Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1753 (12.2.1960)
- Date
- 1960-02-12
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO Concesión 908 EL EJEMPLAR en toda la República Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? isq. T. E. 83 . 2613 O' o x M <V TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año X BUENOS AIRES, VIERNES 12 DE FEBRERO DE 1960 No. 1753 Wieder Streit um den Irak Bis vor Kurzer Zeit bestand der Eindruck, dass Nasser an der Schaffung einer gemeinsamen antiirakischen Front arbeitete. An dieser neuen Koalition sollten sich ausser der VAR aucn Saudi Arabien und Transjordanien beteiligen, und in allen arabischen Zeitungen erschienen mehr oder •weniger bestimmte Nachrichten über die Vorbereitung einer Dreierkonferenz Nasser—Saud—Hussein. In Irak riefen diese Meldungen grosse Besorgnis her. vor, und der Sender von Bagdad fragte, welchen Zweck eine solche Tagung verfolgen und ob sie nicht antiirakischer Propaganda dienen würde. Die Regierung des Irak, die bisher alle Konferenzen der Arabischen Liga boykottiert hatte, benannte einen Vertreter für die arabische Oeltagung in Djedda — offensichtlich, um dort Fühlung mit den anderen arabischen Ländern zu bekommen und deren Absichten prüfen zu können. KAIRO WIEDER GEGEN HUSSEIN In die Atmosphäre der Vorbereitung der Dreierkonferenz platzte das Interview des Königs Hussein hinein, in dem er mit Einmarsch seiner* Truppen in den Irak für den Fall einer „kommunistischen Herrschaft” im Zweistrom-Land drohte. Hussein wollte wohl die Resultate einer antiirakischen Vereinbarung bei der geplanten Dreierkonferenz vorwegnehmen und schon die Aufgabe festlegen, die er im Falle des Losschlagens übernehmen sollte. Damit war Die israelischen ‘ Städte Jerusalem. — Ministerpräsident Ben Gurion gab neuerlich seiner Ueberzeugung Ausdruck, dass keine Notwendigkeit bestehe, um aus ökonomischen oder staatspolitischen Gründen, die israelischen Städte mit Ausnahme von Jerusalem, zu vergrössern. Er gab diese Erklärung in Entgegnung auf die Frage eines Deputierten ab, der sich auf einige Aeusserungen bezog, welche Ben Gurion vor kurzem vor der Landwirtschafts _ Konvention der Histadrut machte, wo er vorgeschlagen hatte, die Einwohner von Tel Aviv auf einen grösseren Raum zu verteilen. Ben Gurion verwies auf die grundsätzliche Politik der ersten Regierung Israels im Jahre 1949, die auf eine Verstreuung der städtischen Bevölkerung bedacht war, um zu dichte Konzentrationen zu vermeiden. Diese Politik, so führte er aus, basierte auf dem Glauben, dass politische Schwierigkeiten und Gefahren für die Sicherheit entstehen könnten, wenn zuviele Menschen auf dem engen Küstenstreifen Israels angesiedelt würden. (ITA) jedoch Nasser keineswegs einverstanden. In der Zeitung ,,A1 Ahram” in Kairo erschien ein heftiger Angriff auf Hussein. Die Zeitung erklärte, Hussein überschätze seine Rolle, und sein reaktionäres Regime könne keinerlei Ansprüche gegenüber Irak geltend machen. Damit war eine wesentliche Wendung in der Entwicklung eingetreten. Nasser hatte klar gemacht, dass nur er über eine Aktion gegen Irak bestimmen wolle und dass niemand anders etwas in diesem Staate zu suchen habe. Die Dreierkonferenz kann nunmehr als begraben angesehen werden. Sollte sie doch noch zustande kommen so ist schon heute klar, dass sie — wie viele andere arabische Tagungen — ohne praktisches Ergebnis enden wird. Für Nasser ist die Marschrichtung klar. Wenn das Regime Kassem gestürzt wird, so kommt als Alternative nur eine Pro-Nasser-Regierung in Betracht. Die Stimmen mehren sich, die die Versetzung des Marschalls Amr nach Damaskus mit einer Aktion gegen Irak in Verbindung bringen. WAS MACHT AMR IN SYRIEN? Tagtäglich veröffentlichen die Zeitungen Nachrichten über die Aktivität Arms in Damaskus, der dort neue Beiräte schuf und administrative und wirtschaftliche Massnahmen anordnet. Gesetze werden im Eiltempo erlassen und durch eine Verordnung wurde ein Preisstop verkündet. Das „cost plus"-System, das Israel längst als überholt und ruinös abschaffte, ist in Syrien angesichts der gewaltigen Spannung in der Wirtschaft zu neuem Leben erweckt worden. Nasser gibt Amr in täglichen Telefon-Gesprächen Anweisungen, und die Zeitungen von Kairo rühmen den Marschall, der es versteht, die verfahrenen Dinge in Syrien wieder in Gang zu bringen und die Streitigkeiten unter den ertlichen Führern zu überwinden. Gleicnzeitig verstummen aber die Gerüchte nicht, dass — bei allem Vortianmanöver dient. Pressekorrespondenten und Kommentatoren sind der Auffassung, dass cüe eigentliche Mission Amrs in Damaskus in der Vorbereitung einer militärischen Aktion gegen den Irak besteht. Nicht nur Sensationsjournalisten und von Panik ergriffene irakische Funktionäre vertreten diese Meinung. Auch hohe Beamte des State Department glauben an antiirakische Pläne Nassers. und nach Meldungen aus Washington sollen sie VAR-Vertreter dringend vor einem Einschreiten in Irak gewarnt haben. Der Präsident der Weltbank Eugene Black, erklärtejetzt, dass seine Bank bei der Behandlung des Anleihegesuchs der VAR für Ausbau des Suezkanals auch das Problem der freien Schiffahrt betrachte. Diese Erklärung erfolgte nicht nur wegen des Drecks proiüdischer Organischeren. Die Haltung | Kairos gegenüber Irak sp'elte hier ihre Rolle, und Jas densein von Schwierigkeiten ¡State Depaitment veranlassin Syrien — die eifrige inj *e dm Weltbank-Prasicer.- nerpolitische Aktivität von l ten zu seiner Aeusserung. Abdel Hakim Amr nur als In Irak scheint inzwischen Tarnungs. und Ablenkungsi nach den Berichten von Kor- Washington und Hammarskjöld „Ueberlasst Dag die Sache.” lautet auch heute noch die Antwort der Regierung Eisenhowers, wenn es sich um eine energische Reklamation Israels wegen der Durchfahrt durch den Suezkanald handelt. Die hiesigen Beobachter stellen fest, dass Washington neuerlich um die Gunst Nassers wirbt, während es die Freunde Israels beruhigt, dass „Dag alles regeln wird.” Der zweite UN-Sekretär für Politische Sonderfragen, Dr. Ralph Bunche, hat vor kurzem Kairo besucht, ohne von der Regierung Nassers eine befriedigende Auskunft über die beiden Schiffe zu erhalten, die schon seit Monaten mit israelischen Frachten an Bord in Port Said festgehalten werden. Dann machte Hammarskjöld selbst die gleiche Reise, ohneein positives Resultat zu erzielen. Jetzt herrscht wieder die „Diplomatie des Schweigens”. deren sich Washington gern befleissigt. Eine Anleihe * von 56 Millionen Dollar der Weltbank für Nasser hat die offene Biln gung der USA-Regierung gefunden, doch die Freiheit der Schiffahrt im Suezkanal ist eine Frage, die Hammar skjold überlassen wird. Washington bemüht sich zu vergessen, dass im Februar 1957, als Israel aufgefordert wurde, die Sinai- Wüste zu räumen, Eisenhower persönlich den Isiaelis von SAUL CARSON Versprechungen gemacht hat. Israel hatte u. a. darauf verwiesen, dass Nasser niemals der Resolution de- Sicherneitsrates, den Suezka nal für die israelische Schifffahrt offen zu halten, Folge eistete. Schon im Jahre 1951 hatten die USA zugunsten einer Resolution des S;cherheitsrates gestimmt, die Aegypten klipp und klar befahl, die Schiffe aller Nat'onen, einschliesslich der israelischen, durch den Ka.iai passieren zu lassen Im Februar 1957 gab Eisenhower in einer Rede, die auch durch Bildfunk im ganzen Lande verbreitet wurde, vor der ganzen Welt das Verspre -hon ab, dass, sollten nie Aegypter neuerlich den Kanal sperren, die Frage ,,m aller Form den UN unterbreitet werden würde.” Jetzt schreiben wir das Jahr 1960, und immer noch ruht die Angelegenheit in Händen des UN-Generalsekretärs. „Können die Amerikaner irgendetwas tun, um ihre Regierung zur Erfüllung ihrer Versprechen zu zwingen?”, fragt man sich hier. Zu dieser Frage können wir eine historische Tatsache enthüllen, die bisher gehe m gehalten wurde und mit dem Richtungswechsel des verstorbenen Staatssekretärs John Foster Dulles, dem Erfinder der Formel „Ueberlassen wir es Dag”, im Zusammenhang steht. Während der erregten Debatten im Sicherheitsrat über die Suez, und Sinai-Fragen Ende 1956 erklärten die Aussenminister Englands und Frankreichs unabhängig voneinander, dass sie die Resolution vom Jahre 1951 unterstützen. Nach ihnen griff Dulles zum Wort, der diese Resolution des Sicherheitsrates nicht einmal erwähnte. Achtundvierzig Stunden später zitierte Dulles den israelischen Botschafter Eban zu sich. Bei dieser Unterhaltung gab Dulles seinem Besucher die Versicherung ab, er dürfe überzeugt davon sein, dass die USA die in der Resolution vom Jahre 1951 verkündeten Prinzipien gutheissen. Darauf erwiderte Eban, verschiedene Beobachter seien der Meinung, dass dies nicht der Fall sei. Dulles wurde ungeduldig und äusserte, es scheine, dass gewisse Leute ihn nicht richtig interpretieren wollten. Er versprach Eban, derartige „Missverständnisse” zu klären und die Position seines Landes formell zu umreissen. Er hielt sein Wort. Er sprach nochmals vor dem Sicherheitsrat und verkündete nunmehr klar und deutlich, seine Regiehrung vertrete weiterhin die Resolution aus dem Jahre 1951. Beobachter stellen fest, dass in dieser historischen Geschichte eine kleine Moral enthalten ist, die auf die heutige Lage Anwendung finden könnte. Konvention der Histadrut Tel Aviv. — Die 9 Konvention der Histadrut stellte in einer feierlichen Warnung an die ganze Welt fest, dass das eigentliche Ziel von Nazismus und Faschismus nicht darin liegt die Juden, sondern die Demokratie und die Menschenrechte zu vernichten. Die 800 Delegierten forderten den Zusammenschluss aller Arbeiter und fortschrittlich gesinnten Menschen, um gegen ..die Seuche des Antisemitismus ihre Stimme zu erheben, bevor es zu spät ist.” Obwohl die Juden stets die ersten Opfer gewesen seien, so heisst es. wenden sich Nazismus und Faschismus „an die tierischen Instinkte im Menschen, um den kulturellen Fortschritt zu zerstören.” Die Resolution erklärt, ..jedes Flieden und Gerechtigkeit liebende Volk müsse sich daher der antisemitischen Welle in allen ihren Formen entgegensteilen”. Alle Juden und vor allem die Jugend werden aufgerufen, jüdisches Leben und jüdische Ehre zu verteidigen, das ..jüdische Gewissen'' zu stärken und „mit Stolz den Namen Jude zu tragen.” In einer heftigen Debatte wurde das Für und Wider der Waffenlieferungen an Deutschland erörtert. Schliesslich schlugen Mapam und Aehdut Awoda eine geheime Abstimmung über die Ausfuhr israelischer Waffen vor, die folgendes Ergebnis zeitigte: von den 649 Anwesenden stimmten 397 gegen jegliche Resolution, während 209 dafür stimmten; 10 Teilnehmer enthielten sich der Stimme. (ITA) respondenten und von Reisenden, die nach Beirut gelangten, die Panik immer weiter um sich zu greifen. Wildeste Gerüchte über cten Gesundheitszustand Kassems und über neue Attentatsversuche sind in Umlauf. Der Sender Bagdad hatte schon mehrere Male versichert, dass Kassem „schon das Krankenhaus verlasse”. Er musste jedoch im Krankenhaus bleiben, andererseits war er imstande — mit einem grossen Gipsveroand versehen — einen britis hen Korrespondenten zu einem Interview zu empfangen. Kassem ist sich darüber im klaren, dass fir ihn grosse Gefahren lauern, und dass das Krankenhaus daher noch der sicherste Platz ist. Ausserhalb der Mauern des Krankenhauses ist ein geheimer Machtkampf im Gange, der zwischen dem Militärgouverneur General Abdi, der scharf antikommunistisch eingestellt ist, und dem Präsidenten des Vo'ksgerichtshofes Mahdawi -ein Mann mit linken Neigungen« ausgeiochten wird. Kürzlich hatte General Abdi gegenüber Mahdawi einen Erfolg zu verzeichnen denn der Vorsitzende des irakischen Industriellen-Verbandes tvur. de zum Leiter des Informationswesens ernannt, und die Stelle wurde damit einem Bürgerlichen übergeben Doch die linken und kommunistischen Elemente lassen von ihrem Druck nicht ab. und nach den Meldungen aus Bagdad scheint eine Wandlung im Kräfteverhältnis eingetreten zu sein. Bisher war Kassem immer ohne weiteres in der Lage, beiden Lagern seinen Willen aufvuzwingen. Jetzt scheint jedoch der Machtkampf ‘ üper-- ""mächtig und Kassem zu einer souveränen Entscheidung zu schwach zu sein. Die Folgen dieser Entwicklung in Irak sind schon zu spüren: Die Staatsbeamten bangen angesichts der völlig unklaren Situation um ihre Zukunft und wollen nichts zu den Journalisten sagen. Die Wirtschaft hat selitten, und eine schwere Kri. se bedroht das Zweistromland. „Etwas wird in Kürze geschehen” — das ist das Empfinden weitester Kreise in Irak. Die politische Entwicklung im Mittleren Osten der bisher verhältnismässig ruhig war. scheint einer neuen Krise entgegen zu treiben. An dieser ist Israel in keiner Weise beteiligt, und hier liegt ein neuer Beweis dafür vor, dass auch, wenn es kein Israel gäbe — die arabische Welt uneinig und nicht zu einem gemeinsamen konstruktiven politischen Vorgehen imstande ist. Appell an die Sowjetunion Jerusalem. — Ein Appell an die Sowjetunion erging aus dem Mund des Knesset-Präsidenten Kadisch Luz, der Moskau ersuchte, die israelischen Bestrebungen zu unterstützen, um die vier Waffenstillstands-Abkommen mit den arabischen Staaten in Nichtangriffspakte umzuwandeln. Die Worte des Präsidenten der Knesset wurden in der Eröffnungssitzung des Parlaments ausgesprochen und stellten di - Antwort auf ein vom Obersten Sowjet im vorigen Monat an die Parlamente in der Welt gerichtetes Ersuchen dar, in der ganzen Welt eine allgemeine und völlig Abrüstung durchzuführen. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual N” 624 070 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3114