Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1752 (9.2.1960)
- Date
- 1960-02-09
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Maries, 9 de Febrero de 1960 LA SEMANA ISRAELITA Año XXI, — No. 1752 - 7 \ w m .he» Luit ^'«tung «geben m WSGA- 'Sentina MU1{| ite EL Theodor Herxl * Chile 94» < _ I Osell TP 37-3797 Ein Anoiedlungs-Experiment Otto Warbur «H« Als ich vor kurzem in Richard Lichtheims „Geschichten des deutschen Zionismus’’ das Kapitel las. in dem der Verfasser in wohlabgewogenen Worten Person und Merk von Professor Otto Warburg würdigt, stiess ich ayr folgende Sätze: „Völlig assimiliert, ganz unjiidisch erzogen, war dieser Gelehrte und Kolonisator zufällig in der Türkei auf Ansieilungen rumänischer Juden gestossen. Eine Zeitlang bej mühte er sich, ihnen zu helfen. erkannte aber bald die Aussichtslosigkeit des Versuchs, solche zerstreuten 1 kleinen Siedlungen in frem- | der Umgebung zu erhalten und wandte sich deshalb I der jungen zionistischen Be- | wegung zu.” Ich hatte von diesem Experiment nie gehört, und es reizte mich, Näheres darüber zu erfahren. Mein Verlangen wurde bald gestillt. In Jakob Thons „Sefer Warburg, Ko-roth Chajaw. Diwre Haarachah. Michtawim. Ne’- umim Umaamarim” (Massadah-Verlag 1948) fand ich den gekürzten Bericht über „Jüdische Ackerbau-Kolonien in Anatolien” von Otto Warburg, der der Zeitschrift „Palästina”. herausgegefcen von Dr. Alfred Nossig und Davis Tritsch (Jahrgang I, 1902). entnommen war. Ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, es sei vielen Lesern die merkwürdige Episode ebenso unbekannt wie mir, und es finde sich die Zeitschrift aus längst vergangenen Tagen, die ich in der kostbaren Bibliothek Aron Aronsohns ¡n Sichren Jakob aufstöberte, nur noch in wenigen Privatbüchereien. Deshalb möge hier eine knappe Darstellung des Sachverhaltes folegn. Im Jahre 1900 unternahm Professor Otto Warburg seine erste Reise nach dem Vor“ deiAn Orient, besuchte Palästina und Zypern und zum Schluss auch die Türkei. In Konstantinopel berichtete man ihm von einer jungen jüdischen Siedlung in Anatolien und von der traurigen Lage, in welcher sich die aus Rumänien gekommenen angehenden Bauern befanden. Warum sie gerade nach Kleinasien gegangen waren, das wurde Warburg bald klar. Die Türkei hatte viele ihrer Gebiete auf dem Balkan verloren und wünschte. ihre Position in Asien und namentlich in Anatolien zu festigen. Daher versprach die Regierung Rückkehrern, die trotz ihrer Wohnsitze ausserhalb des Staatsgebietes als türkische Bürger gelten sollten, guten Boden zur landwirtschaftlichen Erschliessung und dazu finanzielle Beihilfen. Ein jüdischer Gastwirt in der rumänischen Dobrudscha — Rumänien war bis 1878 türkisch — hörte von den Absichten der Hohen Pforte und ging mit etwa 160 zumeist mittellosen Juden nach Konstantinopel in der Hoifmmg, es werde auch ihnen angewiesen werden.! Sie hatten sich nicht getäuscht. Die Regierung gab jeder Familie 20 Dunam Akkerland auf einer Domäne des Sultans und ausserdem ein bescheiden bemessenes Darlehen zur ersten Installierung. Als die in sorgmvcller Sehnsucht nach Auswanderungsmcglichkeiten suchenden Juden in Rumänien Kunde von dem Unternehmen jn Anatolien erhielten, brachen viele ihre Zelte ab und machten sich auf den Weg nach Konstantinop?l. Im Frühjahr 1901 war es 300 von Dr. S. BRAUN Familien geglückt, unter den gleichen Vergünstigungen, welche dem „Vortrupp” eingeräumt worden waren, mit der Errichtung von Dörfern zu beginnen. Alle andern Petenten aber mussten nach Rumänien zurückkehren, weil die türkische Staatskasse es nicht auf sich nehmen wollte, Beihilfen zu gewähren, deren Ausmass nicht abzuschätzen war. Die Regierung verbot weiterhin, Einreisevisa auszustellen. Das Leben der Kolonisten gestaltete sich so wie jenes der ersten Siedler in Paläna, und es erübrigt sich, weiteres darüber zu sagen, Otto Warburg begab sich nach Anatolien, um die Menschen „ohne ordentliches Ob dach, cLhne Ackergeräte, ohne Vieh und ohne Brot auf ihrer so schön erträumten eigenen Scholle” zu sehen. Sie machten gar keinen üblen Eindruck auf ihn und er nahm sich vor, ihnen zu helfen. Nach seiner Rückkehr nach Berlin bemühte er sich, eine Reihe Wohlfahrtsorganisationen zu bewegen, sich der Kolonien anzunehmen. Die JCA entsandte dar aufhin einen Fachmann zur Betreuung der Dörfer. Indes, seine Zuversicht schwand rasch dahin, und bald erstattete er einen trüben Bericht an seine Auftraggeberin. Sie wies ihn denn eurh an. das Unternehmen zu liquidieren und die Leute nach Rumänien zurückauschicken. Nur wenige folgten der Aufforderung die übrigen beschlossen auszu- ‘imi” - Sociedad Israeli de Fomento Económico Ltd. ter ■ isnmiscNE ceseuschift rii « Entwicklung 1. Die Gesellschaft CHAIL ist von der Jewish Agency zum Zwecke der Vereinigung von öffentlichem und privatem Kapital gegründet worden. 2. Die Gesellschaft CHAIL ist nach erfolgter Genehmigung durch den Finanzminister des Staates Israel am 13. Februar 1959 in das Vereinsregister des Staates Israel eingetragen und gesetzlich autorisiert worden. 3. Zweck der Gesellschaft a. Unternehmungen für Aufbau, Entwicklung, Kolonisierung und Industrialisierung in Israel zu gründen oder a' ihrer Gründung teilzunehmen. b. Neuen Einwanderern in Israel Kredite für konstruktive Zwecke zu gewähren. c. Kolonisten und landwirtschaftlichen Kolonien Kredite zu geben. d. Häuser in Israel zu bauen und den Häuserbau durch Hypotheken zu unterstützen. 4. Zusammensetzung des Gesellschaftskapitals a. Grundkapital von 5 Millionen U.S.-Dollar, eingebracht vom Keren Hayessod für 5.000 gewöhnliche Aktien des Keren Hayessod zum Preise von je 1.000 Dollar, welche nur das Recht auf Dividende geben. b. 100 Gründer-Aktien der Jewish Agency zum Preise von je 1 Dollar, welche ihr das Recht auf Direktion und Stimme in der Gesellschaft geben, beschränkt au 50 Prozent. c. 250.000 Aktien ,,B’’, verkäuflich an die Erwerber von Obligationen zum Preise von je 1 Dollar, die de i Käufen das Recht von Sitz und Stimme in der Gesellschaft für die restlichen 50 Prozent geben (Siehe Abs. 9 g). 5. Tätigkeit der Gesellschaft Das Direktorium emitierte die e"Ste Serie von Obligationen Serie ,A”) im Betrage von 3 Millionen Dollar und zwar 15.000 zum Preise von je 200 Dollar. 6. Verantwortlichkeit fiifinanzielle Verpflichtungen Die Jewish Agency for Israel übernimmt die volle Verantwortung für die Erfüllung der finanziellen Verpflichtungen der Gesellschaft. 7. Fideikommissar und Kontrolle Die Jewish Agency und die Gesellschaft CHAIL haben einen Kontrakt mit dem Fideikommissar der Israelischen Staatsbank (Bank Leumi of Israel) geschlossen, durch welcher letztere die Kontrolle über die Auslosung der Obligationen (s. Abs. 8 c, d, e) übernimmt, ferner über die Erfüllung der Vereinbarung der Tätigkeiten der Gesellschaft und für die Erfüllung ihrer Verpflichtungen im Falle ihrer Auflösung. 8. Direktion der Gesellschaft a. Der Sitz der Gesellschaft befindet sich in Israel. b. Das Direktorium der Gesellschaft wird in der ersten Generalversammlung gewählt, die zur Hälfte aus den Bevollmächtigten der Jewish Agency, zur anderen Hälfte aus den Vertretern der Aktienbesitzer besteht. 9. Ausgabe ron Titeln und Zahlung der Dividenden a. Die Gesellschaft wird auf die, für die Zeit von 1960 bis einschl. 1984 auszugebende Serie der Obligationen 5 Prozent Zinsen vergüten, welche ausschliesslich unter den Inhabern von Obligationen du-ch Auslosung verteilt werden und zwar in folgender Weise: b. Die Hälfte der gesamten 15.000 Obligationen dieser Serie (Serie ,,A”), also 7.500 Obligationen, wird durch 75, in Israel stattfindende Verlosungen ermittelt, deren Form und Zeitpunkte folgendermassen festgelegt sind: Alljährlich, ab I960 bis einschl. 1984, werden 3 Verlosungen zur Ablösung der Obligationen und Zuteilung der Zinsen Stattfinder. Die Auslosungen werden am 15. Januar, 15. Mai und 15. September elres jeden der obengenannten Jahre erfolgen. Aber die erste Auslosung wird am 15. April 1960 (statt 15. Januar) stattfinden. In der Auslosung vom 15. April 1960 und dem 15. Januar eines jeden Jahres von 1961 bis 1984 einschl. und ferner an jedem 15. September eines jeden Jahres von 1961 bis 1984 einschl. werden jeweils 100 Obligationen der ersten Serie ausgelost. Auf diese 100 Obligationen werden jeweils insgesamt 56.900 Dollar ausgeschüttet und zwar 20.0000 Dollar für die Nonrunalwerte der ausgelosten Obligationen und 36.900 Dollar für Zinsen, nach folgendem Schema: Nom. Wert je Zinsen 96 Obligationen mit je 400 D. 200 D. u. 200 Dollar 1 Obligation mit je 1.000 D. 200 D. u. 300 Dollar 1 Obligation mit je 2.500 D. 200 D. u. 2.300 Dollar 1 Obligation mit je 5.000 D. 200 D. u. 4.800 Dollar 1 Obligation mit je 10.000 D. 200 D. u. 9.800 Dollar e. In der Auslosung am 15. Mai eines jcden Jahres yon 19G0 b? 1984 eirscbl. werden ebenfalls jeweils 100 Obligationen der ersten Serie ausgelost. In dieser Auslosung werden kiSgcsamt 64.000 Dollar verteilt, und zwar 20.00t Dollar füdie Nominalwerte der ausgelosten Obligationen und 40 600 Dollar für Zinsen, nach folgendem Schema: Nom. Wert je Zinsen harren, was auch kommen möge. Otto Warburg sah d ri Dingen voller Missmut zu und entschloss sich, zu retten, was zu retten meg cd schien. Jetzt ging ein vor. ihm persönlich gewäh :r Agronom, der in der Li’ &- wirtschaftlichen HoehscTuue zu Berlin seine Ausbildung erhalten hatte, nach Ar. s" olien, brachte eine von V =uburg zur Verfügung geste he Geldsumme mit und beg ,nn mit den Siedlern den dritten Versuch zum Sesshaftw .vden. Als Warburg dann im Frühling 1902 in Beg'euu. g eines erfahrenen deutsch n Landwirts in den Siedlungen erschien, fand er die hundert Familien mit rund 1500 Seelen in einer west tes seren Verfassung vor als -ie je gewesen. Zwar waren die Wchn- und Ernährungsverhältn sse noch hart an der Grenze des Zuträglichen und hafteten der Weise, die Felder zu bestellen, noeh Mängel an. Dennoch glaubte der im allgemeinen vorsichtig re:hnende Mann, der sich s:hr eingehend mit Fragen der Kolonisation befasste, es sei hier eine Möglichkeit zu einer „Lösung der Judenfrage” in Rumänien gegeben. Zur Ueberfiihrung von 20.000 unterstützungs - bedürftigen Familien nach Anatolien und zu ihrer Ansiedlung in 500 Dörfern sei ein Kapital von rund 45 Millionen Ma k erforderlich. Die Barcne Hirsch und Rothschild hätten riesige Summen für ilre Kolonien in Argentinien und Palästina ausgegeben; es sei nicht schwer, von vermögenden Juden in der ganz n Welt die Mittel zu erhalen, mit denen das Unternehmen in Anatolien durchgefüh;t werden könne. So werde ein ' Problem m Rumänien gc- 99 Obligationen mit je 400 D. 200 D. u. 200 Dollar 1 Obligation mit je 25.C00 D. 200 D. u. 24 800 Dollar f. Die bis zum 16. September nicht ausgelosten Obligationen werden ab 30. September 1984 auf Antrag des Besitzers zum Nominalwert von 200 Dollar eingelöst und zwar gegen Rückgabe der Dokumente ai die Gesellschaft oder an die von ihr jeweils genannte Stelle. Demnach erhalten die Besitzer von Obligationen, die nicht ausgelost -wurden, na :h Ablauf vor 23 Jahren den Titelwert in Dollar zurück. g. Jeder Zeichner von Obligationen der ersten Serie hat ferner die Möglichkeit, eine Aktien „B” zum Preise von 1 Dollar, im Anschluss an die Obligation zu erwerben, die ihm das Recht auf Sitz und Stimme in der Gesellschaft verleiht. (Siehe Abs 4 c). h). Ha be Obligationen Von der ersten Serie der 15.000 Obligationen der Serie „A” für 1960 bis 1984. die in Einheiten von 200 Dollar emmert werden, können auch Halbe Obligationen zum Werte von 100 Dollar erworben werden. Die Halbe Obligation ist dem gleichen Reglament unterworfe.. und nimmt zusammen mit der anderen Halfd_r betroffenden Obligation an den Auslosungen teil, an denen sie mit der Hälfte der unter Abs. d. und e. angeführten Chancen partizipiert. (Die THG hat gemeinsam mit der Leitung der JAIL alle Organisationen unseres Sektors zu einer gemeinsamen Besprechung eingeladen). — .. löst, welches selbst einem Bismarck zu . lösen nicht gelungen sei. (Warburg Int den Berliner Kongress von 1878 im Auge). Warburgs Voraussagen erfüllten sich nicht. Die kleinen Kolonien hielten sich noch ein paar Jahre, bis in den Stürmen der kommenden Zeiten auch ihr Schicksal besiegelt wurde. Dafür aber eröffneten sich neue Wege für das jüdische Volk, die ins Land der Väter zurückführten Das Schicksal hat cs gut mit dem Manne der praktischen Tat und seiner reichen Kraft gemeint: er trat in die Reihen der jüdischen Frauen und Männer ein, die den Grund legten zum Binjan Haarez. Fern von jedem Hang zu weltanschaulichen Auseinandersetzungen und Parteistreitigkeiten diente Warburg in vorderster Reihe und lange Jahre als Präsident der Zionistischen Weltorganisation ausschliesslich dem praktischen Ziel, das Land mit jüdischen Menschen für sie kulturfähig zu machen. Als Warburg 1937 starb, hätte er die Summa seines Lebens mit dem Prcphetenwort ziehen dürfen: ..Kineti tezjon kinah godolah.” 8529