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Jüdische Wochenschau · 1960-03-08 · 1762 (8.3.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1762 (8.3.1960)
Date
1960-03-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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/ ™r,r JüxJktnxut&Dkh&jetilG, T. E. 8 3 2 6 1 3 Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 18 DE MARZO DE 1960 No. 1762 Dramatisches Zusammentreffen New York. — Bundeskanzler Adenauer und Ben Gurion legten beide das Versprechen ab, miteinander zusammenzuarbeiten. Die Unterredung fand im Waldorf - Astoria-Hotel statt und währte zwei Stunden. Beide Staatsmänner lasen gleich darauf im Salon des Hotels der Presse Erklärungen vor, in denen sie von positiver Zusammenarbeit sprechen, jedoch die Frage der Aufnahme diplomatischer Beziehungen nicht erwähnten. Dr. Konrad Adenauer sagt iai seiner Deklaration: „Ich bin von meinem heutigen Zusammentreffen mit dem Ministerpräsidenten Israels tief bewegt. Seit langem bin ich ein Bewunderer seiner staatsmännischen Fähigkeiten. sowie seiner Kraft und Beharrlichkeit als führender Erbauer des modernen Israels und der bemerkenswerten Entwicklung des jüdischen Staates. Das deutsche Volk empfindet tiefe Befriedigung, dass es durch die an die Opfer des Naziregimes gewährte Entschädigung einen Beitrag zu ihrer Rehabilitierung in Israel leisten könnte. Ich bin überzeugt, das deutsche Volk und meine Regierung hegen die Gewissheit, dass unsere gemeinsame Zusammenarbeit und unsere Unterstützung Israels auch in Zukunft Früchte tragen werden.” Ben Gurkm führte aus: „Ich freue mich, dass ich mich mit Bundeskanzler Adenauer unterhalten konnte. Mein Volk kann die Vergangenheit nicht vergessen, aber wir erinnern uns ihrer nicht, um über sie nachzugrübeln, sondern um alles zu tun, damit Aehnliches sich | niemals wiederholen kann. Ich habe im vorigen Jahr in der Knesset geäussert, dass das heutige Deutschland nicht das Deutschland von gestern ist. Nach meinem Zusammentreffen mit dem Bundeskanzler bin ich sicher, dass dieses Urteil richtig war. Ich wünsche dem Herrn Bundeskanzler Erfolg in seinem Bemühen, Deutschland auf dem Wege der Demokratie und internationalen Zusammenarbeit zu führen.” BEN GURION BEI HAMMARSKJOLD Vereinte Nationen. — Ben Gurion und seine Begleiter fuhren mit Autos, an denen die israelische Flagge wehte, vor dem UN-Sitz vor, wo sie der Generalsekretär Dag Hammarskjold erwartete. Lächelnd und ohne Hut be- WIE ICH ES SEHE Debatte auf hohem Niveau von JEHUDA GOTTHEIMER Noch immer ist die öffentliche Diskussion über die letzten antisemitischen Vorfälle in Deutschland, die der Ausgangspunkt einer in ihren Umfängen nicht bekannten Aktion in vielen Länder gewesen ist. nicht verstummt. Der Bundestag hat noch im Februar eine lebhafte Auseinandersetzung geführt, in welcher die Vertreter der verschiedenen Parteien ihre Standpunkte dargestellt haben. Die vorgetragenen Gesichtspunkte sind in mancher Beziehung interessant, so dass es wichtig sein dürfte, die Beiträge zur Diskussion im einzelnen wenigstens auszugsweise kennenzulernen. Natürlich ist es nicht möglich, den genauen Wortlaut aller Reden wie*- derzugeben, denn nicht weniger als fünf Stunden dauerte die Debatte im Bundestag. .. i Der Frankfurter SPD-Abgeordnete Dr. Schmid hielt eine ausgezeichnete Rede; er sagte u. a. folgendes: „Man sagt, es seien bei uns in Deutschland nur ein paar hundert Fälle gewesen und davon sei ein grosser Teil blosse Pöbelei, Rüpelei, Kritzelei, Eselei. Nun, dass nur ein kleiner Bruchteil der Uebeltäter aus politischen Gründen gehandelt hat. mag manchen trösten. Aber gerade das scheint mir das Bedenkliche zu sein. Hätten diese Burschen alle auf Grund eines Verschwörungsbefehles gehandelt, dann wäre das Ganze eine Sache der Polizei, und die Polizei könnte es erledigen und könnte ausräumen, was auszuräumen ist. „Es ist aber nicht so. Ich gestehe Ihnen, dass ich froh bin, dass die Kölner Halbstarken diese sogenannte „Welle” ausgelöst haben. Nun sehen wir besser und vollständiger und tiefer in den trüben Spiegel einer Vergangenheit, von der oijfenbar noch einige Narren glauben, sie habe eine Zukunft. Offenbar glaubten I doch die Täter und ihre Gesinnungsgenossen — denn die hatten sie und die haben sie —, im deutschen Volk eine Resonanz erwarten zu dürfen. j „Man spricht von Halbstarken. Halbstarke gibt es , überall. Dass bei uns aber I die Halbstarken statt Autos j umzuwerfen und Zoten Appell an die Juden in USA New York. — Ben Gurion schlug ein Programm von drei Punkten für die USA-Juden vor, um Israel in den nächsten Jahren bei der Ueberwindung seiner Schwierigkeiten zu helfen. In einer Pressekonferenz äusserte er, er würde es gern sehen, wenn die nordamerikanischen Juden „hebräisch lernen, für die Stärkung Israels arbeiten und ihre Kinder, die nicht für Television und Cadillacs schwärmen, nach Israel schikken würden.” Der Ministerpräsident war glänzender Laune, während er sich mit ca. 50 Korrespondenten israelischer Blätter und der in Jiddisch erscheinenden amerikanischen Presse auf Jiddisch und zumeist auf Englisch unterhielt. Nach der Pressekonferenz traf er mit Philip Klutznik, dem Präsidenten der Bne Brit, und später mit Rose Halperin, der stellvertretenden Präsidentin der amerikanischen Abteilung der Exekutive der Jewish Agency zusammen. Ben Gurion verbrachte zwei freie Stunden zwischen den Konferenzen mit dem Besuch von Buchhandlungen, in denen er Bücher über Psychologie, Philosophie ud Orientalistik erstand, u. a. ein Buch über zoroasi rische Theologie, den Lamaismus und Brahma Sutra, sowie philosophische Schriften des Amerikaners John Dewey, über Platon, Sokrates und Aristoteles. (ITA) j die Wände zu malen, ihr Un! genügen an sich selbst glau | ben mit der grössten Wir kung in antisemitischen Ex pektorationen entladen zi sollen — das erscheint mi: das Bedenkliche, und da: weist mit dem Finger auf ei nen Abszess, der uns einma vergiften könnte. „Man hat — und mit Rech — die Vernehmungen diese: Kölner Angeklagten veröf fentlicht. Jeder von uns. dei sie gelesen hat, weiss, dass die Sudler ganz und gai dum n*e, primitive Kerl« sind. Aber, Herr Präsident ein Sepp Dietrich von 192t hat nicht sehr viel intelligenter dahergeredet, als diese Burschen in Köln dahergeredet haben. Und aus die sen Leuten hat man einma] die Garde gemacht, die schliesslich die Schande über unser Volk brachte, von dei uns freizumachen schwer sein wird. „Als die Emanzipation der Juden — um nur von ihnen zu sprechen — noch nicht durcligefiihrt war, sagte eine Elite in Europa: „Es ist nicht recht, dass die Juden nicht die gleichen Rechte haben wie wir; sie sind ja Menschen wie wir, und darum gehören ihnen die gleichen Rechte.” — Die bekatrat Ben G urion das Sekretariat. Ihm folgten der ständige israelische Delegierte vor den UN Josef Tekoa, Oberst Chaim Ben David und der militärische Adjutant des Premierministers. Frau Paula Ben Gurion traf eine Stunde später ein. Nacn der Unterredung begleitete Hammarskjold seine Besucher durch das Gebäude der Vereinten Nationen und zeigte ihnen den grossen Saal der Generalversammlung, sowie die drei Haup‘- säle, in denen die Sitzungen des Sicherheitsrates abgehalten werden. Vor dem Sitz der UN defilierten ungefähr 20 arab.- sche Demonstranten mit den üblichen antiisraelischen Spruchbändern. Die gleiche Anzahl von newyorker Polizisten war zu ihrer Bewachung aufgeboten worden. Einige Stunden vorher hat. te Hammarskjold mit Ben Gurion in seiner Wohnung in der Park Avenue zu Mittag gegessen. Zu. den Gästen gehörten ausser dem Ehepaar Ben Gurion, Josef Tekoa, Dr. Nachum Goldmann, Jacob Blaustein, Ralph Buucbe und Hammarskjolds Adjutant Andrew Cordier, die sämtlich mit ihren Gattinnen erschienen waren. men sie, und da entstand in breiten Bevölkerungskreisen eine merkwürdige Umkehrung dieses Satzes; „Die Juden haben gleiche Rechte, und sie sind doch nicht so wie wir.” Ich habe in den letzten Wochen einen ganzen Packen von Zuschriften bekommen. Die Betreffenden haben mir gesagt: Gewiss, es ist scheusslich, dass man die Juden vergast hat, es ist eine Schmach, eine Schande; aber sie sind doch nun einmal nicht so wie wir, und daraus müssen wir doch gewisse Konsequenzen ziehen. — Wer so denkt, hat nicht begriffen, was Demokratie ist. Demokrat ist man dann, wenn man gerade dem, der als „anderer” empfunden wird, den Raum mit schaffen will, in dem er nach seinen Vorstellungen von sich selber sich frei entfalten kann, vorausgesetzt, dass er die für alle geltenden Gesetze achtet und jedem anderen dieselbe Freiheit gibt. „Nun gibt es — wir wissen das alle — das böse Zwar-Aber. Wer mit einem solchen Zwar-Aber glaubt Differenzierungen rechtfertigen zu können, der will gewiss nicht den’Mord, aber er billigt — in individueller Abstufung — die Voraussetzungen, die einmal zur Entrechtung, zur Vertreibung und schliesslich zur Gaskammer führen können. In diesen Dingen gibt es kein Zwar-Aber, da gibt es nur ein Entweder-Oder!” Der Abgeordnete hat stellenweise sehr klar gesprochen. Man hat „natürlich” versucht, die Aktion zu bagatellisieren und die Täter als dumme Jungen hinzustellen, die törichtes Zeug reden. Aber Sepp Dietrich hat La Prensa de LL. IIL. talla Tel Aviv. — Al comparar los despachos publicados en 5a prensa árabe y en la norteamericana sebre los últimos discursos de Nasser, llega uno inmediatamente a la conclusión de que los periódicos de EE.UU. no han informado toda la verdad sobre las vociferaciones del dictador egipcio en Siria. Han pasado por alto sus ataques contra las potencias occidentales, repetidos una y otras veces, y especialmente contra los Estados Unidos, a los que acusó de confabularse con Kassem, el gober- República Arabe Unida. La prensa norteamericana ha encubierto asimismo el tono insultante de los discursos nasserisías y sus jactancias de que él era lo suficientemente fuerte para permitir que lo califiquen de ser un Hifler, lodo, na- íuralmente, para la causa del nacionalismo árabe, como lo entiende el dictador. Los comentaristas israelíes indican que, al parecer, los corresponsales estadounidenses no han querido hacer nada que obstaculizara el actual idilio del Gobierno de Washington con Nasser. SCHLOMO S. TANGER Die IJSA-Presse schweigt Tel Aviv. — Wenn man die von der arabischen und noidamerikanischen Presse veröffentlichten Berichte über die letzten Reden Nassers vergleicht, so gelangt man sogleich zu dem Schluss, dass die USA- Blätter nicht die ganze Wahrheit über die grosspreeherischen Ankündungen des ägyptischen Diktators in Syrien berichtet haben. Sie haben seine Angriffe gegen die Westmächte verschwiegen, die er ein um das andere Mal wiederholt hat, undim besonderen gegen die Vereinigten Staaten, die er beschuldigte, sich mit Kassem, dem Regierungschef von Irak, anzubiedern, um Syrien zu annektieren und somit der Vereinigten Arabischen Republi! c en Todesstoss zu versetzen. Ebenso bat die nordamerikanische Presse über den beleidigenden Ton der Reden Nassers geschwiegen, sowie über seine Prahlereien, er sei stark genug, dass man ihn mit Hitler vergleichen könne, natürlich für die Sache des arabischen Nationalismus, wie ihn der Diktator ■'’ersteht. Die israelischen Kommentatoren sind der Ansicht, dass die USA-Korrespondenten allem Anschein nach nichts zu unternehmen wünschten, was die heutigen liebevollen Beziehungen der Regierung in Washington mit Nasser trüben könnte. SCHLOMO S. TANGER 1922 nicht sehr viel intelligenter gesprochen, auch Hitler nicht, können wir getrost hinzufügen. Der Unsinn, der damals auf den Versammlungen der rechtsradikalen Elemente — zunächst im Aufträge der ehemaligen kaiserlichen Generäle — als Versammlungs- und Werbereden zusammengebraut. wurde, ist unvorstellbar. Die Protokolle dieser Versammlungen der Jahre 1919—1922 sind teilweise erhalten geblieben. Wir dürfen wohl verallgemeinernd sagen, dass keine Lüge dumm genug sein kann, um nicht doch geglaubt, dass keine Verleumdung schamlos genug sein kann, um nicht doch von fanatischen Desperados akzeptiert und weitergetragen zu werden, und dass jede polil tische Parole begeistert aufgenommen wird, wenn nur die psychologischen Voraussetzungen bei den verzweifelten und deklassierten Volksteilen geschaffen worden sind. Die ewig Gestrigen sind nicht verschwunden. Sie sitzen überall, in allen Schichten und Klassen, in »llen Landstrichen, bei den Reichen wie bei den Armen, bei den Intellektuellen wie bei den Ungebildeten. Sie warten nur darauf, dass sie, die „damals” alles bestimmten, wieder zu Einfluss gelangen. Sie wollen nicht wahr haben, dass das tausendjährige Reich Schande über ihr Land gebracht hat. Deswegen träumen sie von dieser Vergangenheit und hoffen auf ihre Auferstehung. .. . Dass die Juden „anders” sind, wollen manche Juden nicht augeben. Es ist aber so. Die grosse Masse kommt wegen dieses „Ander-Seins” zur Ablehnung oder gar zur Verfolgung der Juden. Die Gedanken des Abgeordneten Schmid ragen aus dem Sumpf primitiven Fühlens heraus und stellen hohe Anforderungen Rn die demokratische Erziehung des Volkes. Aber abgesehen von dieser schönen Auffassung demokratischer Reife bleibt das Recht, das Recht zum Leben und zur Freiheit, das allen Menschen zusteht, auch allen Menschen in Deutschland, unabhängig von Glauben, Rasse, Farbe. In seinen weiteren Ausführungen setzte sich Dr. Schmid mit einer von einer jüdischen Persönlichkeit geäusserten Auffassung auseinander. Er sagte: „Ich glaube auch nicht, dass es gut war, dass eine bedeutende jüdische Persönlichkeit vor wenigen Tagen gesagt hat, solange Bundeskanzler Adenauer da sei, sei für die Juden nichts zu fürchten. Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Demokratie jn Deutsch- (SchlviM auf Seite I) Hammarskjold empfängt UN. — Einem offiziellen Empfang, den UN- Generalsekretär Hammarskjold zu Ehren Ben Gurions veranstaltete, wohnten ungefähr 45 Diplomaten und Mitglieder des UN-Sekretariats bei. Arkady Sobolew, der Chef der sowjetischen UN-Delegation, erschien nicht. Er hatte erklärt, er könne die Einladung nicht annehmen. Ebenso verhielt sich der Tunesier Mongi Slim, Mitglied der arabischen Delegation. Die Delegationschefs von Indien imd Ceylon waren nicht gekommen, weil sie sich gegenwärtig nicht in den USA befinden. .Der einzige Vertreter emes kommunistischen Landes war der Pole Hherzy Mirhalowski — (ITA)

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