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Jüdische Wochenschau · 1960-02-26 · 1757 (26.2.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1757 (26.2.1960)
Date
1960-02-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1’ i*q- ¿x Jetnatta J&ugjzUIg, Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 26 DE FEBRERO DE I960 No. 1757 erlitt ein neues Fiasko Jerusalem. — Das israelisch« Aussenminisletium bezeichnet« jetzt iormeil die jüngste Mission des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Dag Hammarskjöld, in Kairo als ein „Fiasko”. Hammarskjöld hatte versucht den Präsidenten der Vereinigten Arabischen Republik, General Gamal Abdel. Nasser davon zu überzeugen, dass er die von ihm gegen die israelische Schiffahrt durch den Suezkanal geübte Blockade aufheben müsse. Der erste offizielle Kommentar der Regierung erschien in einer Einleitung zu einer Broschüre, in der die Meinung der Weltpresse über die Fälle des dänischen Frachters Inge Toft und des griechischen Frachtdampfers Astypalea wiedergegeben wird. Beide Schiffe sind von den Aegyptern in Port Said aufgehalten worden, weil sie israelische Frachten an Bord führten. Die Inge Toft erhielt die Erlaubnis, nach neunmonatiger Beschlagnahme nach Haifa zurückzukehren, nachdem ihre Besitzer ihr Einverständnis erteilt hatten, die aus israelischem Zement und Pottasche bestehende Ladung zu löschen, welche von den Hafenbehörj den von Port Said konfisziert und verkauft wurde. Die Astypalea, die am 38. De- ' zember 1959 an der Weiter- ' fahrt gehindert wurde, liegt noch immer im Hafen von Port Said vor Anker. | Däs Aussenministerium erklärt in einem Vorwort, dass UN - Generalsekretär Hammarskjöld nach Kairo reiste, um die Freigabe der Inge Toit und die Freiheit der Durchfahrt durch der. Suezkanal für diesen Frachter zu erwirken. Aber „Hammarskjolds Mission bei Nasser war ein Fiasko.” Die Broschüre enthält ferner die erste öffentliche Erklärung in einer offiziellen israelischen Publikation, dass die Entsendung der Astypalea nach dem Suezkanal aufgrund eines zwischen Hammarskjöld und Nasser getroffenen Abkommens geschah, in dem es hiess, die Durchfahrt israelischer Frachten könne ohne Störungen vor sich geheh, wenn diese FOB geschickt werden, d. h. wenn die Ladedo- WIE ICH ES SEHE Nach Amerika geflüchtet von JEHUDA GÖTTHEIMER Adolphe Thiers, der grosse französische Staatsmann (gestorben 1877) erklärte einmal in einer Kammerrede: „Wenn der russische Koloss den einen Fuss auf. den Dardanellen, den anderen auf dem Sund hat, so wird die Welt Sklavin werden und die Freiheit nach Amerika flüchten”. — Politische Prophezeiungen sind immer Wagnisse. Jedoch dürfte wohl selten eine Voraussage in diesem Umfang eingetreten sein wie das hier zitierte Wort des genialen Thiers, von dem Wilhelm I. zu Manteuffel gesagt hat: „Dieser Mann ist eine wahre Sirene. Er ist so geschickt und so klug, dass mein Geist sich daran gewöhnt das Wort Republik, das mir bisher ein Greuel war, nicht weiter zu verabscheuen. Wenn er mir seine Unsterblichkeit in der Führung der Staatsgeschäfte verbürgen könnte, würde er mich zu einem Republikaner machen” ... Und Bismarck nannte ihn lächelnd Adolph I. Nur als bemerkenswerte Anekdote sei hier erzählt, dass dieser Mann, der mit solchem Weitblick die weltpolitische Konstellation über die Möglichkeiten einer Entwicklung mit ihren Folgen in wenigen Worten charakterisierte, spöttelnd den Plan von Eisenbahnbauten in Frankreich während der dreissiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts von sich wies, weil sie „ein Modespielzeug” seien, an das nach wenigen Jahren niemand mehr denken werde... Selbst ein Thiers konnte nicht voraussehen, dass seine Worte noch zu bescheiden waren, um den russischen Machtzuwachs und die gewaltige politische Bedeutung des ehemaligen Zarenreiches in seinen wirklichen Ausmassen zu beschreiben. Thiers’ Auffassung ist aus vielen Gründen für eine Beurteilung der jetzigen Lage interessant, nicht allein etwa deshalb, weil die Voraussage eingetroffen' ist. Tausendfach sind die Unterschiede, die zwischen der Welt des bürgerlichen neun- Dreier-Erklaerung ist in Kraft Paris. — Ein Sprecher der französischen Regierung erklärte, die Dreier-Erklärung vom Jahre 1950, welche j die Grenzen im Mittelosten gegen jede gewaltsame Aenderung garantiert, bleibe trotz der gegenteiligen Behauptung Nassers weiter in Kraft. In seiner jüngsten Rede in Damaskus sagte Nasser: „Ich erkläre im Namen des arabischen Volkes, dass diese Deklaration in der Erde und dem Blut von Port Said gestorben und begraben ist.” Dies bezieht sich auf die Schlacht, welche 1956 während der Sinai-Operation stattfand, als die englischen Truppen die Stadt besetzten. Der Sprecher Frankreichs führte aus, dass Nasser, der nicht zu den Unterzeichnern dieses Abkommens gehört, nicht über dessen Gültigkeit bestimmen könne. Nasser machte, wie man annimmt, seine Erklärung in Entgegnung auf die Aeusserungen Selwyn Lloyds, des britischen Aussenministers, der in der vorigen "Woche im Unterhaus feststellte, die Mächte, die diese Dekla- ration Unterzeichneten, hätten seit dem Jahre 1956 wiederholt den Standpunkt vertreten, dass diese ihre Gültigkeit beibehält. (ITA) zehnten Jahrhunderts und unserer Gegenwart bestehen. Aber nirgends tritt diese Unterschiedlichkeit mit dieser Klarheit in Erscheinung wie am Beispiel Russlands. Und doch blieb Thiers’ Wort Wahrheit und wurde Wirklichkeit. Die gewaltige Revolution des November 1917> die in ihren Folgen und Auswirkungen nur mit der Französischen Revolution verglichen werden kann, — und wahrscheinlich diese noch übertrifft, — hat die russischen Verhältnisse von Grund auf gewandelt. Das Zarentum wurde weggefegt. Die unterdrückten Stände, vor allem die Leibeigenen, wurden — bis zu einem gewissen Grade — befreit und durften an den Segnungen der Kultur Anteil nehmen, was man trotz aller tjnierdrückungsmassnahmen gegen die Bevölkerung in der Sowjetunion, trotz Tscheka und Geheimpolizei, trotz Terror und Deportationen, nicht in Abrede stellen kann. Aus einem Land der Analphabeten wurde dasjenige Land auf der Erde, in dem Wissenschaft und Technik mehr als anderswo entwikkelt wurden, und das sich sogar anschickt, den Amerikanern den Rang abzulaufen! Bei aller Skepsis gegenüber den russischen Informationen und bei aller Ablehnung der russischen Regierungs-Methoden und ihren wirtschaftlichen Praktiken werden wir zugeben müssen, dass der technischen und wissenschaftlichen Erziehung der Jugend kaum in einem anderen Lande so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird wie in Russland. Dass dieses grosse Erziehungsprogr nnm im Dienste einer politischen Aufgabe steht, deren letztes Ziel die : Bolschewisierung der Weit ist, ander: nichts an dem Bemühen, das Niveau des ■ Volkes zu heben, seinen geistigen Horizont zu kumente auf den Namen des Käufers lauten. In der Einleitung der erwähnten Broschüre wird darauf verwiesen, dass bei Entsendung der Astypalea alle Einzelheiten des zwischen dem Generalsekretär der Vereinten Nationen und dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Republik getroffenen Uebereinkommens „peinlichst beobachtet worden rind, und dass die ägyptischen Behörden „trotzdem den griechischen Frachter aufgehalten und ihn daran gehindert haben, seine Fahrt fortzusetzen.” (ITA) Arabische i ■ Drohung UN. — Die VAR machte davon Mitteilung, dass „eine provokative Situation.” in der entmilitarisierten Zone zwischen Israel und Syrien im Süden des Tiberias-Sees herrsche. Rafik Asha, zweiter Chef der VAR-Delegation, erklärte, seine Regierung „reserviere sich das Recht, wenn nötig die frühere Lage wiederherzustellen.” Der VAR . Delegierte verweist in seinem Schreiben an den Sicherheitsrat auf den Entscheid der gemischten syrisch-israelischen Waffenstillstands- Kommission, die Israel wegen des Angriffs auf das Dorf Twafik verurteilt hat. (ITA) erweitern und aus den Ni derungen der Unwissenhe hervorzustmgen, in dene dasselbe Volk von seine zaristischen Herrschern g, halten odsr niedergedriicl wurde. Was Thiers ferner nicl vorausahnen konnte, war d: ungeheure Umgestaltung dt russischen Le Jens, die ii Zuge der Revolution eintia Hierfür seien nur einige Zi fern genannt, die John Gur ther in seinem 'enireiche Buch „Russland Von Inner mitteilt. Die Stadtbevölki run.gs wuchs gegenüber dei Jahre 1940 aufs Dreifach Das Land hat nicht wenig« Beziehungen mit Bonn Jerusalem. — Aus Quel len des Aussenministeri ums verlautete, dass di< Israel-Mission yi Köli im vorhinein informier wurde, dass Bundeskanz ler Adenauer die Frag« der diplomatischen Bezie hungen mit Israel in de; nächsten Sitzung de: Kabinetts zu Sprache zi bringen plane. Es wird darauf verwie sen, dass Dr. Felix Shi nar, der Chef der Israel Mission in Deutschland hier unerwartet zu Be rprechungen mit der Re gierung eingetroffen ist (ITA) Jerusalem. — La superficie cultivada de algodón tm las aldeas árabes de la Galilea, será ampliada romo consecuencia de los buenos resultados óbleme)os pos las estaciones experimentales, que investigan el cultivo del algodón en la zona. Las plantaciones de algodón en esa región pertenece» a la cooperativa agrícola judeo-árabe Ai Cuíun’, afiliada a la Histadrut. Los agricultores árabes poco familiarizados con el algodón y demás cultivos industriales, tales como la remolacha dulce y el maní, vacilaron al comienzo sobre si cultivar ° no esas, plantas. Pe'ro luego, gracias al éxito obtenido en otras regiones y a) estimulo y la ayuda aportada por la cooperativa Al Culun”, y por el Ministerio de Agricultura. Jos agricultores árabes de la Galilea aceptaron el año pasado cultivar el algodón a título de ensayo. Aparentemente los resultados fueron a su gusto, y no sólo han decidido aumentar la superíicie cultivada de algodón, sino que introducen en sus campos otros cultivos industriales. La cooperativa “Al Culun” emplea las maquinarias agrícolas más modernas. SCHLOMO S. TANGER Araber pflanzen Bau mvvölle Jerusalem. — Die mit Baumwolle bebaut« Fläche in den arabischen Dörfern Galiläas wird erweitert werden, nachdem die Versuchsstationen, di« die Baumwollanpflanzung in der Zone prüfen, gute Resultate erzielt haben. Die Baurmvollpflanzungen in dieser Gegend gehören der jüdisch-arabischen Landwirtschafts-Kooperative ,.A1 Cutun”, die der Histadrut angeschlossen ist. Die arabischen Landwirte, die mit der Baumwolle und anderen industriellen Anpflanzungen wie Zuckerrüben und Erdnüsse wenig vertraut sind, schwankten anfangs, ob sie diese Pflanzen setzen sollten oder nicht. Aber die arabischen Landwirte Galiläas zeigten sich im vorigen Jahr dank des in anderen Regionen erzielten Erfolges und der von der Kooperative „AI Cutun” und dem Ackerbauministerium geleisteten Unterstii-tz.ug willens, versuchsweise Baumwolle anzupflanzen. Anscheinend waren die Ergebnisse nach ihrem Geschmack, und sie haben sich nicht nur entschlossen, die mit Baumwolle bebaute Fläche zu erweitern, sondern sie haben auch auf ihren Feldern andere industrielle Pflanzen angebaut. Die Kooperative „Al Cutun” benutzt die modernsten Ackerbaumaschinen. SCHLOMO S. TANGER als 135 Städte mit über 100.000 Einwohnern, die USA dagegen nur 106. Die Anzahl der Schullehrer beträgt in Russland 1.811.000 gegenüber rund 1.300.000 in den USA. Seit dem Beginn des Sowjetregimes haben in Russland über 100 Millionen Menschen lesen und schreiben gelernt. Die Regierung hat ihr Programm erfüllt, der gesamten Bevölkerung Schulbildung zu gewähren. Es gibt 213.000 Schulen in Russland, in denen jn über 60 Sprachen unterrichtet wird. In der Republik Tadschikistan gab es 1919 sieben Schulen mit 124 Schülern. Heute hat Tadschikistan 2.500 Schulen mit 350.000 Schülern. In Usbekistan konnten vor 40 Jahren nur 2 Prozent der Bevölkerung lesen und schreiben. Heute kommen auf je 10.000 Einwohner 81 Absolventen höherer Schulen, ein Prozentsatz, der doppelt so hoch ist wie in Frankreich (!) und siebenmal so hoch wie in der Türkei. Dass Thiers voraussah, welche Entwicklung Russland nehmen könnte und welche Folgen hieraus erwachsen, ohne die gewaltige Wandlung des Riesenreiches und ohne die Systemänderung zu ahnen, deutet daraufhin, dass im Zarenreich dieselben dynamischen Kräfte am Werke waren, die sich jetzt in der Sowjetunion entfalten. Die Grundelemente der russischen Politik sind die gleichen geblieben. Das geschichtliche Gesetz, das sich in der russischen Entwicklung offenbart, ist eben von äusseren Faktoren so weit unabhängig, dass selbst die Beseitigung des Analphabetentums und die allgemeine Hebung des Lebensstandards hieran nichts zu beeinflussen vermochten. Diese Tatsache ist bemerkenswert und erklärt, warum ein weitblickender Staatsmann vom Format eines Thiers Prognosen zu stellen in der Lage war, die sich Jahrzehnte danach als vollkommen zutreffend erwiesen. Die Welt wäre zur Sklavin geworden, wie sich Thiers ausdrückt, wenn die bolschewistische Revolution nicht das Antlitz des russischen Volkes verändert hätte. Denn die für Russland und seinen aussenpolitischen Expansionismus charakteristischen Merkmale gaben der Haltung der zaristischen Regierungen die gleiche Richtung, die von den sowjetischen Machthabern konsequent fortgesetzt wurde. Das kann man in allen Einzelheiten der russischen Aussenpolitik beobachten. Noch heute finden wir dieselben Tendenzen und Ziele z. B. in der russischen Politik gegenüber der Türkei oder im Mittleren Osten, die von den Zaren seit Jahrhunderten erstrebt worden sind. Eine genaue Analyse würde beweisen, dass sich selbst die Mittel wenig verändert haben, die von den jeweiligen russischen Machthabern zur Anwendung gebracht wurden. Wenn aber, wie Thiers sagte, die Welt zur Sklavin wird, dann flieht die Freiheit nach Amerika. Das bedeutet, dass schon Thiers der ^Meinung war, Europa würde dem russischen Druck und der russischen Machteni-faltung nicht standhalten können. Tatsächlich hat der ms- <Sehlut* auf Seit« 9) An unsere Leser Hierdurch machen wir unsere Leser darauf aufmerksam, dass die Jüdi sehe Wochenschau wegen der bürgerlichen Feiertage in der nächsten Woche erst am Freitag, den 4. März, erscheinen kann. Wir bitten unsere Leser, hiervon freundlichst Kenntnis nehmen zu wollen.

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