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Jüdische Wochenschau · 1960-05-10 · 1776 (10.5.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1776 (10.5.1960)
Date
1960-05-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON J 2190 — 1’ i*q. Año XXI. BUENOS AIRES, MARTES 10 DE MAYO DE 1960 /a. Jemand jksuaeliia T. E. 8 3 2 6 1 3 No. 1776 Boykott vorläufig aufgehoben Washington. — Dei Boykott gegen das ägyptische Schilf „Cleopatra" wurde »ach 24 Tagen aufgehoben, nachdem die beiden grossen USA - Gewerkschaften vom Stale Department das Versprechen erhielten, dass neue Massnahmen ergriffen werden würden, um dem Einschluss von USA-Schiffen in die schwarze Liste ein Ende su setzen. Paul Hall, der Präsident des Internationalen Verbandes der Seeleute, erklärte, der Streik solle wieder aufgenommen werden, wenn das State Department nicht in aller Kürze „praktische Schritte" Vorschlägen wird. KEIN ABKOMMEN MIT NASSER Vereinte Nationen. — Der UN-Generalsekretär stellte energisch in Abrede, dass er jemals zu einem „Abkommen” mit Nasser über die ungehinderte Beförderung israelischer Frachten durch den Suezkanal gelangt sei. ln einer Pressekonferenz Wurde er ersucht, „die Tatsachen” zu enthüllen, die dem Versuch des griechischen Frachters „Astypalea“ zugrundeliegen, welcher im vergangenen Dezember mit in Haifa gekauften Waren den Kanal durchfahren wollte. Israelische Kreise hatten versichert, dieser Transport habe zu der Kategorie gehört, über die sich Nasser und Hammarskjöld geeinigt hätten, d. h. dass Güter, deren Besitzer kein Israeli sei, den Kanal passieren dürften. Hammarskjöld entgegente, es habe nie ein Abkommen bestanden. Auf die Bitte eines Journalisten, sich zum Boykott ägyptischer Schiffe und in diesem Zusammenhang zu dem Fragenkomplex der Freiheit der Schiffahrt durch den Kanal zu äussern, entgegnete Hammarskjöld, dies sei ein Problem, das einzig und allein die Syndikate betreffe. FOLGEN DES BOYKOTTS Washington. — Der Boykott, den die Araber gegen USA - Schiffe durchführen, richtet immer grössere Schäden an. Lincoln White vom State Department gab bekannt, dass als eine der direkten Folgen der arabischen Haltung „ein grosser Teil” der für die Häfen im östlichen Mittelmeer bestimmten Frachten mit nichtamerikanischen Schiffen auf den Weg gebracht werden. Zehn USA-Schiffe seien angewiesen worden, nichtarabische Häfen anzulaufen. Es würden Massnahmen erwogen, - um diesem Boykott zu begegnen, so setzte er hinzu. Inzwischen sind Unterhaltungen zwischen dem State Department und den Führern der zwei grossen USA- Gewerkschaften über den Boykott der „Cleopatra” eingeleitet worden. Nachdem die Syndikate die Fortsetzung des Boykotts beschlossen hatten, teilten sie dem State Department mit, sie verlangten Sicherheiten, dass die arabischen Staaten ihren gegen die Seeleute der USA gerichteten Boykott einstellen bevor sie den Boykott gegen die „Cleopatra” aufheben. -:-. \ WIE ICH ES SEHE ~ Zum 100. Geburtstag Herzls 1 ■ _—__ von JEHUDA GOTTHEIMER Die Gewerkschafts-Führer beschuldigten das State Department, den Grund der Frage nicht berühren zu wollen, wenn sie die Freunde Israels bezichtigen, die Sache angezettelt zu haben. Sie gaben ferner bekannt, dass das State Department ein Communiqué vorbereitet das den Forderungen der Syndikate Rechnung trage und das Versprechen enthalte, die ökonomische Lage der amerikanischen Seeleute zu untersuchen und Garantien für ihre Sicherheit zu stellen. KAMPF UM EINu KLAUSEL Washington. — Das State Department erklärte, es unterstütze die Bemühungen des Senators J. W. Fulbright, des Präsidenten der Senats-Kommission für auswärtige Angelegenheiten, der sich dafür eingesetzt hatte, dass die neue „Douglas-Klausel” zum Gesetz der gegenseitigen Sicherheit, die sich gegen den arabischen Boykott der israelischen Schifffahrt richtet, wieder entfernt wird. Im Namen des State Department äusserte Unterstaatssekretär Douglas Dillen, dieser Zusatz sei nur dazu angetan, den Kommunisten eine Handhabe zu liefern, die im Mittelosten herrschenden Spannungen anzufachen, um dort an Terrain zu gewinnen. Das ist die ungeheure Wirkung Herzls, die noch so lange Jahre nach seinem Tode von seiner bezaubernden Persönlichkeit ausstrahlt: wir empfinden ihn als einen von uns, als wenn er mitten unter uns weilen würde, als wäre er eben fortgegangen, obwohl wir ihn doch niemals gesehen und niemals gesprochen haben. Herzl wurde in eine Zeit hinein geboren, in der freiheitlich-fortschrittliche Tendenzen in gleicher Weise mit reaktionären Bestrebungen rangen wie heute. Zu Anfang des vergangenen Jahrhundesrts hatte die Welle der französischen Revolution und der von ihr ausstrahlenden Ideen langsam die anderen europäischen Länder erfasst und wälzte sich in einer West-Ost-Bewegung auch über die österreichisch-ungarische Donaumonarchie. Kaum hatten die europäischen Juden — oder doch grosse Teile von ihnen — im Zug. der napoleoai iselren Eroberungen ihre Freihei erhalten, setzten bereits wieder mit der Restauration die Bestrebungen ein, um die Juden ins Ghetto zurückzujagen und ihre Emanzipation aufzuheben oder doch wenigstens einzuengen. Sch.itt um Schritt tobte die Auseinandersetzung, die eigentlich nach dem Zusamüienuruch des napoleoni- Behon Reiches niemals mehr ßbbrechen sollte, bis dann d;e intlcristische Reich die Freiheiten aller Menschen t«id die physische Existenz von seehs Millionen europäisch erJuden vernichtete. Das Ständige R-ingen um die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden war nur der Schatten des allgemeinen Kampfes demokratisch-liberaler Elemente gegen die Reaktion, gegen den Klerikalismus, gegen das kaiserliche Gottesgnadentum, gegen Intoleranz und Militarismus. Im Rahmen dieser Auseinandersetzungen spielte sich das bürgerlich-politische Leben Europas und seiner Juden in der Zeitspanne zwischen dem Wiener Kongress (1815) und dem infernalischen Intermezzo des Nazifaschismus (1939) ab. Absichtlich wurde hier der Kriegsbeginn als Abschluss gesetzt, weil die ersten sechs Jahres des Naziregimes den demokratischen Kräften noch zahlreiche Möglichkeiten boten, die braune Gefahr zu eliminieren, die allerdings ungenutzt blieben. — Natürlich gab es auch ständig einen fühlbaren Antisemitismus, der sich einmal mehr, einmal weniger bemerkbar machte. Vorhanden war er aber immer, auch in der guten alten Zeit, von der uns unsere .Grosseltern so gern erzählten. Angesehene Bürgersleute waren auch die Eltern Herzls. Besonders seine Mutter erfüllte ihn und seine Jugendzeit mit schönen Gedanken und zarter Kultur. Von vielen Müttern später berühmter Männer werden solche Einflüsse berichtet, man denke nur an Goethe. Schliesslich ist es doch meist die Mutter die aus vielen Gründen und vor allem aus dem einen, dass sie die Muttei ist, den werdenden Menschen gestaltet und formt. Sicherlich gibt es nicht viele Männer, die einen solchen Einfluss der Mutter bewusst eingeräumt haben, wie Herzl das bis in seine letzten Lebenstage hinein tat. Wenn man noch heute gerade hierzu ein Wort sagen will, so muss man gestehen, dass diese eigenartige Anhänglichkeit Herzls an seine Mutter wahrscheinlich ein Anlass für die sehr traurige spätere Geschichte der Familie gewesen ist. Herzl studierte die Rechtswissenschaften, nicht nur deshalb, weil jeder jüdische Junge studieren musste, wie es der elterliche Ehrgeiz und die bürgerlichen Vorstellungen der Zeit verlangten, sondern weil er eine echte Begabung in sich trug. Er fühlte sich zu juristischen Stu dien hingezogen, weil er sich als Verteidiger des Rechts betrachtete. Für das Recht, gegen das Unrecht zu kämpfen, darin sah er sein Lebensideal. Er hat es erfüllt, aber ganz gewiss anders, als er und seine Familie es damals annahmen, als der junge, glänzend aussehende, gebildete und begabte jüdische FULBRIGHT BESUCHT KAIRO Jerusalem. — Senator J. W. Fulbright wird am 11. Mai als Gast der VAR-Regierung in Kairo erwartet, wie kairoer Pressenaehrich- Studiosus Theodor Herzl an die alma mater in Wien zog. Herzls Reaktionen auf die verschiedenen Erscheinungen und Begegnungen, auf äussere Begebenheiten und innere Erlebnisse wird immer wieder von diesem Drang bestimmt, dem Recht zum Siege zu verhelfen. Deswegen finden wir ihn auf Seiten der Unterdrückten. Deswegen reagiert er stolz und im Bewusstsein der Ueberlegenheit des Rechtes über das Unrecht, als seine bursehenschaftlicbe Verbindung sich an antisemitischen Kundgebungen beteiligt. Er reagiert nicht, weil er Jude ist, obwohl dies natürlich ein entscheidender Faktor war, er reagiert, weil sein Rechtsgefühl aufs schwerste betrof- Nach der Absage Krutschews Jerusalem. — Die israelischen Behörden haben nicht die Absicht, weitere Schritte einzuleiten um eine Zusammenkunft zwischen Ben Gurion und Krutschew herbeizuführen, nachdem Moskau den von Israel formulierten Vorschlag abgelehnt hat. Das israelische Aussenministerium enthält sich weiter jeglichen Kommentars über diese Absage, doch die israelische Presse kommentierte ironisch die Erklärung Maliks, dass seine Regierung clas Ziel verfolge, mit allen Ländern des Mittelostens „ohne Diskriminierung“ freundschaftliche Beziehungen zu pflegen. Die Zeitungen schreiben, niemand werde bestreiten, dass Moskau jede Gelegenheit ergreift, um Israel zu diskriminieren. (ITA) Manifiestan su Solidaridad Tel Aviv. _ La acción iniciada por los irabajadores del puerto de Nueva York es enteramente justa, y sus compañer >s del mundo entero se solidarizan con ellos, dispuestos a demostrarlo con hechos, declaró^ el Sr. T, Nishimaki, presidente de los obreros porteños del Japón. — Dijo que desde hace tiempo los obreros japoneses pensaban reaccionar contra la escandalosa actitud de los países árabes que vedan el paso a caulquier barco que haya tocado un puerto israelí. Esa actitud acarrea daños a los trabajadores, ya que disminuye sus perspectivas de trabajo, y combatir ese fenómeno es un deber de iodo el gremio. Llegan asimismo noticias de París en el sentido de que la campaña antiárabe de los estibadores y marineros de Nueva York íué encomiada por la prensa francesa. Según informa el diario "Haarelz", muchos periódicos parisienses dicen que, aun caundo la acción de Nueva York no fuese más que una manifestación de descontento, es sumamente valiosa porque destaca, de una vez por todas, el verdadero carácter del boycot anii-israelí de los árabes, poniendo de relieve que lardie o temprano tendrá que perjudicar los intereses de todas las naciones que se ocupan de transportes marítimos. riCHLOMO S. TANGER Erklärung der Solidarität o Tel Aviv. — Die v,on den Hafenarbeitern in New York eingeleitete Aktion ist völlig gerecht, und ihre Kollegen in der ganzen Welt sind mit ihnen solidarisch und bereit, dies durch Taten Zu beweisen, wie T. Nishimaki, der Präsident der Hafenarbeiter Japans erklärte. Schon seit la gern, so betonte er. hätten die jaspanischen Arbeiter geplant, auf die skandalöse Haltung der arabischer. Länder zu reagieren,die einem jeden Schiff, das einen israelischen Hafen berührt hat, die Durchfahrt verwehren. Dies schädige die Arbeiter, weil es ihre Aussichten auf Arbeit verringere, und diesen Zustand zu bekämpfen, sei Pflicht eines jede« Syndikats. Gleichzeitig kommen Nachrichten aus Paris, die besagen, dass die antiarabische Kampagne der Stauer und Matrosen in New York von der französische« Presse gelobt wurde. Wie „Haaretz” berichtet, vertreten viele pariser Blätter die Ansicht, dass die Vorgänge in New York zwar vielleicht nur ein Ausdruck der Unzufriedenheit, doch äusserst wertvoll seien, weil sie ein für alle Mal der. wahren Charakter des antiisraclischen Boykotts der Araber zeigen und darlegen, dass dieser früher oder später die Interessen aller seefahrenden Nationen schädigen müsse. SCHLOMO S. TANGER ten zu entnehmen ist. Der USA-Senator wird mit Nasser und anderen ägyptischen Politikern Zusammentreffen. Die israelischen Blätterbringen seinen Besuch mit seiner proarabischen Haltung bei der kürzlichen Debatte im USA-Senat in Verbindung. GOLDA MEIR ERSTATTET BERICHT Jerusalem. — Frau Golda Meir informierte das Kabinett über die internationalen Ereignisse einschliesslich des Falles der „Cleopatra” m New York und die vom USA - Senat angenommene Antiboykott-Klausel. Die Minister enthielten sich unfreundlicher Aeusserungen über Senator Fulbright, der erfolglos gegen die Annahme dieser Klausel aufgetreten war, weil allgemein die Ansicht herrscht, er habe zwar einen falschen Standpunkt vertreten doch sei die Aufrichtigkeit seiner Motive nicht anzuzweifeln. (IA) fen wird. Nur er allein hat unter seinen jüdischen Kommilitonen in dieser Form geantwortet, die anderen schwiegen, nicht weil sie ehrlose Menschen gewesen wären, sie fühlten sich jedoch nicht getroffen, weil die fraglische Demonstration nicht gegen sie gerichtet gewesen ist, sondern „nur” eine ganz allgemeine Demonstration antisemitischen Charakters. Aber Herzl kehrte seiner Verbindung den Rücken, obwohl er angesehener als die anderen Juden war. Herzl konnte nicht schweigen, weil kein Kämpfer für das Recht schweigen kann, wenn das Recht verletzt wird. Herzl sprach nicht nur, es sprach aus Herzl, das Gefühl. für Menschenrecht und Menschenwürde, das Bewusstsein des Stolzes und der Gleichheit aller Menschen in der Gesellschaft, im Staat, vor dem Gesetz, das keine Unterschiede machen darf zwischen Mensch und Mensch und Bürger und Bürger. Herzl erkennt, dass er andere Wege suchen muss, um seiner inneren Berufung, dem Kampf für Recht „gerecht” zu werden. Ihm kann es nicht genügen, in irgendeinem grösseren oder kleineren Gericht dem Recht zu diene», er muss es der brei- ---—--j ten Oeffentliehkeit mitteilen, was in ihm vorgeht, welchen Kampf er führt, welche Wege beschritten und welche verlassen werden sollen. Deswegen wird Herzl Journalist. Dieser Gedanke, für Recht und Freiheit sich einzusetzen, klingt aus seinem literarischen, dichterischen und journalistischen Werk, er gewinnt aber erst die vollste Harmonie als Herzl zu sich selbst und zu seinem Volk zurückfindet, dessen grösster Anwalt er werden sollte vor den Mächtigen dieser Erde, vor den Grossen seiner Zeit, vor Fürsten und Staatsmännern. Herls Umkehr vom kosmopolitischen Europäer zum Juden wurde nicht durch eia persönliches Unrecht ausgelöst, das ihm widerfuhr. Aber Herzl verstand den Ruf des Pariser Pöbels „Tod den Juden!” der sich nicht nur gegen den Hauptmann Dreyfus, sondern gegen alle, gegen Unbekannte sozusagen, richtete, und er durchschaute die Tragödie eines unglücklichen Menschen, dessen, einzige Schuld die war, ein Jude zu sein. Den Schlag, den die Antisemiten in Frankreich gegen einen ehrgeizigen, ahnungslosen Juden führten, er ti-af den stolzen Weltbürger Theodor (Schluss auf Seite 2)

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