Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1772 (26.4.1960)
- Date
- 1960-04-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE MAU PUEYRREDON 2130 — 1’ i*q. Año XXI. £cu Jewuuta y&uGJtUia BUENOS AIRES MARTES 26 DE ABRIL DE I960 T. E. 8 3 2 6 1 3 No. 1772 Presse-Kommentare und ein Dementi Jerusalem. — Das israelische Aussenministerium dementierte Presse-Kommentare in denen es hiess, UN- Generalsekretär Dag Hammarskjöld habe bei dem Streik der schwedischen Hafenarbeiter gegen VAR- Schiffe interveniert. Der schwedische . Gewerkschafts- Verband erklärte inzwischen den Streik als beendet. Es ist verständlich, dass das Aussenministerium einen offiziellen Bericht der Israel-Botschaft in Stockholm erwartet. Der Boykott war am 7. April in Kraft getreten. „Dawar”, das Organ der Histadrut, schreibt, die vermeintliche Intervention könne dann „gerechtfertigt” sein, wenn Hammarskjöld irgendeinen anderen Plan gegen den ägyptischen Boykott der israelischen Schiffahrt vorzuschlagen habe.” Allerdings, so fügt das Blatt hinzu, müsse man nicht notwendigerweise als Skeptiker geboren sein, um an der Existenz eines solchen Projekts zu zweifeln. Wenn Hammarskjöld sich aber nicht bemühe, die Beziehungen der Völker untereinander zu verbessern, so dürfe man sich wohl fragen, was er bei den UN zu suchen habe.” „Hatzofe” zieht den Vergleich zwischen der „Untätigkeit” des Generalsekretärs bei der Beendigung des ägyptischen Boykotts im Suezkanal und der „Schnelligkeit und Tatkraft, mit der er die schwedischen Stauer zur Einstellung ihres Streiks überredete.” Einige Zeitungen dagegen vertreten die Ansicht, die Aufhebung des schwedischen Boykotts sei möglicherweise nicht auf eine Intervention Hammarskjolds zurückzuführen. HAMMARSKJÖLD IST VERAERGERT Vereinte Nationen. — Dag Hammarskjöld stellte energisch in Abrede, dass er bei den Transportarbeitern interveniert habe, damit sie den Boykott gegen die Schiffe der VAR in den schwedischen Häfen einstellen. Auf die Frage eines Korrespondenten der ITA gab er ärgerlich zur Antwort: „Soviel ich weiss, habe ich weder direkt noch indirekt etwas gesagt, was in dieser Richtung ausgelegt werden könnte.” Er fügte hinzu, es habe keinen Meinungsaustausch über diesen Fall zwischen ihm und dem skandinavischen Syndikat gegeben.. „Ich brauche nicht zu be¬ WIE ICH ES SEHE-1 EIN MINISTER MUSS GEHER! von JEHUDA GOTTHEIMER Seit Jahren geht der Kampf um den Bundesvertriebenen- Minister Theodor Oberländer, der vor wenigen Wochen auf Urlaub gegangen ist. Man darf annehmen, dass er nicht in sein Amt zurückkehren wird. Wer ist eigentlich dieser Professor Dr. Theodor Oberländer, gegen den eine halbe Welt Sturm gelaufen ist, bevor er seinen Ministersessel in Bonn verliess, und der Jahr um Jahr gegen alle Angriffe von seinem Regierungschef, dem Bundeskanzler Dr. Adenauer, gedeckt wurde, worüber man sich allgemein nur wundern konnte. Dem nunmehr beurlaub- .ten Bundesminister Oberländer wurde, in wenigen Worten gesagt, vorgeworfen, er trage eine Mitschuld an den Massenmorden, die im Jahre 1941 in Lemberg begangen worden sind. Immerhin handelt es sich um eine der schwersten Anklagen, die gegen einen Menschen, und dazu noch gegen einen Minister, erhoben werden können. Denn Mitschuld am Mord ist ein Kapitalverbrechen, auf das Todesstrafe steht. Man sollte eigentlich annehmen, dass es garnicht so schwierig sein müsste, die erfoderlichen Erhebungen anzustellen und Feststellungen zu treffen, um zu erfahren, ob diese Anklage berechtigt ist oder nicht. In anderen Fällen, in denen der Verdacht einer Beteiligung am Mord, und noch dazu an Massenmorden, auftaucht, in denen in aller Oeffentlichkeit und von verschiedenen Seiten, z. B. von Abgeordneten des britischen Unterhauses eine solche Anschuldigung wiederholt wird, in anderen Fällen also würde man es als eine Selbstverständlichkeit betrachten, wenn die Staatsanwaltschaft einschreitet, die Untersuchung der Angelegenheit in die . Hand nimmt, den Verdächtigen in Untersuchungshaft nimmt und schliesslich überprüft, ob Anklage erhoben werden soll oder nicht. Das Gericht hat dann zu entscheiden, ob eine Hauptverhandlung eröffnet wird, oder ob das von der Staatsanwalt vorgelegte Material hierzu nicht ausreicht. Damit wäre der Fall ordnungsgemäss erledigt. Statt dessen blieb Oberländer nicht nur auf freiem Fuss, sondern übte sein Ministeramt viele Jahre hindurch aus. Zu seiner Verteidigung ergriffen namhafte deutsche Politiker das Wort, die sich schützend vor ihn. Tag des Gedenkens in Israel Jerusalem. — Die Trauerkundgebungen begannen um acht Uhr morgens, als im ganzen Lande die Sirenen ertönten und die Israelis aufforderten, zwei Minuten Schweigen im Gedenken an jene zu bewahren. 4ie von den Nazis ermordet wurden. In den Synagogen, Schulen und öffentlichen Institutionen würden Trauerfeiern . eranstaltet. Die Fahnen, auf den öffentlichen Gebäuden und denen der diplomatischen Vertretungen. §ow,ie auf den Kirchen wohtCö auf Halbmast. Die Theater blieben geschlossen. UnteF. den Teilnehmern an den Gedenkfeiern befandsich •aüdh ent polnischer Repräsentant. (ITA) stellten. Vielleicht ist es, pur ein Zufall, dass unter diesen Beschützern Oberländers der Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, von Hassel, war, also des Landes, in dem sich merkwürdige Ereignisse abspielten, die darauf schliessen lassen, dass die demokratische Gesinnung selbst hoher Beamter nicht sehr tiefgehend sei. Hassel erklärte, die Kampagne gegen Oberländer sei „vom Osten angeführt”, womit er mit einem rein politischen Moment die gegen Oberländer gerichteten Vorwürfe abbiegen wollte. Selbst wenn die durch nichts erwiesene Behauptung Hassels richtig wäre, könnte man nicht verstehen, aus welchem Grunde die Vorwürfe weniger schwer oder ernsthaft sein sollten, nur weil sie vom Osten her „angerührt” worden sind. Uebrigens hat sich Oberländer des gleichen Arguments bedient, er wolle sich ->icht vom Amte zurückziehen, um nicht etwa dadurch dem Kommunismus einen Gefallen zu erweisen. Auf solche Verteidiger der Demokratie gegen die rote Welle wie Herrn Oberländer kann der Westen getrost verzichten. Denn in Wahrheit stellt Oberländer eine geradezu ungeheuerliche Belastung dar. Verschwindet er von der Bildfläche, wird zugleich ein billiges, aber berechtigtes Argument gegen den Westen - und die Ernsthaftigkeit seiner Demokratie für die kommunistische Propaganda aus der .Welt geschafft.; Auch die weiteren Darleguiigen des Ministerpräsidenten von Schleswig-Hol- . stein zugunsten Oberländers iliegen auf‘der gleichen Ebene. Im besten Fall kann man .annehmen, dass von Hassel schlecht informiert xypr. Und das ist für eiiien Minitonen, dass ich mich nicht in Gewerkschafts-Politik einmische, die eine interne Angelegenheit darstellt. Der blosse Gedanke an eine Mittlerrolle dieser Art”, schloss er verärgert, „ist eine Dummheit. Meine Antwort lautet kategorisch, dass dies eine Erfindung und eine ungewöhnlich geistlose Erfindung ist.” Beim Verlassen der Pressekonferenz sagte Hammarskjöld — ganz gegen seine Gewohnheit — heftig und so laut, dass man es hören konnte: „Das ist eine verdammte Lüge.” Hammarskjöld wurde gefragt, was die UN gegenwärtig täten, um ihrer „bestehenden Verantwortung für den ungehinderten Transport israelischer Frachten durch den Suezkanal gerecht zu werden. Hierauf entgegnete er: „Es wäre nicht klug, tägliche oder wöchentliche Communiqués über die im Suezkanal herrschende Lage zu veröffentlichen.” Et verwies darauf, dass er vor zwei Wochen eine Erklärung abgegeben habe, die er heute nur bestätigen könne. Damals hatte er bemerkt: „Ich halte es für meine Pflicht, . die äussersten Anstrengungen zur Verbesserung der Situation zu machen. Bei dieser Gelegenheit rügte er die VAR, weil ihre Behörden den griechischen Frachter „Astypalea“ aufgehalten hatten, was er als dem von den UN vertretenen Grundsatz der Freiheit 1er Wasserstrassen „widerstrebend” nannte. (ITA) sterpräsidenten bedauerlich genug. Dabei ist es doch gar kein Problem, sich über den wahren Sachverhalt zu unterrichten. Aus welchem Grunde man das nicht tat, wissen wir nicht. Aus welchem Grunde merkwürdige Wege zur Feststellung der Wahrheit beschritten wurden, ist nicht ganz klar. Es wurden nur Vermutungen ausgesprochen. Auf Betreiben des ehemaligen deutschen Obersten Wolfgang Müller trat der internationale Untersuchungsausschuss „Lemberg 41” zusammen. Müller war am Aufstand des 20. Juli 1944 beteiligt und wurde nach dem Kriege Sekretär der deutschen Sektion der Europäischen Widerstandsbewegung. Man wird sich fragen, aus welchen Motiven eine solche Kommission zusammentreten musste, um Aufgaben zu übernehmen, für die nur die Staatsanwaltschaft zuständig ist. Oberländer erschien auch vor diesem Ausschuss in Den Haag. Als seine Anwesenheit bekannt wurde, sammelte sich eine immer grösser werdende Volksmenge, die ihrem Unwillen gegen Oberländer deutlich Ausdruck gab und eine bedrohliche Haltung einnahm, sodass der deutsche Minister — allerdings vergeblich — versuchen musste, durch ei« Llamado a la Unión Soviética Bruselas. — En pos de dos días de deliberaciones, la rama europea dei Congreso Judío Mundial, reunida en este ciudad, apeló nuevamente a la Unión Soviética para que conceda a los hebreos radicados en su territorio iguales derechos culturales y religiosos que los brinda a otros grupos étnicos, nacionales y religiosos que la integran. A la conferencia del Congreso asistieron delegados de Alemania Occidental, Austria, Bélgica, Francia, Holanda, Inglaterra, Irlanda, Italia, Suiza y Norafrica. Abriendo el debate el Sr. Israel M. Sieff, presiden, te de la rama europea del Ejecutivo del Congreso Judío Mundial, destacó la urgencia de que éste siga prestando la máxima atención al problema del judaismo soviético y logre incluso su participación en los asuntos judíos de todo el mundo, al igual que lo hacen otras comunidades. Sieff puso de relieve que, en la URSS, los judíos continúan en un estado de "impedimienio" de su vida comunal y religiosa y de establecer contactos con sus correligionarios radicados fuera de la zona soviética. Los peligros para los judíos soviéticos au. menian todavía más con los ataques antisemitas intermitentes de la prensa soviética y la persistente ofensiva contra Israel que tiene que reflejarse necesariamente sobre la opinión pública, en su actitud hacia les judíos de la misma Unión.” HANNA MEIER Ein Appell an die Sowjetunion Brüssel. — Nach zweitägigen Beratungen richtete die hier tagende europäische Sektion des Jüdischen Weltkongresses neuerlich einen Appell an die Sowjetunion, den auf ihrem Territorium ansässigen Juden die gleichen kulturellen und religiösen Rechte zuzugestehen, die andere im Lande lebende ethnische nationale und religiöse Gruppen geniessen. Der Konferenz des JWK wohnten Delegierte aus Westdeutschland, Oesterreich, Belgien, Frankreich, Holland, England, Irland; Italien, der Schweiz und Nordafrika bei. Die Debatte eröffnete Israel M. Sieff der Präsident der europäischen Sektion des Weltkongresses, der auf die Dringlichkeit verwies, dem Problem des sowjetischen Judentums die grösste Aufmerksamkeit zuzuwenden, um zu erreichen, dass die russischen Juden, an den jüdischen Fragen in aller Welt teilnehmen, wie dies andere Gemeir den tun. Sieff verwies darauf, dass die Juden in Russland sich immer noch in einem Zustand der „Behinderung” ihres gemeindlichen und religiösen Lebens befinden und mit ihren ausserhalb des sowjetischen Raumes lebenden Glaubensbrüdern keine Verbindung herstellen können. Die Gefahren für die sowjetischen Juden seien sogar im Wachsen begriffen, da die sowjetische Presse von Zeit zu Zeit antisemitische Artikel veröffentlicht und ständig Israel angreift, was sich notwendigerweise in der öffentli. eben Meinung in ihrer Haltung zu den Juden im 'Lande widerspiegeln müsse. HANNA MEIER nen Nebeneingang ins Hotel zu gelangen. In diesem Ausschuss kam es schliesslich zu schweren Auseinandersetzungen, die damit endeten, dass keine Entscheidung getroffen werden konnte, da drei der fünf Mitglieder dieser Kommission sich weigerten, ihre Tätigkeit fortzusetzen. Sie wollten die weitere Arbeit dem Ehrenrat der CDU-Bundestagsfraktion überlassen. —Dass auch der Ausschuss nicht auf die Idee kam, hier müsse die Staatsanwaltschaft in Aktion gesetzt werden, deutet darauf hin, wie gross die allgemeine Verwirrung bereits gewesen ist. Ergänzend soll nur noch hinzugefügt werden, dass der Sekretär dieses merkwürdigen Ausschusses der Holländer Joop Zwart war, der auch die „erforderlichen organisatorischen Massnahmen für eine umfassende Untersuchung” zu treffen hatte. Als dieser Zwart dann bereits vor dem Abschluss der Untersuchungen erklärte, er sei von der Unschuld Oberländers überzeugt, wurde der Ausschuss für alle Gutgläubigen untragbar... Es ist erstaunlich, wie lange dieser Herr Oberländer von seinen Parteigenossen und von seinen Regierungskollegen gedeckt worden ist, obwohl das zusammengetragene Material keinen Zweifel daran liess, dass er ein schwerer Nazi war. Es liegt ein Dokument vor, ein Schreiben der NSDAP aus dem Jahre 1936, aus dem hervorgeht, dass Oberländer im Jahre 1933 in die Partei eingetreten ist, die ihn als einen besonders zuverlässigen Mann empfahl. Nicht genug damit, ergeben die vorhandenen Personalakten der Nazis, dass Oberländer bereits vor 1933 Mitglied faschistischer Organisationen und antisemitischer Verbände war. Eine merkwürdige Visitenkarte für einen Bonner Minister... In diesem Lichte gesehen, dürfte der Vorwurf der Beteiligung an Massenmorden im Lemberger Raum 1941 nicht mehr so unwahrscheinlich erscheinen als dass man bis heute keine staatsanwaltschaftliche Untersuchung eingeleitet hat. Oberländer war damals Offizier der Abwehr und politischer Führer des Bataillons „Nachtigall”. Als solcher, so wird ihm entgegengehalten,sei er für die Massenerschiessungeen polnischer und jüdischer Einwohner der Stadt Lemberg verantwortlich. Nur mit Re- (Schluss auf Seite 2) Ben Gurion Erziehungsminister? Jerusalem. — Ministerpräsident Ben Gurion, der auch das Amt des Verteidigungs - Ministers innehat, soll vielleicht auch für eine gewisse Zeit das Erziehungs-Ministerium übernehmen, wie in der letzten Sitzung des Kabinetts vorgeschlagen worden ist. Diese -Losung wurde nach dem Rücktritt von Zalman Aranne angeregt, ' der erklärt hat. die Beii legung des Konflikts mit den Lehrern stelle ein i Versagen seiner eigenen; Partei dar, so dass die I Mapal jetzt diese Frage lösen müsse. (ITA)