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Jüdische Wochenschau · 1960-02-26 · 1757 (26.2.1960) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1757 (26.2.1960)
Date
1960-02-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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Wallfahrt auf den Zionsberg "Während der strahlend schönen Herbsttage stand der Zionsberg in Jerusalem im .Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. In allen Zeitungen konnte man die schon stereotype Phrase lesen: „Tauserde zogen auf den Zionsberg, um dort vom Dache der Mizpe - Habajit- Synagoge auf die verwaiste Klagemauer zu blicken.” Das Religions - Ministerium, das eine besondere Abteilung für den Zionsberg unterhält, der sozusagen das „Lieblingskind” des Ministerialdirektors Dr. Cahane ist, gibt auch nach jeder Massenwallfahrt besonders schwungvolle Communiqués aus die den Redaktionen ins Haus geliefert werden, um die Veranstaltungen auf dem Zi onsberge, welche von den Ultraorthodoxen stets nur die ..Zeremonien der Zionisten” genannt werden, * ins rechte Licht zu rücken. Die meisten Berichterstatter begnügen sich auch mit diesen offiziellen Informa tionen, die mehr oder minder wörtlich abgedruckt werden. Die Zahl der Pilger bei Massen-Veranstaltungen ist selbstverständlich nicht genau zu eruieren, da es nach einem alten Reporterwitz nur eine wirklich zuverlässige Methode gibt: man zählt die Fusse der „Olej-Regel”, der Pilger, und dividiert die Zahl durch 2. Nun, d.ese „einfache Methode” bleibt ja wohl theoretisch. Die Frage, die mich aber zunächst bewegte, ist keine rein statistische: Ist in die Zahl der Pilger auch das Heer der Schnorrer mit eingerechnet, die sich wie ein Fliegenschwarm auf den Zionspüger stürzen, mit Büchsen rasselnd, „Quittungen” anbietend, den Hut hinhalvon SCHALOM BEN-CHORIN tend oder auch nur die offene Hand? Der alte Witz, dass ein Engel mit einei Streubüchse über die Welt flog, um so die Scnnorrer gleichmässig auf der Erde au verteilen, aber über Jerusalem einen „Panischer’' hatte, sodass sich gerade hier der Deckel von der Biicnse löste und alle Schnorrer auf einmal über Jerusalem niedergingen. kam mir wieder ins Gedächtnis. Offenbar ereignete sich diese seraphidusche Flugspanne über dem Zionsberg. Nun, es war am echten Heiligtum der Klagermuer nicht anders und diese SchnorrerpJage wurde auch auf das Ersatzheiligtum des Zionsbergs übertragen. Kaum ist man den Schnorrern entgangen, stürzen sich die Devotionalienhändier auf den Pilger. Andenken von geradezu überdimensionaler Geschmacklosigkeit werden hier feilgeboten. Unter Glas und Rahmen kann man „Por träts” des Königs David erwerben, der hier d:rekt von der Spielkarte abkonterfeit, ist und im profanen Leben als Herzkönig oder König- Caro zu fungieren beliebt. Aber das stört nicht. Unter dem Bilde steht jedenfalls, dass dies der König David sei, und ein Verkäufer vei sicherte mir die Authentizität des Bildnisses, das wirklich preiswert für — 1.500 IL gehandelt wird. Säckchen mit „garantiert heiliger” Erde sind mehr für Touristen gedacht. Sehr beliebt ist auch die Verbindung von Philatelie und Devotionalienhandel, und so werden hier auch Sonderstempel der Post vom Zions berge angeboten. Ich warne Markensammler: Kuverts mit demselben Stempel konnte man im Postamt auf dem Zionsberg für 0.400 II, erstehen, während man vor der Tür ein halbes Pfund zu zahlen hatte... Die Händler kaufen die Kuverts mit Sonderstempel einfach auf und bieten sie dann teurer an, ebenso wie es die Schwarzhänuler mit Kino-Karten vor den Kassen der L.chtspielhäuser zu tun pflegten bis die Polizei durchgirff. Das Zions-Postamt ist übrigens einzig i-n seiner Art. Im Postraum steht in silbernem Gehäuse eine orientalische T-> ra-Rjile, daneben ist das Gästebuch geöffnet, in welcnes man sich emtragen d:rf, kostenlos übrigens. In diesem Post- und Rastraum liegen auch zwei Bibeln zur Erbauung aut wobei es merkwindig anrr.utet, dass die hebiäische Bibel, der Tenaoh, gprade hier in der billigsten Ausgabe der Britischen B:cel-Ge0ellscnaft dargeboten wird, während die englische Ueb^rsetzung von der .Jewish Pubiication Society“ herrührt, also au Amerika kommt. Die Tora J-itetatiicke À'oihen tes „Che” von Cherut leuch tet aus dem Höllental zur Freiheit. Alle diese Parteien haben im Gej-Hinnom ihre Transparente angebracht. Mir schien angesichts der gräulich verfallenen Elendshütten dieses Slums die Danteske Höllenpfortenlosung angemessener: „Ihr, die ihr hier eintretet, lasset alle Hoffnung fahren.” Ich trat nicht ein (und im Gegensatz zu anderen Pilgern (siehe oben) nicht aus, sondern stieg auf den sehr guten Stufen zum Zionsberg empor, den Architekt Schönberger mit Zypressenanlagen wirkungsvoll entrümpelt hat, wobei man zugleich dafür Sorge trug, dass der christliche Friedhof schamhaft versteckt und dem Blick der Pilger entzogen wurde. Die „Stille über Zion”, von welcher der Psalmist spricht, wird durch Lautsprecher zerrissen, die das Trommelfell mehr als das Herz zu erschüttern vermögen. Heulende Derwische? Nein doch nicht: das ist ein«r der stimmstarken Chöre, die hier ihren Psalmengesang anstimmen, unterbrochen vom Donner der Scho farhörner. Ein Beamter des Zurückhaltung mit Autopsien Das israelische Gesundheits-Ministerium sandte ein Rundschreiben an alle Spitäler, sich entsprechend dem Anatomie- und Pathologiegeseta grösster Zurückhaltung bei Autopsien zu befleissigen. Ein Comité, das sich mit Untersuchungen über die Zahl der Autopsien befasst hatte, war der Auffassung, dass zuviel Autopsien stattgefunden hätten, in manchen Spitälern 33—75 % der Sterbefälle des Jahres 195«. Das Gesetz erlaubt Autopsien nur, um die Todesursache festzustellen oder um eine andere Person zu heilen. Erster Preis Der israelische Matrose Janetz Ramgal errang den ersten Preis des vom „Artist and Writers Club for the Merchant Marine” veranstalgeht hier offenbar nicht von I Religionsministeriums fragt BARBARA ABRAMZCYK TOMAS BLUMGRUND grüssen als VERMAEH1TE z. Zt. auf Reisen Buenos Aires, 20. Februar 1960 n" n BERNARDO ITZCOYICH und Frau MALKA geb. STERNLICHT VERMAEHLTE Die Trauung findet s. G. w. am Sonntag, den 6. März, um 18 Uhr in der Synagoge Achdus Jisroel in der Moldes 2449 statt. Buenos Aires, Washington 2162 dp. C WIE LIEGEN DIE FEIERTAGE DES JUEDISCHEN JAHRES 5720 Donnerstag, den 10. März Fasten Ester Sonntag, den 13. März Purim Montag, den 11. April Erew Pessach Dienstag, den 12. April 1. Tag Pessach Mittwoch, den 13 April 2. Tag Pessach Montag, den 18, April 7. Tag Pessach Dienstag, den 19. April 8. Tag Pessach Montag, den 2. Mai Jom Haazma’ut iUnabhängigkeitstag Israels) Sonntag, den 15. Mai Lag b’Omer Dienstag, den 31. Mai Erew Schawuot Mittwoch, den 1. Juni 1. Tag Schawuot Donnerstag, den 2. Juni 2. Tag Schawuot Dienstag, den 12. Juli 17. Tammus (Fasten) Montag, den 1. August Erew Tischa b’Aw Dienstag, den 2. August Tischa b’Aw Mittwoch, den 21. September Erew Rosch -Haschana 57*1 Zion aus. sondern von Lon don und New Volk und w,rd auf den Zior. nur irrmirtiert. Bedenkt man wieviel Lätm um die „Jerusalem-Bibeln” der Hebräischen 'Jni‘/ersitäi und des Druckers .¡der Nachdruckers Liphsc litz. gemacht wurde, so möchte man angesichts solcher Realität auf dem Zion mb Shakespeare von „Viel Lärm um Nichte” sprechen. Auch Pilger sind Menschen und haben ausser religiösen auch noch andere Bedürfnisse. Irgendwo soll denselben Rechnung getragen werden, höre ich, aber es hat sich noch nicht herumgesprochen. überall sieht man ungenierte Pilger, die vor allem Volke ihr Geschäft verrichten, was wohl der Heiligkeit des Ortes nicht entspricht und ihn mehr zu einem Oertchen de- : gradiert. j Die Heiligkeit des Ortes? i Ich habe mich über diese Frage mit einem wackeren Cherut - Jüngling unterhalten der mir eine Brandrede des Führers Begin in die Hand drückte, während ich andächtig nach Zion pilgerte. „Schämst du dich nicht, Wahlpropaganda an heiligem Orte zu treiben?”, fragte ich den stämmigen Burschen. „Wass Ort?”. gelchen traditionsgemäss mit einer Frage: „Das ist so sicher nicht, dass dies hier eine heilige Stätte ist”... Na ja, dachte ich mir, das stimmt nun wieder auch, aber immerhin ist es ein Platz der Andacht und des Gebetes und insofern doch wieder ein heiliger Ort. selbst wenn historisch nicht alles so seine hundertprozentige Richtigkeit haben mag... „Ganz recht hat der Herr”, mischte sich ein anderer Junge ein und überreichte mir ein Pamphlet der Agudat Israel, was sofort die Aktivität eines Jung-Misrachisten auslöste, der mir Propaganda-Material seiner Partei freigiebig z-ukommen liess. Ich stopfte alles in meine Ta »che und wallte weiter gen Zion. Rechts tat sich das Höllej.tal, das Gej- Hinnom, vor mir auf, und dort dominieren die Mapai, die Mapam und Achdut Awoda. aber auch ein vereinzelmich leicht verzweifelt, ob man solche Chöre denn zu Ausdruck in Ar Schluss an Si’-ü.tis „Taucher”- .Fis wallet i nd woget un 1 bro delt und zischt”.. A'les das tu’ es auch auf der. Z’cr.s berg 6C Prozent sind Orientalen. 20 Prozent sind Jerusalemer der mehr aschkenasichen Prägung, 15 Prozent | „Mutter sind Inlandstouristen und 5 Kinder” teten Preisausschreibens für seine Kurzgeschichte „Mein geliebter Hafen”, die ein Fischerdorf in Kreta schildert. 200 Marineschriftsteller au* 15 Ländern nahmen an dem Wettbewerb teil. Ramgal, der auf dem Pa*- sagierdampfer „Israel” fährt, war manches Jahr der Redakteur der Zeitung der israelischen Seemannsgewerkschaft „Hajamai Haisraeli”. Junger Archäologe Ein zwölfjähriger Knabe, der bei Akko an dem Platz vorbeiging, an welchem gerade ein Postgebäude errichtet wird, entdeckte eine Steintafel mit griechischen Inschriften aus der hellenistischen oder frührömischen Zeit. Es gelang ihm, die Tafel in gutem Zustand zu bergen; er benachrichtigte sofort die zuständige Abteilung des Ministeriums, das dem weiteren Graben und Bauen an dieser Stelle Einhalt gebot. An der Stelle wurden auch Töpfereien aus dem drit'en Jahrhundert v. d. g. Z. gefunden. einem Kongress für religiöse J Prozent Auslandstouristen. Musik zulassen könne? Ich i Die Schätzung ist natürlich antwortete ausweichend.! roh, aber auch die Besucher dass man diese Art Chor vielleicht besser bei griechischen Tragödien als „Chor der Rache” einsetzen sollte. Aber zählt man die Erynnien denn zu Minjen? — Das ist hier die ungelöste Frage, die ich gottlob nicht zu entscheiden habe. Man hat in letzter Zeit in Jerusalem oft und heftig die Frage der Reform-Gottesdienste diskutiert. Aber in diesen Gottesdienste sitzen Männer und Frauen zusammen, und das sollte doch nicht sein, meinen die Kritiker. Und nun sehe und stau- | ne man: in Anwesenheit von Papst und Gegenpast sozusagen, von Rom und Avignon, von Primas Nissim und Religionsminister Toledano wird das Hallel gebetet und werden die „Schemot” ange-ufen: „Haschern HU haelohim”, und all dies vor einer Gemeinde, in der Märner und Weiber bunt durcheinander stehen, junge Mädchen neben strammen Bachurim! Ein amerikanischer Tourist, der ein saftiges Jiddisch spricht, ist empört und wendet sich an einen Rabbi dos sind es grossen Teils, der. lei- Mutter Courage Zu der luzerner Erstaufführung von Bert Brcc ts Courage und ihre am Stadttheater wurde die Musik von Paul Dessau gegeben (es existiert eine neue für die amerikanische Version von Darius MiL haud). heisst hier heiliger;Religionsministeriums, aer antwortete das Jiin- ¡lakonisch antwortet- , Bai dem Budget”... Es -e:cht offenbar zur Trennung der Geschlechter nicht aus. Eine Mechiza, eine Scheidewand hier aufzubauen, ging über das Budget, das dem Zionswächter zugedacht ist. Während das Reformjudentum Männer und Frauen aus Prinzip gemeinsam beten lässt, wird auf dem Zior. nur aus Unordnung gemeinsam .gebetet, das ist also der kleine Unterschied. Der Amerikaner, der jiddisch spricht, kennt sich besser aus als ein offenbar christlicher Tourist, der an gesiebts des Oberrabbiners Nissam fragt: „Ist der ifldische Hohepriester verheiratet?” V ir erklären ihr-., dass er erheiratet ist una «ogar sein c bn für das Parlament kandidierte. Dem catholisene: Pilger geht das nieni sc ganz ein... Wer „wallet” eigentlich auf den Zion? Walten ist hier durchaus der richtige Einladung zur Subskription! 1 FLAVIUS JOSEPHUS Die jüdischen Altertümer (Uebersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr H. CLEMENTZ 1 Bde. Kl. 8?, 1, 646 Seiten,. 2 Tafeln. II. 724 Seiten und 2 Tafeln auf holzfr Papier, in Ganzleinen geb. DM 52.— Die „Jüdischen Altertümer” sind ein wichtiges Quellenwerk zur Erforsehun dei antiken Gescnichte und ganz Oesonders zur Erkenntnis des nachbiDlischen Judentums, seiner ooktischen Strömungen und religiöser Sekten sowie der Entstehung des Christentums. Die Funde am Toten Meer haben erneu1die Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit seiner Schilderungen bestätigt. Die Werke des Flavius Josephus sind daher für jeden, der sieh mit dem für uns wichtigsten Zeitabschnitt der ältere: Geschichte beschätigen will, unentbehrlich. JAKOB LEVY Chaldäiscbes Wörterbuch über die TARGUMIM und einen grossei Teil des rabbinischen Schrifttums 2 Teile in 1 Band. Le . 8?, VI. 429 + VIII, 595 Seiten tca. 2.048 Sparierü — Mit Nachträgen von Leberecht Fleischer — Unveränderter Neudruck der dritten Auflage — In Leinen geb und aut holzfr. Papier gedruckt. Subskriptionspreis DM 130.— Nach Erscheinen (15. Sept. 1959) DM 145 — Dieses seit Jah en vergriffene und gesuchte Wörterbuch ist das bis jetzt erschöpfende Werk zur Erschliessung der jüdischen Bibeiexegese. Früher erschienen: FLAVIUS JOSEPHUS Geschichte des jüdischen Krieges Uebersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. H. CLEMENTZ Kl. 8?, 695 Seiten, 2 Karten auf holzfr. Papier in Leinen geb. DM 25 — Joseph Melzer Verlag, Koeln MOZARTSTRASSE 13

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