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Jüdische Wochenschau · 1960-04-29 · 1773 (29.4.1960) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1773 (29.4.1960)
Date
1960-04-29
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German, Spanish
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Viernes, 29 de Abril de 1960 LA SEMANA ISRAELITA Año XXI. — No. 1773 — 1 y** Theodor Herzl Gesi PUEYRREDON 21901. St. jk A WT T.E. 83- 2613 Dr. NACHUM GOLDMANN, Präsident der Zionistischen Weltorganisation: HERZL -- der Former des jüdischen Volkes Theodor Herzl, der Gründer der Zionistischen Weltorganisation, welche den Staat Israel schuf, war ein Geschöpf seiner Zeit — des Einflusses der westeuropäischen Zivilisation auf das Judentum. Der gesamte Lauf der jüdischen Geschichte seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde durch diese Konfrontation von Judentum und westeuropäischer Kultur beeinflusst. Einige solcher Konfrontationen gab es schon vor Herzl, aber, beabsichtigt oder nicht, alle .schienen in der Richtung einer Auflösung des Judentums als spezifische Kulturgemeinschaft zu führen. Aus diesem Grunde hätte der Zusaminenstoss des Judentums mit westeuropäischer Kultur zu seiner Zierstörung geführt, wenn nicht der Zionismus sich behauptet hätte. Erst der moderne Zionismus, wie er von Herzi geschaffen wurde, hat eine echt schöpferische Synthese zwischen jener Kultur und Judentum erreicht. Die zionistische Bewegung verdankt ihr Wesen und eigentliche Existenz dieser Synthese. Die Idee eines Staates als Ziel und Instrument um die jüdische Sehnsucht nach Zion zu befriedigen, war der westeuropäischen Gesellschaft entlehnt. Auf diese Weise wurde eine an und für sich destruktive Tendenz in eine Bejahung jüdischer Zukunft und Ueberlebens verwandelt. Herzl schuf diese Synthese wie keiner vor ihm und wurde ihr historisches Symbol. EIN GENIE Es wurde einmal gesagt, dass rmr jemand mit Bega bung neue Tdeen formuliere, ein Genie eich aber danüT begnüge, alte Wahrheiten wieder zu entdecken und neu zu formulieren. Der Talenrre“:e kümmert rieh um Detai s ü'd Finessen; aas Genre oe trachtet die Weit in ihrer Ganzheit und in h.e.T: ewigen 1.. sammenhang. Das Genie wird durch eine einzigartige Fähigkeit gekennzeiennet, r1: oblcm.- zu creinfacacTi und auf ihre Elemente zu reduzieren Herzl war c’n C-enie und belass sowohl c*i~ Stärke wie die Schwiehe, welche ihrn anhaften. D'e Juc ( nfrage ist aus serst v tkichicnug, uni trotzdor. wurde sie von Herzl auf ein .. iYaneportproblem“ reduziert. „Da sind die ..uden“, so sagte er, ,ein Volk ohne Land und da ist Palästina ein Land ohne Volk, und die Lösung ist. diese beiden zusammenzubringen“. Es war eine beinahe kindliche Vereinfachung, und doch war sie genial. Kind und Genie haben überhaupt vieies gemeinsam. Aus der Perspektive der Erfahrung eines halben Jahrhunderts wis sen wir, dass diese beiden Voraussetzungen Herzls ziemlich ungenau wrren. Eh. grosser Teil des jüdischen Volkes betrachteter sich nicht als „Volk ohne Land“, und Palästina war auch in Herzls Tagen nur bedingt ein „Land ohne Volk“. Nichtsdestoweniger, nur weil er fähig war, die komplizierte Judenfrage zu vereinfachen — das Zeichen eines Genies — und weil er den beträchtlichen Mut fand, kühne Methoden eines Kolumbus auf die Judenfrage anzuwenden, war Herz] fähig, den „Judenstaat” zu schreiben und den modernen Zionismus zu begründen. Diejenigen, welche darin schwelgen, komplexe Details zu erforschen, mögen wohl brillante Bücher über ein Problem schreiben, es aber nie lösen können. Goethe sagte einmal, dass Denken nicht notwendigerweise Gedanken erzeuge Nichts in der Geschichte ist je ohne einen kühnen Sprung ins Dunkle und eine rücksichtslose Missachtung aller Zweifel erreicht worden. Ben- Gurion sagte mir einmal vor einigen Jahren- „Hätten wir alle Schwierigkeiten vorausgesehen, so würden wir nie gewagt haben, unsere Unabhängigkeit zu erklären“. Nur ein Genie, ein Mann, der ins Dunkle springt, konnte die Idee eines jüdischen Staates unter den Bedingungen vorschlagen, welche zur Zeit Herzls heri-sch- I ten. Würde er die Kühnheit i heit gehabt haben, die zionistische Bewegung zu schaffen, , wenn er die Kluft zwischen der Idee und ihrer Ausführung vorausgesehen hätte? Die Methoden eines Genies gebären Ideen, sind aber völlig unbrauchbar in ihrer späteren Verwirklichung. Dies wurde klar, als Herzl mit seinen Bemühungen begann, seine Gedanken in die Wirklichkeit umzusetzen. Er hoffte, durch eine Serie von Gesprächen mit dem Sultan dem deutschen Kaiser und ähnlichen Persönlichkeiten, d. h. mit einem Schlag, einen Judenstaat zu schaffen. Das Tragische seiner Führerschaft lag weitgehend in seiner Unfähigkeit oder seiner Weigerung, jene Wahrheit zu erkennen, dass die Wirklichkeit den Methoden eines Genies entgegensgeeetzt ist, und dass die Ausführung langwierige schwere Arbeit verlangt, genau das, was der praktische Zionist vorschlug. Herzls Idee konnte nur durch die Methode von Weizmanns Zionismus in die Wirklichkeit umgesetzt werden, welche auf Chaluziut und Arbeit beruhte, und empirische Methoden für den Aufbau des Nationalheimes anwandte, Stein und Stein, Stall auf Stall und allmähliche Einwanderung und Aufbau. Auf diesem Gebiet war Herzl blind, doch diese Blindheit für Schwierigkeiten ist eine Vorbedingung für einen so grossen hist .'rischen Führer. Zionismus war nicht Herzls Erfindung und war im jüdischen Volke tiefer verwurzelt als i<n Herzl selbst, der aus einer nicht - jüdischen Umwelt kam. Nationen aber werden aufs Stärkste durch einfache Formulierungen in Bewegung gesetzt, und es war Herzls vereinfachte Formel, dass die Judenfrage am besten durch einen „Transport“ gelöst werden könnte, Was Herzl zum Zionismus brachte, war nicht in erster Linie sein Mitleid für 4ie verfolgten jüdischen Menschen und seine Sorge um die Zukunft der jüdischen Kultur — beides war ihm fremd — oder sein Bewusstsein der historischen Kontinuität des jüdischen Volkes, welche Achad Haam welcher die Bewegung für , einer. Judenstaat auslöste und Pinsker beschäftigte und die Phantasie vieler und andere, welche wie die- Nichtjuden anfeuerte. GERINGSCHAETZUNG FUER DETAILS Die Juden besitzen die unglückliche Gabe, die einse aus den Tiefen der jüdischen Vergangenheit auftauchten. Was Herzl dazu trieb, war verletzter Stolz. Die Notlage der Juden in Frankreich, welche völlig in seiner reichen Kultur aufgefachsten Dinge zu kompligangen, völlig emanzipiert Dr. Benjamin Zwi Herzl, -SS ' > Ällili DER VÄTER DES JUDENSTAATES, DESSEN HUN¬ DERTSTER GEBURTSTAG SICH JAEHRT j zieren, und Herzl lehrte sie., . grosse Probleme in breiten , Perspektiven zu sehen. Seine Gegner zählten in ihi en . Polemiken alle die tausend j Schwierigkeiten auf und leg- | ten ihren Finger auf die vielfältigen Zweifel hin- I sichtjuch der praktischen Durchführung seiner Pläne. Herzl war voll Geringschätzung für Details. Er lebte in einer gewissen Atmosphäre, und die realistischen Argumente seiner Gegner schienen ihm ohne Bezug auf sein Verständnis und seine Idee der J.uienfrage, Nur wenn wir wirklich die Bewegkräfte von Herzls Zionismus verstehc. i. sind! S wir in der Lage, twn Mut.u '$ Herzl zu erkennen sowie; & den merkwürdigen Bann, j 2 den über seine Generation I und über Seele urd p anj JJ tasie dos jüdischen Volke.- im allgemeinen geschlagen! * hatte. und doch durch die Dreyfus-Affäre in Gefahr gestürzt waren, öffnete ihm die Augen, plötzlich und verzweifelt, für die Unwürdigkeit und sinnlose jüdische Situation, in welcher sich der Jude nirgends als Herr seines Schicksals sondern überall als Geduldeter findet. Stolz wie er war, konn- 1 le er sich nicht mit dieser , Schmach abfinden. Seine einzige Alternative war Auflehnung. Sein Zionisnfus war Revolution. . Stoz war etwas völlig Neues als primäre Triebkraft im jüdischen Leben. Herzls Vorgänger auf der Suche nach einer Lösung wurden durch ihre Sorge ob der physischen Unsicherheit der Juden und urrt ihre geistige Zukunft getrieben, durch die Vereinigung der Gleichberechtigung wie auch durch die Assimilation, zu welcher die Gleichberechtigung führte. Sie wurden durch die jüdische Kollektiverfahrung getrieben. Herzl war völligabgelöst vom kollektiven Schicksal. Er war ein erfolgreicher Dramatiker, ein gefeierter Schriftsteller, ein Salonlöwe, in seiner Umwelt verwurzelt und deren materiellen Komfort geniessend. Trotzdem, gerade weil er ein stolzer Mann war, fühlte er sich persönlich entehrt, wenn immer Juden entehrt wurden. Er fühlte die Dreyfus angetane Schmach als seine eigene, 1 persönliche. Auf diese Weise | vermischte sich sein persöni liches Problem mit dem des ¡jüdischen yolkes. Die Iden- | tifizierung war vollständig. Wenn sein eigener Stolz ] wieder hergestellt werden j sollte, so musste auch der; Stolz seines Volkes wieder j hergestellt werden; wenn seine eigene Wunde gelindert werden sollte so muss- ] te auch die Wunde seines [Volkes gelindert werden; [seine persönliche Selbsterj füllung forderte die jü- . disch-nationale Selbsterfüllung.! KOENIGLISCHE ER¬ SCHEINUNG IM JUDENTUM Er war eine kön gliche Erscheinung im modernen Judentum, von vornehmem Aeusseren, in Haltung und Rede ein geborener Aristokrat. Alle, welche mit ihm zusammentrafen, bemerkten den überwältigenden Eindruck dieses ersten Juden in Generationen, welcher Könige. Minister und die Mächtigen dieser Welt als seinesgleichen begrüssic, nicht als Bittsteller sondern 1 als Sprecher seines Volkes. Die Welt kannte bisher kluge Juden, erfolgreiche Juden und sogar mächtige Juden; aber erst als Herzl auftauchte lernte die moderne Welt den stolzen Juden kennen. Dies ist der j Grund, warum seine Persönlichkeit Juden wie Nichtjuden bezauberte. Seine Haltung und sein Benehmen — ein herausforderndes Beispiel — löste zweitausend Jahre Exil und Ghetto-Existenz auf. Er zeigte in seiner eigenen Person, welche Verwandlung im Juden nach dem Erfolg der ziomstir, sehen Lösung vorgehen würde. „ Herzl sprach, wie wenn, die Juden bereits ein nor-. males Volk wären,, und,;«;, wandte sich an die Welt nicht als der Führer ejuep utopischen Don Quichottischen Bewegung, welche, objektiv gesehen, der Zionismus zu seinen Tagen war, sondern mit der reifen Zuversicht eines politischen Oberhauptes eines bereits bestehenden Staates. Da-, durch verwandelte seity Verhalten auch die Stellung aller Juden, eines Volkes ohne Rechte und ohne Heimat. Er sprach und handelr te, als wenn jüdische Jleir, matlosigkeit und Schmach bereits nicht mehr existierten. Auch das war ein Zeichen seines Genies. Genie wird nicht, wie man normalerweise annimmt nur durch intellektuelle Leistung ausgedrückt. Es zeigt sich auch im Charakter und der psychologischen Struktur eines Mann esu Es kann sich in dem Eir druck offenbaren, den er auf sgine Umwelt macht. Diese Umformung der jüdischen Lage, welche Herzl als Idee vorsehlug, und sein Vorausnehmen des zukünftigen Bildes des Juden, wel hes er demonstrierte, in seiner eigenen Person, war der kühnste Ausdruck seines Genies und erklärt seine grosse Macht über die jüdischen Massen seiner Zeit. Das Ghetto-Judentum besass wohl eine Aristokratie des Geistes: Rabbiner, Philosophen und Dichter: doch es besass keine in der sozialen und politischen Sphäre, keine Männer welche sich frei bewegen konnten, als Gleichberechtigte unter den Mächtigen und unter jenen, welche Antliz und Schicksal der Nationen bestimmten. Sein Eindruck auf die jüdischen Gemeinschaften war umgekehrt proportional zu deren Stellung in der Gesellschaft. Je bedrückter die Gemei-sehaft. desto grösser der En druck, den er hinterliess. Er war umso wirksamer gerade weil er ihnen grundsätzlich so fremd war. Die aristokratische P rsönlichke’t bleibt immer etwas abseits und idwt'fiHert sieh niemals mit den Massen. Das jüdische Vo’k erfuhr Herzl wie ein chrf u r ch tgebie t en d es Nzt ur c re4gnis. Seine Legerc’e verbreitete sich sehne1!. Seit .angem hatte kein iüd'sckci^ Führer eine solche grenzenlose Verehrung erfahren. Ich war damals nicht ein Kind, doch ich erinnere (Schluss auf Seite J2) ©»«•esa®®«®©©®©s i* DONNERSTAG, den 5. MAI, um 20 Uhr 30 FEIKR DER TUG UND DER WIZO IN LARREA 1225 JOM HAAZMAUTH -r.l

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