Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1774 (3.5.1960)
- Date
- 1960-05-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9616703-9611224-9611485--0364-9611486- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
PUEYRREDON y 2190 — l9 izq. Jûx Jewxi^J&jCLeJJÀG, Año XXI. BUENOS AIRES, MARTES 3 DE MAYO DE 1960 83.2613 No. 1774 Juden in einem Rassenkonflikt Johannesburg. — Im Ausland herrscht, viel Unverständnis für die Haltung der südafrikanischen Judenheit in der gegenwärtigen Rasseukrise in diesem Land. Einige jüdische Organisationen fragen warum die Juden Südafrikas über ein so aktuelles Problem keine Meinung äussern, so fragte Gustav Saron, der Generalsekretär des südafrikanischen Board of Deputies, in einer Sitzung dieser Institution. Nach einer vom Board herausgegebenen Erklärung sind viele Meinungverschiedenheiten unter den südafrikanischen Juden vorhanden, ebenso wie es solche unter der Bevölkerung im allgemeinen über die Art und Weise gibt, auf die man zu einer friedlichen Koexistenz zwischen Weissen und Negern in Südafrika gelangen kann. Aus diesem Grunde, so führte er ausj sei es nicht möglich, einen einzigen Sprecher für die jüdische Gemeinde bei politischen Problemen dieser Art aufzustellen. Er fügte hinzu, das Unverständnis erstrecke sich auch auf die Rolle des Board of Deputies, der nach Sarons Aussage unfähig sei, in den südafrikanischen Rassenproblemen eine Position zu beziehen, nicht weil er ihnen gleichgültig gegenüberstehe, sondern weil „die Stellungnahme und Meinungsäusserung nicht zu seinen Aufgaben gehört.” Saron verwies darauf, dass der Board als Repräsentanz der südafrikanischen Judenheit sich auf Angelegenheiten beschränken müsse, die sich direkt auf die jüdische Kollektivität beziehen. Daher fühle sich der Board nicht kompetent, Ansichten über allgemeine staatspolitische Probleme zu äussern. Er habe dagegen immer den Standpunkt vertreten, dass die Juden als Bürger die Pflicht und das Recht haben, in öffentlichen Fragen indiviuell zu reagieren. Der Generalsekretär erklärte, der Board of Deputies habe stets betont ein jeder Jude trage in seiner Eigenschaft als Staatsbürger die Verantwortung, sein Teil zur Minderung der rassischen Vorurteile und zur WIE ICH ES SEHE-j Vor der Gipfelkonferenz' _von JEHUDA GOTTHEIMER Es brodelt in Mitteleuroi pa. Der Flüchtlingsstrom aus dem Osten ist in täglicher Zunahme begriffet). Die Lage im Bereich der „Pankow- Regierung”, wie das ostdeutsche Kabinett von seinen westdeutschen Brüdern liebevoll genannt wird, spitzt sich immer weiter,zu, nachdem dort die Kollektivierung des Bauernstandes beschlossen wurde. In Deutschland droht ein neuer Bauernaufstand auszubrechen. L’histoire se répite... Angeblich soll der Flüchtlingsstrom so stark wie kaum je zuvor sein. Das ist der westdeutsche Beitrag zur Vorbereitung der Gipfelkonferenz, wahrscheinlich nur als Reaktionsbewegung zur verstärkten ostdeutschen Propaganda gedacht, die sich nicht zu Unrecht über die vielen Nazi in westdeutschen Spitzenstellungen aufregt. Die Folge ist eine Erhöhung der sicherlich auch objektiv gegebenen Unruhe, von der Mitteleuropa erfasst ist. Offensichtlich werden die Alliierten zum Schluss doch bereit sein, den Russen in der Berlin-Frage Konzessionen zu machen. Dass die Berliner lieber zum Westen als zum Osten gehören wollen, ist nicht zu bezweifeln. Die kommunistischen Massnahmen sind in weiten Kreisen Ostdeutschlands nicht populär. Eine Volksabstimmung wird eine gewaltige Majorität für den Westen ergeben. Um es in der Sprache der. Primitiven zu sagen: die Amis sind immer noch besser als die Iwans. Aber... die Iwans machen bessere Politik. Deswegen erhalten sie selbst dort Konzessionen vom Westen, wo sie es selbst garnicht erwarten. Sicherlich ist dies nicht nur ein Propagandaspruch der Westdeutschen: „Keine Butter — keine Sahne — doch auf dem Mond die rote Fahne”... Das kommt aus Ostdeutschland. Es handelt sich übrigens um späte Erkenntnisse, denn als der gemeinsame Führer des Grossdeutschen Reiches seine mondsüchtige Lebens¬ und Weltraumpolitik betrieb, sind sie ihm alle nachgelaufen. Auch damals gab es keine Butter und keine Sahne, auch damals gab es auf allen Pulverfässern und Luftschlössern Europas die rote Fahne mit dem zerbrochenen Kreuz... Nun Unruhe schaffen, das ist die Parole des Ostens, damit die Gipfelkonferenz entsprechend eingeleitet werden kann. Unruhe gefährdet die Verhandlungen, zu denen Krutschew schliesslich doch noch bereit sein wird; wie der Kapellmeister eines grossen disharmonischen Orchesters wird er seine Mitwirkenden beschwören, um dann als Friedensapostel vor alle Völker zu treten, er, Krutschew, der Retter der Menschheit. In solchen Zeiten kommt es darauf an, die Nerven zu behalten. Schliesslich ist dieser Frieden, in dem wir leben, auch ein Teil des allgemeinen Nervenkrieges. Natürlich will auch Herr Nasser seinen Anteil an diesem finsteren Geschäft haben. Schwere Gewitter haben die Ankunft seines Flugzeuges nach Kairo verzögert. Da er nicht abgestürzt ist, war die Sensation nicht komplett. Demzufolge musste er eine neue Version finden, um seine Existenz zu beweisen. Im Dienste einer israelischen Geheimorganisation sollte er umgebracht werden. Vergiftet sollte er werden! Der arme Nasser! Aber... man entdeckte das — nicht vorhandene — Komplott und hatte die gewünschte Sensation. Nun kann er wieder drohen, der grosse ägyptische Diktator, nun kann er weiter Unruhe schaffen, nun kann er versuchen, seine alte Rolle weiterzuspielen. Vielleicht wird er auf diesem Umwege doch noch zu einem Faktor auf der Gipfelkonferenz9 Politik kann nur auf lange Keine Entschädigung für Nazis Washington. — Die Senats-Kommission für auswärtige Angelegenheiten lehnte es ab, sich die Position des State Department zu eigen zu machen, dass die USA gesetzlich gehalten seien, die österreichischen Nazis und Kollaborateure Hitlers für die im zweiten Weltkrieg placierten Investitionen zu entschädigen. Die Kommision stimmte für die ertagung der Ratifizierung des Vertrages mit Oesterreich, der diesem Land 5.150.000 Dollar als Entschädigung für des von den USA während des letzten Krieges konfiszierten Vermögens zuerkennen wür e. Alle anwesenden Kommissions-Mitglieder, einschliesslich ihr Präsident J. W. Fulbright, äusserten Zweifel an der legalen Verpflichtung der amerikanischen Steuerzahler, den Nazis eine Entschädigung zu zahlen. Der Sprecher der Abteilung für Ansprüche von Ausländern im Justizministerium sagte aus, sein Ministerium opponiere gegen eine Entschädigung an „die Kollaborateure oder* Personen, die für die Sache der Nazis Sympathie gezeigt haben.” Er fügte hinzu, die Haltung seines Ministeriums sei vom State Department nicht berücksichtigt worden, das dem Justizministerium nahegelegt habe, „sich von der Oesterreich betreffenden Sache fernzuhalten, damit das State Department die Oesterreicher gemäss den vertraglichen Bestimmungen entschädigen könne.” (ITA) Förderung der Zusammenarbeit und gerechten Beziehungen zwischen den einzelnen Sektoren der Bevölkerung beizutragen. Die bei der Sitzung anwesenden Delegierten unterfertigten eine Erklärung, die kürzlich von der interprovinziellen Jüdischen Konferenz im gleichen Sinne abgegeben worden war. (ITA) Truman ist stolz UN. — Der Expräsident der USA, Harry Truman, erklärte, er „bedauere nicht“, Israel im Jahre 1948 anerkannt zu haben, nachdem der neue Staat einige Stunden vorher seine Unabhängigkeit verkündet hatte. „Ich würde heute genau so handeln ‘, versicherte er bei einem Frühstück des Verbandes der UN-Korrespondenten. “Israels Staatwerdung war eine Folge der Balfour-Deklaration, aber die alten Propheten hatten dies schon vorausgesagt. Ich bin ein grosser Bewunderer der alten Propheten Israels, denn sie sind es, die unserer Verfassung die Grundlage gegeben haben.“ (ITA) Sicht gemacht werden. Die Stärke des Ostens beruht im wesentlichen darauf, dass man den Notwendigkeiten des Augenblicks nur dann Rechnung trägt, wenn dies im Rahmen eines grösseren Konzepts zweckmässig erscheint. Der Westen dagegen greift zu: heute ist heute, und niemand weiss mehr, was morgen sein wird. Deswegen wird Tagespolitik gemacht, die in diesem Augenblick richtig sein mag, morgen aber bereits überholt ist. Das nannten sie zeitweise die neue Dulles-Linie, wobei mit dieser Phrase eine opportunistische Tagespolitik verdeckt wurde. Niemals aber wird derjenige sich durchsetzen, der nur den Zwecken und Zielen des Augenblicks dient. Weiterdenken ist die Pflicht. Hierin liegt die Stärke eines umsichtigen Politikers. der nicht nur für den Augenblick triumphieren will, sondern ehrlich seinem Lande zu dienen beabsichtigt. Die übertriebene Darstellung der Ost-Welt-Auseinandersetzung muss den ruhig überlegenden Bürger der westlichen Erdhemisphäre bedenklich stimmen. Aus welchen Gründen ist es erforderlich, auf Schritt und Tritt zu Uebertreibungen zu greifen, deren unernster Charakter ohne weiteres ersichtlich wird. Im Gegensatz zu dem Durchschnittsmenschen in den kommunistischen Ländern, der sich unweigerlich in den Fängen der sowjetischen Propaganda-Maschinerie verstrickt befindet, besitzt doch der ruhige Betrachter im Westen die Möglichkeit, die Ereignisse ungefärbt zu analysieren. Meinungen kennen zu lernen und gegeneinander El Judaismo Sudamericano Tel Aviv. — En un magno acío público, efectuado aquí en la Casa del Periodismo, la Ministra de Relaciones Exteriores de Israel, Sra. Golda Meir, exhortó a los judíos latinoamericanos para que se trasladen al Estado Judío y ayuden personalmente en su hislóca reconstrucción. Refiriendo varios episodios de su última gira por América Latina, la Sra. Meir destacó el íntimo apego que el judaismo de la región siente para con Israel. En la Universidad Hebrea de Jerualém se efectuó una asamblea de estudiantes, en la que pronunciaron discursos los Sres. Moshé Rivlin y Dr. A. Kubovy, que durante varios años fuera el Embajador de Israel en Argentina, relató sus experiencias con los estudiantes de ese y otros países sudamericanos. Se han recibido noticias de actos públicos semejantes efectuados con mucho éxito en Jaita, Migdal Haémek, Afula, Guivaíaím, Ramie, Rananá, Safed y otros punios. Todos ellos forman parte de los "días del judaismo sudamericano" que fueron organizados por el Congreso Judio Mundial con la asistencia de la Agencia Judía y del Gobierno israelí. SCHLOMO S. TANGER Das Judentum Südamerikas Tel Aviv: — In einer öffentlichen Grossveranstaltung, die hier im Haus der Presse abgehalten wurde, forderte Israels Aussenminister, Frau Golda Meir, die lateinamerikanischen Juden auf, nach Israel zu kommen und an seinem historischen Wiederaufbau persönlich mitzuhelfen. Frau Meir bezog sich auf einzelne Episoden während ihrer kiirzlichen Rundreise durch Lateinamerika und verwies auf die innige Anhänglichkeit, die das südamerikanische Judentum für Israel empfindet. In der Hebräischen Universität fand eine Studenten-Versammlung statt, bei der die Herren Moshe Riwlin und Dr. A. Kubovy sprachen. Dr. Kubovy, der mehrere Jahre hindurch israelischer Botschafter in Argentinien war, berichtete über seine Erfahrungen mit Studenten dieses und anderer südamerikanischer Länder. Wie verlautete, haben ähnliche öffentliche Veranstaltungen mit grossem Erfolg in Haifa, Migdal Haemek, Afule, Giwataim, Ramie, Ranana, Safed und anderen Orten stattgefunden. Sie alle bilden einen Teil der „Tage des südamerikanischen Judentums”, die vom Jüdischen Weltkongress in Gemeinschaft mit der Jewish Agency und der israelischen Regierung organisiert wurden. SCHLOMO S. TANGER abzuwägen. Die Folgen der politischen Schwarz-Weiss- Malerei in jedem Sinne — im politischen, wie im übertragenen — sieht man heute, — und dies muss mit Verbitterung unterstrichen werden, — am stärksten nicht etwa in Ungarn oder Ostdeutschland, sondern in Südafrika, also in einem Lande, das eindeutig zur westlichen Welt gehört. Die beiden Blöcke — Osten wie Westen — operieren mit Schlagwörtern, die allmählich immer abgeschmackter und blasser wirken. Alles, was dem Westen nicht ins Konzept passt, wird entweder als kommuistische Massnahme verdächtigt oder einfach als Kommunismus abgetan. Mitunter benutzen die Blöcke in ihren Argumentationen die gleichen Gedanken oder Einwendungen. Man braucht nur das Wort Kommunismus durch Imperialismus zu ersetzen oder umgekehrt, sofort ist man in einem heftigen Wechselgespräch verfangen. Jeder kann täglich die Probe machen, ob diese Behauptung zutrifft. Die Schematisierung der internationalen Streitigkeiten hat zu einer Schabionisierung der Wortgefechte geführt. Durch diese oberflächliche Betrachtungsweise entstehen neue Gefahren, vor allem für den Westen. Denn für den Osten denkt der Gehirntrust, der oberste Sowjet, oder irgendein roter Diktator. Nicht so einfach liegen die Dinge im Westen, denn dort herrscht — meistens .— Rede- und Gedankenfreiheit, dort gibt es Wahlen, bei denen der Bürger seine Stimme abgibt. Also kommt es im Westen noch auf den einzelnen Menschen stärker an, dessen Kenntnisse und Bewusstsein wichtige Faktoren für das öffentliche Leben sind. Aus diesen Gründen ist es wichtig, dass der Bürger gut und nicht mit Redensarten informiert wird, um die für seine politischen Entscheidungen erforderlichen Tatsachen zu erfahren. Die Mehrheit aller Nachrichten sind aber nicht mehr auf eine umfassende Information abgestimmt, sondern auf unbewusste Lenkung, auf eine politische Linie mit offizieller Tendenz. Aus dieser „Bürgerkunde” erwächst dann der .Untertan’ auch in der guten Demokratie. Vielleicht ist das Problem des internationalen Zusammenlebens der Völker und der Menschen in einem weit stärkeren Masse als man bisher ahnte oder wahrhaben wollte, überhaupt nur ein edukatives Verfangen, und gefesselt in alte Vorurteile beherrscht ein starkes Misstrauen die Atmosphäre von Mensch zu Mensch und von Volk zu Volk. Ein englischer Konservativer argumentierte Nyassaland oder Nordrhodesien könnten von Grossbritannien nicht geräumt werden, weil die Gefahr bestände, dass sie dem Kommunismus in die Fangarme fallen würden. Hier begegnen wir einer Aeusserung, die in ihrer Tendenz und Argumentation typisch sein könnte. Mit der (Schluss auf Seite 2) Eugene Black besucht Israel Washington. — Der Präsident der Weltbank, Eugene R. Black, wird Anfang Mai in Israel erwartet, um persönlich die ökonomische Entwicklung Israels kennenzulernen. Sein Besuch erfolgt aufgrund der Kreditgesuche Israels. Wie es heisst, wird Black auch zehn afrikanische Länder besuchen. (ITA)