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Jüdische Wochenschau · 1960-04-12 · 1769 (12.4.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1769 (12.4.1960)
Date
1960-04-12
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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-¡ "3 t S M o O) B U h C < ü FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Ano XXI. BUENOS AIRES, MARTES 12 DE ABRIL DE 1960 No. 1769 EL EJEMPLAR« en toda la República y - Buenos Aires PUEYRREDON 2190 14 i*q. T. E. 83 . 2613 iras randeis-Universität (Schluss WIEDERHERSTELLUNG ISRAELS — AUCH IN GEISTIGEM SINNE Die Wieder er stehung Israels in unseren Tagen ist nicht nur eine Wiedergeburt in politischem und materiellem Sinne. Sicher — Israel kann ohne militärische Kraft und Stärke nicht existieren, aber wir halten noch bis heute an dem Glauben fest, den unser Volk zwei Jahrtausende hindurch bewahrt hat, an dem Glauben der Vorherrschaft des Geistes Nicht eines Geistes der Negation und Loslösung von der Materie. Die Trennung von Geist und Materie war der jüdischen Auffassung von einst ebenso fremd, wie sie heute der Wissenschaft ist. Wir glaubten und glauben an die Oberhoheit des Geistes in der Materie und an seine Herrschaft über diese. Auf diesen Glauben gründet sich die historische Mission des Staates Israel. Das grosse Buch, oder richtiger die Sammlung der grossen Bücher, die uns den Ehrennamen ..Volk des Buches“ einbrachten, entstanden zu einer Zeit, da unser Volk auf eigenem' Boden ein selbständiges Dasein führte, und obwohl es klein und arm war, klein an Zahl und arm an Land und militärischer Kraft, so stand es doch nie, seit Urzeiten und bis zum heutigen Tage in seinem schöpferischen Vermögen, seiner schöpferischen Kraft hinter irgendeiner anderen Nation zurück. Und es bescherte sich und der jemzen Welt Bücher, die >-jen höchsten Ausdruck dessen darstellen, was Menschengeist hervorgebracht im Bereich der Dichtung, des Gedankens, der Sittlichkeit und Religion. IN UNFREIHEIT UND FREMDE Auch in der Gola blieben wir mit Herz und Sinn dem Coist dieser Bücher treu, aber wir schufen keine neuen Werke hinzu, wir gaben uns ganz an die Aufgabe hin, Kommentare und Kommentare der Kommentare, Erläuterungen und Interpretationen zu den teuren Büchern zu schreiben. Unser geistiges Leben verarmte ebenso, wie das materielle. Und als zu Beginn, der modernen Renaissance im XVII. Jh. aus unserer Mitte Baruch Spinoza, der Adler des Geistes, der Aar von mächtigem Gedankenflug erstand, verliess er sein Nest, spendete anderen sein Licht und schrieb seine Werke in fremder Sprache. Trotzdem versiegte unsere schöpferische Kraft nicht. Wäre es anders, vielleicht hätte unser Volk in jener schrecklichen Zeit nicht durehstehen können, vielleicht hätten wir uns von ■den. Wurzeln unserer aation Fbdster? — von der WISSENSCHAFT UND ETHIK DER BEITRAG INDIENS, GRIECHENLANDS UND ISRAELS Heimat und Selbständigkeit — abgeschnitten, als Nation nicht behaupten können. Die neue Aera, die mit dem Wiederaufbau der Heimat vor siebzig Jahren, mit der Wiedererringung der Selbständigkeit in naher Vergangenheit begann, änderte nicht nur grundsätzlich unsere Stellung in der Welt, sondern eröffnete auch ein neues Kapitel in unserem geistigen Schaffen. Aber während der ersten Periode der Wiedergewinnung unserer Unabhängigkeit, und diese wird noch Jahre und Jahre fortdauern, werden wir gezwungen sein, ebenso wie jetzt, all unsere Energie, die besten körperlichen und geistigen Kräfte im Lande und des gesamten Judentums zu mobilisieren, zur Festigung der Sicherheit, zur Entwicklung des Landes, zum Aufbau der Wirtschaft, zur Einordnung der Einwanderer, zur Untermauerung der souveränen Existenz; und es ist uns nicht gegeben und wird uns — wer weiss, wie lange — noch nicht gegeben sein unser schöpferisches Genie in jener Domäne zum Einsatz zu bringen, die das Schicksal schon vor zweitausend Jahren zu der unseren machte, in der Domäne des geistigen Schaffens. Unsere Selbständigkeit ist weiterhin gefährdet, wir sind weiterhin umzingelt. Immer noch stehen wir vor Problemen von entscheidender und lebenswichtiger Bedeutung, wie die Einordnung der Alija und Erschliessung des Wüstenlandes. Wir müssen vor allem die ganze Stosskraft unserer Aktivität in drei Richtungen: der Wirtschaft, der Wehrkraft, der Politik konzentrieren. Aber auch diese Anstrengung wird nicht fruchten, wenn wir den Geist in Israel nicht stärken. Eines der Wunder unserer Zeit ist der Sieg der israelischen Verteidigungskräfte. Nicht dank ihrer Waffen und ihrer zahlenmässigen Stärke hat die junge israelische Streitkraft die Angriffe der viel zahlreichen Feinde siegreich zuriickgeschlagen. Ihre stärkste Waffe war ih-! re hohe Moral, der Kampfgeist, der sie beseelte und beflügelte. Der Aufbau des Landes, hunderte Siedlungen, die an allen Ecken und Enden über Nacht aus dem Boden schossen, die Erschliessung von Wasserquellen in dürrer Wüste, die brach und öde seit der Schöpfung dalag — das alles wurde nicht nur mit Geld und technischen Mitteln geschafft und geschaffen. Eine entscheidende Rolle spielte auch jene wunderbare Kraft die in dieser wunderbaren Nation wohnt, die Kraft der Uebersetzt von ELLI MATZNER Vision, die sie in ihrem Herzen bewahrt hat, seit ihrer Vertreibung in die Fremde, seit mehr als zweieinhalb Jahrtausenden. Ohne diese Kraft hätten wir unser Judentum nicht erhalten und wären wir nicht in die Heimat zurückgekehrt. Wie, von welcher Art soll der Geist sein, der uns nottut? Vor allem müssen wir das Bollwerk der Wissenschaft stürmen und erstürmen. Es gibt nichts, was an Schwierigkeiten, an Komplikationen, inneren und äusseren Hindernissen unserer Aufbauarbeit im Lande gleichkäme. Sowohl die Entfaltung der Wirtschaft, die Einwanderung der Alija und ihre Verschmelzung, als auch die Festigung der Sicherheit werden noch jahrelang der Hauptgegenstand unserer Sorge sein. Und diese Fragen können in unserem armen, verlassenen und ruiifi*rten Lande nicht gelöst werden, wenn wir nicht alle technischen und naturwissenschaftlichen Errungenschaften für die Zwecke der Wirtschaft, (3er Sicherheit und Erziehung zu mobilisieren vermögen. Wir dürfen uns mit dem Erreichten nicht begnügen und müssen unseren Intellekt anstrengen, in unserem Ringen um neue, immer neue Fortschritte und Erkenntnisse wissenschaftlicher Natur, die uns helfen können, unsere Schwierigkeiten zu überbrücken, unsere Arbeitsproduktivität und -qualität zu erhöhen, mit den besten und vollkommensten Mitteln zu schaffen und zu bauen. Aber der Wert der Wissenschaft liegt nicht nur in ihrer praktischen Verwendung, sondern auch darin, dass sie den Menschen entfaltet, und sein Inneres bereichert. Die "Wissenschaft allein bringt keinen Nutzen. Um sie zu lenken, bedarf es sittlicher Kraft. Gewiss — die ewigen grossen sittlichen Werte hat nicht nur das Judentum geschaffen, auch andere antike Völker haben in verschiedenen Epochen erhabene und grosse sittliche Wahrheiten auf ihren Schild gehoben. Doch zweifle ich, ob dies jemand in der Wrelt mit einer solchen inneren Kraft und Inbrunst, einer solchen Glut, einem so reinen und heiligen Feuereifer getan hat wie die Propheten Israels. Die Idee, dass der Mensch im Ebenbild Gottes geschaffen und alle Menschen daher Brüder sind, das Gebot „Liebe . deinen Nächsten wie dich selbst“, der Traum unserer Propheten von Frieden und Gerechtigkeit — in keiner antiken und neuen Literatur gibt es etwas damit Vergleichbares. Urrd unsere Propheten fanden und forderten Gerechtigkeit nicht nur im Leben des Menschen, sondern überall auf unsrer Welt, im unendlichen Raum, in den Weiten des Kosmos. Jesaja, ein leuchtender Stern in der Plejade unserer Propheten, verkündet eine Gerechtigkeit, die vom Himmel hernieder strahlt und aus den Tiefen der Erde empordringt. Und als der Autor der Tehilim den höchsten sittlichen Begriff in knappste Worte fassen wollte, sagte er: „Die Gnade wird mit der Wahrheit sich treffen, Gerechtigkeit mit Frieden sich küssen“, und weiter fügt er hinzu: „Die Wahrheit wird aus der Erde spriessen und die Gerechtigkeit vom Himmel leuchten“. So sehen unsere Propheten die Wahrheit und Gerechtigkeit als die natürliche und höchste Na¬ Die Rassenfrage in Südafrika Johannesburg. — Viele hiesige Rabbiner sind, wie jetzt verlautete, mit dem Aufruf des Oberrabbiners Louis Rabinowtz nicht einverstanden, für die Sicherheit der Südafrikanischen Union in der heutigen Rassenkrise und ebenso für die „politischen Häftlinge” zu beten. Rabbiner A. Kossowsky erklärte von der Kanzel der Grossen Synagoge in Johannesburg, der Oberrabbiner habe in seinem eigenen Namen gesprochen, nicht jedoch namens der Vorstände der südafrikanischen jüdischen Gemeinden. Rabbiner Kossowsky hat seit je den Standpunkt vertreten, dass die Synagoge keinen Einfluss auf politische Fragen nehmen dürfe. Die nichtreligiösen jüdischen Führer scheinen der gleichen Ansicht wie Kossowsky zu sein und die von einigen jüdischen Gruppen im Ausland geäusserte Stellungnahme nicht zu begrüssen. Einige Rabbiner und Gemeindevorstände haben darauf verwiesen, dass die Unruhen ein „südafrikanisches und kein jüdisches Problem” darstellen und die ausländischen Juden ebenso wie die Juden im Lande selbst „nicht berechtigt sind, als Kollektivität Partei zu nehmen, obwohl natürlich ein jeder seine persönliche Meinung haben könne.” — UTA) tur der gesamten Natur und in ihr des Menschenwesens. Nur Kraft des Glaubens und durch tiefinnerlichste Identifizierung mit dem sittlichen Geist dieser Weissagungen kann man die titanischen und fruchtbaren Energie, die die Wissenschaft zur Auflösung bringt, dem Wohle des Volkes und der Menschheit dienbar machen, Ohne sittlichen Wert kann die Wissenschaft zur Gefahr werden. DIE SITTLICHKEIT IN THEORIE UND PRAXIS Aber auch die Sittlichkeit kann nur unter einer Bedingung segensreich sein: nicht wenn wir sie anderen predigen. nicht wenn wir über sie in klingenden Worten sprechen; nur wenn wir sie üben in der Theorie und Praxis, wenn sie uns anspornt zur mutigen und aufopfernden Tat. Die sittlichen Werte verwandeln sich in schöpferische und revolutionäre Kraft, die unsere Welt verbessert und das Leben des Menschen auf höhere Stufen hebt, nur wenn sie von individuellem Pioniergeist durchdrungen sind. Das lehrte uns die Erfahrung mit unseren eigenen chaluzischen Kräften vom Anbeginn der Ansiedlung vor 80 Jahren bis zum heutigen Tage. Ein chinesischer Weiser, der zu Zeiten des Jeremias lebte, und zweieinhalb Jahrj tausende hindurch der Lehj rer des chinesischen Volkes j war, antwortete auf eine ¡Frage seines Schülers, was ein in sittlichem Sinne wahrhaft wertvoller Mensch ist, wer zuerst selber tut, was er von anderen fordert: und von andern erst dann etwas fordert, wenn er vorerst es selbst getan hat.“ Die drei Generationen von Chaluzim, die den Jischuw gebaut und den Staat Israel errichteten, haben den Zionismus nicht gepredigt, sondern verwirklicht, sie haben den Traum verwirklicht von der Wiedergeburt des jüdischen Staates, der in unserem Volke fortlebte und fortwebte, seit den Tagen der Zerstörung dos Tempels. DER WILLE ZUR CHALUZISCHEN TAT Was das Wunder in unseren Tagen vollbracht, was das Gebet und das Flehen, die Sehnsucht und das Streben, den Wunsch und das Verlangen der Nation in Tat und Wirklichkeit verwandelt und umgeschmiedet hat, das war der Wille zur chaluzischen Tat, der in den Herzen einzelner erwacht ist, die vor mehr als 80 Jahren die Mauern des alten J erusalem verliessen und die aus dem fernen Ungarn kamen, um dann gemeinsam das erste jüdische Dorf zu erbauen.Ihnen folgten Dutzende, Hunderte, Tausende — und sie alle, sie haben das Wunder vollbracht. Nur die opferbereite chaluzische Tat verlieh den sittlichen Prinzipien, die wir bekennen, ihren eigentlichen Wert. Ohne Chaluzjut und die Bereitschaft zum persönlichen Einsatz werden die hohen Prinzipien und Losungen zur leeren und hohlen und daher auch zu einer scheinheiligen, spiegelfechterischen und schädlichen Phrase. In unseren Tagen geschah es, dass der Staat Israel zum dritten Mal erstanden ist — dies eröffnet eine neue Epoche im Leben unseres Volkes. Bei seiner Entstehung zählte Israel 650.000 'den, heute zählt es fast 2 Millionen. Noch steht vor uns die Aufgabe, den Prozess der Restauration des Staates seinem Abschluss zuzuführen. Der Weg zu diesem Ziel ist weit und schwer. Und nun, da wir an der Schwelle unserer nationalen Erneuerung stehen, obliegt es uns der Prophezeiung der messianischen Erlösung eingedenk zu sein die uns Jahrtausende am Leben erhielt. Diese ewige Vision kündet nicht nur die Erlösung Israels, sondern der ganzen Menschheit, denn es gibt keine volle und dauerhafte Erlösung für ein Volk ohne die Erlösung der ganzen Menschheit. Und dieses grosse und schwierige Werk, mit dem uns die Geschichte beauftragt hat, können wir nur vollbringen, wenn wir der alten, der ewigen unsterblichen Vision treu bleiben, der Vision von den letzten Tagen Israels, wie sie die Flammenworte unserer Phopheten uns überliefert haben. Diese Vision wird ihre herrliche Erfüllung finden, wenn wir unsere aktiven Anstrengungen fortsetzen und zugleich die geistigen Werte — die Errungenschaften der Wissenschaft, die prophetische Sittlichkeit, chaluzische Einsatzbereitschaft bewahren, beweisen und kultivieren — in Theorie und Praxis. Pessach in Israel Jerusalem. — Israel hat einen grossen Zustrom von Touristen zu verzeichnen, die die Pessachtage dort verleben wollen, wie das staatliche Reisebüro bekanntgibt. Im März trafen 10.000 Touristen ein und über 3.000 im Februar. fis wurden Vorhereittinge» getroffen, um den Touristea die Möglichkeit zu geben» die Pessachtage in den Kibbuzim zu feiern. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual N9 624.07©

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