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Jüdische Wochenschau · 1960-03-04 · 1758 (4.3.1960) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1758 (4.3.1960)
Date
1960-03-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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* — Viernes, 4 d* Mano do 1960 LA SEMAIA ISMAELITA Año XXI. — No. vrm Eine Stimme aus dem Anderen Deutschland Selten begegnet man in den Schaukästen unseres Buch .andels „Lyrik-’. Dcch ist das nicht typisch für Israel. In der Welt geniesst die Lyrik auch heute noch Ruhm: nur ist der Kreis, der sie liest, denkbar klein. Besitzt Deutschland „grosse” Lyriker? Der Rahmen eines Zeitungsartikels ist zu eng bemessen, als dass man eine solche Frage beantworten könnte; es hiesse zunächst einmal feststellen, welches die Grösse lyrischer Aussage sei! Indessen: es gibt Zeiten, die der künstlerischen Gesinnung hold sind, in denen es ein Mäzenatentum gibt, das sie stützt, und es gibt Perioden, da man „vom Brot allein” zu leben wähnt, in denen die Kunst nur der Unterhaltung dient oder prunkvoller Tafelaufsatz ist, den sich eine spätrömische, plebejische Gesellschaft leistet. um sich selbstgefällig zu feiern. Für die deutsche Dichtkunst unserer Tage gilt wohl, dass es ihr an Wesensmitte fehlt. Ist Deutschland — im staatpolitischen Sinne' — heute zerrissen. sodass es nicht mehr möglich ist, seinen Standort zu bestimmen, so stehen neue Aengste im Europäer auf, dräuende, eminent gefährliche, ehe noch das schauerliche, das grauenvolle Gestern verwunden ist; wenn man auch die Narben mit Zivrlisationstaten des Wirtschaftswunders (eine andere Strafe Gottes!!), überpflastern möchte! Kurz, es gibt keine Lyrik die etwa eine neue Stilgesinnung, ebne neue Mission bedeutete, wie etwa der Erpressionismus nach dem ersten Weltkriege! Aber es gib* würdigen Nachklang, und Rudolt Havon Dr. CONRAD N. ROSENSTEIN gelstange ist in eine grc-se Schule gegangen Es ist eine Marotte und eine echt deutsche dazu, Künstler zu beargwöhnen, wenn sie keine „Originalgenies” sind. In Frankreich hat man sich niemals geniert, sich zu einer Fahne zu bekennen; sagen wir zu „Barbizon”. War eines Tages der Künstler aus „Barbizon” herausgewachsen, formte sich ein neues Blickfeld: tant mieux! Der intensive Anschluss an die Tradition diente jeder Artistik1 In Deutschland glaubte man allezeit, das „Neue . das „Niedagewesene"’ zeuge allein für künstlerisches Ingenium! Nietzsche, Wagner, ja auch Thomas Mann wollten vor allem „Eigene” sein, möglichst mit jedem Werk, — und vielleicht glückte es ihnen sogar. Liest man bei Hagelstange in seiner „Ballade vom verschütteter, Leben” (Inselverlag): die heimliche Spinne Norne, dit sich der. Daumen „hornig rieb”, so wird man natürlich aQ die „Couturière, Madame La Mort” von Rilke, in den Duineser Elegien, erinnert. „Der Zeitenbaum” ist ganz Rilke. „Klapp, sagte die Falle und hat sie.” Das ist Rilkesehe Diktion. Im Klang der Duineser Elegien schrieb Hagelstange: „Denn nichts ist ihr so fremd wie jene Mitte und jenes Mass der Kraft, die in sich ruht wie ein Gewicht —” Zuweilen tönt auch Goethe an. Wenn es etwa heisst: „Die rohe Macht entfällt den Fäusten / Euch locke es, Beständiges zu leisten.” (Venezianisches Credo, Inselbücherei). Ergötzt der „bläulich-gelbe Baldachin” über den Campanile seinen Sänger, so denkt man unwill- W [Apareció Un ‘Best Seller” Mundial el famoso y tan discutido libro de la "Sagan israelí" Y AEL DAY AN: "Nuevo Rostro en el Espejo* ► del que se vendieron un millón de ejemplares en los países de habla inglesa solamente. Precio 100.— rústico 130.— encuadernado Hagan sus pedidos por escrito o por teléfono [EDITORIAL CANDELABRO] '►Pastear 341 P. 3 A. —- * — a Tel. 47-0159 J kürlich an Nietzsches: „Die Tauben von San Marco seh’ ich wieder: still ist der Platz, Vormittag ruh darauf / ... Du stilles Himmelsdach, blaulieht von Seide...” In einigen Gedichten, die in das Inselbändchen „Jahrhundertmitte” aufgenommen wurden, begegnet man einer Erinnerung an Rilkes Liebeslied, (wenn auch auf einem anderen Instrument): „Ich bin der Hauch, der durch die Höhlung zieht / Der Spieler und das Spiel, der Leib der Flöte / Der Flöte Lied”. Zuweilen wandelt sich die Form in einen bänkelliederartigen Song, den wir von Klabund, Mehring, Brecht aus den zwanziger Jahren kennen. Ich meine den virtuosen: „Ich sah den Engel der Verkündigung.” Entwerten diese Vorbilder Hagelstanges Lyrik? Nicht im geringsten. Im Gegenteil! Sie zeugen für Tradition. (So. wiesie Brecht- Weill in der Beggar’s Opera vorgebildet fanden, oder bei François Villon.) Sie zeigen, wie es ihm glückte, den Anschluss zu finden, in einer Zeit, über die ein anderer Lyriker — Benn — nur zu schreiben, weise: „Ausdruckskrisen und Ausfälle von Erotik /Das ist der Mensch von heute / Das innere ein Vakuum.” Ja, Benn sieht schon den „zerbrochenen Raum”. Doch meine ich das nicht nur im Formalen, wenn ich vom „Anschluss” an Präfcrmiertes spreche. Im venezianischen Credo heisst es in einem Sonett: „Ihr ludet schreckliches Verbrechen auf Euch. Ihr habt / den Quell getrübt.”... Pädagogische Mahnung? Sicherlich! Mehr noch: grosse Erschütterung, der sich vor allem niemand entziehen wird, der die „Ballade vom verschütteten Leben” liest, jener sechs Männer an der Ostfront, die in einem Vorratsbunker durch einen Bombenwurf verschütte wurden. Vier gingen schauerlich zugrunde. Zwei, blödsinnige Wracks, einer erblindet, wurden nach Jahren, lebend, beinahe zufällilg, aus der Falle gezogen. Hagelstange ist vor einigen Jahren zur Prosa übergegan. gen> ohne deshalb der Lyrik entsagt zu haben. Da erschien hei Piper ein impressionistischer Reisebericht aus USA: „How do you like America?” Unter manchen Skizzen findet sich ein Besuch bei Ezra Pound, im Irrenhaus, wo ihm die amerikanische Justiz ein Asyl gönnte, um ihn wegen faschistischer Umtriebe während des Krieges vor dem elektrischen Stuhl zu retten! Angesichts dieser Tragikomödie stellt Hagelstande einige sehr kluge Fragen. Wie war es möglich, dass McCarthy Leute wegen nationaler Illoyalität vor Gericht schleppen liess, die zehn Jahre vorher, dieser Handlungen wegen, für national besonders loyal galten? Wie ist es möglich, dass der Faschist Franco zu einem „Beinahe-Demokrat” wird, den man ebenro schätzt, wie man ihn einstmals mied? Dialektik des Geschichtsprozesses? Können sich Faschisten entsühnen? Können gar Demokraten rechte Taugenichtse sein? Dass sie von einem Deutschen, einem Demokraten, einem Mitglied des PEN- Klubs gestellt werden, ehrt ihn. Er huscht eben nicht mit einer Handbe-vegung. vom Wirtschaftswunder saturiert, über das Vergangene hinweg... Im Tiefsten aber bleibt Hagelstange ein „Homo ludens”, wenn auch nachdenklicher Natur. So erschien jüngst ein Roman über den antiken Mythos des Paris. (Bei Hoffman und Campe), „Spielball der Götter”. Nun ist es freilich eines, ob man Lyrik schreibt, und ein ganz anderes, ob man Prosa vorzieht. Hagelstanges D.’ktion ist immer erlesen, aber in der Prosa mangelt ihr die Leichtigkeit. Er hätte — neben seinen Studien zu dem Buche — ständig Lucius Apuleius lesen sollen In der Lyrik ist es denkbar zu sagen: „Die Puppe die aus unserem Bauche spricivt, straft uns Lügen”, oder auch: Paris „badet in einem die Dor Jiltexeti^cke Afotijen Theaterkritiker Edmond Sée, der Seniorchef der Theaterkritiker und Präsident ihres Vereins in Frankreich, ist 84jährig in Paris gestorben. Seine eigenen Komödien 'wie „Les bre¬ bis” und „Un ami de jeunesse” waren grosse Erfolge, und die letzte wurde sogar in das Repertoire der Comédie-Française aufgenommen. kl der VAR verboten Die Filmzensur in Kairo hat die Filmverleiher Amerikas wissen lassen dass Thomas Mann stets gelungen! Die bestgeformten Partien dieses Romans sind bezeichnenderweise die Ausbrüche ins Lyrische. Die Liebe zum alten Hellas, zu Homers Ilias, die auch aus dem rühmlichen Album spricht, das Hagelstange mit Noack über Griechenland herausbrachte (im Rembrandt-Verlag), die sich auch in einigen bum-bukolisehen Reiseberichten niederschlug, feiert im „Spielball der Götter” ihr liebeswürdlges Fest. Immer wieder verträumt sich rer Dich.er gerne in der mediterranem Sphäre —, sei es Italien oder in der griechischen Inselwelt. Zuv eilen werden ihm sogar gr.echisch-katho) sehe Geistliche, auf dem Eselchen durch, die Dürre trabend, zu alten Hellenen!... Obwohl am Bodensee ganz und gar heimisch, ist es erfreulich, dass Rudolf Hägelstange wirklichen Weltkontakt hält und sich jene unbescht änkte Humanitas be wahrt die einst Raine’- Maria Rilkes Innenraum mit ihrer Wärme fr Ute. Streifen, die Marilyn Monroe oder Caroll Baker zeigen, die beide zum Judex», tum übergetreten sind, künftig auf dem Gebiet der Vereinigten Arabischen Rcpur blik verboten sind. Al» Grund wird die allgemeine Sicherheit des Landes angegeben. Zehnjähriges Jubiläum Rudolf Bing, Generalintendant der Metropolitan Oper in New York, ein gebürtiger Wiener, erhielt von der österreichischen Regierung das Grosse Silberne Ehrenzeichen für seine Verdiens'e um den kulturellen und musikalischen Austausch zwischen Oesterreich und den Vereinigten Staaten. Bing feiert das zehnjährige Jubiläum seiner Tätigkeit an der Metropolitan. Bischof Bell Amerikanische Juden haben durch den Joint eine Spende von 5.000 Dollar für den Bischof Bell Memorial Appeal gespendet, zur Erinnerung an Bischof Bell, der immer wieder versucht hat, das christliche Gewissen gegen die fürchterlichen Judenverfolgungen zu mobilisieren. Philatelisches Museum In Jerusalem wurde in Gegenwart vieler Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens das Philatelische Museum eröffnet. Hillel-F oundation Dr. Judah Shapiro, Direktor der Hillel-Foundation in den Vereinigten Staaten war in Australien, um dort die Möglichkeiten der Errichtung einer Hillel-Foundation zu prüfen. WIE LIEGEN DIE FEIERTAGE DES JUEDISCHEN JAHRES 5720 Donnerstag, den 10. März Sonntag, den 13. März Montag, den 11. April Dienstag, den 12. April Mittwoch, den 13 April Montag, den 18. April Dienstag, den 19. April Montag, den 2. Mai Sonntag, den 15. Mai Dienstag, den 31. Mai Mittwoch, den 1. Juni Donnerstag, den 2. Juni Dienstag, den 12. Juli Montag, den 1. August Dienstag, den 2. August Mittwoch, den 21. September Fasten Ester Purim Erew Pessach 1. Tag Pessach 2. Tag Pessach 7. Tag Pessach 8. Tag Pessach Jom Haazma’ut (•Unabhängigkeitstag Israels) Lag b’Omer Erew Schawuot 1. Tag Schawuot 2. Tag Schawuot 17. Tammus (Fasten) Erew Tischa b’Aw Tische b’Aw Erew Roach Haschana 5TS1 : Meer von Rosen ■nen inbegriffen”... In der jProsa empfindet man es als Fehlleistung. Hageistange macht die Liebe zum Gegen stand seiner Betrachtung. Dagegen ist nichts einzu wenden, das wird so sein, solange es eine Menschheit gibt; indessen „erleben” wir sie nicht genug, da er — im Gegensatz zu Hamsun, etwa, oder Giono — mehr darüber meditiert als sie uns in den Wirkungen zu demonstrie ren. j Ein Prinz von Troja halte! niemals die zwei Briefe schreiben können, die ihm , Hagelstange ins Ohr diktiert da er nicht über den Mythos „sann”, sondern ihn „weste”. Man kann Paris — Helena als Liebende darstellen, und es kann auch ein Roman sein, indessen: „über” die Liebe lässt sich nur ein Essay schreiben. Essays aber glücklich in den Roman einzuarbeiten, ist nicht einmal Unseren geliebten Kindern HARDI und EVA SWARSENSKY geb. LABOSCHIN unsere herzlichste Gratulation und Grüsse zu ihrer SILBERHOCHZEIT. CAECILIE SWARSENSKY geh. ELKAN OSKAR LABOSCHIN und Frau ROSA geb. LAQUER Gaspar Campos 2975 San Miguel FCNGSM Sucre 3063 Buenos Aires ROSEMARIE SCHWARTZ Dr. ERNESTO KOLODZINSKI V E R L O B T E Av. Lib. Gral San Martín 660, Acassuso San Juan 30. Villa Ballester Herr JULIUS SPRITZER feiert s. G. w. am 8. März 1960 seinen 70. GEBURTSTAG. Es gratulieren ihm herzlichst seine KINDER UND ENKEL Montevideo/Uruguay Paysandü 857 Am 12. März 1960 feiern wir s. G. w. hier in Israel mit unseren geliebten Eltern Dr. HARDI SWARSENSKY und Frau EVA geb. LABOSCHIN das Fest ihrer SILBERNEN HOCHZEIT. MIRYAM RUTH SWARSENSKY JUDITH AMELY SWARSENSKY Haifa Massada St. 22 Wir gratulieren unserem verehrten Chef und seiner Gattin, Herrn Dr. HARDI SWARSENSKY und Frau EVA geb. LABOSCHIN herzlichst zu ihrer SILBERNEN HOCHZEIT. Redaktion und Administration der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU

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