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Jüdische Wochenschau · 1960-01-19 · 1747 (19.1.1960) · p. Seite 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1747 (19.1.1960)
Date
1960-01-19
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German, Spanish
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Martes, 19 de Enero de I960 LA SEMANA ISRAELITA Ario XXI. — No. 1747 — 7 Friedhoefe, Kirchen und Missionen VOR 15 JAHREN Ein jugendlicher Krimineller aus der Korrektionsanstalt Messia in Jerusalem ■wird vor Gericht gestellt •wegen Friedhofsschändung auf dem protestantischen Kirchhof neben dem Jerusalemer Schwimmbad. Acht jugendliche Mitglieder der orthodoxen Benej-Akiba-Organisation konnten von der Jerusalemer Polizei als die Störenfriede ermittelt werden, die in der russischen Kirche in Jerusalem während eines Abendgottesdienstes sich ungebührlich aufführten... Die Regierung musste sich in einer besonderen Verlautbarung an die Oeffentlichkeit wenden, um schärfste Massnahmen gegen derartige TJebelstände anzumelden. Diese beiden Vorfälle stehen ja leider nicht ganz isoliert da, sondern stellen ein Glied in der Kette unerfreulicher Aeusserun. gen jugendlicher Intolleranz gegenüber Vertretern und Institutionen christlicherjKirchen in Israel dar. Wir, die wir religiöse Toleranz in der ganzen jüdischen Welt so dringend benötigen, die wir stets unsere Stimme gegen Schändung jüdischer Friedhöfe in Deutschland und Brandstiftungen an Synagogen in den USA, gegen die Beeinträchtigung jüdisch-religiösen Lebens in der Sowjetunion und wo immer sonst auf der Welt erhoben haben, müssen doppelt auf die Reinheit der Beziehungen zu religiösen Minderheiten im eigenen Lande achten. Die Meinungen hierüber sind in den verantwortlichen Kreisen ungeteilt. Das kürzlich gegründete Comité für interkonfessionelle Verständigung tut sein Möglichstes, um Behörden und Oeffentlichkeit auf diese schreienden Misstände aufmerksam zu machen. Das Polizei - Ministerium, das Religions - Ministerium und das Erziehungs _ Ministerium, in. Zusammenarbeit mit dem Aussen . Ministerium, versuchen in verschiedenen Aktionen dem Uebel zu steuern. Aber es muss hier ein offenes Wort gewagt werden: der zügellos Feldzug gegen alle christlichen von SCHALOM BEN-CHORIN sches Beispiel für die Ambivalenz des Gefühls geben, die sich in unserer Oeffentlichkeit so verheerend auswirkt. Die Tageszeitung „Yediot Hayom” brachte als Schlagzeile: „Dramatische Regierungserklärung: Massnahmen gegen Intoleranz, Vandalismus und Demoralisierung der Jugend angeordnet.” (Es handelt sich um den Erlass gegen die Schändung christlicher Friedhöf; usw.). Dieselbe Zei ung brachte in derselben Nummer in Fettdruck eine alarmierende Nachricht: „Judenkinder in den Krallen der Mission.” Die „Krallen der Mission” (Zippornej Hamission) gehören zum festen Vokabular sehr vieler Zeitungen. Man muss sich nun vorstellen, wie derartig aufgemach'e und aufgebauschte Nachrichten auf einfachere Gemüter wirken. Hätte dieselbe Nachricht, deren Inhalt etwas vage war, nicht auch ar.d:rs gebracht werden können? Etwa unter der Ueberschrift: „Jüdische Kinder in christlichen Erziehungsinstituten'’. Das liest sich schon anders, als die „Krallen der Mission”. Im Texte dieser Meldung lasen wir: „Mädchen, die besonders gefährdet sind, von den Agenten der christlichen Kirchen verführt zu werden...” Wozu sie „verführt” werden von diesen „Agenten”, bleibt der Phantasie des Lesers überlassen. Im allgemeinen versteht man unter Verführung von Mädchen nicht die Anleitung zum Rosenkranzbeten... aber genau das ist hier eigentlich gemeint. Nein! So geht es nicht, Man kann nicht einerseits im wüsten Hetzstil gegen religiöse Institutionen christlicher Kirchen schreiben und andererseits Toleranz g g:n die Kirchen, ihre Repräsentanten und Einrichtungen fordern. So vergiftet man nur die Atmosphäre und ist dann über die Resultate empört. Ich habe den geschändeten (von der eigenen Gemeinschaft schrecklich vernachlässigten) protestanti- Missionen im Lande hat eilschen Friedhof in Jerusalem De Atmosphäre geschaffen, , besucht. Auf mehreren Grabdie jeden Priester und jede Nonne, jeden Pastor und jede Diakonissin als Jugendverführer, als Fünfte Kolonne, als Schädling der Oeffentlichkeit erscheinen lässt. Niemand in Israel wünscht die christliche Erziehung jüdischer Kinder in Israel, aber die Bestrebungen, die Aktivität der Judenmissionen einzudämmen, müssen ausschliesslich mit positiven Mitteln durchgeführt werden, ohne jede Diffamierung der Missionare. Ich möchte hier ein typi- , steinen kann man lesen, dass hier Judenmissionare ruhen. Wenn man diese Menschen als „verführende Agenten” mit „Krallen” im Leben darstellt — statt als ideologische Gegner, deren bona fide-Haltung aber nicht in Abrede gestellt werden soll — dann'darf man sich nicht wundern, wenn es irregeführte Jugendliche gibt, die die letzte Ruhestätte solcher „verführenden Agenten” nicht respektieren. Die Friedhofsschändung und die Vorfälle in der russischen Kirche in Jerusalem sollen ein Menetekel sein: der ungezügelte Hass gegen die Mission hatte längst die Grenzen sachlicher Auseinandersetzung oder gar eines brüderlichen Glaubensgespräches verlassen und das Christentum in Israel einfach in Misskredit gebracht, die Konsequenz ziehen, die traurig, beschämend und gefährlich zugleich sind. Wir wollen die Sache aber auch einmal aus einer ganz anderen Perspektive betrachten. Da erhalte ich nun Seit einiger Zeit eine wirklich ausgezeichnete Wochenzeitung „Sonntagsblatt / Unabhängige Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft”. Herausgegeben von Hanns Lilje. Das Blatt erscheint in Hamburg, aber der Herausgeber ist D. Dr. Hanns Lilje, lutheranischer Bischof in Hannover, ein echter religiöser Demokrat, der im vorigen Jahr Israel besucht hat und hier viele Freunde gewann. Man findet in seinem Blatt zuweilen auch Artikel über Chassidismus und andere jüaische Pro’bleme, stets im Sinne echten Verständnisses. Mit dem Anzeigenteil hat der Herausgaber sicher nichts zu tun, aber wir haben doch etwas gestaunt, als wir darin eine Einladung zur Teilnahme an der zweiten evangelisch - lutheranischen Zigeunermissions . Konferenz lasen, die auf dem Hessenkopf bei Goslar im Harz veranstaltet wurde. Zur Beruhigung stand übrigens gleich dabei, dass es keine Tagung mit Zigeunern ist, sondern eine Studientagurig über Zigeunerfragen. (Also Diplomat in Cuba Havanna. — Der neue israelische . Geschäftsträger in Cuba, Dr. Joel Barromi, der bisher Mitglied der diplomatischen Vertretung Israels in Argentinien gewesen ist, hat sein neues Amt angetreten. Als eine seiner ersten Amtshandlungen Unterzeichnete Dr. Barromi ein Handelsabkommen mit der Meistbegünstigungsklausel zugunsten Israels. (ITA) LUACH (Kalender ) Dienstag, den 19. Januar 19. Tevet Mittwoch, den 20. Januar 20. Tevet Donnerstag, den 21. Januar 21. Tevet Freitag, den 22. Januar 22. Tevet Sonnabend, den 23. Januar 23. Tevet Schabbat SCHEMOT Haftara: Yeschayahu XXVII6 XXVIII 13 — XXIX 22,23 Neumonds-Ankündigung Sonntag, den 24. Januar 24. Tevet Montag, den 25. Januar 25. Tevet Dienstag, den 26. Januar 26. Tevet Mittwoch, den 27. Januar 27. Tevet Donnerstag, den 28. Januar 28. Tevet Freitag, den 29. Januar 29. Tevet Sonnabend, den 30. Januar 1. Schwat Schabbat Rosch chodesch WA’ERA Haftara: Yescnayahu LXVI 1—24 Sonntag, den 31. Januar 2. Schwat Montag, den 1. Februar 3. Schwat Goldreserven erhöht Jerusalem. — Die Goldreserven Israels konnten im Laufe des letzten bürgerlichen Jahres 1959 um 20 Millionen Dollar erhöht werden. (ITA) Aus Ghana Tel Aviv. — Die Regierung von Ghana will die Transportmittel verstaatlichen. Es wird gemeldet, dass die Aktien der Israelisch- Ghanasischen Schiffahrtslinie von der ZIM zu 40 Prozent an die Regierung von Ghana verkauft werden sollen. Wie die „Black Star” (Schwarzer Stern) - Gesellschaft mitteilt, sollen 40 Prozent der Aktien an die Regierung von Ghana übergeben werden. Die Regierung von Ghana hat die Absicht, weitere 12 Millionen Pfund zu investieren, um 10 neue Schiffe zu erwerben. ZIM wird die Verwaltung der Ge. 9ellschaft aufgrund eines neuen Vertrages bis 1962 innehaben. (ITA) ohne lebende Studienobjekte). Leider ermöglichten es meine Reisepläne nicht, an der Zigeunermissions-Konferenz ohne Zigeuner teilzunehmen, aber die Adresse dieses Unternehmens hat es mir angetan; „Evang..-luth. Pfarramt für den Dienst an Israel und den Zigeunern”) Braunschweig, Bernerstrasse 10. I. Bitte, ich haoe nichts gegen die Zigeuner. Mein Kindermädchen redete mir freilich vor über vier Jahrzehnten ein, dass ich mich von den „kinderstehlenden Zigeunern” in acht nehmen müsse. Ich habe dieses Vorurteil aber längst überwunden und wäre froh, wenn meine christlichen Mitbürger im Lande meiner Her kunft die Vorurteile gegen die Juden so überwunden hätten und meine jüdischen Mitbürger in Israel die Vorurteile gegen die Christen... Aber obwohl ich den Zigeunern in absolut wohlwollender Neutralität gegenüberstehe und weiss, dass wir insofern Leidensgefährten sind, als Hitler nicht nur uns Juden, sondern auch die Zigeuner ausrotten wollte..., glaube ich doch, dass ein „Dienst an Israel und den Zigeunern” eine etwas „schiefe Doppelfirma” (ergibt. Die Ziguenr haben der Kirche weder das Alte Testament noch das Evangelium geschenkt, die schliesslich beide aus dem jüdischen Volke erwachsen sind und die einzige Grundlage auch Vor 15 Jahren wurde Auschwitz oefreit. Uns« Bild zeigt jüdische Frauen in Auschwitz mit dem Judenzeichen auf dem Rücken, die fiir das deutsche Heer Zwangsarbeit leisten mussten. des evangelisch . lutherischen Pfarramtes in Braunschweig bilden. Der Unterzeichnete Pastor Georg Althaus w-ird aus dem 11. Kapitel des Römerbriefes sehr wohl um die unwandelbare Erzählung Israels wissen, aber von einer Erzählung der Zigeuner weiss die Kirche nichts. Sie hat sich daher wohl doch zum Alten Bundesvolke Israel ganz anders zu beziehen, als zu den Zigeunern. Das ist ein theologisches Argument, das mit dem menschlichen Wert der Zigeuner, denen wir so viel hinreissende Musik verda nken, nichts zu tun hat. Ab r bei aller Bescheidenheit d.->rf man auch darüber hinars die Behauptung wagen, dass der Anteil der Juden an d r Weltkultur doch ein wesentlich anderer ist, als der Zigeuner. So lange sich gewisse Pastoren als Beglücker „Isfa s und der Zigeuner” empfi •- den, ist es ja in d;r T t schwer, mit ihnen eine gemeinsame Sprache zu .Luden. .. «9 Campana Unida pro Israel JEDEN TAG kommen neue Einwanderer nach ISRAEL 9 i JEDEN TAG geht das AUFBAUWERK weiter in ISRAEL! i JEDEN TAG steht die EINHEITSKAMPAGNE im Dienste! ISRAELS.! 5 Annahmestellen: CAMPAÑA UNIDA PRO ISRAEL,! Comité Centroeuropeo SARMIENTO 2376, III T. E. 47-3820 int. 13 und sämtliche an geschlossenen Gemeinden und Organisationen

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