Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1760 (11.3.1960)
- Date
- 1960-03-11
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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2 « .5 _ tí « tí E* * M o » e Una < O FRANQUEOPAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCID/ Concesión 1629 ISRAELITA Ano XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 11 DE MARZO DE 1960 No. 1760 EL EJEMPLAR en toda la República 3, Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? iiq. T. E. 83 . 2613 Suche in der falschen Richtung Nach fünfzehn Jahren ist kürzlich der Bundeskanzler, begleitet von drei Ministern seines Kabinetts, von denen zwei — Strams und Lemmer — die dem Letzteren innewohnenden Kontraste personifizieren, nach Bergen Belsen mit einer jüdischen Delegation gereist, um an den Gedenksteinen der Naziopfer die hier starben — star- » foen in unsäglicher Quai, in unsäglichem Elend, in unsäglicher Demütigung — Kränze niederzulegen. Diese Geste ist wohltuend, und keiner wird sich der Weihe dieser Stunde entziehen wollen. Selbst jene, die fragen, waium der Kanzler gerade jetzt das erste Mal von der Möglichkeit Gebrauch machte, den unsterblichen Opfern seinen Respekt zu erweisen, wollen sicherlich den Akt als solchen nicht verkleinern oder ihn gar als einen auf die Öffentlichkeit gerichteten Effekt abfun. Aber wir alle werden die nicht unberechtigte Frage stellen: Was nun? Wenn gar der Sprecher für die jüdische Delegation erklärte, dass die Juden, solange Konrad Adenauer Bundeskanzler sei, nichts in Deutschland zu fürchten hätten, so ergibt sich daraus eine sehr schwierige Problematik der Situation. der wir 3ns Gesicht schauen müssen. Der vor mehr als hundert Jahren gestorbene Dichter Jean Paul hat uns geraten, unsere Augen zum Sehen zu gebrauchen damit wir sie nicht später gebrauchen müssen, um zu weinen. — Wenn wir diesem Rat folgen, müssen wir feststellen, dass die Debatte um den kölner Zwischenfall, dem über 400 andere allein in Westdeutschland folgten, in die falsche Richtung gegangen ist. Da waren die, die die ganze Affäre den Kommunisten in die Schuhe schieben wollten, denen ich alles zutraue, ausser dass sie politisch idiotisch handein würden. Das Argument war, dass die Kommunisten diese antisemitischen Aktionen angezettelt hätten, um vor der Gipfelkonferenz die deutsche Bundesregierung zu von KURT R. GROSSMANN Kurl R. Grossmann war von 1926 bis 1933 Generalsekretär der Deutschen Liga für Menschenrechte; er hat im Aufträge grosser jüdischer Organisationen mehrmals Deutschland bereist und ist der Autor des Buches „Die unbesungenen Helden", welches Deutschen und anderen Europäern, die Juden in der Hitlerzeit geholfen haben, ein Denkmal setzl. kompromittieren. Würde vor. Der Ursprung ist zweisich aber die Bundesregiej fellos neonazistischer Natur, rung kompromittieren las sen? Gesetzt den Fall, die Kommunisten hätten eine solche Absicht gehabt, aber Bundesregierung, Länderregierungen und die Parlamente würden in den Monaten Februar. März, April Massnahmen der Selbstreinigung mit Verabschiedung von kompromittierten früheren Nazis getroffen haben, ein neues intensives Bildungsprogramm würde begonnen worden sein, sodass die Kommunisten „ihrer'1 Sache gewiss einen Bärendienst erwiesen ST;.. S»K rden hät- *4il)nformierte “.heit gehabt, r dem kölner c'nzugreifen, der wachen Zeitungen einer fun- Die Bi; ten, wie wissen, schon lanj,;? Zwischenfri als ihnen s demokratischen Deutschlands in dierten Artikelserie „strafrechtlich bedeutungsvolles” Material vorlegte, das „einfach” ignoriert wurde. Die zweite meines Erachtens ebenso irrige Version ist, dass diese Hakenkreuzschmierereien „zentral gelenkt” worden seien. Zentral gelenkt von Malmö, von Kairo oder vielleicht Schagrinla, dem mystischen Platz, von dem niemand weiss, ob und wo er sieh befindet, aber der der Phantasie einen weiten und gefälligen Spielraum lässt. Was sagt einer, der es wissen müsste, zu dieser Version? Senator Joachim Lipschitz aus Berlin, der im Schützengraben gegen die Kräfte des Gestern steht erklärte am 23. Januar 1960: „Was nun die Schmierereien und Gebäudeschändungen anbelangt, so liegen meines Erachtens drei Tatbestände einander überlagernd Massnahmen gegen Dürre Tel Aviv. — Bei einer Notstandssitzung der landwirtschaftlichen Kolonien wurde beschlossen, in einem Appell an die Regierung um Hilfe für die Zone zu ersuchen, deren Felder und Pflanzungen durch die anhaltende Dürre im Süden des Landes schwere Schäden erlitten haben. Die Sitzung wurde nach dem Rücktritt einer Sonderkommission einberufen, der e,s nicht gelungen war, Fonds für die notleidenden Kolonien aufzubringen. Die Delogierten >u 6«.r Konferenz gaben bekannt, dass das Unternehmen Mekorot die Wasserzufuhr eingestellt hat, weil Rechnungen für vorherige Lieferungen von den heimgesuchten Kolonien nicht beglichen werden konnten. Wie es heisst, ist auch die Lage der Beduinen im Negov kritisch, so dass sieben Scheichs der grössten Stänn io einen Hilferuf Unterzeichneten, der dem Akkevbauministerium zugeleitet wurde. Viele Beduinen beginnen, auf der Suche nach Weideland in den Norden zu zieh TT V) ausgelöst durch die Vorgänge m Köln, hinter denen dann die neonazistischen Gruppeben in anderen deutschen Städten nicht zuriiekstehen wollten. An eine einheitlich gelenkte zentrale Aktion glaube ich nicht und ruhle mich durch die bisherigen Personenfestnahmen hierin bestärkt. Sicherlich haben — gerade auch in Berlin — dann die Kommunisten mit im Trüben gefischt und die Chance, dem Ansehen der Bundesrepublik einen empfindlichen Schlag zuzufugen, wahrgenommen Schliesslich — und das mit zunehmender Zeit in wachendem Anteil _ hat sich das apolitische Rowdytum, insbesondere auch durch die Publizität dieser Vorkommnisse, angezogen gefühlt, so’ ich bei den letzten’ Schmierereien jn der Mehrj zahl nur noch an unpolitij sehe Rüpeleien und Trunkenheitsdelikte glaube Dass auch in diesen Fällen von Pohzeit Staatsanwaltschaft und Gerichten relativ scharf zugepackt wird, findet meine Billigung und erscheint mir notwendig. „Nur sollte man nicht etwa glauben, mit den hierbei zufällig erwischten Personen etwa ins Zentrum einer neonazistischen Untergrundbewegung getroffen zu haben. Bezeichnend ist auch, dass zumindest für Berlin — keiner der jugendlichen Tä- ^cr. die hei solchen Schändungen erwischt worden sind, als Mitglied einer rechtsradikalen Jugendorganisation überführt werden konnte.” Beide Versioen haben natürlich einen politischen Zweck. Sie würden Bundes¬ und Länderregierungen stark entlasten, deren Situation m. E. nicht so sehr durch die beschämenden Hakenkreuz- und Schimpfschmierereien gekennzeichnet ist, sondern durch das Faktum, dass sich so viele frühere Nazis a la Oberländer selbst in der engsten Adenauer-Familie befinden, worüber die Menschen draussen sehr viel besorgter sind, als über die Hakenkreuze an den Wänden der Synagoge in Köln. Das ist der Fall, selbst wenn diese Tatsache in den Berichten deutscher Vertretungen nicht so deutlich gesagt wird. Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt hat mit Recht gesagt, dass mon nicht die geringste Neigung haben solle, sich an den Dingen „vorbeizumo gelu” | Warum also ging die De- batte in der falschen Richtung? Nicht nur Geld, sondern auch zwölf Divisionen verderben den Charakter. Man hat das neue Deutschland mit dem Namen eines Mannes verbunden, so dass der Begriff Adenauer- Deutschland ein feststehender geworden ist, und viele geneigt sind, von Adenauer- Deutschen zu sprechen. Der Personenkult ist ein Erfolg der modernen Verkaufspropaganda, die wir z. B. in den USA tagtäglich erleben. Das führt dann zu der gefährlichen Vorstellung, das Schicksal der jüdischen Minderheit iu Deutschland von den* Wohl und Wehe eines einzelnen Mannes abhängig zu machen. Ich habe mehr°Zutrauen zu den vielen deutschen Menschen, die sich bemühen, mit den Neonazis fertigzuwerden, selbst wenn der Kanzler eines Tages die Führung der Nation in jüngere Hände legt. Wenn“ ich schon das Schicksal eines ganzen Volkes nur aus engster jüdischer Siebt betrachte, würde ich überzeugt sein, dass diese Minderheit in einem Willy Brandt — oder Carlo Sehmid — Deutschland genau sc gesichert ist wie in einem Adenauer-Deutschland. Die Entwicklung Deutschlands hat über das jüdi-tche Problem hinaus aber allgemein wichtige Aspekte, denn uns garantiert nur ein fortschrittliches, demokratisches, sozial und kulturell blühendes Deutschland den Frieden, der ihm von der westlichen Welt garantiert rein muss. Jene Kräfte aber die die Hakenkreuze an den Mauern jüdischer und katholischer Gotteshäuser schmunzelnd begrtissen und damit die demokratische Ordnung he-rausfordern, sind die Totengräber des neuer Deutschlands von morgen, die es schon einmal an den Abgrund gebracht haben, wo es an jenem 8. Mr I94S stand, als nach fast sechs Jahren die Kanonen schwiegen und die blutgetränkte Asche in den Vernichtungsöfen von Dachau bis Auschwitz langsam, nur langsam erkaltete. Damals hätte eine andere Flamme entzündet werden müssen, die stetig zn nähren die Pflicht der /ernntwortlichen ist. Diese Flamme hätte der Jugend Deutschlands die Vergangenheit als Gegenwartsaufgabe auf zeigen müssen. Es war nicht nur dieses Versäumnis, der Jugend die Waffe des Widerstands gegen die Kräfte des Gestern zu geoen, nicht die Butter, Schlagsahne und , Schnitzel, die den 1 fungor des Hauches -uihien «beiden Hunger nach dorn Geistigen verkümmern Hessen sondern dm* Erstaunliche war, dass die Gestrigen in alle möglich an wichtigen Positionen hinei.-ir'iukcen m d damit die Ruorientierung für die Ziucunft <o schw h* rig gestaltet urde. Die Ost- West bildeten dem •imk.-rgvui’.rt dieses giessen politische^ Dramas, ln dem d ° Halo:, Are*.zt> wahr¬ Die Konferenz von Dom Rom. — Die Internationale Konferenz gegen den Antisemitismus fciderte alle Völker und Regierungen in der Welt auf, alle; auszumerzen, was im Widerspruch zum Geist der Brüderlichkeit und Menschenwürde, seiner Gesetze und Erziehungssysteme steht. Sie verlangte Mussnahmen zur Unterbindung der den Rassenhass und die rassische Diskriminierung schürenden Propaganda, damit verhindert werde, dass „neuerlich der Flieden durch eine Ideologie bedroht wird, die die Welt in Blut getränkt hat.” Die Resolution wurde in der Schlussitzung der zweitägigen Konferenz angenommen, welche im Palazzo Venezia, der ehemaligen Residenz Mussolinis, stattfand. Delegierte aus 13 Ländern verurteilten die jüngste .Hakenkreuzepidemie”, die sie neonazistischen Elementen iu* Westdeutschland zuschrieben. Sie stellten fest, dass die antisemitische Propaganda „eine Bedrohung für alle friedliebenden Menschen darstellt.” Die Konferenz drückte ihre Besorgnis über die Ausdehnung der antisemitischen Ausbrüche in den Ländern aus, in denen Organisationen bestehen, die nach Nazimuster aufgezogen sind und durch die Mitarbeit von flüchtigen Hitleranhängern ausgebaut wurden. Die Nachtsitzung gestaltete sich durch den Zusammenstoss zwischen Guido Lopez, dem Vertreter der jüdischen Gemeinde von Mailand, und Vassily Kozlow, einem Mitglied der russischen Delegation, recht lebhaft. Kozlow legte gewisse Bemerkungen von Lopez als gegen die Sowjetunion gerichtete Angriffe aus. Der Führer der mailänder Juden äusserte, sowohl die Polen wie die Russen hätten den jüdischen Widerstandskämpfern im Warschauer Ghetto nicht geholfen, und in Osteuropa habe schon vor Hitler ein krankhafter Antisemitismus geherrscht, welcher von den heutigen Regierungen nicht ausgerottet worden sei. Er würdigte Russlands Anteil an Hitlers Vernichtung und betonte, der Kreml sei eine der ersten Regierungen gewesen, die Israel anerkannt haben, aber, so führte er aus, die Juden könnten nicht die antisemitische Welle vergessen, die mit dem Siansky-Prozess in der Tschechoslowakei begann und sich in Moskau mit der Verurteilung der jüdischen Aerzte fortsetzte. Lopez versicherte, er glaube an die Aufrichtigkeit der sowjetischen "delegierten, wenn sie sich dem Antisemitismus widersetzten, doch bleibe die Frage offen, ob die heutige antizionistische Position der USSR nicht als eine Form von Antisemitismus zu betrachten sei. Der russische Delegierte sprang von seinem Sitz auf, um dies abzuleugnen, und beschuldigte Lopez, ..Streitigkeiten unter den Delegierten” zu provozieren. UTA) lieh nur kb ene Arabesken sind. Jene, die um die deutsche! Seele rangen, befanden sich j sehr bald wieder in der Ver-.i teidigung. Diese Menschen , aber sind die wahren Patrioten des neuen Deutschlands, denn sie wollen die Kräfte des Bösen und des Gestern ein fiir allemal eliminieren, mit denen aus Gründen politischer Zweckmässigkeit lei• der zu billige Kompromisse se gemacht worden sind. Anscheinend gibt es zwei Meinungsbildungen — die Einen, die himmelhoch jauchzend alles, was die Bundesregierung tut und lässt, verteidigen, oder, wie der englische Verleger Mark Goulden. zu Tode betrübt in einem Brief an die „New York Times”, das Verlassen der Juden von Deutschland vorschlagen. Ich stehe in der Mate und plaidiere für. mehr Vertrauen zu d&n wirklichen deutschen Patrioten, sichtbare Aktionen der Selbstreinigung, intensivste Bildungs¬ und Umbildungsarbeiten, deren Notwendigkeit mir bei meinem letztem Besuch Deutschlands im Mai und Juni vorigen Jahres klar wurde, und last not least der Verzicht auf Erklärungen, die lediglich Propagandawert haben und nicht immer auf genauer Kenntnis der komplexen deutschen Probleme beruhen. Solche Erklärungen können nur verwirren, statt der Wahrheit ins Gesicht zu senauen. Ein grosser Staatsmann erklärte einmal ,.Die Wahrheit siegt.” In der Tat erscheint es mir vorteilhafter, unbequem mit der Wahrheit als bequem mit der Selbsttäuschung oder gar mit der Lii- |e zu leben. Beileidsbotschaft an den König von 4 Marokko 4 New York. — Der Jüdische Weltkongress hat an König Mohammed V. eine Botschaft gesandt, in der der Trauer über die Katastrophe von Agadir Ausdruck verliehen wird. Nachum Goldmann übersandte dem marokkanischen Halbmond eine Spende von 1.000 Dollar für die Opfer. In der Botschaft heisst es: „Die jüdischen Gemeinden in aller Welt sind vo-n der Tragödie tief erschüttert.” (ITA) Ulpan in London London. — Von der Kulturabteilung der Zionisti- Jsohen Organisation wurde in London ein Ulpan zum Hebräischlernen fiir jüdische Jugendliche eröffnet. (AWZ) Registro de la Propiedad Intelectual N? 624.070 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3114