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Jüdische Wochenschau · 1960-02-23 · 1756 (23.2.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1756 (23.2.1960)
Date
1960-02-23
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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9 * íh FRANQUEO PAGADO Concesión 908 s SS w u Q> < V TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 BUENOS AIRES, MARTES 23 DE FEBRERO DE 1960 No. 1756 ISRAELITA EL EJEMPLAR« en toda la República |j Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1« la* T. E. 83 . 2613 ssem geht zum Als Nasser den Nil-Vertrag mit dem Sudan unter- KEIN „ KRIEGSZUSTAND " London. — Aussenminister Selwyn Lloyd erklärle im Unterhaus, dass Grossbritannien die Behauptung der Vereinten Arabischen Republik, es herrsche zwischen der VAR und Israel der Kriegszustand, nicht anerkennt. Auch Israel hat schon früher diese Thefee Kairos zurückgewiesen. Wiederholt hat sieh Aegypten darauf berufen, dass ea ein Recht darauf besitze, die sogenannten Kriegsrechte auszuüben, weil zwischen ihm und dem jüdischen Staat ein „dauernder Kriegszustand herrscht.” Führende Mitglieder der Labour-Opposition richteten schriftlich die Frage an die Regierung, ob sie die Ansprüche auf den „Kriegszustand”, welche Aegypten geltend macht, anerkennt, oder ob sie den Standpunkt einnimmit, dass die Dreier-Erklärung vom Jahre 1950, die damals von Grossbritannien, Frankreich und den Vereinigten Staaten abgegeben wurde, heute noch gültig ist. Diese Deklaration garantierte die Grenzen Israels und der ihm benachbarten arabischen Staaten. Selwyn Lloyd bezog sich auf die Dreier-Erklärung und enthüllte, dass die drei Unterzeichneten Westmächte nach der Bildung der VAR über den Fortbestand dieser Abmachungen Beratungen pflegten. Er betonte, dass diese Regierungen „zu der Ansicht gelangt seien, die Dreier-Erklärung bleibe als politische Deklaration bestehen.” Grossbritannien allerdings, so fügte Lloyd hinzu, kön> ne von der VAR nicht verlangen, sie solle von der Behauptung Abstand nehmen, dass sie sich mit Israel im Kriegszustand befinde, denn ein solches Ansinnen würde bedeuten, ,das Vorhandensein eines Kriegszustandes zuzugeben”. Offiziell bestehe ein solcher Zustand für Grossbritannien nicht. Der Aussenminister führte aus, dass eine jede Regierung, die darauf Anspruch erhebt, als Folge der Existenz eines Kriegszustandes Kriegsrechte auszuüben, dieses Recht als eine juristische Frage klären müsste: der Fall, der Regierung Israels oder der Regierung der VAR dieses Recht ei,nzuräumen, „habe sich bisher nicht ergeben.” <1TA) zeichnete, der wichtige Konzessionen an den Standpunkt der Regierung von Karthum enthielt, rätselten viele Beobachter, warum Nasser sich zu diesem Nachgeben bereit erklärt batte. Die einen waren der Auffassung, dass Nasser ganz allgemein seine imperialistischen Pläne aufgegeben habe und sich der wirtschaftlichen Förderung der VAR widmen wolle. Der Bau des Assuan - Dammes wird heute in Kairo als das Zaubermittel im Kampf gegen Hunger und für Steigerung des Lebensstandards in Aegypten angesehen, und Nasser billigte den Sudanesen 25 Prozent des Nilwassers zu. nur um möglichst ungestört seinen Damm bauen zu können. Andere Kommentatoren Vertraten die Meinung, Nasser habe sich mit dem Sudan geeinigt, um die Hand für andere politische Aktionen frei zu bekomen. Er wollte erreichen, dass die Reform-Arbeit Amrs in Syrien nicht gestört werde und wellte — nach der Darstellung der zweiten Gruppe von Beobachtern — von Syrien aus den Druck auf den Irak verstärken. Diese Annahmen hatten Neue Propaganda- Büros London. — Die Arabische Liga beabsichtigt, in den Hauptstädten Rom, Tokio, London und Stockholm Büros zu öffnen, die die „arabische Sache verteidigen" und der „israelischen Propaganda entgegenwirken” sollen. (AWZ) Nasser schreibt Memoiren London. — Präsident Nasser schreibt zur Zeit seine „Memoiren aus dem Suez- Krieg”. Wie eine kairoer Zeitung meldete, sollen die Memoiren im kommenden Frühjahr veröffentlicht ur.d in mehrere Sprachen übersetzt werden. (AWZ) einiges für sich. Amr hat in Syrien mit grössten Schwierigkeiten zu kämpfen. Vor einiger Zeit fanden in Syrien die Wahlen zu den Ortsstellen der „Nationalen Union”, der Einheitspartei der VAR statt, und das Auffällige bei diesen Wahlen war die Ausschaltung der Kandidaten der Baat-Partei, deren Führer Haurani und Bitar seinerzeit die Promotoren des Anschlusses von Syrien an Kairo gewesen waren. Obwohl diese Wahlen unter grosser Beteiligung der Bevölkerung vor sieh gegangen waren, musste Amr jetzt Dekrete über die Gründung und Tätigkeit der „Nationalen Union” erlassen — als ob man von vorn anfangen müsse. Es zeigt sich, dass die Wahlen keine wirkliche Bedeutung hatten, und dass Nassers Staatspartei bisher in Syrien nur auf dem Papier blieb. Während Amr mit den innerpolitischen Problemen Syriens zu ringen hatte, waren die aussenpoli tischen Agenten Nassers i,n verschiedenen Hauptstädten eifrig tätig und versuchten, ausländische Diplomaten zu überzeugen, dass eine Intervention im Irak unvermeidlich sei. Sie wiesen darauf hin, dass das Regime Kassem sich nicht halten werde. Eine kommunistische Revolution und ein Chaos könnten nur durch eine Einmischung der VAR oder durch kombiniertes Vorgehen mehrerer arabischer Staaten (VAR, Saudi Arabien und Transjordanien) verhindert werden. Die Emissäre Nassers baten Aussenminister und Diplomaten, auf Israel einen Druck auszuüben, um es von einer Intervention seinerseits abzubringen- Die entsprechenden Erklärungen Ben Gurions — auch im Interview mit dem Korrespondenten der londoner „Times” — hatten in Kairo grösste Erregung hervorgerufen. Erinnern sich doch alle politischen Kreise in Kairo und Amman daran, dass die — damals noch hasehemitisc-hen — Truppen des Irak vom Einmarsch in Transjordanien Abstand genommen hatten, weil Ben Gurion dringend vor diesem Schritt gewarnt und sich auf „Hand, lungsfreiheit” berufen hatte. Auch zu jener Zeit hatten die Araber sich gerühmt, dass sie Israel innerhalb von 24 Stunden vernichten würden, — de facto hatten die Iraker alles getan, um den Israelis nicht zu nahe zu kommen. BOTSCHAFT AUS BAGDAD ln dieser Situation hielt es Kassem für richtig, zum Gegenangriff nberzugehen. Er trat offen gegen die Vereinigung Syriens mit Aegypten auf und empfahl statt dessen die . Union Irak-Syrien, die dem „Willen def Völker” entspreche und „natürlicher” sei. Der Gedanke einer Vereinigung zwischen dem Irak und Syrien ist nicht neu, er stammt von dem inzwischen ermordeten Erzfeind Kassems, Nuri Said. Daher versuchte Kassem sieh auch zu rechtfertigen, indem er erklärte, einst sei die Vereinigung ein „imperialistisches Programm” gewesen, heute jedoch entspräche sie dem Willen der Völker. Nuri Said hatte seinen Plan „Gross-Syrien” genannt und im Jahre 1943 dem britischen Staatsminister für den Orient in Kairo Richard Casey (heute australischer Aussenminister) eine Denkschrift zur Regelung der politischen Verhältnisse im Orient nach dem Kriege vorgelegt. Er empfahl die Bildung eines neuen Staates unter Einschluss von Irak, Syrien, Transjordanien und Palästina. Dabei' sollten die Juden in Palästina im Rahmen seines Gross-Reiches Bezirks-Autonomie bekommen. Gewisse Kreise in der britischen Regierung sprachen sich für Nuris Plan aus. Später setzte sich jedoch die Richtung in London durch, die für Einschaltung Aegyptens in die arabische Politik war, und so kam es statt zur Gründung von Gross-Syrien zur Schaffung der Arabischen Liga unter ägyptischer Führung. Nuri Said batte sich bei der Ausarbeitung seines Vorschlages von der Idee leiten lassen, dass König Feisal, der 1920 von den Franzosen aus Damaskus vertrieben worden war, wieder nach Syrien zurückkehren sollte. Aber es war nicht der Glanz der haschemitischen Dynastie allein, der ihn interessierte. Er wollte Iraks wirtschaftliche Entwicklung durch Erreichung eines direkten Zugangs zum Mittelmeer beschleunigen, da er sah, dass der Irak mit seinem einzigen Hafen Basra auf der Rückseite des Weltverkehrs liegt. Aehnliche Momente sind heute für Kassem massgebend, der durch eine Union mit Syrien u. a. auch die Oelleitungen unter seine Kontrolle bringen will. Heute sind die Oelleitungen aus dem Ix-ak zum Mittelmeer von der Gnade Nassers abhängig, und der Irak musste durch die Sprengung der Leitungen in den Tagen der Sinai-Aktion grosse Vex-luste hinnehmen. Diesem Zustand will Kassem ein Ende machen, und er will den gesamten Weg des Oels von der Quelle zum Verschiffungshafen kontrollieren. Die Schwierigkeiten Nassers in Syrien sind Kassem natürlich wohl bekannt, und so glaubte ex-, dass der Zeitpunkt für einen Appell an unzufriedene Syrer mehr als günstig sei. In seine Erklärung zur Frage der Vereinigung mit Syrien flocht er auch scharfe anti-israelische Wendungen ein, um sich bei radikal-nationalistischen arabischen Kreisen entsprechend atodecken zu können. Kairo reagierte auf Kassems Ausführungen äusserst nervös. Der Kommentator des ägyptischen Senders erklärte. Kassem sei „ein kranker Mann, dem offensichtlich die Nerven durchgegangen sind.” Für den Moment ist Kairo in die Defensive gedrängt, und Kassem tritt als der Angreifer auf, Die Frage ist, wie lange er diese Position halten kann und oh sein Appell auf Vereinigung mit Syrien in Damaskus wirklich irgendwelchen Anklang finden wird. Es ist kaum anzunehmen, dass in nächster Zeit in Syrien eine so starke Bewegung entstehen wird, die etwa Nasser von dort verdrängen könnte. Dagegen könnte Kassems Gegenangriff dazu beitragen, den Druck auf seinen Staat zu mildern und seine Nachbarn von Interventionsplänen abzubringen. Dieses Ziel wollte er wohl mit seiner Gegenoffensive erreichen, und für die nächste Zeit ist mit Aen- 'derung des unsicheren Status quo in Bagdad kaum zu rechnen. Der Propagandakrieg Bagdad—Kairo wird dagegen für längere Zeit weiter das politische Bild des Mittleren Ostens behei*rschen. UNESCO will Baudenkmale retten Paris. — Die UNESCO will die Baudenkmale der Antike in Aegypten und im Sudan noch vor der Fertigstellung des Assuan-Staudammes retten, damit diese Kunstwerke der Welt erhalten bleiben. Der Exekutivrat der UNESCO billigte den entsprechenden Vorschlag der Vereinigten Arabischen Republik und des Sudans und stimmte damit einem grossangelegten Plan zur Rettung und Erhaltung der Kunstwerke im Niltal zu. Die UNESCO schätzt, dass allein für die Rettung eines alten Tempels viele Millionen Dollar notwendig sein werden. Sie appellierte deshalb an alle Mitgliedstaaten, die erforderlichen Gelder für diese Hilfsmassnahmen hereitzustellen. (AWZ) Ehrung für Widerstandskämpfer Paris. — Eine Gruppe deutscher Ruhrbergleute, die sich unter der Schirmherrschaft der „Moi-alischen Aufrüstung” in Paris aufhielt, legte auf dem Mont Valerien im Westen der französischen Hauptstadt einen Kranz am Ehrenmal für erschossene Angehörige der französischen Widerstandsbewegung nieder. Eine Nichte von Staatspräsident de Gaulle und die Gattin des Generals Ely — beide waren als Deponierte in deutschen Konzentrationslagern — nahmen an der Feierstunde teil. Die deutschen Bergleute, die in Paris das Schauspiel „Hoffnung” aufführten, unterstrichen ihren Willen, eine „öffentliche Geste der Wiedergutmachung für die Untaten zu zeigen, deren eich der Nazismus schuldig gemacht hat.” (AWZ) Bewältigung der Vergangenheit Bonn. — In Fortsetzung der auf dem diesjährigen Katholischen Studententag begonnenen Diskussion über die jüngste deutsche Geschichte hat die Katholische Deutsche Studenten-Vereinigung (KDSE) für das laufende Semester eine Vortragsreihe unter dem Leitwort „Bewältigung der Ver« ganhenheit” vorbereitet. In fast allen Studentengemeinden werden hierzu von Sartu kennern Vorträge gehalten. (AWZ) Claims Conference hilft NS-Opfern New York. — In den letzten fünf Jahren hat die Claims Conference in New Yoi’k rund 50 Millionen Dollar an Entschädigungsgeldern an etwa 250 000 jüdische NS-Opfer in 36 1.ändern verteilt. (ITA) Druck auf algerische Juden Paris. — Die Organisation der algerischen Rebelien hat ihren Druck auf die 140.000 Juden in Algier verstärkt, damit diese „die Unabhängigkeits-Ideale Frankreichs” unterstüzen sollen. Diese Aufforderung war in einem Bulletin enthalten, in dem betont wird, dass eine solche Haltung der Juden „zukünftige Missverständnisse” Vorbeugen könnte. Einige Tage zu-mr hatte der Führer der Rehellen in einer Rede geäussert, seine Anhänger seien bereit, „die Europäer in Algier als Algerier zu betrachten.” In dem Aufruf wird ein viel energischerer Ton angeschlagen. Die Juden werden darauf verwiesen, dass sie „Teil der algerischen Bevölkerung seien und daher nicht zwischen Frankreich und Algier wählen könnten, sondern sich „wie Bürger unseres wahren Vaterlands” verhalten müssen.” DL Mehrzahl der algerischen Juden sind Franzosen, da sie selbst oder ihre Eltern aufgrund des Crémieu.\-Gesetzes die französische Staatsbüi'gerschaft erworben haben. OT\) i Gefaengnis für Nazi-Verleger München. — Franz von Bebenburg, der Herausgeber der antiklerikalen und antisemitischen Zeitung „Die Quelle”, Schwiegersohn Mathilde Ludendorfis, der Gattin des Feldmarschalls, welcher zu den ersten Anhängern Hitlers gehörte, wurde wegen Beleidigung zweier jüdischer Führer in Westberlin von einem münchener Gericht zu zwei Monaten Gefängnis veiurteilt. Bebenhurg muss ferner eine Strafe vorn 357 Dollar an einen Hilfsfonds für Kinder zahlen. Der Angeklagte hatte sich wegen eines Artikels zu verantworten, ln dem er den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde von Berlin und den jüdischen Senator Lipschitz angriff, von denen er behauptete, dass sie „die berliner Bevölkerung tyrannisierten”. Ferner hatte er geschrieben, die Juden würden „die besten Wchnungn und Geschäfte der Stadt” erhalten. Ein Gericht hatte Bebenburg im Januar freigesprochen, doch vor dem Appellationshof verlor er den Prozess. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual N? 624.070 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3114 •>

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