Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1760 (11.3.1960)
- Date
- 1960-03-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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PUEYRREDON 2190 — 1* i*q* JúíJetHXiááJsAjGtjelUG, Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 11 DE MARZO DE 1960 No. 1760 Sowjetbotschafter stellt Fragen Jerusalem. — Der sowjetische Botschafter Michael Bodrow erschien aus eigenem Anlrieb im Aussenministerium. Dem Ministerium nahestehende Kreise versicherten die Unterhaltung zwischen Bodrow und Aussenminister Golda Meir habe sich um Routinefragen bewegt, doch glaubt man, dass der sowjetische Diplomat die Gelegenheit benutzt habe, um Aufklärung über die Reise Ben Gurions nach den USA und England zu erhalten.! Die Abendzeitungen berichteten, der russische Bot- 1 schafter habe die diplomatischen Aspekte der Reise des Ministerpräsidenten zur Sprache gebracht. Aus autorisierten Quellen verlautete, dass es Zweck des Besuches von Bodrow gewesen sei, die israelische Regierung um Unterstützung des Vorschlages zu ersuchen, die nächste Weltausstellung, die nach derjenigen in den USA stattfinden soll, in Moskau abzuhalten. (ITA) Boston. — Israels Ministerpräsident Ben Gurion erklärte bei seiner Ankunft im internationalen Flughafen, sein Land sehe vertrauensvoll der Zukunft entgegen, obzwar es sich der Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt,’voll bewusst sei." Er habe die Reise unternommen, so fügte er hinzu, um „alte Freunde wiederzuseben und vielleicht auch ein wenig zu arbeiten.” Beamte der Regierung und der Munizipalität, in den USA akkreditierte israelische Diplomaten, Vertreter der UN, sowie Führer der jüdischen Gemeinde von Boston begrüssten Ben Gurion, als er von seiner Gattin begleitet aus dem Flugzeug ausstieg. ..Vor 9 Jahren war ich das letzte Mal in den Staaten". äusserte Ben Gurion, „und ich bin glücklich, dieses Land wieder zu besuchen und alte Freundschaften auffrischen zu können. Der warme Empfang, der mir bei meinem letzten Aufenthalt im Jahre 1951 im ganzen Lande zuteil wurde, ist mir noch heute lebhaft in Erinnerung. Wir Israelis erwidern aufrichtig die Freundschaft, die uns Amerika entgegenbringt, und wir wissen die Bemühungen der Vereinigten Staaten um die Wahrung des Friedens, die Stärkung der Freiheit und die Förderung der Entwicklung anderer Länder vollauf zu schätzen.” „Ich bin sicher”, fuhr Ben Gurion fort, „dass wir heute ebenso wie in der Vergangenheit alle Schwierigkeiten meistern werden und ich glaube, dass der Fortschritt, den wir auf dem Gebiet des wirtschaftlichen und sozialen Aufbaus erzielen konnten,' nicht nur uns sondern der ganzen Zone des Mittelostens, zu der wir gehören, zugute kommen wird.” Strenge Sicherheitsniassnahmen wurden zum Schutz des Premierministers getroffen, der von Beamten des nordamerikanischen und israelischen Geheimdienstes begleitet wird. POLITISCHE GESPRAECHE Jerusalem. — Die israelischen Beobachter setzen ihre Hoffnungen auf die Unterhaltungen Ben Gurions mit USA-Beamten und sein Zusammentreffen mit MacMillan in London. Man nimmt an, dass Ben Gurion Gelegenheit haben wird, den westlichen Staatsmännern den Standpunkt Israels zu WIE ICH ES SEHE- CHANUKKA UND PURIM __ von JEHUDA GOTTHEIMER Purim ist ein sehr interessantes Fest des jüdischen Volkes. Es ist ein Fest das uns den typischen Charakter der Galutgeschichte beweist und ermahnt, niemals auf die falschen Propheten einer tristen Assimilation zu hören. Purim ist ein Freudenfest, aber auch ein Tag der Erinnerung und Mahnung, dass in jeder Generation ein Hasser aufstehen kann, der die Schleuder der Vernichtung gegen uns erhebt. Purim ist ein Freudenfest deswegen, weil es dem Haman darum nicht gelungen ist, seinen teuflischen Plan zur Ausführung zu bringen, weil ein Jude über das Schicksal seines Volkes wachte, und weil eine jüdische Frau, zu höchsten weltlichen Ehren gekommen, auf dem Königsthron Persiens ihrem Volke treu geblieben war. Die Megilla Ester, die Rolle Ester, ist ein dramatisch auf gebautes Erlebnis des jüdischen Volkes, wiedergegeben in einer lebendigen, überzeugenden, spannenden und weitgehend auch hinreissenden Form. Klar und eindringlich wird der Stoff berichtet, der schon frühzeitig Veranlassung gab, die Frage aufzuwerfen, ob es sich hier um eine wahre Episode aus der Vergangenheit des jüdischen Volkes handeln würde. Man wird heute kaum noch bestreiten, dass die Purimgeschichte einen Abschnitt unserer Galut-Gescliichte widerspiegelt, wie er sich um die Mitte des ersten Jahrtausends vor der üblichen Zeitrechnung ln Persien tatsächlich abgespielt hat. Die Debatten sind miissig. Niemals hätte sich ein Volksfest so lange im Bewusstsein ungezählter Generationen halten können, wenn es nicht auf Tatsachen beruhen würde. Sicherlich gehört dieser Abschitt in der älteren jüdischen Geschichte zu denen, über die wir sehr wenig Urkunden und Material besitzen. Das bedeutet aber nicht, dass die uns überlieferten Berichte unrichtig seien. Eines Tages wird man schon die Beweise finden, dass die Bibel auch hierbei Recht hat... Der Vorgang ist durchaus nicht kompliziert. Ein Antisemit prangert die Juden in Persien an, dass sie „anders” als die übrige Bevölkerung seien, dass sie fremden Gesetzen huldigen und die Vorschriften des Königs nicht achteten. Das ist die gleiche Melodie, die man zwei und ein halb Jahrtausende hindurch nach diesen Begebnissen i'n Susan immer wieder und wieder gehört hat. Deswegen ist Purim ein typisches Fest der Gaiut, weil es in knappen Strichen die historischen Geschehnisse von beinahe 2.500 Jahren vorwegnimmt. Mehr oder weniger waren die späteren Anklagen aller Antisemiten von dem griechischen Rhetorikern über Cicero zu den neuesten antijüdischen Hetzern stets auf den gleichen Verleumdungen aufgebaut. Jedenfalls haben sieh alle der gleichen Taktik bedient. Deswegen ist Haman der Vorläufer und der Prototyp aller Antisemiten geworden und gewesen. Die Purimgeschichte ist die Geschichte einer assimilierten Judenheit. Aus dem alten Palästina waren die Juden nach der Zerstörung des Tempels von dem Eroberer Nebukadnezar weggeführt worden. Viele von ihnen kehrten unter der Regierung des bedeutenden Perserkönigs Kyros, des Gründers des persischen Reiches, nach Palästina zurück. Die anderen, die in den persischen Provinzen blieben, lebten dort unangefochten, bis unter der Herrschaft des Xerxes (Ahasveros) der Antisemit Haman seine Ränke Araber erheben Protest Washington. — Das State Department versuchte einer Delegation von 10 Botschaftern der Arabischen Liga klarzumaehen, dass der Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Ben Gurion in Washington die jetzige Freundschaft der USA mit den Arabern nicht untergraben werde. Staatssekretär Christian Herter sprach 40 Minuten lang mit den arabischen Abgesandten, die ihrer Befürchtung Ausdruck verliehen, die Reise Ben Gurions könne den amerikanisch-arabischen Beziehungen schaden und statt privaten Charakter zu tragen, zur Erreichung politischer und anderer Ziele ausgenutzt werden. Die Araber führten an, die jüngsten Ereignisse würden beweisen, dass die israelische und zionistische Politik die Verschlechterung der arabisch-amerikanischen Beziehungen bezwecke. Wie es heisst, zeigten die Araber sich besorgt, dass die USA dem israelischen Verlangen nach Ankauf amerikanischer Waffen nachgeben könnten. Die Delegation setzte sich aus den Botschaftern der VAR, Irak, Libyen, Libanon, Jemen. Tunis, Marokko, Sudan, 7'rnrsjordnmen und Saudi Arabien zusammen. ClTA) der Mittelost-Lage auseinanderzusetzen, was am Vorabend der Gipfelkonferenz für äusserst wichtig erachtet wird, da die Nahostfragen möglicherweise bei der Tagung der vier Grossen zur Sprache kommen dürften. Ueber die gegen die USA gerichteten Drohungen aus Kaii'O, zu „Repressalien” zu greifen, weil Präsident Eisenhower den israelischen Ministerpräsidenten empfangen will bemerkten die Beobachter, diese Reaktion beweise nur wieder einmal die Grobheit und den Mangel an Taktgefühl des ägyptischen Diktators, der die internationalen Kontakte als „ausschliessliche Freundschaft” auffasse und normale und zivilisierte Beziehungen zwischen freien Völkern nicht verstehe. UNTERREDUNG MIT .. .. EISENHO WER Washington. — Der Pressechef des Weissen Hauses, James Haggerty, kündigte offiziell an, dass Präsident Eisenhower den israelischen Ministerpräsidenten am Donnerstag um 11 Uhr im Weissen Haus empfangen wird. Haggerty bezeichnete die Unterredung als eine „informelle Unterhaltung”. (ITA) schmiedete und einen Anschlag gegen das 'Leben und Eigentum aller Juden machte. Wie die meisten Antisemiten interessierte den Haman nicht nur die Vernichtung der jüdischen Leben, sondern mindestens in gleichem Masse der Raub des jüdischen Vermögens. Uebrigens können wir im Verlaufe der weiteren Purimgeschichte beobachten, wie der König den Juden eine Wiedergutmachung einräumt, — obwohl doch der Schaden in diesem Fall nur gedroht hatte, nicht aber wirklich eingetreten ist, — die weit über die Bestimmungen des heutigen Bundesentschädigungs - Gesetzes hinausgeht. In Persien war man also vor tausenden Jahren bei der Herstellung des Rechtes weit grosszügiger; vor allem machte man nicht den Fehler, den Haman und die Seinen, also die Nazis oder ihre Nachfolger, zu Richtern über die Entschädigungszahlungen zu machen, wie dies heute der Fall ist. Ester war ganz sicher eine Assimilantin. Sie war so stark ihrer Umgebung angepasst, dass der König garnicht wusste, dass es sich um eine jüdische Tochter handelte. Sicherheitshalber sagte sie es ihm auch nicht, bis sozusagen das Jahr 1933 über die persischen Juden ausbracht. Dann vollzog sich unter dem Einfluss des Mordechai die grosse Wandlung der Assimilierten, die mit ihrem stolzen Bekenntnis zrun Judentum begann und die mit dem erfolgreichen Einsatz der Königin für ihr Volk au einem glücklichen Ende geführt worden ist. Offenbar zögerte Ester anfangs. ihr Leben aufs Spiel LA CIENCIA Y EL EJERCITO Jerusalem. — El premifr Ben Gurion atribuyó gran parte del éxilo del desarrollo de las fuerzas armadas israelíes a la ciencia y la tecnología israelíes declarando que “la ciencia es un factor esencial en el futuro de Israel.” El premier habló en la primera sesión del Consejo nacional de investigación y desarrollo; que preside el profesor Israel Doslrovsky, quien es al mismo tiempo director del departamento de investigación atómica militar. El Dr. Dosirovsky expresó en su discurso que era necesario determinar prioridades en los gastos destinados a la investigación científica. Dijo que Israel debía mantener cierto equilibrio entre la investigación utilitaria y la puramente científica, en la cual no hay certeza de resultados prácticos inmediatos. SCHLOMO S. TANGER Die Forschung und das Heer Jerusalem. — Ministerpräsident Ben Gurion schrieb einen grossen Teil des Erfolges beim Aufbau der israelischen Streitkräfte der Wissenschaft und Technologie Israels zu und erklärte, dass „die Wissenschaft ein entscheidender Faktor für die Zukunft Israels” sei. Der Premierminister sprach bei der ersten Sitzung des Nationalrates für Forschung und Entwicklung, an dessen Spitze Prof. Israel Dostrowsky steht, welcher zu gleicher Zeit der Direktor der Abteilung für militärische Atomforschung ist. Dr. Dostrowsky verwies in seiner Ansprache darauf, dass es notwendig sei, die Prioritäten in den Ausgaben festzustellen, die für wissenschaftliche Forchung bestimmt sind. Er führte aus, Israel müsse ein gewisses Gleichgewicht zwischen der für nützliche Zwecke durchgeführten und der rein wissenschaftlichen Forschungsarbeit aufrecht erhalten, bei der nicht die Gewissheit besteht, sofortige praktische Resultate zu erzielen. SCHLOMO S. TANGER zu setzen, obwohl sie sich nicht weigerte, sondern ihren Oheim nur auf die Gefährlichkeit seines. Verlangens hinwies. Er aber sagte, was sich jeder Jude in der Welt von Geschlecht zu Geschlecht immer wieder ins Gedächtnis rufen sollte, von den Tagen des Mordechai an bis zum Ende unserer Galutgeschichte: „Bilde dir nicht ein, allein von alle« Judäern im Hause des Königs zu entkomme«.” — Wenn wir diese einfachen Worte in unsere heutige Sprache übersetzen, dann bedeutet dies, dass keine Form der Assimilation den Juden oder einen jüdischen Apostaten vor seinem jüdischen Schicksal bewahren wird. Die Richtigkeit dieser These und dieses uralten Satzes haben wir alle miterlebt... j Mordechai wird eindringlicher, damit nur kein Missverständnis zurückbleibt. Seine Sprache ist nicht diejenige eines Menschen, der von einer hoch gestellten Persönlichkeit etwas erbittet. Er spricht zur Ester als Jude, als jüdischer Patriarch, als ihr Oheim, der sie erzog, als die Autorität, die grösser ist als jede weltliche Autorität, als die geistige, die moralische, die nationale Autorität. Wohl gemerkt: mit keiner Silbe verlangt Mordechai, dass sich die Königin dem Gesetz des Staates widersetzt. Sie soll nur den Versuch machen, zum König zu gehen, obwohl sie nicht gerufen wird In diesem Fall gab es wie wir im Buch Ester erfahren — zwei Möglichkeiten: entweder streckte der König sein Szepter ihr entgegen, um ihr damit seine Gunst zu bezeugen, oder aber er lehnte ihren Besuch ab, was den Tod bedeutete oder bedeuten konnte. Mordechai verlangte also nichts Ungesetzliches, wohl aber ein gefährliches Unterfangen, das mit dem Tode der Ester hätte enden können. Mordechai wurde sehr deutlich. Er fühlte sich nicht nur in einer Art übergesetzlichen Notstandes oder in die Notwehr getrieben, die ihn zum Mut der Verzewiflung anspornte, um der — jüdischen — Königin ihre Pflichten ins Bewusstsein zu rufen. Er appellierte an ihr Gewissen und warnte sie zu- (SchluM auf Seite 2) Kuba und Israel Vereinte Nationen. — Israel wird nicht zu der von Kuba patronisierten Konferenz der unterentwickelten Nationen eingeladen werden, wie jetzt enthüllt wurde. Manuel Bisbe, der kubanische Delegierte vor den UN, teilte mit, die Konferenz werde im September stattfinden und die eingeladenen Länder seien die Lateinamerikas, Afrikas und Asiens mit gewissen Ausnahmen. Wie es heisst, ist die Angst vor dem arabischen Boykott der Grund, warum Israel nicht zur Teilnahme auf gef ordert werden soll. (ITA)