Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1773 (29.4.1960)
- Date
- 1960-04-29
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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LA SEMANA ISRAELITA Año XXI. — No. 177* - Arzt ohne Gewissen -- Film ohne Gewissen Dar Kreis derjenigen Mensehefl^ der die bartJSrrisrffett sogenannten medizinischen Experimente nationalsozialistischer Aerz'te auis schärfste verurteilt, ist sicherlich ein weltumspannender. In ihm vereinen sich in strikter Ablehnung der Euthanasie und anderer menschenun würdiger Eingriffe in das menschliche Leben militante Gegner des Unrechtsstaates, Religiöse und Freigläubige, Menschen jeglichen Alters utidf verschiedener Weltanschauungen, ja. sogar nicht wen’ge aus den Reihen der Nationalsozialisten selber. Es wird wohl nur ganz wenige Ewig-Unbelehrbare, der Herrenrassen-Theorie völlig Verfallene geben, die da meinen, die „Experimente’’ der KZ-Aerzte hätten der W.ssenschaft gegolten. Nun kommt ein merkwür diger Film auf die Lein wand: Er heisst: „Arzt ohne Gewissen’ und müsste dem- (sene Bach eine Verurteilung gewissenloser Mediziner sein, eine Aufklärung über ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit. — Weit gefehlt! Der Film, eine F. D. Andàm-Produktion der Divina im Verleih der Gloria, wurde von dem Regisseur Falk Harnack inszeniert, über dessen saubere Gesinnung es Zu einem Film der Rechtfertigung von SS-Aerzten bisher keinen Zweifel gegeben hat. Und nun dieser Streifen? Sein Inhalt: Ein Arzt, Professor Dr. Lund, wird zu Grabe getragen und mit allen Ehren bestattet. An seiner Gruft stehen auch sein Assistent Dr. Westorp. seine Assistentin Dr. Marianne Cordt, ein Flittchen, die Birke Sawatzki, und — zwei Kriminalbeamte. Die Handlung blendet zurück: Professor Lund experimentiert an Herzübertragungen und lässt sich soweit treiben, dass er Menschen, der Freiheit beraubt, sie in einem Burgverlies festhält um an ihnen ungestört die Versuchsoperationen vorzunehmen. Der angesehene Mediziner hat dann veranlasst. dass die aus seiner Privatklinik nach mehreren Selbstmordversuchen entlas- Birke Sawatzki wieder eingefangen, betäubt und in seine Burg verschleppt wird. Lund will sie opfen. „Was ist dieses Gassenmädchen denn schon wert?“ — fragt der Herrenrassentheoretiker in seiner Vermessenheit. Birkes gesundes Herz soll ausgetauscht werden mit dem kranken Herzen einer berühmten Sängerin. Bei Lunds Operationen geht ihm ein gewisser Dr. Stein zur Hand, ein ehemaliger SS-Arzt, der über reiche „Erfahrungen“ auf diesem Gebiet aus seiner Tätigkeit im Konzentrationslager verfügt und hemmungslos in der Vorbereitung (Menschenraub und Durchführung (Mord) ist — Hunde aber hündisch liebt. Stein wird zwar von den Justizbehörden gesucht, vom Chefarzt verborgen, der ihm Zuflucht und Existenz gibt. Der Chirurg bedarf noch eines anderen Assistenten und wirbt um Dr. Westorp, der sich überreden lässt — ein wenig zwangsweise —, ohne vorerst auch nur Treiben des Dr. Lund entdeckt. Sie greift in letzter Minute ein: Dr. Lund xann jedoch noch Selbstmord verüben und der SS-A>v.i ent kommt, versinkt aber auf seinem Fluchtwege im nahen Moor. Der Film ist ein Hohn! Er ist eine Glorifizierung des Barbarismus der Naziärz-te („Es war doch etwas Menschliches an ihrem Tun”), eine Rechtfertigung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und ein derartiges Machwerk er scheint im Jahre 1960! In Deutschland! Da spielt Ewald Baiser ein geschätzter, ein hervorragender Schauspieler al ahnen, worum es geht. Erst i lerdings in dieser Rolle nur im Operationssaal der alten Burg stellen er und die Assistentin Dr. Marianne zu beider Entsetzen fest dass Dr. Lund nichts mehr oder weniger als einen Mord an Birke vorbereitet. Ein anderer der Freiheit Beraubter, ein Italiener, ist bei seinem Ausbruch aus Lunds Schloss ums Leben gekommen, so dass die Po lizei — die Beamten sind als Dorftrottel geschildert — Nachforschungen anstellt und dabei das barbarische Antisemitismus in Panama? von MILTON FRIEDMAN Die USA-Beamten. die Untersuchungen über die amerikafeindlichen Umtriebe in der Zone des Panama- Kanals durchführen, wurden ihn der Anti-Diffamierungs- |^iga der Bne Brit von einem isteigen des Antisemitismus in Panama unterrichtet, mid panamaischen Nationasten haben kürzlich veracht, das Sternenbanner in iler Kanalzone zu entfernen lind an seine Stelle eine in ([er VAR fabrizierte Fahne Panamas zu hissen. Diese Flagge ist ein Geschenk Wassers an die extremen Natio- Salisten Panamas, die von en Aegyptern aufgefordert Wurden, die nasserische Taktik der Kanalsperre anzu- Wenden, DD herrschende Spannung Wurde von einem Rundfunksprecher. der als „Johny Bonny” bekannt ist, zu ner antisemitischen Kamagne gegen die in Panama senden 2.000 Juden ausge- Jützt. Bonny, der eigentlich anifaclo Hernández heisst, »schuldigte die jüdischen auflente, das panamaische auszusaugen. Er be- [Weniger Touristen in Deutschland New York. — Trotz des jililden Frühlingswetters, das gewöhnlich grosse Mengen yon Touristen nach Deutschland zieht, ist der Zustrom yon Reisenden in diesem Jahr geringer, was auf die $ht¡semitischen Zwischenfälle im vergangenen Januar gurückgeführt werden muss. Dies teilte die Wochenzeitung „Variety’ mit, die schreibt, der Verband deutscher Hoteliers in Baden habe eine Sitzung abgehalten, «m über die Annullierung zahlreicher schon festgeleg- Reisen zu beraten. Wie die Zeitschrift sagt, hab-m die Hotelbesitzer erklärt, dass die Vorbestellungen bedeutend niedriger als wwra.itsgesehen seien. (ITA) hauptete z. B.. die Juden würden die Zollvorschriften des Landes umgehen, indem sie 500 linke Schuhe als Muster importieren, wofür sie keine Gebühren zu zahlen hätten, um dann einige Wochen später 500 rechte Schuhe einzuführen. „Die Juden kennen viele solcher Tricks, die ihre Rabbiner ihnen verraten, und daher ist es kein Wunder, dass Hitler sie ausrotten wollte”, äusserte Bonny, dem inzwischen die Sendelizenz entzogen wurde. Der Bericht der Anti-Diffamierungs-Liga stellt fest, dass derartige antisemitische Anv irfe in Panama neu sind, denn bisher konnten die Juden dort frei und furchtlos leben, weil es soziale, ökonomische und poli-. tische Diskriminierung fast nicht gegeben hat Die Unruhen begannen mit einer Hetze gegen die Amerikaner. Eine Puppe, die Onkel Sam darstellte, wurde öffentlich gehängt. Es wurde behauptet, dass sich Amerikaner und Juden einer Aufbesserung der Löhne für die Arbeiter Panamas widersetzen. Politische Opportunisten, einschliesslich der Kommunisten, schüren den Hass der Massen gegen Amerika und versuchen, die Juden mit der amerikanischen Politik zu identifizieren. Viele panamaische Kaufleute sind USA-Bürger, und in dem Masse, in dem das Ansehen der Amerikaner sank, wurden dis Juden unpopulär. Antisemitische Artikel begannen, in der nationalistischen Presse Panamas zu erscheinen. Nasser wurde verherrlicht, und die VAR-Legation in Panama verteilt Mengen antiisraelischer und antijüdischer Propaganda. Während Washington Nässere Verbesserungen im Suezkanal finanzieren hilft, stacheln ägyptische Agenten das Volk von Panama auf, •ich ln den Besitz des Panamakanals zu setzen. Zur gleichen Zeit sind amerikanische Experten mit dem Bau eines riesigen Flugplatzes in der Nähe von Kairo beschäftigt, auf dem Düsenflugzeuge, natürlich auch in Russland konstruierte Düsenbomber, landen können, und die Steuerzahler der USA finanzieren derartige Projekte. Die jüdische Kollektivität von Panama versucht, sieh zur Wehr zu setzen. Durch die Bne Brit wurde ein Comité f! ür Menschenrechte gegründet. Eine jüdische Delegation besuchte den Erzbischof Beckmann, das Haupt der römisch-katholischen Erzdiözese in Panama. Der Erzbischof riet den Juden, die Angriffe im Keim zu ersticken, und erklärte sich bereit, sich an einem aus Katholiken und Juden gebildeten Rat für Panama zu beteiligen. Zeugen gesucht: Die zentrale Stelle der Landesjustizverhaltungen in Ludwigsburg, Schorn dorfer Strasse 28, sucht Zeugen, die vor 1945 in einem Lager in Lublin oder in dem Bezirk Lublin inhaftiert waren: a) Majdanik bei Lublin, b) Gefängnis des Kommandeurs der Sicherheitspolizei auf der Burg in Lublin, c) Arbeitslager in der Blumenstrasse in der Stadt Lublin, d) zahlreiche Arbeitslager in der Stadt Lublin und im Distrikt Lublin, e) Vernichtungslager Sobibor im Distrikt Lublin. Zeugen werden gebeten, sich direkt mit der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen, Ludwigsburg, Schondorfer Str. 28. in Verbindung zu setzen. —:o:— Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, München 23, Giseiastrasse 12. ein Schatten seiner seibs’ Da treten auf "Wolf gang Preiss (Dr. Westorp) und Wolfgang Kieling (SS-Arzt Stein), mit einer beachtenswerten Hingabe, leider an untauglichem Objekt. Und da sind noch mehrere Darsteller bemüht worden, von denen Lina Carstens, Walter Jacob, Giorgio Listuzzi hervorragende Charakterstudien bieten, die weiblichen Rollen sind mit Barbara Rütting (Dr. Cordt) Cornell Eorchers (Sängerin), Karin Baal (Birke) blass besetzt und von der Regie vernachlässigt worden. Aber es geht hier nicht so sehr um den Mangel an künstlerischem Niveau — den besitzt der Film nicht. Es geht um che Fragen: Da besteht doch eine Freiwillige Selbstkontrolle? Wie konnte ihr ein derartiger Missgriff — gelinde gesagt — durengehen7 Wie konnte in der Bundesrepublik ein Film hergestelit werden der die Taten der Verbrecher gegen oie Menschlichkeit — denn nichts anderes waren die SS-Aerzte in den Todeslagem — < echtfer’igt? Mit diesem Film wird tropfenweise den Zuschauern eingeträufelt: So verbrecherisch können doch diese Aerzte mit ihren Versuchen in den KZ’s während der Hitlerzeit nicht gewesen sein, wenn ernsthafte Mediziner (wie im Film) ihre Versuche gutheissen, indem sie diese weiterführen? Wozu denn also die Prozesse gegen sie? Wozu denn also dieses ganze Gedöns mit Sawade alias Heyde und anderen Schliesslich — das L%:cgt der Film — gibt es auch Versuche an Tieren Meerschweinchen, Affen? Und um der Wissenschaft — das heisst der Menschheit — zu dienen, warum sollte man nicht auch mit Menschen experimentieren? Der Arzt Dr. Westorp lehnt bis eben zu dem fragwürdigen — aber den gesamten Film prägenden Schluss die Teste von Dr. Lund ab, es käme — so sagt _r — keinem Menschen zu, dem Schicksal vorzugreifen, andere zu töten. Dann erklärt sich gerrde dieser Doktor bereit, den Weg Dr. Lunds — Mord an Menschen im Namen der Wissenschaft — fürderhin zu beschreiten. Und findet in der Assistentin des Verstorbenen — der im Gnu de genommen sehr wohl wusste, dass er ein Mörder ist — eine weitere aufopferungsvolle Helferin. Das ist ein Film ohne Gewissen, dieser „Arzt ohne Gewissen“. („Allgemeine”, Düsseldorf) sarbeiter! sind berechtigt, Ansprüche auf Entschädigung bis zu DM 5.000.— geltend zu machen. Wir geben im folgenden eine Übersicht über die anerkannten Krupp-Lager: 1. BAD HARZBURG, Kruppsche Bergverwaltung, Bad Harzburg 2. BOCHUM, Fa. Krupp, Kommando Buchenwald 3. FRIEDRICH KRUPP. Beyerwerk Essen, cca 16 camps in Essen 4. GEISENHEIM, Kommando Natzweiler, cca- 200 polnische und ungarische Juden, gearb.: Friedrich Krupp — Eisenwerke ab Dez. 1944 5. GRAEDITZ, Kommando Gross Rosen, erwähnt erstmalig im Juni 1942 / -Krupp /. überiührt im Oktober 1944 in Sportschule Reichenbach 6 KOENIGSWUSTERHÄUSEN. Kreis Teltow, Kommando Sachsenhausen, gearbeitet für Krupp 7. KRUPP BIRKENSDORF 8. KRUPP - ESSEN, Kommando Buchenwald, cca. 500 Frauen, ab 24. 8. 1944. Am 22. 3. 45 nach Bergen Belsen überstellt. 9. LANGENBILAU, Kommando Gross Rosen, Krupp Erwähnt erstmalig März 1944, befreit am 8. 5. 1945 10. KRUPP - WUPPERTHAL 11. LINTORF, Kreis Düsseldorf 12. MARKSTAEDT-FUENFTEICHEN. Kommando Gross Rosen — Laskowitz-Meleschewitz 13. NEUDORF, Kreis Altona 14. RATSDORF, gegründet am 13. 4. 1938, geschlossen, am 29. 2- 44 15. RHEINHAUSEN, Kreis Moers 16. WANNE - EICKEL, Krupp Treibstoff werke 17. WITTERSCHLICK — Servaiswerke u. Krupp 18. WUESTEGIERSDORF, Kommando Gross Rosen, Friedr. Krupp 19. VOERDE, Kreis Dinslaken 20. VORMEPPEN, Kreis Meppen, Krupp-Schiessplatz 21. TRIHATY - NIKOLÄJEW 22. BERLIN-NEUKOELLN Anmeldungen Dienstag Mittwoch und Freitag zwischen 16—18 Uhr im Büro der Jüdischen Wochenschau, Pueyrredön 2190,1’ izq. Dr. Hardi Swarsensky ....