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Jüdische Wochenschau · 1960-04-19 · 1770 (19.4.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1770 (19.4.1960)
Date
1960-04-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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i PUEYRREDON y 2190 — l9 izq. £xJkwtxutciJsACi&lU& T, E. 832613 Año XXI. BUENOS AIRES, MARTES 19 DE ABRIL DE 1960 No. 1770 il I 1 8 Vereinte Nationen. — Generalsekretär Dag Hammar- Bkjold rügte Kairo, weil es sich in den Besitz der israelischen Ladung des Frachters „Astypalea” gesetzt habe, der in Port Said festgehalten wird. Er bezeichnete diese Aktion als den Prinzipien der UN „zuwiderlaufend”. Die Bemerkung Hammarskjolds kommt einem schweren Tadel gleich. Sie ist in einer Erklärung über die durch die VAR durchgeführte Beschlagnahme der an Bord dieses Schiffes befindlichen Waren enthalten. Der Frachter, der 400 Tonnen israelischen Zement, die für Erythräa bestimmt waren, geladen hatte, wurde am 17. Dezember in Port Said an der Weiterfahrt gehindert. Nach hier eingelaufenen Berichten, ist mit der Ausladung begonnen worden. In seiner Erklärung gibt Hammarskjöld zu, in seinem fortgesetzten diplomatischen Bemühen, Kairo von seiner Einmischung in die israelische Schiffahrt abzubringen, einen „Rückschlag” erlitten zu haben. Trotzdem, so versichert Hammarskjold, fühle er sich nicht entmutigt und plane, neue Schritte zu unternehmen, um zu einer „annehmbaren Praxis” zu gelangen. ENERGISCHER PROTEST Washington. — In dem Bemühen, die Anleihe zu rechtfertigen, welche die Weltbank für Verbesserungs- Arbeiten im Suezkanal erteilt hat, äusserte Unterstaatssekretär C. Douglas Dillou, im Vertrag von Konstantinopel vom Jahre 1888 seien Bestimmungen enthalten, die Aegypten „im Kriegsfälle das Recht zugestehen, Vorsichtsmassnahmen für seine Sicherneit zu ergreifen, zu denen es auch gehöre, Schiffe eines Staates aufzuhalten, der sich mit Aegypten im Kriege befinden kann. Diese Aeusserung hatte Dillon vor einer Subkommission der Deputiertenkammer gemacht und sie gelangte zur Kenntnis der Oeffentlichkeit, als die Subkommission für Bankfragen die letzte Aussage Dillons publizierte. Verschiedene Mitglieder der Subkommission erhoben energischen Protest und \yidersetzten sich der Unterstützung der Weltbank durch die USA- Regierung weil dieses Institut die israelische Schiffahrt nicht in Schutz nehme. Dillon führte folgendes aus: „Wir müssen uns davon Rechenschaft ablegen, dass verschiedene Quellen der Finanzierung für Aegypten vorhanden sind. Aegypten kann sich dieser Quellen bedienen, und sollte es dies tun, so würde es uns nicht besonders glücklich machen. Hätte die Weltbank vor einigen Monaten die Anleihe WIE ICH ES SEHE Das nicht beendete Gespräch von JEHUDA GOTTHEIMER Immer wieder wird in der deutschen Presse von Zeitungen und Zeitschriften die Frage der Stellung des deutschen Volkes zu den Juden aufgeworfen. Immer wieder nehmen führende Politiker das Thema Antisemitismus zum Anlass, Erklärungen über die positive Haltung zu den Juden abzugeben. Merkwürdigerweise ist die Reaktion auf der jüdischen Seite viel schwächer. Nur vereinzelte Stimmen werden laut, um entweder den Deutschen zu attestieren, dass es keinen Antisemitismus in Deutschland gäbe, weis selbst die Deutschen nicht zu behaupten wagen, oder mit allgemeinen Bemerkungen zur Tagesordnung lüberzugehen. Die führenden deutschen Kreise haben verstanden, dass die antisemitischen Aktionen, die man in den letzten Monaten beobachten konnte, und die zu einer Kettenreaktion aller Antisemiten in der weiten Welt führten, sich nicht nur gegen die Juden wenden. Das Argument, es leben heute in der Bundesrepublik nur noch etwa 30.000 Juden, die an sich überhaupt keinen Stoff für Probleme oder Gegenstand zu Angriffen und Auseinandersetzungen bieten Unruhen in Hamburg Hamburg. — Die Polizei löste eine von der Rechten veranstaltete Versammlung auf, in der einer der Redner behauptete, die Berichte Ä'ber die Konzentrationslager und die dort begangenen Verbrechen seien „pure Erfindung”. Der Redner berief «ich auf eine Schrift des französischen faschistischen Schriftstellers Paul Rassi- »ier, (ITA) würden, ist nicht überzeugend. Denn der Antisemitismus in Deutschland wendet sich nicht oder nicht allein gegen die in Deutschland noch oder wieder lebenden Juden, sondern führt einen weltweiten Kampf gegen das „internationale Judentum”, gegen den Einfluss der Juden in der Politik und unter anderen Parolen. Dass diese Attacken und Schmähungen mit den Juden nichts zu tun haben sollen und nicht gegen sie gerichtet seien, ist selbstverständlich nur eine kühne, durch nichts bewiesene Behauptung. Immerhin soll man es als eine positive Erscheinung ansehen, wenn sich die heute entscheidenden Kreise der westdeutschen Bundesrepublik darüber klar geworden sind, dass die Angriffe in gleicher Weise gegen die Republik und gegen jede Demokratie gerichtet sind. Die Nazis haben ihre antisemitische Hasspropaganda immer gleichzeitig zu allgemeinen politischen Zwecken benutzt, um die bestehende Ordnung zu erschüttern, die Demokratie zu unterhöhlen, die anderen Parteien zu diskriminieren und die Massen auf diesem Wege auf ihre Seite zu ziehen, was ihnen tatsächlich in vollem Umfange gelungen ist. Ob der Antisemitismus und ob die neonazistischen Gruppierungen heute eine ernste Bedrohung der deutschen Demokratie darstellen oder nicht, ist im wesentlichen eine Ermessensfrage, bei der man verschiedene Masstäbe anlegen kann. Dass aber diese Diskussion 15 Jahre nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches mit tiefem Ernst und aller Heftigkeit überhaupt noch geführt werden muss, dürfte allein schon beweisen, dass hierfür eine objektive Notwendigkeit vorliegt. Aus der Luft gegriffen sind die Warnungen und Hinweise nicht, die vor allem auch an dieser Stelle immer wieder niedergelegt werden. Im folgenden wollen wir weitere Symptome anführen, die einer Ueberprüfung bedürfen, Beispiele dafür dass die „nicht bewältigte Vergangenheit”, wie die Deutschen selbst ihre nicht bewältigte Gegenwart zu charakterisieren pflegen, immer wieder durch Tatsachen in Erscheinung tritt, die nicht von den Nazis, sondern nur von deutschen Demokraten geschaffen werden und deswegen besonders zum Nachdenken zwingen. I. Der Fall Bräutigam Der Fall des Dr. Otto Bräutigam beschäftigt uns nicht zum ersten Mal. Die nicht gewährt, so würde dies unserer Ansicht nach keinen Einfluss auf die VAR ausgeübt und sie nicht gezwungen haben, die Frage der freien Durchfahrt durch den Suezkanal zu regeln.” SCHWEDEN BOYKOT¬ TIERT VAR-SCHIFFE Stockholm. — Der Verband der schwedischen Transport-Arbeiter kündigte an, er werde alle Hafen- Operationen irgendeines der VAR gehörenden Schiffes boykottieren. Diese Massnahme stellt eine Repressalie gegen den Einschluss skandinavischer Schiffe, die mit Israel Handel treiben, in die Schwarze Liste dar. Der Boykott umfasst den Transport nach und von Schiffen der VAR. Schon früher hatte ein ähnlicher finnländischer Verband beschlossen, einen Boykott in der gleichen Form durchzuführen. (ITA) Israels Atommeiler Jerusalem. — Der erste israelische Atommeiler wird in diesem Monat zum ersten Mal in Betrieb gesetzt werden, wie jetzt enthüllt wurde. Bis zum Monat Juli wird er voll ausgenützt werden können, und dann sollen die geplanten Forschungen beginnen. (ITA) trübe Vergangenheit dieses Cannes vwurde vor etwa fünf Jahren bereits ins Lieht der Oeffentlichkeit gezogen. Damals war Bräutigam Leiter der Ostabteilung im Auswärtigen Amt der Bundesregierung. Wir sind in diesem Fall nicht auf Kombinationen angewiesen, sondern können uns auf Aktenmaterial beziehen, das von den beiden jüdischen Historikern Leon Poliakow und Josef Wulf in ihrem fundamentalen Werk „Das dritte Reich uhd die Juden” auf Seite 191 veröffentlicht worden ist. Das erste Dokument ist ein Schreiben des Reichskommissars für das Ostland vom' 15. November 1941: Der Reichskommissar für das Osiland Riga, den 15. November 1941 1. An den Herrn Reichsminisler fiir die besetzte Gebiete Berlin, Rauchsirasse 17—18 Betr. JUDENEXEKUTION — Betr. Erlass vom 31. 10. 41 — 1/259141 — Berichterstatter: Reg.Rai. Trampedach. Ich bitte, mich zu unerrichlen, ob Ihre Anfrage vom 31. tersagt, weil sie in der Art ihrer Durchführung nichf zu verantworten waren. Ich bitte, mich zu unterrichten, ob Ihr Anfrage vom 31. Oktober als dahingehende Weisung aufzufassen ist, dass alle Juden im Osiland liquidiert werden sollen. Soll dieses ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht und wirtschaftliche Interessen (z. B. der Wehrmacht an Facharbeitern in Rüsiungsbetrieben) geschehen? Selbstverständlich ist die Reinigung des Ostlandes von Juden eine vordringliche Aufgabe; ihre Lösung muss aber mit den Notwendigkeiten der Kriegswirtschaft in Einklang gebracht werden. Weder aus der Anordnung zur Judenfrage in der „braunen Mappe" noch aus anderen Erlassen konnte ich bisher eine solche Weisung entnehmen. Die an den Juden in die- Kommissar sie nicht verantsem Gebiet begangenen Ver- Worten konnte und sie unbrechen waren so grausam, tersagte. Gehorsam fragt er dass selbst ein nazistischer die übergeordnete Stelle an, Educación Judía en EE. UU, Nueva York. — Unos 60.000.000 dólares anuales son gastados en mantener el sistema escolar judío en este país. Un tercio de esta suma fabulosa es dedicada a Nueva York solamente. Incluye también más de 1 000.000 trasladados a través del comité educacional judío en Nueva York por el ministerio de educación del estado de Nueva York. La subvención llega en forma de excedentes de alimentos del departamento nacional de agricultura a unas 140 escuelas judías in. légrales en Nueva York, y muchos campos escolares de verano u ocasionales. Además de esta subvención, la junta de educación de la ciudad de Nueva York paga una ayuda de más de 500.000 dólares para transporte de escolares judíos; estos privilegios son comunes a todas las eccuelas de la metrópoli. Hoy día hay &n esta ciudad unas 740 escuelas judías de todo tipo, incluyendo los suburbios; y en todo el territorio nacional unas 3.400 escuelas judías. Unos 33.000 asisten a escuelas integrales, más de 63.000 en escuelas de un día por semana y 64.000 en escuelas diarias pero de horario parcial. Se calcula que en Nueva York y alrededores hay más de 350.000 niños judíos en edad escolar. Ello significa que en su mayor parte estos no reciben educación judía de ninguna clase. Con todo, el número de alumnos que asiste a las escuelas judías de Nuevo York crece de año en año. Hace tres años sólo había unos 120.000 alumnos, y hace diez años 60.000. BORIS SMOLAR Jüdische Erziehung in USA New York. — Rund 60 Millionen Dollar werden jährlich zur Unterhaltung des jüdischen Ex-ziehungswesens hier verausgabt. Ein Drittel dieser Riesensumme entfällt allein auf New York. Hierin werden über eine Million durch das Comité für jüdische Erziehung in New York vom staatlichen Erziehungs-Ministerium überwiesen. Die Subvention besteht aus Nahrungsmittel-Ueberschüssen des Ackerbauministeriums an rund 140 jüdische Tagesschulen in New York und viele gelegentliche und Sommer-Schülerlager. Ausser dieser Subvention zahlt der Erziehungs- Ausschuss der Stadt New York eine Beihilfe von über 500.000 Dollar für den Transport jüdischer Schüler; diese Privilegien geniessen alle Schulen der Hauptstadt. Es gibt heute hier ungefähr 740 jüdische Schulen aller Art, einschliesslich in den Vorstädten, und im ganzen Staatsgebiet ca. 3.400 jüdische Schulen. Rund 33.000 jüdische Kinder besuchen Tagesschulen, über 63000 Schulen, in denen an einem Tag wöchentlich Unterricht erteilt wird, und 64.000 gehen in Schulen, die täglich, doch nicht mit vollem Stundenplan geöffnet sind. Man schätzt die Zahl der schulpflichtigen jüdischen Kinder in New York und Umgebung auf 350.000. Dies will bedeuten, dass diese zum grössten Teil keine irgendwie geartete jüdische Erziehung erhalten. Immerhin wächst die Ziffer der jüdischen Kinder, die in New York jüdische Schulen besuchen, von Jahr zu Jahr. Vor nur drei Jahren waren es nur 120.000 und vor 10 Jahren 60.000 Kinder. BORIS SMOLAR ob er richtig vorgegangen sei, und was man in Zukunft von ihm verlange. Offensichtlich erwartete dieser Briefschreiber eine ganz andere „Lösung” als den Massenmord. Er erhielt die folgende, ebenfalls dokumentarisch belegte Antwort: Der Reichsminisier für die besetzten Ostgebiete Berlin W 35, den 18. Dezember 1941 Rauchstrasse 17/18 Fernsprecher; 21 95 15 u. 38 50 46 Drahtanschrift: Reichsminister Ost Nr. 1/1/156/41 geh. Reichssache Es wird gebeten, dieses Geschäftszeichen und den Gegenstand bei weiteren Schreiben anzugeben. — Tgb.-Nr. 394/41 gRS — Geheime Reichssache. An den Herrn Reichskommissar fü. das Ostland, Riga/Leitort Tilsit, Adolf-Hitler-Slrasse. Betr.: Judenfrage Auf das Schreiben vom 15. November 1941. In der Judenfrage dürfte inzwischen durch mündliche Besprechungen Klarheit geschaffen sein. Wirtschaftliche Belange sollen bei der Regelung des Problems grundsätzlich unberücksichtigt bleiben. Im übrigen wird gebeten, auflauchende Fragen unmittelbar mit dem höheren SS- und Polizeiführer zu regeln. Im Aufträge: BRAEUTIGAM Diese Antwort stellt einen klaren Mordbefehl dar. Die Verweisung an die SS zur Liquidierung aller Juden wurde dann auch ausgeführt. Wie eine deutsche Zeitung hierzu mitteilt, wurden daraufhin 85.000 (fünfundachtzigtausend) Männer, Frauen, Kinder und Greise durch Genickschuss und Giftgas getötet. Der Mordbefehl ist von Herrn Bräutigam unterzeichnet. Er war 1941 Verbindungsmann zwischen dem Reichsminister für die besetzten Ostgebiete und dem Führer-Hauptquartier. In seinem später aufgefundedener Tagebuch ist folgende Eintragung verzeichnet: „ . . . Unter unserer stillschweigenden Duldung wur. den zahlreiche Judenpogrome von der litauischen Hilfspolizei durchgeführt. Im übrigen wurden die Juden, deren Kleidung mit einem gelben Stück Stoff auf dem Rücken versehen war zu Arbeitskolonnen zusammengestellt.” — Obwohl man annehmen muss, dass diese düstere Vergangenheit des Herrn Bräutigam bekannt war, befand er sich wenige Jahre nach dem Zusammenbruch wieder in Amt und Würden. Aufgrund seiner unter Hitler gesammelten Kenntnisse im Osten war er zum Leiter der Ostabteilung des Auswärtigen Amtes in Bonn er. (Schluss auf Seite 2) 01795294

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