Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1778 (17.5.1960)
- Date
- 1960-05-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Martes, 17 de Mayo de 1960 L'A SEMANA ISRAELITA Año XXI. — No. 1776 Jd«f*eS' Judentum bleibt lebendig LITERATUï von HERMANN LEVIN GOLDSCHMIDT Die folgende Betrachtung, die ..'in Andenken des im August 1933 ermordeten, unvergesslichen Theodor Leasing gewidmet wurde, ist ein neu abgefasstes Kapitel von Dr. Goldschmidts Buch „Das Vermächtnis des deutschen Judentums“ (Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main). „Es ist eine herzzerreissende Welt, in die wir hier treten“, bekennt im Jahre 1930 Theodor Lessing in seinem „Der jüdische Selbst- 1 3“ überschriebenen kleinen Meisterwerk, die letzte Tiefe dieses Selbsthasses zwar nicht ermessend, aber doch weit vorstossend. mutig und redlich. Das in der Neuzeit wieder voll entfaltete Judentum erweist sich mm von neuem reif genug, seinem Schatten in das Auge sehen. Der letzte, voller Selbstverantwortung entgegenführende Schritt, der mit seinen Lasten auch die hohe Verantwortung schenkt, wird gewagt. Quälend, ja beischämend ist die hier betretene Welt, doch würde ohne ihre Einbeziehung der vom deutschen Judentum beispielhaft vollendeten eigenen Neuzeitlichkeit ein wichtiger Zug fehlen. Und welch ein Trost, dass schon die Bibel mit demselben Schatten rechnet! Denn wie seit der Gottesoffenbarung jede andere äusserste Hingabe Götzendienst heisst, oder es seit dem Beschluss den Abfall und ferner die Geschichte als Gericht von der .Stunde an gibt, in der die Geschichte als die Heilsgeschichte offenbar wurde, ebenso gibt es den Selbsthass seit der Berufung, die über jeden „natürlichen“ und „vernünftigen“ eigenen Willen und die eigene Kraft hinaus wo sie einmal zum Auftrag wurde, dort unabdingbar ihre Forderung bleibt. Welch eine, um Theodor Lessings nur allzu wahres Beiwort ZU gebrauchen, herzzereissend grosse Zahl hierdurch Unseliger schon auf dem von Versuchungen, Prüfungen, Enttäuschungen düster beschatteten Zug durch die Wüste! Welch schweres Ringen um die Aufrichtigkeit des eigenen Daseins noch früher, schon bei Mose, der unter einem ägyptischen Namen fern von seinen Angehörigen aufwächst, die Rückkehr zu seinem Volk erst suchen muss, sie nur auf Umwegen meistert. Niemals, seit Abrahams Auszug aus Ur, konnte es noch einmal gleichgültig sein, wo einer Stellung bezog, weil es seitdem die Forderung des einen und keines anderen Weges gab, und sonst nur die Abtrünnigkeit nämlich diese anderen Wege, nichts Drittes ausserdem. So entsteht durch die Offenbarung und gibt es in jedem seitdem von ihr ausgegangenen Bund den Selbsthass; hasst nämlich, wem ein Wirken von seinem eigenen Bund aus verwehrt bleibt, dessen dennoch weiter für ihn massgebendes, weiter über ihn entscheidendes Dasein, seine eigenen Brüder und Schwestern, oder den, an und in dem dieses Dasein ebenfalls fortbesteht: sich selbst; um so rasender, je weniger er das zu löschen vermag, was durch sein Wesen hindurch unauslöschbar Ausdruck sucht, bis schliesslich manch einer den Tod dem Leben vorzieht, wenn jener mit dem eigenen Dasein nur auch den eigenen Ursprung begräbt. Aber muss es und musste es soweit kommen? Was stand in der Neuzeit einem . Wirken von dem eigenen Judentaum aus im Weg? Und gibt es überhaupt — da im Selbsthass ein menschlicher Tatbestand vorliegt, der mindestens in jedem „Bund’’, bei jedem „Abfall” von diesem wiederkehrt — einen gesondert hervorzuhebenden „jüdischen” Selbsthass? Mit der zweiten Frage, ihrer Bejahung, sei begonnen. Gleich dreierlei begründet diesen besonderen „jüdischen” Selbsthass: das Minderheitenschicksal der Juden — das ihnen eigentümliche Schuldgefühl — die ihnen eigene Berufung. Hass bis zum Selbsthass, eine dem eigenen Dasein todfeindliche Abneigung entbrennt in dem Fall eigener Unzulänglichkeit besonders dort, wo ein einzelner oder seine Gruppe sich in der Minderheit finden, also gerade im Judentum, bis zum heutigen Staat Israel, angesichts der auch diesen umgebenden, jetzt arabischen Mehrheit. Bei der Minderheit ist die Selbstbeobachtung wacher, die Selbstsicherheit schwächer,, die Selbstkritik härter. Schwer lastet sein Ungenügen hier aui dem, den bereits die Tatsache seiner Ausnahmestellung beschwert. Immer wieder lockt ihn die Versuchung, mit der Mehrheit gegen die Minderheit vorzugehen, auch zu seinem eigenen Schaden, gegen den er sich ausserdem darum weniger wehrt, als die Angehörigen anderer Minderheiten, weil er als Jude Schuld vor allem bei sich selber sucht. Woher dieser weitere, das Judentum kennzeichnende Zug, Schuld zuallererst bei sich selber zu suchen, auf den schon Theodor Lessisg hingewiesen hat, ohne allerdings das hier beschwingende Grosse zu sehen, das nur beim Abfall von ihm den Sturz noch vertieft? Ein eigenes jüdisches Schuldgefühl gibt es darum, weil dieses Volk von dem Bund mit der Offenbarung aus lebt; ihrem Auftrag zuwiderzuhandeln ganz die Schuld des sie Verfehlenden darstellt, und jede einem jeden gegenüber verübte Verfehlung ihrem Gebot zuwiderhandelt: mit Schuld belädt. Der von der Offenbarung gewiesene Weg, den das Judentum ging und geht, er selbst führt zur Schuld, wobei mit dieser Einsicht in die Tatsache der Schuld und durch ihre Bejahung derjenige Menschheitsweg erschlossen wurde und gewiesen bleibt, auf dem unsere erhabenste I i ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL ¡ r _ ____________ * * Dr. Hardi Swarsensky ¡ Asuntos Europeos exclusivamente jj P Sprechstunden: Dienstag, Mittwoch u. Freitag v. 15—-19 Uhr g Dr. Günter Frey! Annitas Argentinoa j SnthunerieMiee J TESTAMENTE - ERBSCHAFTSSACHEN J VERTRAEGE - VERWALTUNGEN 9 BUBROZE1T: IG—12 wid 15—18 Uhr PUVTRREDON 21SÜ eaq. Ar. LAS HERAS ~ T. K. 83-2613 | Würde, höchste Verantwortung reift, nämlich d-:r Mensch sich selbst in die Hand nimmt: richtet, ändert! Das war, das ist die Kraft, die zwar den jüdischen Selbsthasser zunehmend beschwert, bis er in seiner „Schuld” ganz versinkt, ader den treuen „Rest” noch aus jenem Abgrund emporträgt mit dem Mut, auch allen Niederlagen — als der eigenen Schuld — in das Augen zu sehen, zur immer wieder neuen Aufnahme des Kampfes, bis zum Sieg! Gerade hier stellt sich nun aber auch noch der dritte Grund ein für einen eigenen , jüdischen“ Selbsthass, durch das Bauen auf diesen „Sieg” — das .Reich” — weil ihre Botschaft aus jeglicher Umwelt herausreisst, von jedem (Gewohnten abhebt, gegen alles sogenannte „Natürliche”, sogenannte „Vernünrtige” kehrt und sich gegen jeden Götzendienst wendet. Das formt zwar, ausgedrückt mit den Prägungen Leo Baeeks, die grossen Nonkonformisten der Welt, Helden der Religion, Schöpfer dés Märtyrertums, aber macht auch denjenigen, der hier nicht mitgehen kann oder will — ohne dass er diese Berufung doch jemals von sich abschütteln könnte — zu einem Selbsthasser besonderer Art. Es gibt einen eigenen „jüdischen“ Selbsthass, aber warum musste es gerade in der Neuzeit zu einem solchen Ausbruch dieses Selbsthasses kommen? Was stand einem Wirken von dem eigenen Judentum aus hier im Weg? Da brachte auf der einen Seite der in Deutschland überaus plötzliche und sogleich die höchsten Gipfel meisternde jüdische Aufschwung — der noch dazu mit den von allen Völkern schwer zu meisternden weltgeschichtlichen Umwälzungen des achtzehnten bis zwanzigsten Jahrhunderts zusammenfiel — und brachten andererseits die diesem Aufschwung wieder und wieder in den Weg gelegten Hindernisse entsprechend grosse Gefahren, Notlagen Versuchungen. Das deutsche Judentum, dessen Blüte von einem beim ersten Anblick erschreckenden, ja abstossenden Ausmass von Abwegen verdunkelt wird, warf nur darum auch so viele Schatten, weil ein unvergleichlicher Höhepunkt des eigenen Aufschwungs überhaupt errungen wurde der jeden einbezog und mitriss: eher noch auf Abwege drängte als Stillstehen liess. Ein archäologische Entdeckung von grosser Bedeutung, die vielleicht ein Vorläufer für weitere grosse Funde in der gleichen Gegend sein kann, wurde kürzlich von Dr. Y. Aharoni in Jerusalem betesnntgegeben, eimem. führenden israelischen. Archäologen, der eine zehntägige Expedition in der jüdischen Wüste in der Nähe der Küste des Toten Meeres leitet. Die Expedition. brachte Funde aus der Zeit des Bar Kochba- Aufstandes während des ersten Jahrhunderts der gegenwärtigen Zeitrechnung zurück, die aus Pergamentrollen, Münzen und Pfeilen bestanden, welche von den Aufständischen gegen den römischen Feind benutzt wurden. Die Schrift auf den ’Rollen ist ähnlich der auf den berühmten Dokumenten die in Wadi Qumram, etwa 50 km nördlich des jetzigen. Ortes, entdeckt wurden und In die gleiche Periodezurnckreichen. Dies ist da* erste Mal, dass Manuskripte dieser Periode auf israelischer Serbe des Gebiete* um das Tote Meer entdeckt wurden, und es besteht Hoffnung, dass weitere Forschungen in dieser Zone neue Entdeckungen zutage fördern können. Die Expedition wurde von einer Gruppe von Archäologen der Hebräischen Universität und der Antiquitäten-Abteilung des KulTusrninisteriums gemeinsam mit der Israel-Forschungs-Gesellschaft unternommen. Es handelt sich um eine Fort-" Setzung der Untersuchung der Höhlen in der Judäischen Wüste, die von Dr. Aharoni vor einigen Jahren begonnen worden war. Frühere Expeditionen in die- Gegend von Ein Gedi und Wavon HAIM di Hever hatten interessante Funde aus den Tagen des P®****« Bar Koch ba-Aufs tan des ans get«®* ** Jz* Licht gefördert u. a. wurden i#”-6* Pl3iL Skelette von Erwachsenen ¿«i*0 S und Kindern gefunden die -¿i*®*. dort gelebt haben, ais sie »s sich vor den römischen Le- ««de®,,3rsn; ginnen, die die Gegend be- » sich die setzten, verbargen und Spedition ar wahrscheinlich des Hunger- Diese gestaltet todes starben. Dieser Fund hat auch die Wahrheit der ¡aijiti#* 1 Darstellung von FTavius Jo- ¿nia* sephus bestätigt, der über beson*« s die Bedingungen berichtet, leiseste I die unter den Aufständiyenitf7-«“® sehen herrschten. ¡¡¡¡¡¡st Die jetzige Expedition wur. jftglieier * de in Nahal ZefeEm, einer „¡cht länger der grössten engen Schluchstunde hin* ten am Toten Meer nördlich fen käst®- von Massada unternommen, ihre Bern* Es wurden zwei römische ¡besser bei« Festungen an der westlichen ^ten entdecl Seite des Wadis und zwei jen befanden kleinere römische Festen in K?epm Ein Aniva gefunden. In eisieh bei näh n-er Entfernung von etwa 5 ein Text aus Kilometern westlich nahe am ,jus JOB V Eingang des Wadis entdeckwiesen. Dies ten die Archäologen eine biischen Te: Gruppe von Höhlen auf ei- ¡¡uin. Ke G nem 300 Meter hohen Feljer papga sen, zu denen der Zugang gem die Vei sehr schwer war und die sie ejnen feti d nur mit Hilfe von Seilen erhaben reichten. Die grösseren un- ¡st ter den Höhlen wiesen jen b^üh! auf kürzliche Ausgrabungen Tom xyen (furch Beduinen hin. Man von y sah dies auch am verschiedejeri v,a i genständen. die zeigten, dass ner Minzi die Beduinen über die Gren- Kaisers Ti ze gekommen waren. Die re y , nen zurirckgeiassenen Ge- ¡5 v Tatsache, dass in Transjorba-AuÄta» daniem kürzlich Manuskripte auf ■j auftauchten, deren Ursprung Kohle ton verschwiegen wurde, beständischer stärkt die Vermutung, dass sie von Beduinen auf der isdeutle, raelisehen Seite' der Grenze wn ausgegraben wurden. spitze*, zu Theodor I.essing hatte auch hi dieser Hinsicht Grundlegendes klargestellt, in seinen nachgelassenen, von keinem Leser jemals wieder zu vergessenden Leben serim n erringen: „Einmal und nie wieder”. Hier aber sei es an zwei äusersten Möglichkeiten des Abwegs genug! da waren Eltern, deutsche Staatsbürger aber trotz der ihnen zuerkannten Gleichberechtigung unbarmherzig daran gehindert, sich auszuleben: seelisch, geistig so weit aufzusteigen, wie es ihren Fähigkeiten und ihrer Sehnsucht entsprach. Damit ihre Kinder es besser hätten, Hessen sie diese taufen. Oder da waren Kinder, jüdisch geschult, die auf dem Boden der Neuzeit sich als Juden, von dem ihnen überkommenen Judentum am — auch wenn dieses Ihseral, orthodox oder zionistisch „erneuert” wurde — ebenfalls nicht ausleben konnten, aber durch die Taufe und als Marxisten, „reine” Wissenschaftler oder Bekenner sonst einer Heilsbotschaft nun der Neuzeit besser und vollständiger gerecht werden u können, glaubten; wie oft sie dann tatsächlich Grosses, Grösstes vollbrachten — und wie vieles nach dem Herzen des von ihnen jetzt mindestens verachteten, meistens jedoch gehassten Judentums! "Wobei diese Selbstauflösirmg und Selbsttäuschung — Ausdruck einer das ganze Volk bedrängenden Not — m ausnahmslos jeder jüdischen Richtung in Versuchung führten. Bekannt ist, dass mit Ausnahme seines ältesten Sohnes alle Kinder Mendelssohns und dass seine sämtlichen Enkel Christen wurden, aber auch Theodor Herzls einziger Sohn Hans nahm die Taufe, ebenso wie ein Nachkomme des Begründers der Orthodoxie, Samson Raphael Hirschs Enkel Karl Jakob, heute katholischer Judenmissionar, diesen Weg gegangen ist. Sp wurde der Beitrag des deutschen Judentums zur jüdischen., deutschen und menschheitlichen Blüte durchbrochen, unterbunden, auseinandergesprengt, ohne dass deswegen die Grösse der unter. fremden Fahnen vollbrachten Leistungen verklci nert oder die Wahrhaftigk<-i'- und Fruchtbar krat jener anderen Heilsbotschaften angezweifelt werden soll, schon weil in den meisten Fäll«* sie auch ihrerseits nach deir. Ziel des Judentums streben. Etwas anderes aber ist die Frage, ob ein Jode, der a* seinem Ursprung vorbeisieht sein ganzes Bestes kann, und ferner, ausserhalb seines Judentums ans Wert gegangen, massl® 1 die eigene ändert! \ dem -Seit Muss sich) sich ander zum Gutei der sich s dem Selbs Iheador »er Rarste hsssesdur hildernnti ddr Mietzs Paul zehen Afindet dem % d “wninsnt Dtto Weit Ueuisdç]j T. * Maxmiiij den früh ahen*n : Walter Ca íot Lessir Ser ■ «sich Israel - Katk fs grösster Auswahl: u. s. T1ERERBLOCK3 — IQ7 p, MER — MARKE» MIT BAND — KOMPLETTE B0CQ( STAENDIGE SAMMLUNGEN — WERTVOLLE AWWAlEj, VORHANDEN — VERTRAUENSWUERDK« Alfonso MORITZSON — «7..