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Jüdische Wochenschau · 1960-05-10 · 1776 (10.5.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1776 (10.5.1960)
Date
1960-05-10
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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T* — Leo baeck Institut Broadway 123J ••UP.VA YORK Ofltt A B X « FRANQUEO PAGADO Concesión 908 g S a ,9 a o U h « < U TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXI. BUENOS AIRES, MARTES 10 DE MAYO DE 1960 No. 1776 EL EJEMPLAR« en toda la República J * Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? izq. T. E. 83 . 2613 Nassers strategischer Plan|Wer ist nun der Schuldi9<* von URI GEDALJAHU Die Spannung an der nördlichen und tödlichen Grenze des Landes, die militari-- sehen Geplänkel, die fast wie eine Ouvei'türe zu einem ernsteren Nachspiel klangen, die darauffolgende verstärkte diplomatische Aktivität auf israelischer Seite, all das sind Erscheinungen, die uns nachdenklich stimmen und uns zu der Frage veranlassen, was hat das alles -zu bedeuten? - Um eine klare Antwort darauf 2u erhalten, genügt es nicht nur die letzten Ereignisse unter die Lupe zu nehmen. Sie müssen als ein Glied in einer ganzen Kette von Entwicklungen betrachtet werden. Denn nur in solcher Sicht, aus einer Darlegung der tieferen Zusammenhänge und Ursachen heraus sind sie richtig zu erfassen. Schon ein kurzer Rückblick zeigt uns, dass der Einmarsch der ägyptischen Stieitkräfte nicht der erste Schritt eines verschärften antiisraelischen Kurses von Seiten der VAR in der Zeit nach der Sinanikampagne war. Schon vorher begann eine erhebliche Verstärkung des wirtschaftlichen Boykotts. Schlag auf Schlag erfolgte die Festnahme von Schiffen mit israelischer Ladung, und die Durchfahrt durch den Suezkanal wurde nicht nur für israelische Schiffe sondern auch Ladungen gesperrt. Die Gründer der ägyptischen Feindschaft gegen Israel sind heute. wrie gestern, die gleichen geblieben. Nasser braucht einen äusseren Faktor, um die Aufmerksamkeit des Volkes abzulenken, um die unzufriedenen Massen immer in Spannung zu halten. Denn ebenso, wie seinen Vorgängern, ist es ihm nicht gelungen, eine innere solide politische Stabilität in seinem Lande zu erreichen, den wirtschaftlichen Rückstand aufzuholen die schweren sozialen und Gesundheitsprobleme des Landes zu lösen. Hinzu kommt die Unzufriedenheit der Syrer, ih¬ Heuss in Israel Jerusalem. — Der erste deutsche Politiker, der in Israel eine öffentliche Vorlesung hält, ist der frühere Präsident Westdeutschlands, Prof; Theodor Heuss, der in der Hebräischen Universität in Jerusalem sprach. Heuss weilt in Israel und wird dort :',w?i Wochen als Gast der israelischen Mission in Köln verbleiben. Seine Vorlesung in der Universität geht auf die Einladung einer Kommission zurück, an dorm Spitze Prof. Martin Huber steht, und der Prof. Hugo Bergmann, Gershon ShoVm und ErrSinmn ehrVen. ITT '«) re Enttäuschung über den. missratenen Zusammenschluss. Ein weiterer Faktor, der den ägyptischen Diktator immer mehr dazu drängt, die Rolle des ersten Scharfmachers gegen Israel zu spielen, ist die Konkurrenz um den ersten Platz unter den Führern der arabischen nationalen Bewegung, den ihm 'einerseits Kassem, und andererseits Bourguiba von Tunesien und der .König von Marokka streitig machen wollen. All dies treibt Nasser immehr mehr ins extreme Fahrwasser. Israel ist das natürliche , Ziel seiner Attacken, an ihm will er die Scharten auswetzen, die sein Prestige im Inneren erleidet, als erster Ritter im Kreuzzug des arabischen Nationalismus gegen Israel, will er seine Konkurrenten ausstechen, die ihm die Führung auf diesem Felde streitig machen wollen. So verhält sich die Sachlage im allgemeinen. Welches aber ist der unmittelbare Zweck, den Nasser mit der Zuiiickführung von Militärkräften in die Sinaihalbinsel verfolgt? In Beantwortung dieser Frage drängt sich eine Parallele mit den letzten Jahren vor dem zweiten Weltkrieg auf. Damals war es der Mufti, der ununterbrochen die Flamme der Feindschaft gegen , die Juden schürte. Und es ist bezeichnend: obwohl die Araber keinen einzigen bedeutenderen militärischen Sieg in jener Zeit davongetragen haben, obwohl es ihnen nicht gelungen ist, auch nur eine einzige jüdische Siedlung zu zerstören, obwohl jede ihrer militärischen Aktionen, einzeln genommen ihren Zweck nicht erreichte, so haben sie doch durch ihr Vorgehen durch die stete Aufrechterhaltung der Konfliktsituation, die Engländer zu überzeugen vermocht, dass es gilt, die Araber zu beschwichtigen und mit ihnen auf Kosten der Juden Kompromisse zu sehliessen. Und das war zweifellos ein wichtiger politischer Sieg, den die Araber mit ihrem fortwährenden, wenn auch militärisch erfolglosen, Säbelrasseln erreichten. Ein ähnliches Ziel scheint auch Nasser jetzt im Auge zu haben. Es ist nicht anzunehmen, dass er mit dem Einzug nach der Sinaihalbinsel die Absicht verbindet, die unmittelbare und entscheidende militärische Auseinandersetzung mit Zahal herbeizuführen. Weiss er doch zu gut, dass er seine Provokationen, jetzt angesichts der Bemühungen der Grossmächte um eine Entspannung im kalten Krieg, angesichts der bevorstehen- 8 H&N W (■ den Gipfelkonferenz, nicht zu weit treiben darf. Wir leben in der Atmosphäre des Geistes von Camp David, die führenden Politiker des Ostens und des Westens sind bemüht, die Brandherde in den problematischen Zonen nicht anzufachen, sondern im Gegenteil möglichst zu verschütten. Legi: man sich doch heute genau davon Rechenschaft ab' dass sich in der gegenwärtigen p&itischeif Weltkonstellation Konflikte sehr schwer lokalisieren lassen. Niemand kann heute garantieren, dass ein kleines Feuer hier oder dort sich nicht in einen Weltbrand verwandelt. Deshalb ist es auch Nas- Nazilehrer als Erzieher Die „fast mechanische An- \vendung‘< des 131er Gesetzes beider Wiedereinstellung von Lehrpersonen habe im Schulwesen da und dort zu unglaublichen Zuständen geführt, erklärte der Katholische Lehrerverband Baden in einer Stellungnahme zu den Vorkommnissen der letzten Wochen. Die „automatische Anwendung” des 131er Gesetzes habe dazu geführt, dass heute viele ehemalige „wirkliche Nazilehrer“ — nicht solche, die zu einer Funktion gezwungen waren — wieder als Erzieher in der Schule stehen oder sogar in leitenden Stellen der Behörden tätig sind. „Es kann heute durchaus Vorkommen, dass naziverfolgte Lehrer in ihrer bescheidenen Stellung verblieben sind und ehemals führende Nazis als Vorgesetzte haben“. Der Lehrerverband betonte, man habe es unterlassen, in das 131er-Gesetz besondere Bestimmungen über die Wiedereinstellung von Lehrpersonen cinzubauen. Die Dienstlaufbahn aller ehemaligen NS-Funktionäre, besonders jener, die in der Schulverwaltung heute in leitenden Stellen tätig sind, müsse überprüft werden. Der berliner Volksbildungssenator Professor Joachim Tiburtius räumte vor der Presse ein, dass Unterlassungen im Zeitgeschichts- Unterricht an den berliner Schulen vorgekommen seien. Doch habe man schon vor den jüngsten antisemitischen Vorfällen damit begonnen, die Geschichtsbücher auf ihren Inhalt zu überprüfen. Beim Senator für Volksbildung in Berlin soll ausserdem eine Kommission eingesetzt werden, die auch künftig alle Geschichtsbücher, die die nationalsozialistische Zeit behandeln, gründliche überprüft. Ausserdem sollen noch vor Beginn des neuen Schuljahres Richtlinien über Themenkreise für den Geschichtsunterricht aus den letzten 30 Jahren erlassen werden. Bei der Auswahl der Schulleiter sei besonders darauf zu achten, ob sie die politische Bildung der Schüler fordern. Es gehe jetzt darum, den Geist des Rassenhasses mit der Wurzel auszureissen, schrieb „Metall“, das Organ der Industriegewerkschaft Metall. Das Blatt hält es für unaufschiebbar, dass aus den Spitzen der Regierung und Verwaltung, aus Justiz und Polizei sowie aus dem gesamten öffentlichen Leben alle Kräfte entfernt werden, die in der Vergangenheit schwere Schuld auf sich luden Minister oder Abgeordnete sollten auch endlich aufhören, Grusstelegramme zu den Treffen ehemaliger SS-Leute zu senden, und Minister sollten keine rechtskräftig verurteilten Massenmörder in Freiheit setzen. Wenn dem Ungeist des Antisemitismus und Nazismus der Boden entzogen werden solle, müsse ferner vor allem mit der Flut antidemokratischer Publikationen Schluss gemacht werden, in denen die Hitlertyrannei noch heute Tag für Tag verherrlicht werde. Die Schändung der Synagoge in Köln und des Ehrenmals der Opfer des NS- Regimes wurde vom Kölner Stadtrat scharf verurteilt. Oberbürgermeister Burauen bedauerte in einer Erklärung, dass mit diesen Freveltaten der Name der Stadt entehrt und die gesamte Bürgerschaft geschmäht worden seien. Der Deutsche Hausfrauenbund hat die strenge Bestrafung der antisemitischen Schmierfinken gefordert. Der Verband sei sich mit dem gesamten deutschen Volk einig in der Verachtung derjenigen, die sich an den Hassbezeugungen gegen das Judentum beteiligt haben hiess es in der Stellungnahme des Bundes, der die Interessen von 150.000 Hausfrauen in der Bundesrepublik vertritt. ser nicht „erlaubt“, ein richtiges Feuer anzuzünden.Und nicht darauf zielen auch seine oben erwähnten verschärften antiisraelischen Manöver ab. Mit ihnen will er das Gleiche ereichen, was seinerzeit der Mufti mit seinen beständigen militärischen Kleinprovokationen gegen Israel erreicht hat. Er will die Grossmächte davon überzeugen, dass sie die erstrebte Beruhigung im ÄJittleren Osten nur durch Zugeständnisse an die Araber und zwar auf Kosten Israels erreichen können. Und es ist durchaus anzunehmen, dass die Grossen bei dem bevorstehenden Gipfeltreffen ein Uebereinkommen durch verschiedene Kompromisse zum Nachteil der kleinen Partner in den Hochspannungszenen des europäischen Festlandes als auch des asiatischen Kontinents anstreben werden. Es ist sicherlich kein Zufall, dass der Zeitpunkt des Aufenthalts Ben Gurions und Adenauers in Washington gerade am Vorabend des Treffens auf höchster Ebene so eigentümlich zusammenfiel. Weiter: durch die Anwesenheit der ägyptischen Divisionen in der Sinaihalbinsel soll Israel ständig in Schach gehalten und zu verstärkten erschöpfenden Sicherheitsanstrengungen gezwungen werden. Unter dem Schutz dieser Divisionen ist es bequem, eine neue Welle von Infiltrations - Aktionen durch die Fedajin zu organisieren, was die Spannung nie erlahmen liesse und immer das Augenmerk der Grossen auf diese Zone lenken müsste, gleichsam in dem Sinne: seht her, wenn ihr uns Araber nicht beruhigt und Israel nicht zwingt, die Zeche zu bezahlen, kann euch ein Strich durch eure ganze Entspannungsrechnung gemacht werden! Es galt also für Israel vor allem, den Westmäehten die Augen für Ziel und Zweck dieses ganzen ägyptischen Spiels zu öffnen. Es galt, sie immer wieder daran zu erinnern, wie sie durch ihre Rückzugsmanöver vor dem ägyptischen Diktator, durda ihre Nachgiebigkeit ihm ge-» genüber Schritt für Schritt aus dem Nahen und Mittleren Osten verdrängt wurden. Es gibt ein eisernes Gesetz^ das lehrt: das politische Kräftespiel auf internationalem B orum lässt kein Vakuum zu. Wo der Westen Einflussphären verliert, dort dringt der Osten vor.So war und ist es auch in dieser geographischen Zone. , Die ifcompromisspolitik Nasser gegenüber hat nur dazu geführt, dass der Westen eine Position nach der anderen zu Gunsten der Sowjetunion verloren hst. Schliesslich ist er es also, und nicht nur Israel, der die Zeche zahlt. Da muss Israel einhaken. Darauf muss es konsequent hinweisen, damit die westli«- chen Grossmächte diese Wahrheit rechtzeitig und in voller Reichweite ihrer folgenschweren Bedeutung erkennen. Jom Haazmaut- Feiern Santiago de Chile. — Botschafter Doron empfing araj Abend des Jom Haazmaut Diplomaten und hohe Beamte der Landesregierung. < Rio de Janeiro. — An ei-i ner Festveranstaltung, bei der der Botschafter Israels den Vorsitz führte, nahmen; rund 2.000 Personen teil. Die grösste katholische Zeitung, „Jornal do Brasil”, gab eine Sondernummer heraus. — (ITA) Herzl-Schabbat Jerusalem. — Das Rabbinat von Israel hat einen Heral-Schabbat zur Ehrung des Geburtstages des Gründers des Zionismus proklamiert. Es wurden Gebettexte verteilt und die Rabbiner aller Synagogen ersucht, ihre Predigten auf dieses Ereignis zu beziehen. In der jabbinischen Erklärung heisst es, die Wiedergeburt Israels habe Sich dank der Vision Herzls vollzogen. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual 624.0ICI Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 5114

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