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Jüdische Wochenschau · 1960-02-05 · 1751 (5.2.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1751 (5.2.1960)
Date
1960-02-05
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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o (Q f .5- Îï; FRANQUEO PAGADO Concesión 908 OI c Uh« < O TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 5 DE FEBRERO DE 1960 No. 1751 EL EJEMPLAR« en toda la República y ■» Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 izq. T. E. 83 - 2613 Aufmarsch der Neonazis in Wien Von deutschen „Demokraten”! von KURT KAISER.BLUETH Unter der Tarnbezeichnung „Schiller-Feier” erfolgte ein Aufmarsch der Neonazis in Wien am 17. Oktober. Er machte, wie das Blatt der Jüdischen Kultusgemeinde Wien feststellt, drei Tatsachen offenbar, aus denen entsprechende Lehren zu ziehen sind. Erstens: Die neonazistischen Verbände, und vor allem die NS-Jugendverbände, fühlen sich bereits so stark, dass sie offen aufmarschieren können. Wer den Anmarsch zum Heldenplatz und die Versammlung am Heldenplatz beobachten konnte. musste sich fragen. Schreiben wir Frühjahr 1938 oder Herbst 19a9? Hakenkreuze und HJ-Embleme waren in Massen au sehen. Das von der Polizei beschlagnahmte Materiali, war sicherlich nur ein ganz, ganz geringer Teil. Die neue ,HJ” („Heimattreue Ju" gend”) rückte in einer Adjustierung aus, welche der der alten HJ, der berüchtigten „Hitler-J ugend”, täuschend ähnlich, wenn nicht vollkommen gleich war. Es wurden Teilnehmer des Aufmarsches angehalten, die Koppeln mit Hakenkreuzen trugen. Antisemitische Parolen wurden laut. Ein Hochschüler, wohl Mitglied eine „schlagenden Verbindung”, schlug mit einem Säbel (0 aut eine Frau ein, die zu den Gegendemonstranten gehörte. Zweitens: Im allgemeinen verhielt sich die Polizei, die mit einem grossen Aufgebot ausgerückt war, korrekt. Sie war bedacht, grössere Zwischenfälle und Reibereien zu verhindern und die Teilnehmer am Naziaufmarsch von den Gegendemonstranten abzuriegeln. Zahlreiche Polizisten gingen jedoch nicht gegen die Nazis, sondern gegen die Angehörigen demokratischer Jugendverbände und ehemalige KZler mit ausserordentlicher Brutalität vor. Besondersfiel eine Gruppe von Polizisten auf, die unter dem Kommando eines Majors stand. Ec war erschreckend und bt•stürzend, mit anzusehen, ■wie Organe der demokratischen Polizei gegen die Teilnehmer der Gegedemonstration auftraten, als lebte man in einem Polizei- und Diktaturstaat. . Drittens: Eine ebenso wich tige Erkenntnis: Die Kräfte der Gegenwehr waren stark, sogar sehr stark. Ohne dass hierzu besondere Parolen arugegeben worden waren, Jnd mehr als 3.000 Gegendemonstranten zusammengeströmt. Durch mächtige Sprechchöre „Nieder nn den Nazis” und „Nazis raus , durch das Absingen sozialistischer und österreichischpatriotischer Lieder übertönt, gingen die Ansprachen der Arrangeure des NS-Aufmarsches. fast zur Gänze ungehört unter. Es war erfreulich, festzustellen. sich un'sr d°n Gegenl' rstre.H t nebst lern, sozialistischer Jugend, Mitgliedern der Gewerkschaftsjugend und der Freien österreichischen Jugend, ehemaligen KZlern, auch zahlreiche Angehörige der katholischen Jugendverbände befanden. So gesehen, bedeutet das: die grosse Masse der jungen Menschen und alle Antifaschisten wollen Naziprovokationen nicht dulden und mit ihnen Schluss machen. Die Kräfte der demokratischen Abwehr in Wien und in Oesterreich sind gross und werden ’ noch grösser werden. Die „Arbeiter - Zeitung”, das Organ der Sozialistischen Partei, schrieb u. a.: „Es ist der Beweis erbracht worden, dass jede derartige Provokation auf harten Widerstand bei der Bevölkerung stösst und daher eine Gefahr für die öffentliche Ruhe und Sicherheit ist.” Und die „Arbeiter-Zeitung” schloss mit den Worten: „Aehnliche Veranstaltungen dürfen deswegen in Zukunft gar nicht zugelassen werden.” Ein Sprecher des Bundesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden Oesterreichs erklärte zu den Ereignissen beim Naziaufmarsch: „Derartige Provokationen der Neonazis dürfen nicht mehr geduldet werden. Mit solchen Aufmärschen hat es seinerzeit vor 1938 begonnen, geendet hat es mit der Errichtung der blutigen Naziherrschaft in Oesterreich und dem zweiten Weltkrieg. Die demokratischen Einrichtungen des Staates dürfen von den Todfeinden der Demokratie nicht missbraucht werden. Demokratie nur für Demokraten! Der Naziaufmarsch ist ein flammendes Warnzeichen. Aus diesem Naziaufmarsch müssen entsprechende Lehren gezogen werden. Die Vorfälle auf dem Wege vom Rathausplatz zum Heldenplatz und am Heldenplatz selbst müssen als Wen¬ Analyse der Hintergründe Nachdem es so aussieht, als ob die weltweite Hakenkreuz-Schmieraktion im Abklingen begriffen ist, und nachdem, im Ablauf der Zeit, ein wenig Abstand zu den so erhebliches Aufsehen erregenden Vorgängen gewonnen wurde, gelangen — nach all den Protesten, den feierlichen Erklärungen, den Zusagen der Verfolgung und Abwehr — die politischen Beobachter, die Analytiker, mehr in den Vordergrund. Kein Wunder: denn die Suche nach dem eigentlichen Herd des Uebels ist noch im Gange. Mit der Verurteilung einzelner Jugendlicher ist erst wenig getan, noch weniger mit Spekulationen über den Ursprung der um die Jahreswende öffentlich zum Ausbruch gelangten antisemitischen Welle. Als solche muss man die Aktion bezeichnen, die, wenn auch „nur" in Form von Kleksereien, gleichzeitig in fast allen Ländern der westlichen Welt sichtbar und spürbar geworden ist. Der europäische politische Kommentator der „New York Times”, C. L. Sulzberger, spricht von schmutzigen Giftträgern, die sich jetzt aus ihren Verstecken hervorwagen. Niemand konnte, so schreibt in einer grundsätzlichen Betrachtung, jemals erwarten, dass Deutschland, das in seiner Mehrheit der Nazi-Ideologie gefolgt war, von den nationalsozialistischen Lehren völlig frei äst. Sulzberger hebt die Bemühungen aller liberal denkenden Deutschen, allen voran Adenauers und Brandts, um die Wiederherstellung sittlicher Werte im Leben des deutschen Volkes hervor, verkennt aber nicht, dass es in Deutschland auch in der Beamtenschaft unverbesserliche Kräfte gibt, die der Nazi-DoktiTn noch immer huldigen. „Eß wird mindestens noch eine Generation dauern, bis dieses ungesunde Element ersetzt ist,” Die starke Verurteilung der Vorgänge in der Oeffentlichkeit dürfte weniger vom ganzen Volks als von einzelnen oder von kleinen Gruppen ausgegangen sein. Europa, namentlich Oesterreich und Deutschland, voll von Entwurzelten, physisch, geistig oder politisch gestört und unglücklich über ihr Schicksal, berge eine Masse unzufriedener Rechtsradikaler in sich, deren Aufwallungen leicht gefährlich werden könnten. Der „New York Times”- Beobachter, der von Paris aus berichtet, glaubt, dass Neo-Nazis von früheren Hitler-Anhängern in Kairo, in Spanien und Südamerika beeinflusst sind, weist aber auch auf reaktionäre Kräfte in der französischen Armee hin, ferner auf Ostflüchtlinge, die mit ihrem Leben im Westen noch nicht zurecht kommen. Indes, Deutschland bleibe für Hitler verantwortlich. „Und weil Deutschland der wesentliche Mittel, punkt der neuen schmutzigen Aktion ist, wäre es nur recht und billig, dass wir die Vorgänge dort scharf unter die Lupe nehmen.” Es sei als ein gutes Zeichen zu werten, dass nunmehr eine neue Ueberprüfung des westdeutschen öffentlichen Dienstes und des Erziehungswesens in Aussicht genommen wurde. Es gelte, Männer wie Adenauer und Willy Brandt in ihren „Reinigungs” - Bemühungen zu unterstützen, aber auch andere, weniger betroffene Länder sollten Massnahmen gegen Uebeltäter aus ihren eigenen Reihen ergreifen. E. G. L. Das deutsche Fernsehen hat vor kurzem jenes Tages der Schande, nicht der Schande für Spanien, sondern für die freie Welt, gedacht, an dem der Rebellenführcr Franco mit Hilfe der italienischen und der deutschen Faschisten die spanische Republik auf die Kai; zwang. Dass Franco, der Mann der Gefängnisse und der chronischen Unternährung der breiten Massen, diesen Sieg des Verbrechens über die Freiheit mit theatralischer Geste gefeiert hat, ist logisch und bedarf keines weiteren Kommentars. Aber dass der Fernsehdienst der deutschen Bundesrepublik dies Ereignis in seinem Programm behandelt hat, bedarf dringlich eines Kommentars. Man glaubte, der unselige Goebbels sei auferstanden und der Pesthauch der Lüge und Verhetzung wieder spürbar. Durch die Reportage des deutschen Bildfunks geisterten alle unentbehrlichen Requisiten der braunen Propaganda — die von den Bolschewisten dirigierten „Internationalen Brigaden” und die „roten Kommissare”, die die antifranquistischen Untermenschen trainieren,.. Nicht, dass man über derlei Ezesse sonderlich überrascht wäre... Was man über 12 Jahre gewissenhaft geübt hat, verliert sich durch flüchtige demokratische Tarnung nicht. Zweifellos hat der Verfasser des Textes es in seinen Hitlerjugend-Jahren und später im Propagandaministerium nicht anders gelernt. Das versteht sich am Rande, denn der demokratische Firnis und die nazistische Grundsubstanz vertragen sich nicht sonderlich. Aber es müsste sich doch in den leitenden Sphären des deutschen Fernsehens eine Persönlichkeit finden, die den jungen Leuten mit dem braunen Geschichtsbild ein wenig auf die Finger sieht! Und da wir gerade bei den Faux pas’ sind, registrieren wir gleich die unwahrscheinliche Entgleisung, die sich der „Süddeutsche Rundfunk” in einer Abendsendung „fiir die Zone” geleistet hat. Ein gewisser Helmuth Klumbohm oder so ähnlich, der sich in einer Analyse der politischen Pläne Krutschews versuchte, kam auch auf den Vietnam zu sprachen und erlaubte sich die Taktlosigkeit zu erklären, dass „Mendes- France den Nord-Vietnam den Sowjets preisgegeben habe... Mendes-France, der Frankreich in Genf durch einen Waffenstillstand rettete, der die letzte Chance des Lande« nach dem Fiasko von Dien-Bien-Phu „ ar, wird hier von einem Mann angeflegelt, der offenbar keine Ahnung von Politik hat und dem der braune L;hm der tausend Jahr nach an den Stiefeln klebt. Selbst General de Gaulle, dem dieser unvergleichliche Klumbohm doch wohl nicht Mangel an Patriotismus vorwerfen will, hat den Waffenstillstands-Vertrag, den Mendes-France in Genf abgeschlossen hat, als eine staatsmännische Leistung bezeichnet, die den von anderen öngerichteten Schaden im Rahmen des Möglichen repariert hat. Hellmuth Klumbohm indessen hätte gern in Indochina bis zum letzten Franzosen weitergekämpft! — Wenn das Pariser neonazistische Schmutzblättchen „Rivarol” P.M.-F. als den „Kapitulanten von Genf” beschimpft und ihm in der kommenden Diktatur der französischen Hitlerepigonen den Galgen verspricht, so wundert das niemanden. Die Kübel, die die Antisemitenpresse der äussersten Rechte gegen den Chef des ..Jungradikalismus” schwingt, beschmutzen nur diejenigen, die sich dieser gut dünstenden Waffen bedienen. Aber dass der „Süddeutsche Rundfunk”, der schliesslich in Bayern und nicht in Madrid funktioniert, durch den Mund des Herrn Klumbohm (oder wie der seltsame Vogel heissen mag), Diese Lüge wiederholt, das zeugt doch von einem bedauerlichen Mangel an politischem Wissen und auch an i’eingedepunkt in den internen Verhältnissen unserer Republik gewertet werden. Grösste Aufmerksamkeit ist das Gebot der Stunde.” * In den Österreichischen Munizipalwahlen erlangte die „Oesterreicbische Freiheitspartei” in Wien und Salzburg Stimmenzuwachs, während sie in anderen Ortenj z. B. in Tirol Einbussen erlitt. In Wien, wo die „Freiheitspartei” nur einen Sitz im Stadtrat hatte, erlangte sie nun vier von den 100 Mandaten. DER „FUEHRER” KOMMT WIEDER EINMAL AUS OESTERREICH Der „Kameradschaftsring Nationaler Jugendverbände”, in dem die sogenannten „volkstreuen.” und „nationalen” Jugendverbände Oesterreichs und Deutschlands zusammengeschlossen sind und der mit verschiedenen neonazistischen und faschistischen Organisationen in Europa eng zusammenarbeitet, wählte zu seinem Führer für Deutschland und Oesterreich Konrad Windisch aus Wien. Windisch war im vorigen Jahre als Redakteur des „Trommler” wegen Verbreitung eines neonazistischen Artikels zu sechs Monaten Kerker verurteilt worden. Dass die Wahl auf Windisch fiel, liegt an der viel stärkeren Aktivität der „nationalen” Gruppen in Oesterreich als in Deutschland. Die Entfaltung der neonazistischen Gruppen in Deutschland stösst vor allem auf eii nen sehr starken Widerstand der deutschen Gewerkschaften und der SPD. In Oesterreich wird diesen Gruppen viel zu wenig Beachtung geschenkt; hier glaubt man, schriftlichen Polizeimassnahmen und. Auflösungen von Vereinen, die am nächsten Tag neu entstehen, die Kontrolle über den Neonazismus zu wahren. ODALSRUNE WIRD EXPORTIERT Genau wie seinerzeit das Hakenkreuz von Oesterreich aus seine Reise nach Deutschland angetreten hat, so ist es auch mit seiner Nachfolgerin, der Odalsrune, die von den „volkstreuen'’ Verbänden propagiert wird. Die „Jungkameradschaft” der Deutschen Reichspartei hat jetzt die Odalsrune übernommen. Die fränkischen und schwedischen Gliederungen des „Deutsch- Wandervogel” wie auch die Wikking-Jugend tragen die Odalsrune. Die „Scharnhorst-Jugend” in Deutschland will auf ihrer nächsten Tagung die Odalsrune ihren Mitgliedern empfehlen. Die „Jeunesse Nationale” in Brüssel, eine Jugendvereinigung, in der zumeist die Söhne der seinerzeitigen belgischen SS organisiert sind, hat ebenfalls die Odalsrune eingeführt. Verhaftung von Nazis New York. — Drsi Jugendliche wurden festgenommen, nachdem sie in einem Park die Hand zum Nazigruss erhoben und „Heil Hitler” geschrien hatten. Die Anklage lautete auf öffentliche Ruhestörung. Vor dem Jugendgericht wurden sie von Richter Vincent Rao zu ja 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Im Urteil heisst es, die Burschen „hätten gewusst, dass ihr Benehmen dazu angetan war. den Frieden zu stören”. Die Verurteilten sind der 21jährige Seth Ryan, der ebenfalls 21jährige Gilbert Demillo und der 17jähiige Hugh Bruce. Medikamente nach Japan Jerusalem. — Israel hat eine zweite Sendung von Medikamenten für die Opfer des Taifuns nach Japan verschifft. Die Medikamente wurden vom Magen David Adom und der Israelisch-japanischen Freundschafts-Gesellschaft aufgebracht. Jüdische Kinder in Deutschland Die Zahl der jüdischen Kinder in Deutschland im ¡Schulalter (7 bis 15 Jahre> &A in den letzten vier Jahre« tun 1.000 gestiegen. 1955 Waren 808 Kinder im Schulalter, während es zu Beginn dieses Jahre 1.800 waren. — Registro de la Propiedad Intelectual N9 624.070 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3114

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