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Jüdische Wochenschau · 1960-04-01 · 1766 (1.4.1960) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1766 (1.4.1960)
Date
1960-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Jude, Franzose und Weltbürger Am 30. März 1950 starb Léon Blum, SozialLstenführer und einstiger Ministerpräsident Frankreichs, last 5 Jahre, nachdem er wie in einem Triumphzug aus der Nazigefangenschaft nach Paris heimgekehrt war. Damals war er zwar körperlich schwer mitgenommen durch die Jahre der Leiden und Entbehrungen doch seelisch ungebrochen und abermals dazu auserkoren, für einige Zeit die Geschicke Frankreichs zu leiten. Léon Blum ist fast 78 Jahre alt geworden. Mit ihm ging eine ungewöhnliche Persönlichkeit dahin, ein Mann weltweiten Denkens, hohen Mutes und edler Gesinnung. Durch lange Zeit stand er an der Spitze der sozialistischen Partei Frankreichs, die namentlich nach dem erstan Weltkrieg einen bedeutenden Aufschwung genommen hatte. Drei Mal ist er Ministerpräsident gewesen, erstmalig im Jahre 3936, als er die ..Volksfront“ leitete, in deren Namen er, der Jude, die Verhandlungen mit Hitler-Deutschland zu führen hatte. Er tat dies im Hinblick auf die Erhaltung des Weltfriedens und Zum 10. Todestag von Léon Blum Ein CARLTON ANZUG gerade bei Gelegenheien, wenn Sie sich bewusst in Ihrer Kleidung unterscheiden wollen. Die hochwertigen Qualitäten und die feine, ' sorgfältige Verarbeitung dieser Kleidung guten Stils spricht für sich — und für Sie. AUCH JUNIOREN KAU¬ FEN GERN BEI f&vMon LAVALLE 870 T. E. 35-1110 brachte hierfür persönliche Opfer. Umso erbärmlicher und nichtswürdiger war ihm gegenüber die Haltung der Vichy-Verräter Pétain Laval, etc. die Blum in knechtischem Gehorsam vor den Nazis als „Kriegsveraritwörtlichen“ bezeichneten, ihn, gleich Daladier und den Männern, die 1939 an der Spitze der Nation standen, vor ein Marionettengericht zerrtenj das sich selbst über die schändliche Rolle im klaren war, die es im Aufträge des Feindes zu spielen hatte. Hocherhobenen Hauptes und unerschrocken trat er dem Vichy-Gericht entgegen, das ihn dann den Nazis auslieferte, die ihn durch Buchenwald und andere Stätten des Grauens passieren Hessen, aber doch nicht wagten, Hand an ihn zu legen, weil sie mit der Möglichkeit rechneten, einmal mit einer wiederum von ihm geführten Regierung verhandeln zu müssen. Blums mutige Verteidigungsrede machte selbst auf jene Richter tiefen Eindruck; sie war ein leidenschaftliches Bekenntnis zur sozialen Demokratie und zum Pazifismus. Zugleich brachte Blum in erschütternden Worten zum Ausdruck, dass er letzten Endes als Jude auf der Anklagebank sässe, da man ihm alles verzeihen würde, nur nicht sein Judentum, zu welchem er sich immer offen und voller Stolz bekannt hatte. Léon Blums Judentum war ein untrennbarer Bestandteil seines Wesens. Niemals kannte er einen Widerspruch .zwischen seiner treuen Hingabe an die französische Nation, die niemand heisser geliebt hat als er und seiner Zugehörigkeit zum jüdischen Volk, dessen Ideale als das Erbe seiner gläubigen Ahnen auf ihn überkommen waren. Sinnlos erschienen ihm die Theorien von der Unmöglichkeit der „doppelten Loyalität“, und mehr als einmal hat er diese widerlegt. In einer seiner Reden sagte er: „Obwohl ich mich als echter Franzose fühle, weiss ich, dass ich gleichzeitig Jude bin. Ich habe nie den mindesten Widerspruch in diesen beiden Phasen meines Bewusstseins verspürt. Ein Mensch kann durchaus einer zweifachen nationalen Loyalität unterworfen sein. Die Zugehörigkeit zu einem 'Lande schliesst nicht aus, dass sich das Individuum als Teil auch einer anderen Gruppe, einer anderen menschlichen Gesellschaft fühlt. Wir können der jüdischen Gemeinschaft mit Körper und Seele angehören und doch in unserem Empfinden vollständig französisch sein. Ein Jude kann Franzose in jeder Beziehung sein, ohne dass er das Band löst, das ihn mitseiner jüdischen Gruppe verbindet. Man kann solche Beispiele einer doppelten Loyalität in allen Zeitaltern nachweisen.“ Aus diesem Gefühl heraus ist Léon Blum schon zu Anfang der zwanziger Jahre ein glühender Bewunderer des jüdischen Palästina- Aufbaus geworden. Ine per- I sönliche Bekanntschaft, aus der sich später diese Freundschaft entwickelte mit führenden Zionisten wie Sokolow und Weizmann, trug dazu bei, dass er die ■zionistischen Probleme studierte, sich an den Vorbereitungen zur Erweiterung der „Jewish Agency“ beteiligte und sein spezielles Interesse der Hebräischen Universität in Jerusalem zuwandte, in der er eine Begegnung jüdischer und französischer Kultur voraussah, die er herbeisehnte. Seine Rede auf dem Züricher Kongress vom August 1929 war ein stolzes Bekenntnis zur jüdischen Zusammenarbeit zwischen Zionisten und nichtzionistischen Freunden Erez Israels. „Die Juden", so erklärte er einmal, „müssen dieses Heimatland einfach deshalb haben, weil Länder, in denen sie Jahrhunderte gewohnt haben, es nicht mehr zulassen. dass sie sich dort gesetzlich oder faktisch zu Hause fühlen. Wer sich in einer besseren Position befindet, darf dies nicht als Grund betrachten, jenes Solidaritätsgefühl zu verlieren, das ihn mit weniger glücklichen, weniger sicheren Juden verbindet.“ Der Sozialist Blum vertrat einen praktischen, realisier- LA SEMANA ISRAELITA BISEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aire« — PUEYRREDON 2180, 1* i*q. — T. E. 83-2613 4. Nissan 5720 1. April 1960 baren Sozialismus. Er, der Freund und Schüler von Jean Jaurès, erkämpfte als Ministerpräsident die 40- Stunden-Woche und die bezahlter- Ferien. Sein Gerechtigkeitssinn machte ihn zu einem Vorkämpfer für Fortschritt, Freiheit und Frieden. Er besass echten Glauben an den schliesslichen Sieg der Humanität; dieser Hess ihn die Leiden als Gefangener der Hitlerbanden überleben. Er sah durch das Dunkel jener Epoche hindurch ein neues, gereinigtes Frankreich sich erheben, das Land der Mensch enr echte, für das er gelitten hatte, so, wie er als Jude hatte leiden müssen. Im letzten Sinne hat Leon Blum ein ganzes Judentum gelebt, weil er sich mit jüdischer Geschichte und jüdischer Ethik verbunden fühlte und ohne Kompromisse seinen Weg ging als Jude, als Franzose, als Humanist und Weltbürger. Curl Wilk Alija des Mittelstandes Reisebüro VIA WIND] FLUGPASSAGEN FÜR IN- UND AUSLAND 25 de Mayo 189 — T. E. 33-4146] AUTO - REPARATUR . WERKSTATT „BEÑO“ beno mmcmmcKER Arda. CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Monee) T. E. 91 2209 Juan Sehottlaender VaáflMMfM Alt — TUNCA! 2179 T. E.: 22-1732 Tel Aviv. — Die Zusage des Finanzministeriums, eine Prämie von 20 Prozent an jeden Einwanderer für die Auslandsdevisen, die er ins Land bringt, zu gewähren und ihm zu gestatten, über dieses Geld drei Jahre lang zu verfügen, bedeutet einen Sieg für diejenigen die seit langem für diese Erleichterung eingetreten sind ,um die Alija der Mittelklasse aus dem Westen zu ermuntern, wie „Haboker” in einem Leitartikel schreibt. — (ZINS) Wanderausstellung in der CSR London. — Eine Wander- Ausstellung unter dem Titel „Religion und Wirklichkeit” wird in den Dörfern Böhmens gezeigt, wie Radio Prag bekanntgibt, um zu beweisen. dass „Religion ein Aberglauben und die wissenschaftliche Realität imstande ist, wahrhoitsgemfiss alle Fragen der Menschheit zu beantworten.” Der Rundfunk - Sprecher behauptete, die Ausstellung „fände überall Anklang und sei vo-n über 3.000 Menschen besucht worden.” (WJA) Biblische Geschich-- ten für Kinder Düsseldorf. — „Geschichten und Legenden aus Israel”, die zumeist biblische Themen behandeln, werden jetzt für Kinder in Kindergärten und Primarschulen in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz zur Verfügung stehen. In diesen Band sind auch Märchen und Geschichten von Meir Faerber, dem bekannten israelischen Schriftsteller und Journalisten auf genommen worden. (WJA) Diebstahl antisemitischer Färbung New York. — Die Polizei verhaftete einen ehemaligen Sträfling, der einen Diebstahl bei dem chilenischen Botschafter vor den UN, Daniel Schweitzer, verübt hatte. Schweitzer, der 64 Jahre alt ist, wurde das Opfer dreier Angreifer, welche sich in seine Wohnung schlichen, ihm die Pistole auf die Brust setzten und von ihm verlangten, er solle sagen, ob er Jude sei oder nicht. Als er die Frage bejahend beantwortete, zwangen sie ihn, die Hand zum Hitlergruss zu erheben und „Heil Hitler” zu rufen. Dann beraubten sie ihn. Die Polizei nahm den 29jährigen Edward Curran fest, der vor 4 Monaten aus dem Gefängnis von Sing Sing entlassen wurde. (ITA C V Nach SANTIAGO Di mit LUFTHANSA Ab 1. April, schnelle und’ bequeme Flüge nach der chilenischen Hauptstadt, mit ' den majestätischen Suptr-Q- Constellation. 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