Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1773 (29.4.1960)
- Date
- 1960-04-29
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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— Viennes 29 de Abril de I960 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXI. — No. 1773 Tr*j> mií iáléfíy"" Zwei Zeiten an einer versteckten Stelle ls Max Liebermann vor etwa über 25 Jahren in 3eh.er berliner Wohnung am Pariser Platz gestorben war erschienen auf Geheiss des Propagar.dachefs der Nauonalsoz-ialistiin, Goebbels in der damaligen deutschen Presse nicht mehr als zwei Zeilen an versteckter Stelle über den bedeutenden Künstler und Menschen. Das war der Nachruf für den Mann, den Deutschland mit Ehren überhäuft, dem 1527 Hindenburg den ..Adlerschild des Deutschen Reiches“ verliehen, für den Ritter der Frieder.sklasse des Pour le Mérite den Eh. renbürger von Berlin, den Ehrendoktor der Berliner Universität... Man muss heute wohl sagen, dass es «ls ein Glück betrachtet Werden kann, dass Lieberjnann bereits Anfang 1935 abberufen wurde. Ihm, der m’t 83 Jahren die Augen geschlossen hatte, blieb Schweres, Unsagbares erspart. Nicht ganz so gütig meinte es das Schicksal mit seiner Gattin Martha, die — wie er — einer angesehenen jüdischen Bürgerfamilie entstammte. Einige Jahre vor Kriegsausbruch bemühte sie sich mit allen Kräften und Mitteln, aus ■ Hitlerdeutschland zu entkommen. Das Regime verlangte von ihr eine exorbitante hohe finanzielle Abgabe, die sie trotz aller Bemühungen und Verkäufe sowie Unterstützung im Auslande nicht aufzubringen in der Lage war. Die Nationalsozialisten hatten das gesamte, beträchtliche Vermögen der Witwe, im wesentlichen aus den Häusern am Wannsee und am Pariser Platz bestehend, und eine wertvolle Sammlung von Kunstschätzen mit Beschlag belegt und — enteignet. Die Gestapo verhaftete die Witwe Liebermanns. die schliesslich, auf dem Abtransport. um den Torturen der Henker zu entgehen, pift nahm. Fábrica Ropa de Cuero Gamuzado Cabra y Napa K, Zimmerspitz JUNIN 322 — Buenos Aires — T. E. 47-3762 von HERMANN LEWY Organización Riegner Versicherungen Bmé. Mitre 430. 3er. p. — T- E. 34-8464/65/66 »tfftftfftttffffffttffttfWfffffttfttttl i BANCO SHAW i SOCIEDAD ANONIMA ARGENTINA j I »Financiaciones — Títulos — Cambios — Cartas de Crédito — Cajas de Seguridad — Administración Propiedades »SARMIENTO 355 EDIFICIO SHAW" T. E. 31-8271/6 BUENOS AIRES Liebermanns Lebensweg war trotz aller Mühen und Kämpfe ein verhältnismässig sorgenfreier und geradliniger. Am 20. Juli 1847 wurde er als zweiter von drei Söhnen einer orthodoxen Familie geboren; 32 Jahre später als Adolf von Menzel, 15 Jahre nach Manets. 6 Jahre nach Renoirs und 3 nach Leibis Geburt. Sein Geburtshaus stand in der berliner Burgstrasse, nahe der Börse, unweit des Lustgartens und des Sch’osses, in dem später Wilhelm II.. residierte der sich in künstlerischen Fragen, von denen er selbst herzlich wenig verstand, von Libermanns Widersacher Anton v. Werner beeinflussen liess und Liebermann in die Opposition drängte. Liebermanns Grossvater und Vater, der Kommerzienrat Joseph Liebermann, waren Kattunfabrikanten und hatten beträchtliches Vermögen erworben. Sie gehörten zu den angesehensten jüdischen Bürgern Berlins. Der junge Max besuchte das Dorotheenstädtische und später das Friedrich-Werdersche Gymnasium. Sein Vater hatte den Wunsch, er solle studieren, und so liess er sich entgegen seinem eigenen Ziel, in die Philosophische Fakultät einschreiben.Als Zwölfjähriger schon hatte er zwei kleine Zeichnungen in einer illustrierten Zeitung unterbringen können und dafür sogar ein Honorar erhalten: 2 Taler. Wegen seiner grossen zeichnerischen Begabung Hessen die Eltern ihn noch als Schuljunge bei dem Schadow- Schüler Karl Steffeck Unterricht nehmen — aber dennoch stand fest, Max sollte Philosophie studieren. Nach Absolvierung seiner Militärpflicht hatte er es doch durchsetzen können, im Frühjahr 1868 die Weimarer Kunstschule zu besuchen, deren Leiter Stanislaus von Kalckreuth war, bekannt als Schöpfer von Alpen- und Pyrenäenlandschaften. Liebermann studierte in Thumanns ,,Gips“-Klasse und vier Jahre hindurch in des Belgiers Ferdinand Pauwels „Mal“- Klasse. In Weimar entstand sein erstes grosses Werk ..Die Gänserupferinnen“, das noch von Courbet beeinflusst war. Es erweckte einen Sturm der Entrüstung: von diesen Tagen an galt Liebermann als der revolutionäre Apostel der Hässlichkeit — ein Begriff, der ihm lange Zeit noch anhaftete. Wegen dieser „Gänserup- Regulärer Pcssagierverkehr zwischen MARSEILLE und HAIFA SS THEODOR HERZL SS JERUSALEM Moderne Schilfe mit Kaltluftanlagen in allen Kabinen. Spezialvorrichtungen für gleichmassiges Fahren. Estabilizadores* ••Zentralbüro für Suedamerikaj VIAMONTE 1301 T. E. 42-6321 — 41-5792 BUENOS AIRES < ► 1 ’ ferinnen“ soll Adolf von Menzel den gerade knapp 25jährigen Liebermann angeschrienen haben: ,.Was? Sie haben das jemalt? Wissen Se auch, was man Ihnen sagen muss? Ich spreche es ungeniert aus. Ihr Vater sollte Ihnen de Hosen verkloppen. Das wär's einzig Richtige. So was malt man bestenfalls mit fuffzich, aba nich in Ihrem Alter.” Der bekannte berliner Kunsthändler Lepke kaufte dieses Gemälde an und bewies damit einmal mehr sein grosses Kunstverständnis. Nach dem Weimarer Studium siedelte Liebermann Ende 1873, nach Paris über, malte — noch ganz in der Manier Millets — in Barbizona seine ,,Arbeiter im Rübenfeld’ (18761. Die nächste Station war Holland, das ihn fürderhin fast alljährlich an zog und wo e;- für sein ganzes Leben stets neue Motive und Eindrücke gewann. Die grosse historische niederländische Malkultur übte auf ihn einen starken, in seinen Schöpfungen immer deutlicher zutage tretenden Einfluss aus. Er hat als Erster dem Impressionismus, der von dem Franzosen Manet ausging, in Deutschland realisiert und zum Durchbruch verholfen. Der reichlich antiquierten, verstaubten Salonmalerei bereitete er ein Ende, brachte Lichter Helligkeit, Farbeh und vor allem Bewegung in die Welt der Künste. In Holland schuf er 1887 die „Schusterwerkstatt“ und das „Altmännerhaus in Amsterdam“ sowie die „Netzflickerinnen“ und 1890 „Frau mit Ziegen“. Die hellen und klaren Töne, die er in der holländischen Landschaft sah, wurden zum ausschlaggebenden Element seines Bildaufbaus. In den Jahren 1878 bis 1884 lebte Liebermann in München wo er u. a. „Jesus im Tempel”, „Die Konservenmacherinnen“, „Münchner Biergarten“ gemalt hat. 1884 kehrte er in seine Heimatstadt Berlin zurück. Seit Gründung der Berliner Sezession in den achtziger Jahren war er ihr Mitglied und lange Zeit ihr Führer. 1897 wurde er, trotz Einspruchs des damaligen Präsidenten Anton von Werner, Mitglied der Akademie der Künste, deren Präsident er nach Sturz der Hohenzollernmonarehie 1920 wurde. In Berlin lebte er im Winter im väterlichen Haus, einem palaisartigen Gebäude am Pariser Platz, neben dem Brandenburger Tor und gegenüber der Akademie der i Künste, und im Sommer in i seinem Hause am Grossen Wannsee, fern dem Trubel der immer weltstädtischer werdenden deutschen Hauptstadt. Wir hatten als junge Menschen mitunter in den Zwischenkriegsjahren bei unseren Paddelfahrten auf dem Wannsee das Glück den fast achtzigjährigen malenden Liebermann zu sehen und, wenn wir vorsichtig in das Schilf hineinfuhren, zu beobachten. Niemand von uns •yvagle, den Künstler in seinem weissen Leinenanzug und dem Strohhut auf dem *Kopfe — wie er sich auch vielmals selbst konterfeit hat — durch einen Zuruf zu stören, so gerne wir ihn auch durch einen berliner Witz herausgefordert hätten Denn wir wussten, dass er nicht nur ein hervorragender und berühmter Maler, sondern auch ein Mann war, der berliner Witz liebte. Um ihn kreisten viele Anekdoten — deren Zahl Legion ist. In den neunziger Jahren hatte Liebermann begonnen Porträts zu malen. Zu den vielen. Persönlichkeiten, die ihm sassen, zählen auch Wilhelm von Bode, Reichskanzler Luther, Virchow, Walther Rathenau (sein Vetter), Theodor Fontane, Albert Einstein und auch Alfred Kerr. Als des Kritikers Konterfei fertig war, zeigte sich Kerr wenig zufrieden. Er beguckte sich argwöhnisch sein Abbild und kritisierte sehr deutlich dass er nicht die geringste Aehnlichkeit mit sich entdecken könne. Da brach Liebermann los: „Ick will Ihnen wat sagen. Herr Kerr! Dat sind Sie, wie Sie leiben und leben! Det Bild is ähnlich. Sojar zum Kotzen ähnlicht! — 1920 hatte der Meister sein erstes Selbst porträt geschaffen, dem im Laufe der Jahrzehnte noch viele, viele folgten. Im gleichen Jahre gestaltete er die „Tennisspieler am Meer“ und später dann die ..Polospieler". 1910 schuf er das erste Gemälde aus seinem Garten am Wannsee, und aus den Jah. ren 1905 bis 1909 stammen die zahlreichen Bilder von den Judengassen in Amsterdam. Nachdem Liebermann Akademiepräsident geworden war, sorgte er dafür, dass Heinrich Zille, der unvergängliche Maler und Zeichner des berliner Milieus, in die Akademie aufgenommen wurde. Wie er sich überhaupt besonders für Jüngere einsetzte. So sagte er von sich: „Wenn ich einmal tot bin und wenn man dann anders malt als ich, wird man mir doch nachsagen dürfen, dass ich den Jungen (Schluss auf Seite 9) ¡CASIMIRES y TEJIDOS íistribuidores ¡¡textil oeste BUCHINGER S.A. COMERCIAL E INDUSTRIAL (Alsina 1527 » BUENOS » T. 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