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Jüdische Wochenschau · 1960-01-29 · 1749 (29.1.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1749 (29.1.1960)
Date
1960-01-29
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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ISRAELITA FRANQUEO PAGADO EL EJEMPLAR» en toda la República y « Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? iiq. T. E. 89 - 2613 Concesión 908 ARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 29 DE ENERO DE 1960 No. 1749 laschisten sind am Werk ln diesen Tagen, da Hakenkreuze an Synagogen und Kirchen erscheinen, antisemitische Hetze bereits zu Drohbriefen aus Dunkel und Anonymität vorstösst, alarmierende ähnliche Vorkommnisse über mehrere Kontinente gemeldet werden, Behörden auf Tätersuche sind tut eins not: Erf kenntnis und Besonnenheit. Denn klar ist, dass jene Kräfte, die sich barbarischkriminell gebärden, mit Weihnachten als „Signal" starteten, eben Verwirrung anstreben. Verstörung und Panik. Eine rechte Einschätzung. die das Ergebnis der behördlichen Untersuchungen sorgfältig zu verwerten haben wird, wird bald möglich sein. Von welcher Seite der Plan kam, wer die Drahtzieher sind, ob die ,.internationale-’ Erstreckung der braunen Betätigung ursprünglich beabsichtigt war oder nur ein einkalkuliertes Echo ausländischer Antisemiten war. Vieles spricht für die Einheitlichkeit des Vorgehens durch eine Gruppe oder Stelle, die ihre „Verbundenheit” kennt. Die Internationale des Antisemitismus hat stets innig zusammengehalten, wie die Geschichte ausweist. Worauf hier hingewiesen sein soll, ist das Muster, das Rezept, nach dem jene Unbelehrbaren offensichtlich handeln. Wir sind gegenüber der Zeit nach dem ersten Weltkrieg entschieden im Vorteil. Deutsche Nationalisten, dann die Nazis entwickelten ein Schema der Gewalt in der Opposition, das alsbald von der Defensive zur Offensive schritt, als der Zeitpunkt für gekommen erachtet wurde. Das Beispiel der verhängnisvoll also minierten Weimarer Republik ist beredt. Zunächst schlägt man jetzt eine Taste an, um die Wirkung des Klangs zu vernehmen. Propaganda als unaufhörliche Wiederholung der gleichen Lügen und Verleumdung. Drohung, Einschüchterung, vorerst aus dem Dunkel, aus dem Unsichtbaren. Werbung Gleichgesinnter unter Behauptung: wir sind ein Fak- Leberislänglich München. — Der ehemalige Blockführer im KZ Sachsenhausen, Richard Bugdalle, ist wegen Mordes an 9 Häftlingen und Beihilfe zum Mord von 9 weiteren KZlern zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden. Das Urteil erging nach einer erstaunlich kurzen Verhandlung, die nicht, wie man angenommen hatte, drei Wochen sondern nur drei Tage lauerte. 1 Bugdaile bezeichnete I alle Austagen der Bela- I stungtzeugen als „Ltij /reu" UTA) t von F. S. G tor, wir sind eine Macht. Motto: wir sind noch — wir sind — wir sind bereits. Erzeugung von Furcht und Lähmung. In Amtsstellen der Weimarer Republik sassen Gleichgesinnte der beseitigten Monarchie, Willfährige einer nationalistischen Diktatur. Jene rechneten mit ihnen. Der Sturz, der Verrat, dem die Republik zum Opfer fiel,, schien jene zu bestätigen. Die Konspiration trug ihre Früchte. ln dem Beklemmenden der „Wiederkehr” liegt ein groteskes Element: die Pseudo- Ideologie des Faschismus arbeitete zentral mit dem Be- (gTiff der Not. Sie schaltete j bewusst die wahren Gründe — den von ihnen stets angestrebten und ausgelösten Krieg — aus, formulierte eine „nationale” Not, suchte Schuld bei anderen und nach altem Rezept — bei Juden und „Juden-Republik”. Wirtschaftliche Fragen. Kausalität der Geschehnisse wurden umgelogen zu Personifikationen eines sog. „inneren” Feindes, und die Dummen und Ahnungslosen fielen gründlich herein. Heute jedoch ist jene vorgegebene Lüge der Not in Westdeutschland nicht vorhanden, die westdeutsche Wirtschaft und Industrie hat einen glänzenden Aufstieg zu verzeichnen, der jene entlarvt, die ihre eigene Not als; die des Staates verzweifelt jauszugeben versuchen. Sie fürchten die Stabilisierung der Verhältnisse, den friedlichen Aufbau, den rosiger sieh abzeichnenden aussenpolitischen Aspekt. Die Felle schwimmen ihnen davon, die letzte Chance. So unternehmen sie einen Verzweiflungsakt, basierend auf einer Einschätzung der deutschen Bevölkerung, die einst auf Hitler hereinfiel, auf die Jugend, von der es heisst, dass sie wahre deutsche Geschichte nur bis Bismarck kennt und selbst diese nicht!). , Neben der Glorifizierungs. lüge der braunen Diktatur erhebt sich dieses Mal aber makabrisch das Inferno des zweiten Weltkrieges, der sich auch über Nazideutschland in aller Wucht entlud. Und .selbst der, der nichts von den Millionen Toten, dis der Nationalsozialismus auf der ganzen Erde zu verantworten hat, der angeblflch nichts von Seheusslichkeiten und Grauen der Konzentrationslager, den sechs Millionen ermordeter Juden wissen will —, um das Mahnmal der Geschichte im eigenen Bereich der zerstörten deutschen Städte weiss er, um die Schuld des Nazi-Regimes, dass es dazu kam, weiss er bestimmt Wozu dann alles? Warum der Versuch, Täter und Mörder zu erneuen, wozu? Wer also fragt, verkennt die Pathologie des Gewalt-Tätigen, übersieht das Heer jener, die nicht wissen, nicht wissen wollen, nichts dazu gelernt haben. Dass es an den Synagogen geschah, dass das Niederträchtige sich an jüdischen Gotteshäusern manifestierte, kennzeichnet gleichnishaft die unüberbrückbar geschiedenen Anschauungen des pathologischen Hasses und der Nächstenliebe. Sie verbrannten einst die Synagogen, ihr Regime ging unter. Das Gotteshaus erhob sich wie das freie Kort, das sie im Autodafé auszulöschen suchten, Glaube und Freiheit werden verkündet, jene sind im Bestand gefährdet. Plump und primitiv wie sie sind, erkennen sie es nicht einmal. An Autodafé und Synagogen- Flammen erkannte die Welt, wen sie vor sich hatte und bezog Stellung. Sie verfechten ihre brutale Ideologie und gefährden all das. was Erkenntnis mühsam aufzubauen suchen. All das lässt sie kalt. Ihnen geht es nur nach Klischee faschistischer Taktik darum, sich sichtbar zu machen: die Nazis und Goebbels wandten es vor allem gegen „Personen”, gegen jüdische Persönlichkeiten an, griffen jüdische Prominente an, um in der Umlügung komplizierter politisch-wirtschaftlicher Prozesse dem Dummen einen „Greifbaren’ zu bieten. Das ist heute, da die Zahl der Juden in Deutschland höchst gering ist, fast undurchführbar. So geht es gegen die Synagoge als ,,Person”-Ersatz, gegen ein Mahnmal als geschichtliche Warnung. Man formiert sich, man stösst aus dem Dunkel vor, bliebe am liebsten vorerst noch lange anonym, da das nicht Greifbare Körperlich - Unfassbare als Machtfaktor in der politischen Auseinandersetzung leicht überschätzt wird. Es ist gut, heute sich zu erinnern. Jene, die zur Gewalt als prima ratio schritten, habe uns einiges über Technik und Taktik ihres Vorgehens hinterlassen, man sollte es sorgfältig lesen. Hier ist ausgesagt, brutal offen geschildert, wie man startete. Das notwendige Klima für den Beginn zu schaffen, noch als die schwache Weimarer Republik bestand, bekennen sie zynisch, hohnvoll. Man „spielt”, man schaltet Räuberromantik ein, geht „Untergrund” und schliesst sieh zum Geheimbund zusammen. Nach dem ersten Weltkrieg nennt man sich „Brigade Ehrhardt-’. In einem der Feme-Prozesse sagt der Angeklagte Hauenstein: „Wir bezeichneten diesen Zustand als den „Krieg im Dunkeln”. Spezial - Formationen und Stosstrupps arbeiteten mit Terror und Mord. Die in „Organisation Consul“ umbenannte Verschwörergruppe um den Kapitänleulnant Ehrhardt gab Kunde von ihrer Existenz durch die beiden Buchstaben „O.C.” Ueber Atmosphäre und Aktionen dieses Kreises äussert sich der am Rathenau- Mord Mit-Beteiligte Ernst v. Salomon in seinem Buch „Die Geächteten-’ krass deutlich: „Was Walten der O. C. wurde bald fürchterlich offenbar. Durch die Gassen schlich der Mord. Gift, Dolch. Pistole und Bombe schienen die Werkzeuge einer aus dem Dunkel der deutschen Wirrnis emportauchenden Schar kaltherziger Verbrecher. In den Städten krachten Detonationen. Männer, die weithin sichtbar standen, ... fielen im Feuer... Jede einzelne Tat schlug ihre Kreise. Die Krei_ se aber schnitten sich, wuchsen ineinander. Bald konnte kein Zweifel bestehen, dass hier nach einem einheitlichen, düsteren Plan gehandelt wurde.” Der zynische Bekenner, der das Vorgehen völlig offen schildert, fährt fort und zeigt, was man anstrebte: „Die Erregung wuchs, mit ihr der Abscheu. Aber es wuchs auch zugleich eine unbegreifliche magnetische Kraft, die immer grössere Teile des Volkes in den verbrecherischen Strudel zog... Die allgemeingültige Vorstellung von der O. C. liess überall ihren Einfluss wit- -tern... Es war wie eine Pest, welche die friedlichen Bürger heimsuchte. Bald fühlten sich ungezählte Liedertafeln als Organe der geheimnisvollen Macht und spürten sich berufen und gebenedeit, Retter des Vaterlandes z-u sein. Das ging mit husch und husch und pst und pst durch alle Kneipen, Keller, Kammern... Die Männer... flüsterten das Zauberwort, „Befehl vom Chef-’, und niemand wagte nachzuforschen, und die Gefolgschaft war gesichert... Wie eine gasgefüllte Wolke dehnte sich der ruchlose Geist des Geheimbundes aus.” Wenn der Gewalt-Tätige v. Salomon abschliessend sich den Witz leistet, das Bestehen der „O.C.” zu bestreiten, so handelte er nur taktisch im faschistischen Sinne. Dennoch wird noch in seiner Umlügung ein weiteres Element neofaschistischer Strategie sichtbar: die befeindete Republik soll über die Kraftstärke ihrer Gegner möglichst im Unklaren bleiben, ja, sie soll über, schätzen, denn dies wird der Geheim - Organisation neue Mitglieder zutreiben. „Es ist nützlich”, heisst es im gleichen Buch, „wenn der Gegner dem Schein der Dinge verfällt und so deren Wesen verkennt. Die Suggestion ist gross. Sie schafft den Schleier, hinter dem gut arbeiten ist für unsereins”. Und der Mitmörder Rathenaus. Kern, den v. Salomon also sprechen lässt, gibt kurz darauf die Anweisung für die, die gefasst werden: „Sagt um keinen Preis die Wahrheit, sagt irgend etwas, Gott, es ist so gleichgültig, APPELL AN DIE ARABER Jerusalem. — An die arabische Welt wurde eine Ra-- dio-Sendung gerichtet, die euch in Jerusalem gehört wer-- den konnte. Hierin wurden die arabischen Völker aufge-- fordert, ihre Pläne für einen „Vernichtungskrieg gegen Israel aufzugeben.” — Diese Mitteilung wurde von der Station Bagdad im Zusammenhang mit dem Plan des irakischen Ministerpräsidenten Kassem gemacht. Dieser Plan sieht die Schaffung einerneuen Republik Palästina unter der Führung des ehemaligen Muftis von Jerusalem, eines Freundes von Hitler, vor. Vor allem wendet sich Transjordanien gegen ei— nt*n solchen Plan, das nämlich das gesamte cisjordanische Territorium herausgeben soll, das e« nach dem Befreiungskrieg Israels annektiert hat. Radio Bagdad zitierte einen Artikel der sudanesischen Zeitung „Risals”, in welchem es u. a. heisst: „Die Araber' müssen es ein für alle Mal verstehen, dass ein Angriff gegen Israel in einem grossen Masstab unmöglich ist, wie es die Araber so viele Male versprochen haben. Denn Israel ist ordentliches Mitglied der Vereinten Nationen. Israel an« zugreifen, bedeutet dasselbe wie einen Angriff gegen die- UN zu richten.” was. Sagt irgendetwas, das i die Leute verstehen, die gewohnt sind, ihren Morgenblattern zu glauben Sag. i meinetwegen, er (sc. Rathenau) sei einer von den Weisen von Zion, oder er habe seine Schwester an Radek verheiratet, oder sonstwas ödes... Sagt es so platt wie möglich...." Hier ist von einem Nihilisten brutal deutlich das Rezept wiederholt, wonach die äusserste deutsche Rechte, dann die Nazis handelten.’ i Das richtet sich gegen die „verheerenden Gewalten der Zivilisation”, das sucht Recht und Ordnung mit der Waffe zu „liquidieren”, das sieht im „Maschinengewehr durchaus höchlichst geeignetes Mittel, mit einer ganzen Reihe von Problemen der Zeit, den sogenannten Geist einbezogen, auf die sparsamste Weise fertig zu werden.” (E v. Salomon, Die Stadt). Das ist das Gift, zu dem das des Dr. Goebbels stösst, der von der Propaganda aussagt, dass nur diejenige gut sei, die zum Erfolge führe”. Es kann also keiner sagen, eure Propaganda ist zu roh, zu gemein oder zu brutal oder sie ist nicht anständig genug.” Das sind diejenigen, die ■ entrüstet sich dagegen wtnj den, wenn man von deutscher Kollektivschuld spricht j und es denen, die diese ab- | lehnen, schwer machen, das i deutsche Volk in seiner Gesamtheit mit dem fluchwür- I digen Bilde fanatischer Nihilisten verwechselt zu sehen. Der Antisemitismus aller Kategorien war es, der gegen („die Juden” mit kollektiver I Schuld und Haftung in ungeheuerlicher Lüge begann. Die Nazis waren es, die im letzten Weltkrieg die Kollektivschuld ganzer Völker I starteten. I „vertrauliche” Anweisung von Goebbels an seine Leute vom 2. August 1940 lautet: Die Redner werden angehalten, bei der j Behandlung des Themas „Frankreich” mit besonderer Eindringlichkeit dem Volke folgende Gedanken vorzutragen: Alles Geschwätz über die Schuldlosigkeit des französischen Volkes am JSriege... wird energisch zurückgewiesen. Für seine Führer ist immer das Volk verantwortlich, das sie wählt...” (!) Was in diesen Tagen antisemitisch aufflackert, muss sehr ernst genommen werden. Es begann in- Westdeutschland, es tritt über mehrere Kontinente brutal in Erscheinung. Die Nazis sind am Werk, die Internationale des Antisemitismus handelt entsprechend. Was geschieht, ist ein Symptom und solchermasen in den gefährlichen Auswirkungen kaum zu überschätzen. Ob die Geschichte zum Lehrmeister wurde, wird sich zu zeigen haben. Die Friedhöfe schweigen. Aber in ihrem Schweigen ist Warnung, Aufgabe und Pflicht. Ernennung im Staatsdienst Jerusalem. — Brigadier David Shaltiel, der frühere israelische Botschafter in Mexiko, wurde zum Leiter der kürzlich geschaffenen Abteilung für ökonomischpolitische Planung ernannt. Ihm wird das Studium der politischen Faktoren obliegen, die auf die wirtschaftlichen Beziehungen Israels im I Ausland Einfluss haben. — (ITA) i Arie Eshel verabschiedet sich Montevideo. — Am Vorabend des Ablaufs seiner Amtszeit in Montevideo wurde der israelische Botschafter Arie Eshel vom Präsidenten Uruguays Martin Echegoyen empfangen, der ihm versicherte, dass sein Land die traditionelle Politik der Freundschaft mit Israel fortsetzen werde. Eine ähnliche Versicherung gab der zukünftige Präsident Benito Nardone ab, von dem sich Botschafter Eshel ebenfalls verabschiedete. Inzwischen reiste Botschafter Eshel nach Israel ab. Er wird in Kürze zum Botschafter in einem (anderen Land ernannt werden. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual N° 624.070 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3114

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