Senator J. W. Fulbright, Präsident der Senatskommission für auswärtige Angelegenheiten, traf aus Transjordanien kommend durch das Mandelbaum- Tor in Israel ein. Gleich nach seiner Ankunft wurde er von Ben Gurion empfangen, der eigens zu diesem Zweck von Sde Böker nach Jerusalem gekommen war. Der Senator stattete der- Hebräischen Universität einen Besuch ab und erklärte vor Professoren und anderen Gästen, er empfinde aufrichtige Bewunderung für die israelischen Projekte de- Kolonisation und Entwicklung, die „vielen anderen Ländern als Beispiel dienen können.“ An diesem Tage hatte Fulbright im Auto und Helikopter das Land besichtigt. Er war in der Lachisch-Zone gewesen, wo er die Siedlung Kalmanie besuchte, in der eine Gruppe von 100 ehemaligen Soldaten aus Birmanien einen einjährigen landwirtschaftlichen Kursus mitmachen. „Andere Leute werden aus Israels Erfahrungen lernen”, äusserte Fulbright in der Universität. „Ich hoffe, dass mein Land zum Aufbau Israels beigetrrgen hat, und es freut mich wenn es dies getan hat. Unsere Siedlungspläne während der Zeit des New Deal schlugen fehl, denn die USA verfügen zwar über das nötige Material, doch ihnen fehlte die Kenntnis von dem gemeinsamen Einsatz materieller und geistiger Werte, und Israel besitzt diese beiden Dinge.” Fulbright zu Ehren veranstaltete Aussenminister Golda Meir ein Bankett, bei dem auch Ben Gurion zugegen war. ner Universität empfing und sich als „.liberaler Demokrat“ bezeichnet. Awolowo tritt ohne Einschränkung für eine Bindung an den Westen ein. Sein wichtigster Gegner ist der Premierminister der Ostregion Dr. Nnamdi Azikiwe (Beiname „Zik”), der an fünf verschiedenen amerikanischen Universitäten studiert hat und an der Spitze des „National Council of Nigeria and the Cameroons” steht. Zik beteuert, er sei kein Antiwestler, doch Nachrichten aus aller Welt Protest gegen Rassenhetze Rio de Janeiro. — Botschafter Josef Tekoa erhob vor dem brasilianischen Aussenministerium einen energischen Protest gegen die Hasskampagne und Rassenhetze, die in den letzten fünf Tagen hier von dem Stellvertretenden Aussenminister der VAR, Hussein A. Sabri, betrieben wird. Sabri tra± am vergangenen Wochenende in einer Mission des „guten Willens”. ein, nachdem .er verschiedene andere amerikanische Länder besucht hatte. In einer Pressekonferenz erklärte Sabri, Nasser werde niemals mit Ben Gurion Zusammentreffen, „weil dies die Anerkennung-Israels bedeuten würde, die für die VAR unannehmbar ist.” Ferner unterstrich er, die VAR werde mit Israel keinen Angriffspakt abschliessen, denn „Israel würde ebenso wenig dies Abkommen’ respektieren, wie Hitler je einen Vertrag eingehalten hat.” In seiner Beschwerde setzt Tekoa auseinander, dass der Repräsentant der VAF. seine „Mission des guten Willens” zu einer Hasskampagne macht und rassische Beleidigungen und Unfrieden unter Völkern auf einem Kontinent verbreitet, dessen Traditionen keine Diskñminiew.iíf kennen. (ITA) ' . Ehrung der Opfer Kempten. — Für 16 jüdische Mitbürger, die in der, 1 Jahren 1942 bis 1945 in Konzentrationslagern ihr Leben lassen mussten, hat die Stadt Kempten einen Gedenkstein gestiftet. Er wurde in einer Feierstunde zur „Woche dt3r Brüderlichkeit” der Obhut der jüdischen Mitbürger übergeben. (AWZ) Handelsabkommen mit Türkei Jerusalem. — Ein neues Handelsabkommen zwischen der Türkei und Israel sieht einen Handelsaustausch im "Werte von je 16 Millionen Dollar in diesem Jahr vor. Das ist das Doppelte von dem, was Israel im vergangenen Jahr nach der Türkei exportierte. (AWZ) Frankfurter verprügelte Juden Frankfurt am Main. — Wie erst jetzt bekannt wird, überprüft die Staatsanwaltschaft einen Vorfall, bei dem in einem frankfurter Lokal ein kanadischer Staatsangehöriger aus Toronto von einem unbekannten Mann provoziert und verprügelt wurde. Der Kanadier, ein in Polen geborener Jude der während des nationalsozialistischen Regimes seine Angehörigen in Deutschland verloren hatte, war während des Faschings mit einem deutschen Mann in einen politischen Wortwechsel geraten und anschliessend verprügelt worden. Wie Oberstaatsanwalt Wolf bekanntgab, erhob der Kanadier auch Vorwürfe gegen Beamte einer Polizeistreife und einen Revierwachtmeister, die es abgelehnt hätten, eine Anzeige entgegenzunehmen. Nach den bisherigen Ermittlungen hätten sich die Beamten „zumindest nicht korrekt benommen und möglicherweise auch strafbare Handlungen begangen“, sagte der Oberstaatsanwalt. (AWZ) Dokumentation über Neuengamme Hamburg. — Die Veröffentlichung einer Dokumentation über das Konzentrationslager Neuengamme hat der Landesverband Hamburg der Jungen Union in einem Brief an Bürgermeister Brauer angeregt. Diese Dokumentation könne vor allem den Schulen ermöglichen imzeitgeschichtlichen Unterricht eine genaue Kenntnis über die •NS-Herrschaft zu vermitteln. (AWZ) Freundschaftsliga Rom. — Unter dem Ehrenvorsitz des ehemaligen italienischen Staatspräsidenten Einaudi wurde kürzlich in Rom eine israelisch-italienische Freundschaftsliga ins Leben gerufen. Zum Vorsitzenden der Liga wurde der ehemalige Ministerpräsident und jetzige Vorsitzende der italienischen Christlich-Demokratischen Partei, Arangio Ruiss, gewählt. (ITA) Keine Einfuhr gebrauchter Autos Jerusalem. ,— Wie die Wirtschaftskommission beschlossen hat, werden keine Bewilligungen zur Einfuhr gebrauchter Autos mehr erteilt werden. Bisher war der Import gebrauchter amerikanischer Wagen bekannter Modelle gegen eine durchschnittliche Zollgebühr von 5.000 Dollar erlaubt. Die Gebühren für ein neues Auto betragen ca. 9.000 Dollar, und zu diesem hohen Satz wird in Zukunft die Einfuhr neuer Wagen gestattet sein. Gebrauchte Wagen werden nur noch diejenigen irs Land bringen können, die über Devisen im Ausland verfügen. (ITA) wünscht er, dass Nigeria eine neutrale Aussenpolitik, etwr nach dem Muster Ghanas, betreiben solle. Während Awolowo pan-afrikanischen Ideen fernsteht, ist dies bei Zik keineswegs sicher. Nigeria mit seinen reichen Naturschätzen, seinen grossen Ernten (Kakao, Bananen, Baumwolle, Erdnüsse, Oelpalmen, Kautschuk, Edelhölzer sowie Metallen) ist auch weltwirtschaftlich von grosser Bedeutung, und es könnte einmal zum Kern einer afrikanischen Union' werden. Deshalb ist es weltpolitisch von Bedeutung, ob es an der Verbindung mit dem Westen festhält oder den Weg des Neutralismus besc’ "eitet. Ebenso wird es für die Welt und auch für Israel von Interesse sein, ob Nigeria sich einem islamischen Block ansehliesst oder ihm fernbleibt. Die Entscheidung über diese Frage wird weitgehend davon abhängen, ob der fortschrittliche Westen oder der weniger entwickelte Norden den neuen, Staat .beherrschen werden. Der Ministerpräsident von Ostnigeria, Dr. Azikiwe, sprach sich kürzlich für eine Verstärkung der Beziehungen zwischen Nigeria und den arabischen Staaten aus. Er bestritt, dass die VAR versuche, die Herrschaft über Afrika zu erringen. Er betonte, dass die Einwohner Nigerias wie die Araber Mohammedaner sind, und verteidigte die proarabische Stellung des Volkskongresses, der in Nordnigeria herrschenden Partei, mit der er eine Koalition einzugehen hofft. Ihm antwortete der Premierminister WestnL gerias AWulowo, der erklärte, eine Zusammenarbeit mit der VAR wäre für die Neger Afrikas BUr dann möglich, wenn sie sich damit einverstanden erklären würden, ztt Vasallen der VAR zu werden. Registro de la Propiedad Intelectual Nv 624 07© Impreso en la Imprenta POLIGIX>TA — Corrientes 3114

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