Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1750 (2.2.1960)
- Date
- 1960-02-02
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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o m f .5 - FRANQUEO PAGADO Concesión 908 h M (4 o ® s o 2* § < o TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 SEMANA Año XXI. BUENOS AIRES, MARTES 2 DE FEBRERO DE 1960 I No. 1750 EL EJEMPLAR en toda la República Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 T. E. 83 . 2613 3. Das Abzeichen der Nazimoerder von GEORG KUENSTLINGER, Wien Aus dem Marinedienst entfernt Washington. — Die USA-Marine teilte mit, dass Kommandant George Lincoln Rockwell, ein sogenannter „amerikanischer Nazi” der Flottenreserve aus dem Dienst ausscheidet. Diese Massnahme wurde ergriffen, nachdem die Bne Brit die zuständigen Stellen aufmerksam machte, dass Rockwell Flugblätter verteilt hatte. Rockwell hatte bei behördlichen Stellen in Arlington (Virginia) um die Erlaubnis ersuciit, ein Lokal zu mieten, in dem er den Sitz seiner Gruppe aufschlagen, Versammlungen abhalten und die Zeitschrift „Der internationale Nazi” drucken wollte. Rockwell diente in der Marineluftfahrt im zweiten Weltkrieg und in Korea. Er rühmte sich gern seiner Zugehörigkeit zur Marinereserve. Jetzt erhielt er eine offizielle Mitteilung, dass „seine Dienste nicht mehr von Nutzen” seien. Rockwell stehen zwei Wege offen, er kann zurücktreten oder seine Entlassung abwarten! Die Heimsuchung zahlreicher europäischer Weltstädte durch Schmieraktionen von Hakenkreuzen und antisemitischen Sprüchen hat überall grösste Empörung, aber auch Beunruhigung hervorgerufen. Fast gleichzeitig mit der als Machtprobe aufzufassenden Propagandaaktion in Deutschland wurden ähnliche Untaten auch in anderen Ländern verübt. Durch die neuerliche Propagierung des Abzeichens der Mörder wird der ganzen Welt verdeutlicht, dass die Mörder unter uns sind und dass sie — wie wir seit Jahren in unzähligen Artikeln schrieben — nicht daran denken, ihre Mordpläne aufzugeben. Denn „Hakenkreuz” bedeutet Mord! Damit erledigt sich die verlogene und feige Fragestellung, ob es sich um gelenkte nazistische Aktionen oder um „Lausbubenstreiche” handelt. Nie ■waren die Nazis in Oesterreich eine Majorität, nie wären sie als solche der Demokratie gefährlich geworden, wenn es nicht vielmehr geschäftsgierige und auch ängstliche Mitläufer gegeben hätte, die im vollkommenen Bewusstsein, was sie anrichten, der lächerlichen Minorität der Terroristen die Mauer so lange machten, bis sie selbst an diese Mauer gestellt wurden. Es ist unverantwortlich, wenn es heute Stellen, das heisst Menschen, gibt, die in der Streichaktion nur Streiche dummer Jungen sehen. Die Planmässigkeit ist so offenkundig, dass man sie mit Händen greifen könnte, selbst wenn wir nicht die Erfahrung der Vergangenheit hätten. Wir haben sie aber! Wie oft haben wir schon darüber geschrieben, dass wir es satt haben, bei dieser oder jener vortastenden Hakenkreuz. Demonstration immer nur ’„Jugendstreiche” von „Wirrköpfen” vorgesetzt zu bekommen. Wenn wir nicht Demokraten reinsten Blutes wären, die eine Demokratie im Herzen und Gefühl tragen, die nur schwer definiert, aber gewusst werden kann, dann müssten wir mit Schadenfreude Zusehen, wie wiederum einmal laufe und feige Geldjäger in ihr eigenes Verhängnis hineintaumeln. „Ihr Juden seid überempfindlich, Ihr seht beim reinen Aussprechen des Wortes ,Jude’ schon antisemitische Tendenzen” — wie oft haben wir das in den 15 Jahren seit Kriegsende gehört! Und will man uns heute wieder mit den gleichen Worten „beruhigen”? Sieht man denn nicht, dass die Bestie, die durch den Schock des Zusammenbruches im Jahre 1945 zu schlafen schien, sich wieder zu regen beginnt? Nun kommen sie aus den Mauselöchern wieder hervor, versuchen da und dort einen kleinen „Lausbubenstreich” und probieren aus, ob und wann die Zeit zum Morden, Plündern un reichern wieder reif ist.' Wir werden den ,,&•!i gen” einmal etwas erz^|?^n, was sie wahrschein!ich ■;«issen dürften, stehen i ,ben doch weit mehr Quell.’ zur Verfügung als einem Journalisten; sie sagen es nur nicht der Oeffentlichkeit. Wir werden es aber aussprechen. Es gibt in Oesterreich zah. lenmässig relativ starke Gruppen, die vollkommen unverdächtig scheinende Personen — darunter befinden sich ehemalige Häftlinge von Nazi-Konzentrationslagern — herumschicken, die harmlosen Durchschnittsbürgern (sie glauben sie auch unter Journalisten zu finden) erklären wollen, dass die Nazi . Provokationen ausschliesslich und allein von den Kommunisten angezettelt wurden, um Deutschland und auch Oesterreich bei den zwar antikommunistischen, aber sicher auch antinazistischen Westmächten in Misskredit zu bringen. Als Auftakt wird dann die Phrase — sehr bestechend — verwendet, man müsse doch daraüber nachdenken, wie bei jedem Verbrechen, wem es nütze. Sichtlich schade es doch mindestens der Deutschen Bundesrepublik. Also? Wer wolle ihr schaden? Nur die Kommunisten! Nein, nein, Ihr feigen Beschwichtigungshofräte, die Ihr den geheimen Plan habt, Euer Süppchen wiederum einmal an einem Weltbrand kochen zu wollen, so einfach ist die Sache wieder nicht! Selbstverständlich halten wir es für möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass die eine oder andere Hakenkreuz-Demonstration von kommunistischer Seite inspiriert oder gar durchgeführt wurde. Diese schmutzige Seite des politischen Kampfes zwischen einander ähnlichen Terroristen ist uns wohlbekannt. Nazis haben Brandlegungen und Morde begangen, die sie den Kommunisten in die Schuhe schoben, um gegen sie vorgehen zu können, und Kommunisten haben Terrorakte jeder Art durchgeführt, für die sie Nazis verantwortlich machen wollten, um diese ähnlichen Bewerber um die Gunst des Volkes zu diskreditieren. Man muss das wissen, man darf das nicht vergessen, man muss das täglich im Bewusstsein haben. Zwischen dieser Scylla und Charybdis versuchen wir Demokraten, unseren Lebensweg zu finden. Wir sehen ganz nüchtern in den /.’.tionen der letzten Zeit ein jelenkte Planmässigkeit, d gleichzeitig die oben gestellte Frage, wem sie nütze, einwandfrei beantwortet: den nazistischen Terroristen, die nach einem 15jährigen Scheinschlaf zeigen wollen, dass sie leben und ihrer Lebensauffassung entsprechend auch agieren. Meine lieben Behörden, sind wir denn ängstlich und „überempfindlich”? Wollt Ihr nicht die Augen aufmachen, wollt Ihr nicht endlich einen reinen Trennungsstrich zwischen Leben und Vernichtetwerden ziehen? Ihr österreichischen Behörden, wir wollen Euch noch etwas mitteilen, was Ihr wahrscheinlich schon wisst, aber dem Volk doch nicht bekannt gebt. Wir sagen es auch nur, damit Ihr wisst, dass es auch wir wissen. Es gibt „Sportorganisationen” in Oesterreich, die offiziell nicht anerkannt sind, die aber doch einen Mitgliederstand zwischen 250.000 und 300.000 haben. Ihr Sport ist die Infiltrierung der östererichisehen Bevölkerung mit „nazistischem Gedankengut”. — Stimmt das oder nicht? Dementieren Sie ruhig. Ihre Emmissäre gehen herum und erklären, sie wollten nur gegen den „Proporzwahnsinn” sprechen, sie wollten „reine Demokratie” propagieren. Stimmt das oder, nicht? Dementieren Sie es! In dieser bedauerlichen und schmutzigen Periode ist es uns eine Freude, dass die Demokraten Oesterreichs einmütig in ihrer schärfsten Zurückweisung der antisemitischen und nazistischen Provokationen sind. Als besonders bemerkenswert sei die Stellungnahme des Sozialistischen Innenministers Josef Afritsch zitiert. Der Minister gab einer Delegation der Wiener Kultusgemeinde seiner Empörung über die Schmier-Aktion der Wiener Nazis Ausdruck und versprach strengte Bestrafung bei Ausforschung der Täter. Noch mehr sei die Meinung des Innenministers hervorgehoben, die er in einem Radiointerview mitteilte. Er sprach die feste Ueberzeugung aus, dass — vielleicht mit Ausnahme eines gelegentlichen Drohbriefes — die antisemitischen Aktionen nicht nur in Oesterreich, sondern auf der ganzen Welt zentral von einer Organisation mit unzähliger. Zweigstellen gelenkt sind. Das ist nicht nur auch unsere Meinung — das ist ganz einfach leicht z-u beweisen durch den gleichzeitigen Ausbruch der einzelnen Seuchenherde. Ueberdies hat man dort, wo bereits Verhaftungen erfolgten (in der Deutschen Bundesrepublik) sehr viel Naziliteratur, gestanzte Hakenkreuze für Streuaktionen und anderes 4t Nazimaterial gefunden. Es ist unmöglich, sich mit der Fülle der Versionen und Erklärungen zu befassen, die in Oesterreich und in der ganzen Welt zu den Vorfällen gegeben wurden. Sie reichen von den Ratschlägen „Nicht dramatisieren” über „Nicht einmal ignorieren” bis zu „Nicht bagatellisieren!” Jede Meinung hat selbstverständlich etwas für sich: es ist leicht möglich, dass sich auch Kommunisten beteiligten, es ist auch möglich, dass einzelne Halbstarke ihre Untaten in der Zeitung lesen wollen, es können sich auch einzelne Fälle hysterisch an anderen entzündet haben — aber, das sind alles Einzelfälle. Auch Innenminister Afritsch — es untersteht ihm auch die Polizei: er muss da sicherlich informiert sein — sprach von „Hintermännern”, die die Aktionen leiten! Der Begriff des Chaos bringt es mit sich, dass es sich unregelmässig ausbreitet. Daher die vielen, nur scheinbar einander widersprechenden Aspekte der letzten Zwischenfälle. Die zwangsweise eintretende Verwirrung in der Beurteilung ist den Drahtziehern bekannt und wird ausgenützt. Wir erleben neuerlich das beschämende Schauspiel, dass Einzelfälle, wie wir sie oben ausdrücklich als.solche bezeichneten, von der harmlosen Masse und von den bewussten Verbrechern generalisierend zur Verniedlichung herangezogen werden. Wir wollen einen kühlen Kopf bewahren, auch wenn wir von bewusster Seite hören, die Veröffentlichungen Zionisten in Peru Lima. — Jacobo Feldman, der frühere Schatzmeister der Einheitskampagne und der Bonds-Aktion, wurde zum Präsidenten der peruanischen Zionistischen Organisation gewählt. (ITA) hätten erst neue Taten der „Grossmannssucht” nach sich gezogen. Das erinnert so stark an das berüchtigte „Der Ermordete ist schuld”... Auch heute wiederholen wir, was wir in unzähligen Artikeln bereits geschrieben haben: der Nazismus in Oesterreich ist keine militante Gefahr, solange die demokratischen Behörden fest bleiben, sich weder einschüchtern lassen, noch den Kopf verlieren und ruhig und gerecht reagieren. In diesem Zusammenhang ist es uns eine Genugtuung, dass die Behörden der Deutschen Bundesrepublik sofort einwandfrei eingegriffen haben. Die obersten Politiker, einschliesslich Bundeskanzler Dr. Adenauer, haben sich schärfstens gegen die antisemitischen Aktionen ausgesprochen. Polizei und Gerichte haben 'sofort gehandelt, Uebeltäter verhaftet und entsprechend abgeurteilt. I Das ist genau das, was wir j für Oesterreich — ohne je-! de Hysterie und ohne jede IUeberdramatisierung — verlangen. Mit allen anständigen Menschen sind wir hier ‘ zusammen auf der gleichen Linie. Die katholische Wochenzeitschrift „Die Furche”, die bekanntlich kirchlichen Kreisen nahesteht, schrieb im Anschluss an die Veröffentlichung, dass in Salzburg Nazi-Treffen mit Sepp Dietrich stattfanden und Kränze mit SS-Runen am Krieger . Denkmal niedergelegt wurden: „Wie reagieren Regierung, Volk und Presse auf diese Aktionen in Oesterreich! Wird man es in Oesterreich wagen, dem rechten deutschen Beispiel zu folgen? Die Haltung so mancher österreichischer Politiker bei ähnlichen Anlässen im vergangenen Jahr erlaubt keine sehr positive Prognose”. Das Organ der Oesterreichischen Volkspar, tei „Das Kleine Volksblatt” schrieb in einem Leitartikel u. a.: „Ein Grundsatz jeder demokratischen Gemeinschaft ist die Toleranz. Wer gegen sie verstösst, muss als Feind der Demokratie behandelt werden. In Deutschland habei sich die Reg!«* rungsstellen in sehr erfreulicher Weise zu den Vorfällen geäussert. Auch bei uns täte ein herzhaftes Wort not. Wer heute noch nicht den Weg zurückgefunden hat», der findet ihn nimmermehr. Hunderttausende sind iha. gegangen, sie: sind in der Gemeinschaft der Staatsbürger willkommen. Die anderen mögen draussen bleiben — draussen vor der Tür!” Auf eines sei noch die Aufmerksamkeit gelenkt: auf die enge Verbindung der tödlichen Feinde Israels, der Nasserischen Araber, mit Nazis aus Hitler-Deutschland. In Kairo ist das Pamphlet „Mein Kampf” ein. Bestseller geworden, in Aegypten befinden sieh zahllose geflüchtete Nazibonzen,, darunter SS-Obergruppenführer Eichmann, die als Ratgeber in Politik und Wirtschaft wirken. Araber und Nazis haben das gleiche Interesse gegen Israel und gegen die Juden. Das gibt zu denken, wenn man die Hintergründe der jüngsten Vorfälle betrachtet um das weltweite Netz der Drahtzieher aufzudecken. Es ist kein wie immer gearteter Grund zur Aengstlichkeit vorhanden, auch wenn jedermann weiss, dass ein einziges Zündholz ein Gebäude in Brand und auch wenn uns die Erfahrung gelehrt hat, dass ein Narr die Welt in Flammen setzen kann. Das Zündholz muss ausgetreten werden, damit die Menschen leben können! Pakistan solidarisch Vereinte Nationen. — Zum zweiten Mal in den letzten Monaten hat Paki. stan einem israelischen Beobachter die Teilnahme an einer internationalen Tagung verweigert. Diesmal handelt es sich um die 16. Sitzung der Wirtschafts . Kommission für Asien und den Fernen Osten. Obwohl Israel kein Mitglied ist, hatte es sich doch wegen seines wachsenden Handels mit dieser Region entschlossen, einen Beobachter zu entsenden. Die Konferenz wird wahrscheinlich in Bagdad stattfinden. Die Haltung Pakistans wurde auf seine Solidarität als mohammedanische Nation jnit den arabischen Ländern zurückgeführt. — (ITA) _ Suche nach einem Augenzeugen Tel Aviv. — Das haifaer Archiv der Naziverbreehen bemüht sich, Informationen über den Verbleib eines 70jährigen Mannes zu erhalten, dessen Zeugenschaft gegen di^ Nazimörder von Lemberg von höchster Wichtigkeit ist. Die im Archiv angestellten Beamten begannen ihre Nachforschungen, nachdem sie durch den Staatsanwalt von Ludwigsburg informiert worden waren, dass keiner dieser Nazis mangels Zeugen zur Verantwortung gezogen werden könne. In den Jahren 1941 bis 1943 wurden bei den Massenaktionen in Lemberg rund 600.000 polnische Juden ermordet. Gesucht wird Rudolf Reder, der, wie man annimmt, der einzige der Entflohenen ist, welcher in Israel gelebt, hat. Sollte man Reder, der 1950 von Israel nach Kanada weiterwanderte, nicht finden, so wären keine Beweise zu erbringen, und die Verbrecher können straffrei ausgehen. Hierzu gehört Kommandant Josef Oberhaus..-.■. de.- als Adjutant des Lagerkommandan. ten für;eierte. ITA) Registro de la Propiedad Intelectual N? 624.07» Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3114 J.LÛ BA¿0K INSTITUTE YOÍíK