Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1750 (2.2.1960)
- Date
- 1960-02-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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OH-" lew" )7~°: Ja Jèéfuata J&Ut&lUa 83.2613 No. 1750 BUENOS AIRES, MARTES 2 DE FEBRERO DE 1960 Año XXI. La Obra del Yad Vashem Jerusalem. — Yad Vashem, la autoridad central para recordar a los mártires judíos fué instada a ser más dinámica" en su reacción pública ante la actual ola de incidentes antisemitas en el mundo entero. Tal reclamación fué formulada en la sesión anual del consejo de la entidad por Shalom Holovsky, representante de la asociación de ex partisanos. Holovsky fué apoyado de inmediato por S. Z. Shragai, jefe del departamento de inmigración de la Agencia Judia, quien dijo que sería inconcebible que la organización no reaccionara ante los incidentes. Asimismo se exigió que Yad Vashem publicara informes regulares sobre las organizaciones nazis y sus actividades subterráneas. El director de la organización, Dr. Kubovy, declaró en una alocución ante el consejo que la organización había suministrado las más importantes pruebas contra numerosos nazis en los respectivos juicios, en lo pasado y recientemente ha comenzado el rastreo de nuevos criminales nazis. — 9CHLOMO S. TANGER Vereinte Nationen. — Das iWiederauftauchen des Antisemitismus in der ganzen ¡Welt wurde unumwunden angeprangert, als die Subkommission für die Verhütung von Diskriminierung und Schutz der Minderheiten in die Debatte über die Resolution eintrat, welche sich gegen den Rassenhass ■wendet. Richter Philip Halpern, der 'energischste Befürworter dieser Resolution, ersuchte die 14 Mitglieder der Kommission, das Projekt einstimmig anzunehmen, und verwies auf die ,.spontane Reaktion” der Welt auf die jüngsten antisemitischen Ausbrüche. Die sowjetische Delegierte, Frau Mirnowa, die verschiedene Abänderungen vorschlug, warf ein, Richter Halpern habe es in seiner Analyse der Situation unterlassen, auf „die Wurzeln des Uebels” einzugehen. Sie forderte, dass das Naziregime, das der Richter nicht genannt habe, erwähnt werden müsse, denn „wir können hier eine sorgsam geplante faschistische Aktion erkennen.” Die Resolution dürfe keinen Zweifel daran zulassen, dass „wir die antisemitischen Vorfälle und jede Art von Rassenhass verdammen, denn heute geht es gegen die Juden, und morgen können die Slawen an die Reihe kommen, die von den Nazis als Untermenschen betrachtet werden.” Vereinte Nationen. — Die Subkommission der UN, die sich mit Diskriminierungen und dem Schutz der Minderheiten beschäftigt, nahm einstimmig eine Resolution an, welche die „Kundgebungen von Antisemitismus und religiösem und rassischem Vorurteil, wie sie unter dem Naziregime vor dem zweiten Weltkrieg an der Tagesordnung waren”, aufs schärfste verurteilt. In der Resolution heisst es, dass „diese Kundgebungen als eine Verletzung der grundsätzlichen, in der UN-Charter und der Deklaration der Menschenrechte niedergelegten Prinzipien anzusehen sind.” Nach heftigen Debatten, die sich fast eine Woche lang hinzogen, und die sich hauptsächlich auf die Bemühungen konzentrierten, das westliche Projekt mit den von der Sowjetunion vorgeschlagenen Abänderungen in Einklang zu bringen, stimmten schliesslich sämtliche Mitglieder der Subkommission für die Resolution einschliesslich der sowjetrussischen und polnischen Delegierten. Jetzt wird der Beschluss an die Kommission für Menschenrechte weitergeleitet, die ihre Sitzungen am 28. Februar in Genf aufnehmen wird. In ihrer Gesamhheit entspricht die Resolution der Formulierung, die ursprünglich von dem Repräsentanten der USA, Richter Philip WIE ICH ES SEHE--- Stellungnahme des Papstes .__ von JEHUDA GOTTHEIMER Die Ausläufer der antisemitischen Welle schlagen noch an ferne Gestade. Wie man erfuhr, wurde ein japanischer Antisemit in Tokio verhaftet, weil er Hakenkreuze angeschmiert hat. Der junge Mann ist Mitglied einer Partei von Rechtsradikalen, die offensichtlich die zerbrochene Achse wiederherstellen wollen. Hin find her wogt es noch immer. Wie eine schleichende Krankheit tritt die Pest des Nazismus auf und lässt ihrem Judenhass freien Lauf. Bis in die entferntesten Winkel unserer Erde werden und wurden Hakenkreuze als Symbol des Kampfes gegen die Juden angepinselt, meistens von irregeleiteten Jugendlichen, die garnicht wissen, wem sie damit einen Dienst erweisen. Die Reaktion der Juden war im allgemeinen Ausdruck einer echten grossen Empörung. Fünfzehn Jahre nach dem schmachvollen Zusammenbruch des Dritten Reiches war es möglich, dass nach allen den furchtbaren Erfahrungen, die nicht nur wir, sondern alle Völker machen mussten, das nazistische Symbol auf deutschen Strassen erschien. Haben wirklich diejenigen Deutschen recht, die von ihrem eigenen Volk erklärten, es habe nichts hinzugelernt? — Haben wirklich diejenigen jüdischen Journalisten und Kritiker Recht, die vor einem Opitimismus über die „Umerziehung” oder über die vermeintliche Demokratisierung des deutschen Volkes warnten, wie etwa der Schreiber dieser Zeilen? Wir müssen uns doch selbst einmal erst Klarheit über unseren Standort in dieser Frage verschaffen. Vor kurzer Zeit lasen wir einen Bericht, dass ein Rabbiner seinem Pessimismus über die Zukunftsaussichten der Juden in Deutschland Ausdruck gegeberf habe, während ein „deutsch-jüdischer” Journalist im selben Augenblick die Stirn hatte, öffentlich zu erklären, dass sich das Attentat gegen die Kölner Synagoge und die Hakenkreuze, die überall erschienen, garnicht gegen die Juden richteten, sondern einen Angriff auf die Demokratie darstellen würden. Was soll diese, nur noch als kindisch zu bezeichnende Spiegelfechterei? Wem soll damit eine Gunst erwiesen werden?: den Juden, den Deutschen, der Demokratie? Beachtliche englische Kreise haben auf die antisemitischen Vorfälle in Deutschland „sauer” reagiert. Man wurde in einigen Zeitungen recht deutlich. Heftige Vorwürfe wurden gegen Adenauer laut, der seine Nazis nicht aus dem Kabinett entlassen will, der 9ich gegen eine Säuberung der Behörden von Nazis und gegen eine scharfe Klarstellung ausgesprochen habe. Die politischen Spannungen zwischen Grossbritannien und Westdeutschland waren in den letzten Monaten nicht unerheblich. Der Regierung in Bonn haben die Interventionen des britischen Premiers in Moskau durchaus nicht gefallen. Es gab erhebliche Erzbischof fordert Protest Washington. — Ein Sprecher der katholischen Geistlichkeit forderte alle Bürger auf, gegen die „ansteckende Krankheit des Antisemitismus” einmütig öffentlich und schärfstens” zu protestieren. Der Erzbischof von Cincinnati, der auch der Präsident des Administrativen Ausschusses der Bischofskonferenz für Katholische Volkswohlfahrt ist, erliess einen Aufruf in einem Communiqué, in dem die jüngsten Profanierungen von Synagogen und Kirchen angeprangert werden. In seiner Ansprache an die anderen Bischöfe, die diesem Ausschuss angehören, erklärte der Erzbischof, die Tatsache, dass „der böse Geist des Hasses” in verschiedenen Ländern zu gleicher Zeit sein Haupt erhoben hat, „scheint zu der Annahme zu berechtigen, dass ein einheitlicher Plan vorliegt, welcher von einer gemeinsamen Zntrale sorgfältig organisiert” worden ist. — „Wir kennen zwar noch nicht die Quelle des Uebels, und wissen nicht, welches verderbliche Ziel die Drahtzieher verfolgen, aber wir müssen uns schon heute der Gefahr bewusst sein und energisch einschreiten, damit die Ansteckung beseitigt wird bevor sie sich ausbreiten kann.” (ITA). ’ Die Arbeit des Jad Waschern Jerusalem. — Der Jad Waschern, die zentrale Behörde zum Gedenken an die jüdischen Märtyrer, ist aufgefordert worden, in ihrer öffentlichen Reaktion auf die jetzige WTelle antisemitischer Zwischenfälle in der ganzen Welt „dynamischer” zu sein. Dieses Verlangen wurde bei der jährlichen Sitzung des Ausschusses der Institution von Schalom Holowsky dem Repräsentanten des Verbandes ehemaliger Partisanen gestellt. Holowsky wurde unverzüglich von S. Z. Shragai, dem Chef der Einwanderungs-Abteilung der Jewish Agency, unterstützt, der äusserte, es würde unverständlich sein, wenn die Organisation nicht auf die Vorfälle reagiere. Gleichzeitig wurde gefordert, der Jad Waschern solle regelmässige Berichte über die nazistischen Organisationen und ihre Wühlarbeit veröffentlichen. Der Direktor der Organisation, Dr. Kubovy, erklärte in einer Ansprache vor dem Ausschuss, dass die Institution wichtige Beweise gegen zahlreiche Nazis bei den betreffenden Prozessen in der Vergangenheit geliefert und kürzlich begonnen habe, die Suche nach neuen Nazi Verbrechern aufzunehmen. SCHLOMO S. TANGER Halpern aus Buffalo, mit Unterstützung der Vertreter Grossbritanniens, Frankreichs, Oesterreichs, Uruguays und Finnlands vorgeschlagen wurde. Eine der wichtigsten Aenderungen, auf der Sowjetrussland bestand, das die Erwähnung der Nazis verlangte, wurde von Halpern und seinen Kollegen in der endgültigen Fassung berücksichtigt. Die Resolution, die aus zwei Teilen besteht, gibt eingangs ihrer „tiefen Besorgnis” über die kürzlichen Kundgebungen von Antisemitismus und religiösen und rassischen Vorurteilen Ausdruck und weist darauf hin, dass „es Aufgabe der UN als Vertreterin der internationalen Gemeinschaft ist, gegen diese Geschehnisse Stellung zu nehmen, um die ihnen zugrundeliegenden Fakten und ihre Ursachen festzustellen und die wirksamsten Massnahmen zu empfehlen, die ergriffen werden müssen. Die Subkommission gibt ihrer Befriedigung Ausdruck, dass die Regierungen, Völker und privaten Organisationen spontan auf diese Vorfälle reagiert haben. Grenzzwischenf all Jerusalem. — Ein Soldat einer israelischen Patrouille fand den Tod, und zwei Israelis wurden verwundet, als die Syrer das Dorf El Katzir in der entmilitarisierten Zone mit Maschinengewehr- und Artilleriefeuer angriffen. Das israelische Aussenministerium hat sich mit den UN in Verbindung gusetzt. (ITA) Kontroversen über das Problem der atomaren Aufrüstung. Den Engländern gefällt auch die deutsche Haltung in der Berlin-Frage nicht. Es sind also einige Reibungsflächen vorhanden, die inzwischen durch die drohende antisemitische Gefahr rauher geworden sind. Die Engländer haben offensichtlich verstanden, dass Antisemitismus ein Zwillingsbruder des Nazismus ist. Oder sollten beide Tendenzen etwa identisch sein? Sicher ist, dass im Kabinett Adenauer noch immer ehemalige Nazis sitzen, die eine nicht sehr klare — oder eine zu klare — Vergangenheit haben. Und Adenauer deckt sie oder hält sie. Hier liegt ein politischer Kardinalfehler. Man unterschätzt die Bedeutung der Tatsache, dass Nazis im Bonner Kabinett sitzen dürfen. Das ist doch die gleiche Regierung, die mit Israel einen Vertrag geschlossen hat, worauf gerade erst vor kurzem von Dr. Adenauer hingewiesen worden ist. Das sind wirklich grandiose Perspektiven: die Ex-Nazis haben auch den Israel-Vertrag mitgemacht. Haben sie deswegen schon aufgehört, Nazis zu sein Eine deutliche Erklärung hierüber haben wir nicht vernommen. Aber auch wenn die früheren Nazis und heutigen Minister Adenauers jetzt keine Nazis mehr wären, so bedeutet doch ihre Mitgliedschaft im Kabinett eine Ermunterung für alle Ehemaligen, für alle Unbelehrbaren, für alle diejenigen, die davon träumen, dass ein Viertes oder Fünftes Reich den Traum vollenden werde, aus dem das Dritte Reich durch die alliierten Armeen gerissen wurden. Endlich hat Nachum Goldmann, Präsident des Jüdischen Weltkongresses und Freund Adenauers, ein wenig deutlicher gesprochen. Es müsse eine nazistische Zentralstelle geben, so erklärte Goldmann, die diese letzte Terror.- und Propaganda-Aktion geleitet hat. Es sei an der Zeit und lohnend, eine offizielle Untersuchung über die „unbekannten Kräfte” anzustellen, um vor der Weltöffentlichkeit die Hintermänner der letzten Kampagne zu entlarven. Die deutsche Regierung hat auf die Deklaration Goldmanns schnell reagiert und beschlossen, eine solche Untersuchung vorzunehmen. Natürlich wird es darauf ankommen, ob nur einem berechtigten Verlangen von Dr. Goldmann nachgegeben wird, oder ob die Regierung in Bonn ernstlich gewillt und entschlossen ist, gegen die nazistische Brut energisch vorzugehen. Goldmann hat mit seiner Forderung nach einer umfassenden Untersuchung der letzten Vorfälle einem Verlangen Ausdruck gegeben, das nicht nur von Juden gestellt worden ist. Es sind heute ausreichende demokratische Kräfte vorhanden, die begriffen haben, dass der Angriff des Nazismus eich nicht allein gegen die Juden richtet. Der Kampf gegen die Juden war und ist das Präludium geblieben, die betäubende, manche ergötzende, manche abstossende Einleitung des Krieges gegen eine freie Welt, die an Gerechtigkeit glaubt Und die Gewalt verabscheut. Ist die Frage eigentlich fehl am Platze, aus welchen Gründen erst Nachum Goldmann kommen musste, um., die Bonner Regierung zu einer umfassenden Untersuchung zu bewegen? Aus welchen Gründen hat das Kabinett Adenauer solange gezaudert? Was liegt näher, als eine umfassende Untersuchung anzuordnen? Ober gibt es einen ■ verantwortlichen Politiker in Deutschland, der nicht der Ueberzeugung ist, dass wir hier einer gut organisierten, wohl geleiteten antisemitischen Aktion gegenüberstehen? Wer soll die Untersuchung führen? Diese Frage ist kein unerlaubter „Eingriff” in die internen Angelegenheiten eines souveränen Staates. „Eigentlich“ war es wohl normal, wenn die Untersuchung dem Bundesinnenminister anvertraut werden würde. Aber gehört nicht gerade der deutsche Innenminister zu jenen „Ex”, die ihre Vergangenheit noch nicht ganz überwunden haben? Diese Situation erinnert uns an die Wiedergutmachung, wo man diejenigen zu Richtern eingesetzt hat, die selbst den Schaden zufügten, vielleicht nicht gerade sie, aber doch rihre Väter, Brüder oder sonstigen Volksgenossen. Soll wirklich ein früherer Nazi (SchluM auf Seite 3) Mehr Waffen für Deutschland Bonn. — Der deutsche Verteidigungs - Minister teilte mit, er gedenke, noch weitere Waffen für sein Heer in Israel zu erstehen. Wie es heisst, soll in Kürze ein neuer Vertrag über den Kauf von 170.000 Mörser-Geschossen mit Israel unterzeichnet werden. Man habe sich für die israelische Munition entschieden, so äusserte der Mnister, weil diese gut und preiswert sei. (ITA)