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Jüdische Wochenschau · 1960-03-25 · 1764 (25.3.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1764 (25.3.1960)
Date
1960-03-25
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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WM'? S « 2 ■- ~ î ï « FRANQUEO PAGADO Concesión 908 3 <D i. a s U Ih Q) <o TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 SEMANA ISRAELITA Ano XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 25 DE MARZO DE 1960 No. 1764 EL EJEMPLARI en toda la República | Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? isq. T. E. 83 . 2613 Westliche Hoffnungen auf Nasser Westliche Publizisten bei Lippmann, der sich wochengteiteten die vor einiger lang in der VAR aufgehal- Zeit erfolgte Wiederaufnahten und mit Nasser mehrere me der diplomatischen Be- ¡Unterhaltungen hatte,kommt zuehungen zwischen Kairo j zu ähnlichen Schlüssen, und London und die bevo-- 'Lippmann schränkt jedoch stehende Gewährung amerikanischer Hilfe für das Regime der VAR mit grossen Hoffnungen. Sie glauben, dass die Welt in kurzer Zeit einen neuen Nasser vor sich sehen würde, einen Präsidenten, der in erster Linie an sein Land und die Hebung der Wohlfahrt seines Volkes denkt und der die hochfliegenden Ideen der panarabischen Revolution, die Jahre lang für ihn charakteristisch waren, in den Hintergrund treten lässt. Diplomaten wussten von einer Aeusserung Nassers zu erzählen: „Ich bin der Araber überdrüssig, und ich glaube nicht mehr an Einigungsmöglichkeiten.” Westliche Kommentatoren verweisen darauf, dass Nasser sich offenbar mit der Spaltung der arabischen Welt abgefunden hat. Kassem hat sich gegenüber Nasser behaupten können, Hussein sitzt fester im Sattel als je, mit cTem Sudan musste Nasser sich verständigen, und weder die Regierung Libyens noch der tunesische Präsident Bourguiba nehmen Befehle vom „Führer der Araber” entgegen. Das Buch Nassers von der Arabischen Revolution scheint ins Archiv verbannt zu sein, und ein westlicher Journalist fasste seine Eindrücke vom Besuch in Aegypten in dem Satz zusammen: „Nasser beginnt nach innen zu blikken”. Die grosse Hoffnung der westlichen Politiker und Publizisten war es, wie gesagt, dass Nasser sich von jetzt ab mit dem Schicksal seines Volkes beschäftigen wird. Der Bau des Assuan- Dammes wird in Kürze beginnen und Aegypten für Jahre hinaus in Atem halten. Andere Völker, unter ihnen die Amerikaner und die Deutschen zeigen Bereitschaft, die VAR bei der Durchführung anderer Wirtschaftspläne zu unterstützen. Auch die Arbeit an der Industrialisierung kann die Führer der VAR vollauf beschäftigt und sie von der Aussenpolitik und revolutionären Ideen ablenken. Optimisten hoffen sogar, dass Nasser auf den Weg Nehrus kommt, der sich immer zu einer neutralistischen Politik bekannte und dies tat, weil er in erster Linie um die Durchführung seines Fiinl'jahresplanes und die Hebung des Lebensstandards der breiten Massen in Indien besorgt war. Nasser kämpft jetzt gegen die Kommunisten, er ist bereit, unabhängige Politik zu beseine Bejahung der Wendung der Politik Nassers wesentlich ein: „Die Leute in Kairo sind jederzeit bereit, wieder zur politischen Hetze zu" greifen, wenn dies nötig sein sollte”. Lippmann sieht die Dinge auf lange Sicht, wenn er sich für wirtschaftliche Unterstützung Nassers trotz der politischen Eskapaden des Diktators und trotz des wankelmütigen Charakters seiner Mitarbeiter einsetzt. Es fragt sich jedoch, ob auch auf lange Sicht diese Politik berechtigt ist und Hoffnungen auf Erfolg haben kann. Es ist nicht das erste Mal, dass das Regime der Offiziere, „nach innen zu blickefT versucht”. Nach dem Naguib und seine Leute die Macht in Aegypten an sich gerissen hatten, sprachen sie zunächst nicht von aussenpolitischen Siegen und von einer panarabischen Revolution, vielmehr träumten sie von der Hebung des Lebensstandards der Aegypter und von der Beendigung des Elends der Fellachen. Von der Erkenntnis schritten sie zur Tat: Sie begannen mit der Bodenreform, und sie gründeten die Musterprovinz „El Tabrir”, in der die Land Wirtschaft nach völlig neuen Prinzipien organisiert werden sollte. Es ist bekannt, was aus den grossen Hoffnungen der ersten Jahre des Offiziers - Regimes wurde. Niemand spricht mehr von der Bodenreform, und die Provinz „El Tahrir” musste als völliger Misserfolg abgeschrieben werden. Nach dem Scheitern im Innern wandte sich Nasser der Aussenpolitik und der panarabischen Revolution zu. Heute beginnt, so meinen wenigstens die westlichen Publizisten, -erneut die „Wendung nach innen”. Aber Sachkenner verweisen darauf, dass der Assuan- Damm, dieses Idol der gesamten ägyptischen Politik, auch nicht die Rettung für die Volksmassen am Nil bringen wird. Wenn der Damm, für den riesige Beträge investiert werdeii müssen, einmal fertigge- . stellt sein wird, / dann wird die mit seiner Hilfe gewonnene zusätzliche Ackerfläche gerade ausreichen, um die schnell A-iprwachsende ägyptische Bevölkerung auf dem Lebensstandard von heute zu ernähren. Grob gesprochen fieissf das, dass zu den Millionen von Fellachen, die auf 34 bis 36.000 qkm Boden ein kümmerliches Dasein führen, noch weitere Fellachen mit dem gleichen kümmerlichen Dasein hinzukommen werden. Der Erfolg des Assuan-Staudammes wird vielleicht darin bestehen, dass die soziale Explosionsgefahr innerhalb der Fellachen geringer werden wird und dass nicht so viel überzählige Elemente versuchen werden, in die Städte abzuwandern. Angesichts der gewaltigen Investitionen, die unternommen werden, ist das keine sehr beglückende Perspektive. Es kommt noch hinzu, dass das Gebiet von Syrien, das Nasser und seine Leute zuerst als wirtschaftliche Reserve und als zusätzliche Basis für Aegypten ansahen, bisher für Kairo nur ein Sorgenkind ist. Die Entsendung des Marschalls Amr nach Damaskus spricht für sich selbst. Er musste eingreifen, weil die örtlichen Führer mit den unzufriedenen Elementen nicht fertig werden konnten, und die Ruhe konnte nur bewahrt werdeii, weil man ihnen Verschiebung der wirtschaftlichen Integrierung Syriens in die VAR versprach. Blickt man auf diese Tat¬ MacMillan beantwortet Fragen o Bunte Steine Im Lebensmosaik von KURT KAISER-BLUETH Man erinnert sich vielleicht noch Hans Reimanns. Er war der Mann der sächsischen Anekdoten, der den „Geeni Aujust” mit jenem bedächtigen kleinbijrgerliehen Witz personifizierte, der den Vorteil hat, auch in weitesten Kreisen verstanden zu werden. Bis 1933 war Hans Reimann, der ein politisch - satirisches Blatt, „Der Drache”, herausgab und in einem amüsanten Büchlein den rasenden deutschvölkischen Arthur Dinter „Die Sünde wider das zogen, um ja mit von der Partie zu sein. Hans Reimann hat einen Artikel für das Blatt der SS, das „Schwarze Korps”, geschrieben. — Am anderen Tag trifft er Erich Kästner und sagt zu ihm, voller Freude und Stolz: „Sehen Sie einmal, welche Beziehungen ich habe! Ich komme sogar im „Schwarzen Korps” an..— Erich Käst, ner sieht ihn schweigend an, sagt kein anderes Wort als „Adieu” und geht... Hans Reimann hat noch heute j nicht verstanden, weshalb Blut” ((„Die Dinte wider das j jjjm Erich Kästner nicht zu treiben, er will Geld von . . beiden Seiten nehme«, und sie registrieren _ zn folgern Beobachter in den USA und in England — „diese Gelegenheit müsse au-genutzt werden”. D~r Kommenta oder „Herald Tribüne”, Walter Blut”) durch den Kakao gezogen hatte, ein Mann der Linken. Dann lief er, ohne viel Lärm, aber trotzdem eindeutig zu den Neandertalern über. Reiman hat soeben im Paul List-Verlag seine Memoiren veröffentlicht. Sie haben den Titel „Mein blaues Wunder — Lebensmosaik eines Humoristen” und sind ein dickleibiger Schmöker, der keine weitere Erwähnung verdienen würde, wenn nicht zwei Feststellungen in ihm enthalten wären, die so charakteristisch für eine gewisse Geisteshaltung der deutschen Intelligenz in den Nazijahren sind, dass man muss. Der Fall Reimann ist kein Einzelfall, das ist der typische Fall von 90 Prozent dieser Kautschuk-Charaktere und Opportunisten, die die braunen Hemden nur deshalb anseinen neuen Beziehungen gratuliert hat. An einer anderen Stelle kann man wöttlich die folgenden Zeilen lesen: „Ich stöberte in meinen Akten, entdeckte eine Sammlung jüdischer Anekdoten, wählte achtzehn aus, machte dazu garstige Bemerkungen ... und erwirkte die Genehmigung, umgehend in die Luftwaffenexpedition einzutreten'’. Hans Reimann flog an die Ostfront, pilgerte an den Stätten des Grauens vorüber — es war die Zeit des allerschlimmsten Terrors, im Herbst 1943 — und gab in den Soldatenheimen, umnittelbar in der Nähe von Auschwitz Abende mit „Jii- London. — Premierminister MacMillan erklärte im Unterhaus, der israelische Ministerpräsident habe sich zwar zu einem „privaten Besuch” in England befunden, doch „auf sein Ersuchen hin, habe ich ihn empfangen^ und wir haben über die Probleme des Mit’elostcns und der Weltpolitik gesprochen.” Der Labour-Deputierte Dingle Food wollte wissen, ob das Thema der Lieferung englischer Waffen für Israel zur Sprache gekommen sei, und, ob Ben Gurion in diesem Sinne Sicherheiten gegeben wurden. Mac¬ Millan entgegnete, er vertrete den gleichen Standpunkt, den in der vergangenen Woche Staatssekretär Robert Allan vom Foreign Office eingenommen habe. Allan hatte im Unterhaus auf Fragen erwidert, es läge nicht im öffentlichen Interesse zu enthüllen, ob die Regierung von ausländischen Mächten um Waffen ersucht worden sei oder nicht, und er hatte hinzugefügt, er sei nicht in der Lage, Sicherheiten zu geben, dass die Regierung ein derartiges Ersuchen abweisen würde, bevor sie dem Unterhaus Gelegenheit geben werde, hierüber zu debattieren. „Ich habe fesgestellt”, so führte MacMillan aus, „dass Ben Gurion in einer Pressekonferenz geäussert hat, er würde vorschlagen, vor Beginn einer weltweiten Abrüstung im Mittelosten unter gegenseitiger Kontrolle die völlige Abrüstung durchzuführen. Ein Waffen-Empargo im heutigen Augenblick, wo eine Grossmacht einem Land Waffen liefert, würde eine grosse Ungerechtigkeit darstellen.” Als Food auf einer klaren Antwort bestand erwiderte MacMillan: „Ich befürwort© eine jede Massnahme, die wir ergreifen können, um die dort herrschende Spannung als Teil oder in Verbindung mit der allgemeinen Abrüstung in der Welt zu verringen.” (ITA) grausigen Humoristen” ihr ganzes Gewicht, wenn man darauf hinweist, dass die jüdischen Witze des einstigen Philosemiten Reimann mit „garstigen Bemerkungen” garniert und gewürzt waren, während draussen die Mordmaschinerien arbeiteten. Im Saal bogen sich die Soldaten vor Lachen — so gut wusste der Humorist Hans Reimann die alten jüdischen Histörchen im „Stürmer” - Stil „zeitnah” aufzufrischen und auszurichten. Wir wussten das gar nicht Er erzählte es uns, mit fröhlichem Augenzwinkern, dieser unverwüstliche Humorist. Hans Reimann schämt sich nicht einmal. Und findet das offenbar selbst heute noch amüsant. Es gibt Untiefen der menschlichen Seele, in die selbst der schärfste Röntgenapparat nicht hineinleuchten kann. Sie bleiben uns verschlossen für immer. Dieser Reimann, der gewiss niemals Hand an einen Juden gelegt hat und der heute seine Vergangenheit ohne jede Gewissenskolik belächelt, ist ein Humorist. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Aber wer weint um diesen Hans Reimann, der so..' amüsant jüdische Witze mif dischen Witzen”, die sicherverlangten „Garstigkeiten' lieh ein ausgezeichneter Erfolg waren. Man gibt der grausigen Point# die*»r Reichte »ine« zu garnieren wuisste, aber niemals, niemals in seinem ganzen Leben, schaudernd in »eh selbst hineingesehen hat? Sachen, so erhebt sich die grosse Präge, ob die „Wendung nach innen” wirklich von Dauer sein kann. Die Mängel des ägyptischen Menschenmaterials sind zur-*nen Genüge bekannt, und wenn bei der Durchführung der Wirtschaftspläne grosse Schwierigkeiten auftreten, wird dann die Führerschicht in Kairo nicht wieder zur aussenpolitischen Phrase und zur demagogischen Aufhetzung greifen, die nach der Darstellung W. Lippmanns jederzeit im Arsenal der VAR-Regierung als Aktionsmittel bereit gehalten wird? Und ist denn wirklich der Kampf an der „revolutionären Front” beendet, hat Nasser sich wirklich so zurückgezogen, wie die westlichen Politiker und Journalisten uns glauben machen wollen? Radio Kairo hetzt vorläufig weiter gegen Kassem, und Hussein wurde heftig wegen seiner Verhandlungen mit Persien angegriffen, weil er — so meinte die Propaganda-Zentrale der VAR — den Versuch unternehmen wollte, sein Land an den CENTO-Pakt anzugliedem. Bei allem fehlt natürlich Israel nicht, und Kairo droht täglich mit Krieg, falls Israel an die Verwirklichung des Jordan-Planes geht. „Nicht ernst zu nehmen” erklären die westlichen Politiker und mit ihi?i» Publizist Waüar Lippmann, aber mit ihm geben andere Journalisten zu, dass man nur mit diesen Phrasen die aufgeregten primitiven Massen in Syrien und am Nil bei der Stange halten kann. Und wo ist die Grenze, und was geschieht, wenn diese nach Rache und Siegen schreienden Massen eines Tages statt der Propaganda dringend Taten verlangen werden? Der Zukunft bleibt die Ant. wort überlassen, aber Investitionen am Nil scheinen nach wie vor eine reichlich unsichere Anlage zu sein. Schäden durch Trockenheit Jerusalem. — Während einer Kabinetts^itzung, bei der Finanzminister Levi Eshkol präsidierte, wurden die Vorberichte über die Schäden geprüft, welche die Trockenheit verursacht hat. Zwei Drittel der Pflanzungen sind endgültig zerstört; der Gesamtverlust wird mit fast 80 Millionen 1L beziffert. (ITA) i Brandstiftung in Marseille Jerusalem. — Die Büros der Jewish Agency in Marseille wurden durch ein Feuer schwer beschädigt. Die marseiller Polizeibehörden bestätigen, sie seien „sicher, dass das Feuer absichtlich hervorgerufen worden sei,” Schon zum zweiten Mal in sechs Monaten hat man versucht, dieses Büro in Brand zu stecken, doch dieses Mal hatten die mit Benzin übergossenen Zeitungen, welche in dem Baum auigestapelt worden waren, aus irgendeinem Grande nicht Feuer gefangen. Obwohl die Archive, MöWJ und Schreibmaschinen durch die Flammen im zweiten Stockwerk empfindlich beschädigt wurden, sind die Büros schon wieder in Benutzung genommen worden. (ITA) Registro de la Propiedad intelectual N? 624.<WÍ Impreso e* la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes ♦ i ►

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