Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1745 (12.1.1960)
- Date
- 1960-01-12
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANC* UEO PAGADO Concesión 908 EL EJEMPLAR« en toda la República y “ ' Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? i,q. T. E. 83 . 2613 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Ano XXI. BUENOS AIRES, MARTES 12 DE ENERO DE 1960 No. 1745 2I8TISCHE INTER LEIST t Knesseth reagiert scharf - Bonn verspricht energische Massnahmen (Scmuss von Seite I) EIN AUFRUF New York. — Der Rat der »ordamerikanischen Synagogen forderte alle Christen »nd Juden auf» mit Würde und Entschiedenheit der antisemitischen Krankheit entgegenzutreten, die im Augenblick auf der Erde grassiert. Er meinte, man solle diesen Vorgängen keine übermässige Bedeutung beimessen, man solle sie aber auch nicht zu leicht nehmen. — DEBATTE IN DER KNESSET Jerusalem. — Das israelische Parlament gab seiner Kommission für auswärtige Angelegenheiten den Auftrag, einen Aufruf an alle befreundeten Nationen zu entwerfen, um eine gemeinsame und energische Aktion gegen die antisemitische Explosion in verschiedenen Ländern einzuleiten und durchzuführen. Während der Debatte, die in der Knesset über die antisemitischen Zwischenfälle in verschiedenen Ländern geführt worden ist, nahm der Justizminister Dr. Pinchas Rosen das Wort und brachte den Abscheu der Regierung vor den Ausbrüchen des Hasses zum Ausdruck. Er sagte, dass es in Anbetracht der geschaffenen Situation nicht als ausreichend angesehen werden könne, wenn die Regierungen der betroffenen Länder ihr Missfallen über die Verbrechen bekannt geben und diese verurteilen. Es sei notwendig, das Uebel an der Wurzel auszureissen, bevor es zu spät wäre. Gewiss läge es nahe anzunehmen, dass eine internatiofiale Organisation am Werke sei, deren Zentrum in Deutschland liege, die man für allediese Anschläge und Verbrechen verantwortlich machen müsse, die in den verschiedenen antisemitischen Attentaten in Erscheinung getreten sind. Am Schluss der Debatte wurde die Angelegenheit der Kommission für auswärtige Angelegenheiten auf Wunsch der Regierung verwiesen. Möglicherweise wird sich Ben Gurion zu einem späteren Zeitpunkt zu dem gesamten Fragenkomplex äussern. — ZUR REDE ROSENS Jerusalem. — Der Justizminister Dr. Rosen hatte das Wort im Rahmen der Knesset-Debatte ergriffen, die «ich mit den antisemitischen Vorfällen in verschiedenen Ländern beschäftigte. Dr. Rosen lenkte die Aufmerksamkeit der Regierungen aller betroffenen fäidr-r auf diese Angelegen Li;it uad sagte u. a.: „Die Regierungen müssen zu der Ueberzeugung gelangen, dass es sich hier um ein schreckliches Verbrechen handelt, das ausgemerzt werden muss, bevor sich die kleinen Zwischenfälle, die bisher registriert worden sind, in schwere Verbrechen verwandeln.” — Arie Ben Elieser, der die Vorschläge der Regierung unterstützte, fügte hinzu, dass das Wiedererscheinen des Hakenkreuzes keinesfalls nur als ein antisemitisches Zeichen bewertet werden könne. Hierin komme auch die Tendenz zum klaren Ausdruck, die anderen Völker zu beherrschen, die unter den Opfern des Nazismus gewesen sind. — VERHAFTUNGEN IN ROM Rom. — Etwa 30 Personen wurden im Rahmen einer energischen Polizeiaktion in Rom verhaftet, die durchgeführt worden ist, um weitere antisemitische Ausschreitungen zu verhindern. Diese Aktion ist ohne Zweifel bisher die grösste und entschiedenste, die seit dem Beginn der antisemitischen Vorfälle in Europa eingeleitet worden ist. Die italienische Polizei durchsuchte das Parteilokal einer rechtsradikalen Gruppe, wo sie grosse Massen Munition, Schlagringe, Revolver und alle möglichen Waffen sowie ein umfangreiches Propagandamaterial fand. Ein erheblicher Teil dieses Materials war in deutscher Sprache abgefasst. Man fand ferner Hakenkreuze, Reichsadler und andere Abzeichen der nazistisch-faschistischen Aera. Vor allem stiess die Polizei auf ein ganzes Warenlager an Farben und Pinseln! IN NEW YORK New York. — In New York wurden zwei weitere Lümmel verhaftet, die Eisstücke gegen eine Synagoge warfen. Damit stieg die Zahl der Verhafteten auf acht. Einer der Verhafteten ist ein Jugendlicher von 16 Jahren, der schon eine Vorgeschichte als Verbrecher und Autodieb besitzt. — TIEFE ABSCHEU Bonn. — Erstmalig seit dem Auftreten der antisemitischen Welle in Deutschland gab Dr. Adenauer eine persönliche Erklärung ab, als ihn der Generalsekretär des Zentralrates der in Deutschland lebenden Juden, Dr. van Dam, aufsuchte, Dr. van Dam war beim Kanzler erschienen, um diesem zu seinem 84. Geburtstag zu gratulieren. Bei dieser Gelegenheit sagte Adenauer, er empfinde einen tiefen Abscheu gegen die begangenen Freveltaten. Er fügte hinzu, dass „alles Notwendige geschehen werde, um den Ursprung dieser Aktionen blosszulegen und die geistigen Urheber und ihre Helfershelfer zur Verantwortung zu ziehen. — BESPRECHUNG MIT v. BRENTANO Bonn. — Der Aussenminister der Deutschen Bundesrepublik Heinrich v. Brentano hat den Vorschlag angenommen, mit einem der Leiter des Jüdischen Weltkongresses über die antisemitischen Vorfälle, die von Nazis inspiriert worden sind, zu sprechen. Der Chef der politischen Abteilung des Jüdischen Weltkongresses A. L. Easterman hat sich inzwischen von London nach Bonn begeben, wo die Zusammenkunft stattfindet. Die deutsche Regierung hat erneut versprochen, energische Mittel zu ergreifen, um die antisemitischen Zwischenfälle zu unterdrükken. Der Sprecher der Regierung, Felix von Eckhardt, hat eine Pressekonferenz einberufen, obwohl vorher mitgeteilt worden ist, dass keine Pressekonferenz in diesen Tagen stattfinden wird. Offensichtlich wurde das Programm geändert, weil die Regierung ein Wort zu den antisemitischen Zwischenfällen sagen will. VERHAFTUNGEN Bonn. — Wie aus Bonn mitgeteilt wurde, sind inzwischen 28 Personen verhaftet worden, die Mitglieder extremer Rechtsparteien, vor allen Dingen, der Deutschen Reichspartei sein sollen. Nur zwei von ihnen wurden dabei überrascht, als sie Hakenkreuze an die Synagoge in Köln malten. NEUE MASSNAHMEN IN ITALIEN Rom. — Die italienischen Behörden haben scharfe Massnahmen zur Bewachung von Gebäuden jüdischer Gemeinden gegen feindliche Demonstrationen durchgefiihrt. Sowohl die Carabinieris wie die Polizei haben ihre Wach truppen in der Nähe der Synagogen verstärkt. Die neofaschistische Partei, die beschuldigt wird, die antisemitischen Manifestationen zu provozieren, gab eine Mitteilung, in der sie sagt, dass diese Beschuldigungen haltlos seien, sie werde gegen jeden Vorgehen, der diese Beschuldigungen wiederhole. AUCH IN HOLLAND Den Haag. — Auch in Holland ereigneten sich neue antisemitische Angriffe. Von einem nicht erkannten Radiosender wurden Mitteilungen gedrahtet, die mit „Heil Hitler” und „Juden raus” endeten. Als man die Station aufforderte, ihr Kennzeichen bekanntzugeben, antwortete sie nicht. Die jüdischen Führer in den Niederlanden erklärten, dass sie sich nicht durch die Zwischenfälle beunruhigt fühlen, sie sagten: „Die holländischen Juden haben nichts zu befürchten.” Diese Erklärung gab der Oberrabbiner von Amsterdam, Rabbi Schuster ab, der im Namen der Vereinigung religiöser Juden in Holland sprach. Er fügte seinen Worten hinzu: „Viele von uns sind von den antijüdischen Massnahmen schwer betroffen. Es besteht kein Grund zur Panik. Wir wissen, dass von Zeit zu Zeit antisemitische Wellen auftreten. Diejenigen, die geglaubt haben, dass der Antisemitismus mit dem Krieg verschwunden sei, haben sich geirrt.” ROOSEVELT-DENKMAL BESUDELT Oslo. — Das Denkmal des früheren amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, das sich im Zentrum von Oslo befindet, wurde beschmiert. Unbekannte Täter, die jetzt von der Polizei gesucht werden, hinterliessen folgende Worte: „Potsdam! Jüdischer Verräter!” VERURTEILT Berlin. — Der erste Verbrecher, der wegen seiner Naziparteien in Deutschland London. — Colin Lawson, der Korrespondent des „Daily Express” in Berlin berichtet in einer Artikelserie, dass in Westberlin ein gutes Dutzend nazistischer Parteien existieren würden. Hitler habe seine Partei „Naitonalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei” genannt. Die „Sozialistische Partei des Deutschen Reiches” ist die letzte Gründung; es ist eine Partei, die fast ausschliesslich die hitleristischen Parteien benutzt, Diese Partei greift in einer unerhörten Weise den Berliner Innensenator Lipschitz an, der als „Schwein” bezeichnet wird. Ausserdem wird der Vorsitzende der Westberliner Jüdischen Gemeinde, Heinz Galinski, ebenfalls von der Zeitung dieser Partei „Die Quelle” angegriffen. — Beteiligung an. antisemitischen Zwischenfällen vor Gericht stand, wurde in Berlin zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Es handelt sich um einen 23-Jährigen, der Hakenkreuze und antijüdische Parolen an Wände gemalt hat. Die Berliner Polizei verhaftete ausserdem 17 bekannte Rechtsradikale, die im Verdacht stehen, an den antisemitischen Zwischenfällen beteiligt zu sein. ERKLAERUNGEN UND GEGENERKLAERUNGEN Die Gewerkschaften in Deutschland verlangten von der Regierung eine sofortige und energische Untersuchung über die antisemitischen Zwischenfälle. Während die Deutsche Reichspartei öffentlich bestritt, antisemitische Tendenzen zu haben, gibt sie zu, dass viele frühere Nazis sich in ihren Reihen organisierten. Die Berliner Polizei fand jedenfalls bei 17 Rechtsradikalen, bei denen sie eine Haussuchung machten, viele Exemplare von Hitlers Buch „Mein Kampf”, sowie zahlreiche Photographien Hitlers. Ferner wurden umfangreiche militärähnliche Ausrüstungen beschlagnahmt, wie sie früher von der Hitlerjugend gebraucht worden sind. In den letzten Tagen wurden in verschiedenen Ortschaften Deutschlands wiederum Hakenkreuze angepinselt, u. a. in Lüneburg, Braunschweig und Osnabrück. ERKLAERUNGEN VON ECKHARDTS Bonn. — Von Eckhardt sagte in der bereits angekündigten Pressekonferenz, dass es keinen Beweis dafür gäbe, dass die antisemitischen Zwischenfälle von einer bebestimmten Organisation durchgeführt oder kontrolliert worden sind, aber so fügte er hinzu, „wir werden bald diese Beweise haben.” Bei weiteren Ausfühi ungen sagte der Pressechef der deutschen Regierung, dass diese antisemitischen Zwischenfälle direkt gegen die Bundesrepublik gerichtet seien. Es läge die Vermutung nahe, dass die Kommunisten ihre Hand im Spiele haben. KABINETTSSITZUNG IN BONN Bonn. — Die Regierung der Bundesrepublik wurde! zu einer ausserordentlichen Sitzung zusammengerufen, um über die kiirzlichen antisemitischen Zwischenfälle in Westdeutschland zu beraten. Die Regierung beschloss unter dem Vorsitz des Kanzlers Adenauer die sofortige Vorlage eines Gesetzes, durch das Rassenhass und Aufforderung zum Rassenhasse unter Strafe gestellt wird. Der Gesetzentwurf soll unverzüglich dem Parlament zugeleitet werden. Die Regierung brachte ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass die Täter der antisemitischen und faschistischen Zwischenfälle gefasst und verurteilt werden. Sie sei überzeugt, dass das deutsche- Volk die Regierung dabei unterstützen wird, um neue Zwischenfälle dieser Art zu verhindern. WILLY BRANDT WILL DURCHGREIFEN Berlin. — Der Regierende Bürgermeister in Berlin, Willy Brandt, erklärte, dass Berlin die Nazis aus moralischen und natonalen Gründen „plattdrücken” werde. Berln sei bereits entschieden und schnell gegen den Ausbruch des Antisemitismusvorgegangen. Den Führern der Jüdischen Gemeinde sei_ en Garantien gegeben worden, auf die diese völlig vertrauen würden. In Westdeutschland werden zur Zeit gesetzliche Massnahmen beraten, um gegen eine Wiederbelebung des Nazismus vorzugehen. ERKLAERUNGEN ¡Inzwischen haben verschiedene Regierungen, unter anderen der brasilianische Justizminister, die antisemitischen Vorfälle enschieden abgelehnt und scharfe Massnahmen gegen die Uebeltäter entschieden. In Cordoba haben zahlreiche Juden durch die Post Zettel mit einem grossen Hakenkreuz und den antisemitischen Parolen zugeschickt erhalten. Neue Vorfälle Bonn, — Die Serie der antisemitischen Zwischenfälle geht weiter. In Braunschweig wurden Hakenkreuze auf dem Mahnmal für die Opfer des Nazismus angeschmiert. Auch verschiedene andere Gebäude dieser Stadt wurden mit Hakenkreuzen bepinse It. In Gelsenkirchen wurden die Wände einer katholischen Kirche mit Hakenkreuzen beschmiert. Wie mitgeteilt wird, beschäftigt sich die deutsche Polizei damit, die Täter zu identifizieren. — gtstro de Ib Propiedad Intelectual N* 624.OTB preso mi lo Imprenta POLIGLOTA-— Corrientes UM