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Jüdische Wochenschau · 1960-01-12 · 1745 (12.1.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1745 (12.1.1960)
Date
1960-01-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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■ ■ ■■* agi ■■■ ftffclflf1 IA II PUEYRREDON 2190 — 1’ î*q- JfaJkmjanaJsSuxelita T. E. 83.2613 Año XXI. BUENOS AIRES, MARTES 12 DE ENERO DE 1960 No. 1745 Antisemitische Aktionen Die Regierung verurteilt die antisemitischen Vorfälle in der Republk Der Innenminister Argentiniens, Dr. Alfredo R. Vitolo, empfing eine Delegation der DAIA unter Leitung ihres Präsidenten Dr. A. Mibashan, nachdem die DAIA um diese Rücksprache gebeten hatte. An der Unterredung nahmen auch die im Regierunggebäude akkreditierten Journalisten teil. Während dieser Besprechung gab Dr. Vitolo den Abscheu der Regierung über die antijüdischen Vorfälle in der Republik zum Ausdruck. Der Minister hob hervor, dass es sich um vereinzelte Zwischenfälle handelt, in denen antijüdische Manifestationen oder pronazistische Erklärungen abgegeben wurden. Man könne aber in keiner Weise sagen, dass es sich um Ansichten oder Gefühle des argentinischen Volkes handeln würde. Der Minister versicherte, dass die Regierung sehr energische Massnahmen ergreifen wolle, um jeden Versuch der Schaffung einer Atmosphäre von Rassenhass im Keime zu ersticken, was man nur als ein Zeichen von Barbarei ansehen könne. Derartige Kundgebungen stünden im Gegensatz zur argentinischen Tradition und zum argentinischen Lebensstil. Argentinien habe, so führte der Minister aus, ein nationales Leben ohne Diskriminierungen geschaffen. Die Erfoltung dieser Lebensauffassung, die das grosse geistige Erbe Argentiniens ist, werde von der Regierung mit allen Mitteln verteidigt werden. Im folgenden geben wir eine chronologische und zusammenfassende Darstellung der verschiedenen anfisemiiVschen Vorfälle in den verschiedenen Ländern, der Reaktion der Regierungen, Parlamenie und Parteien sowie der in Aussicht gestellten oder bereits ergriffenen Massnahmen. Die antisemitischen Ausschreitungen in verschiedenen Ländern haben die Aufmerksamkeit weitester Kreise hervorgerufen. Man dürfte keinen Zweifel mehr daran haben, dass diese Exzesse auf eine einheitliche Leitung schliessen lassen. Im einzelnen ist hierüber folgendes gemeldet worden: DROHUNGEN IN ENGLAND London. — Der Oberrabbiner von Grossbritannien, Rabbi Israel Brodie, erhielt den Anruf eines Mannes von der „Britischen Nazi-Bewegung”, der ihm drohte, dass alle englischen Juden als Geiseln behandelt werden würden, falls Adenauer unter dem jüdischen Druck irgendwelche Massnahmen gegen die deutschen Extremisten ergreifen würde. EINE ERKLAERUNG Jerusalem. — Das Zionistische Aktionscomite, das zur Zeit seine Tagung in Jerusalem abhält, drückte seine Besorgnis über die antisemitischen Vorfälle in verschiedenen Ländern aus. In einer Resolution werden die Re- WIE ICH ES SEHE---— j [Mit den stärkeren Kanonen i . .- von JEHUDA GOTTHEIMER Vor kurzer Zeit haben die verstaatlichen französischen Autowerke Renault dem Druck der Arabischen Liga nachgegeben, die im Zuge ihrer antiisraelischen Massnahmen die Einstellung der Lieferungen nach Israel verlangt hatte. Als Belohnung hierfür wurde Renault von der schwarzen Liste des arabischen Boykott-Büros gestrichen. Diese Affaire muss die jüdische Oeffentlichkeit eus verschiedenen Gründen interessieren. Obwohl die Renault-Werke nicht die ein. zigen sind, die dem arabischen Boykott nachgegeben haben) bat dieser Fall die breite Oeffentlichkeit in Israel besonders erregt, die ■von der politischen Seite dieser Angelegenheit stärker betroffen worden ist als von der wirtschaftlichen. Renault war Jahre hindurch mit der israelischen Autofabrik „Kaiser Frazer” vertraglich verbunden. Die israelische Fabrik besass eine Lizenz zur Montage der Renault-Kleinwagen Dauphine”. In der letzten Zeit waren Gerüchte im Umlauf, Renault beabsichtige den Vertrag mit dem israelischen Geschäftspartner zu kündigen: tatsächdich berichtete bereits vor einigen Wochen der Kairoer Rundfunk, dass die Renault-Werke von der schwarzen Liste gestrichen wurden. Zur gleichen Zeit aber dementierte die Pariser Firma alle diese angeblichen Gerüchte und erfand immer wieder neue Ausflüchte, weshalb die längst fällige Rate von Autobestandteilen an Kaiser Frazer so lange auf sich warten lässt: einmal war es die „Urlaubszeit”, dann behauptete Renault von den Sublieferanten nicht rechtzeitig gewisse Bestandteile erhalten zu haben. In der dritten Oktober- Woche sprang die Katze aus dem Sack. Renault hat offiziell den Kaiser Frazer-Werken mitgeteilt, dass der gegenseitige Vertrag null und nichtig ist. Zwar sind sich die französischen Werke dessen bewusst, dass ihr dieser Vertragsbruch eine Entschädigungsklage von Kaiser Frazer eintragen wird, doch sie neigt eher dazu, Entschädigungen zu zahlen — die israelische Firma beabsichtigt, zwei Millionen Dollar zu fordern — als die Lieferungen wieder aufzunehmen. Den eklatanten Vertragsbruch begründete Renault mit rein wirtschaftlichen Argumenten. Der Sprecher dieser verstaatlichten, doch autonom nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geleiteten Werkei erklärte sogar, „wer zwischen der Tatsache, dass Renault von der arabischen schwarzen Liste gestrichen wurde und der Vertragskündigung mit Israel einen Zusammenhang herzustellen versucht, sabotiert die israelisch . französische Freundschaft. Was Renault zu «einer Verteidigung auf- Ansprache des britischen Oberrabbiners London. — Der britische Oberrabbiner ergriff auf der Hundertjahrfeier für den jüdischen Dichter Schoiem Alechem das Wort Im Rahmen seiner Ausführungen kam er auf die bedauerlichen antisemitischen Exzesse zu sprechen, die Europa wie eine schwere Krankheit befaller haben. Auch die Gattin des Abgeordneten Barnett Jänner nahm an der Veranstaltung teil, allerdings unter Polizeischutz, da sie mehrfach telefonisch bedroht worden ist. — In Paris fand eine Massenversammlung der Bewegung gegen Rassenhass und für den Frieden statt, in der gegen das Vorgehen der Polizei protestiert wurde, die in der Weihnachtsnacht einen jüdischen Schneider ohne jeden Grund misshandelt hat. Die Internationale Liga gegen den Antisemitismus schloss sich diesen Protesten an. Auf Anweisung der Präfektur fand eine Untersuchung des Zwischenfalles statt. Die Polizei erklärte, dass die ganze Angelegenheit nichts mit Antisemitismus zu tun habe. — gierungen verschiedener Länder ersucht, energische Massnahmen gegen diese nazistischen Aktionen zu ergreifen. Eine besondere Erklärung ist an die Regierung in Bonn gerichtet. — WAS ARABER SAGEN Jerusalem. —. Die antisemitische Welle in Westeuropa hat Bestürzung in Kairo hervorgerufen, weil die ägyptischen Behörden befürchten, dass hierdurch eine neue Einwanderungswelle nach Israel erzeugt wird. Radio Kairo gibt den westeuropäischen Juden den Rat, keine Furcht zu haben, denn in Wirklichkeit bestünde keine antisemitische Gefahr. Darüber hinaus beschuldigt Radio Kairo die Zionisten, sie würden selbst die Hakenkreuze anmalen, um dadurch eine Panikstimmung unter den Juden zu schaffen und die Auswanderung nach Israel zu fördern... — REDE GOLDMANNS Jerusalem. — Dr. Goldmann erklärte, dasdie antisemitischen Vorkommnisse in verschiedenen Ländern darauf hinweisen, dass es eine geheime nazistische Bewegung gebe. Jedenfalls Würde nunmehr feststehen, dass eine Stelle vorhanden sei, die derartige Aktionen ■koordiniere. Dr. Göldmann sagte, er werde bei seiner bevorstehenden Begegnung mit Mitgliedern der westdeutschen Regierung ein energisches Einschreiten und verschiedene Massnahmen fordern, vor allem eine Verstärkung der erzieherischen führte, war ziemlich einfach: der arabische Markt, einschliesslich Marokkos, kann im Jahre etwa 15.000 Dauphines aufnehmen, der israelische Markt nur 1000. Während gleich nach der Kündigung des Vertrages mit Israel Aegypten allein 4.000 Autos bei Renault bestellte, war Israel nicht bereit, sieh selbst zur Aufnahme von 3.000 Autos jährlich bereit zu erklären. Die hohen israelischen Steuern, die jedem Auto aufgebürdet wurden, führten dazu, dass der Dauphine-Wagen in Israel etwa das Doppelte seines Preises in Frankreich kostet. Diese Ziffern stimmen im Grunde. Wohl ist anzunehmen, dass Renault auch bei Vertragsabschluss mit Kaiser Frazer wusste, dass Israel mit seinen zwei Millionen Einwohnern kaum so viel Autos absorbieren kann wie die vierzigfach grössere Einwohnerschaft der Staaten der Arabischen Liga, doch bleibt unbestritten, dass der arabische Boykott Renault wirtschaftlich schädigte. Bisher hat keine französische Firma dem illegalen Druck und der Erpressung der Araber nachgegeben und aul dem Prinzip de« Freihandels mit aller Welt bestanden. Nichts ist dem Durch- Wchluw auf mi« n Ayuda Técnica al Brasil Río de Janeiro. — La región noroeste del Brasil ha »ido escenario de una seguía como se recuerdan pocas en la historia del país. La población de aquellos lugares sufre las consecuencias y las sufre en la peor de sus formas: el hambre. La falta de agua ha echado a perder las cosechas y ha hecho perecer miles de cabezas de ganado. Celso Furiado, encargado de preparar el programa para combatir la sequía, anunció hace poco que Brasil contará con la ayuda de Israel en sus propósitos. Los técnicos israelíes, debido a las especiales condiciones de su territorio, expuesto también a las sequías y conianndo con minúsculas recursos de riego naturales, hair^ncontrado fórmulas como consecuencia de esas mismas dificultades que han tenido que padecer en su país. Brasil no es el primer país que se beneficia del conocimiento y experiencia de los técnicos israelíes. Muchos países de Asia y Africa han establecido acuerdos coon el Gobierno de Jerusalem, para la preparación de planes de diversa índole, especialmente en el terreno agrícola. H. KIRSCH Technische Hilfe für Brasilien Río de Janeiro. — Die nordwestliche Region Brasiliens war der Schauplatz einer Trockenheit wie nur wenige in der Geschichte des Landes erinnerlich sind. Die Bevölkerung jener Orte ist von den Folgen betroffen und erleidet sie in ihrer schlimmsten Form: sie hungert. Der Wassermangel hat den Verlust der Ernten und den Tod tausender Tiere verursacht. Celso Furtado, der mit der Ausarbeitung des Programms zur Bekämpfung der Dürre beauftragt wurde, kündigte vor kurzem an, dass Brasilien bei seinem Vorhaben mit der Hilfe Israels rechnen könne. Die israelischen Techniker, die wegen der besonderen Bodenverhältnisse ihres Landes, das auch regenlosen Perioden ausgesetzt ist und mit geringen natürlichen Wasservorkommen zählt, haben infolge der gleichen Schwierigkeiten, die ihre Böden erlitten haben, neue Methoden erfunden. Brasilien ist nicht das erste Land, das aus den Kenntnissen und Erfahrungen der israelischen Techniker Nutzen zieht. Viele Länder Asiens und Afrikas haben mit der Regierung von Jerusalem Abkommen geschlossen, um die verschiedensten Pläne, besonders auf landwirtschaftlichem Gebiet, auszuarbeiten. H. KIRSCH Anstrengungen, um diese Bedrohung auszuschalten. Dr. Goldmann sagte voraus, dass diese antisemitische Welle eine stärkere Reaktion der deutschen Behörden auslösen werde, die in Zukunft diesen Vorkommnissen grössere Aufmerksamkeit als, bisher-schenken'dürften. — EIN ENGLISCHER FASCHIST London. — Ein Chanukka- Gottesdienst fand in der Synagoge von Notting Hiil gegenüber dem Sitz der faschistischen Bewegung des Sir Oswald Mosley statt. Mosley erklärte von seinem Sitz in Irland aus, dass die. antisemitischen Angriffe lächerlich und sinnlos seien. Der Vandalismus, der aus diesen Vorfällen spircht sei, wie er hoffe, nicht von seinen Anhängern begangen worden. Er sagte: „Wir sind keine antisemitische Organisation. Wir werden niemals die Mitglieder irgendeiner Religjonsgemttip^c^öifc' >. : greifen. — Geoffry Hamm, der Sekretär dieser Bewegung, erklärte, dass sie jede Profanierung eines Gotteshauses verurteilen. Sie seien gegen die Schändung von Synagogen. Die englische Presse berichtet auch weiterhin mit allen Einzelheiten über die antisemitischen Begebenheiten. (Schluss auf Seite 8) Scharfe Massnahmen gefordert Bonn. — Die Empörung in deutschen Kreisen über die Profanierungen jüdischer Gotteshäuser und über antisemitische Vorfälle wächst. Willi Richter, Präsident der Deutschen Handelsvereinigung, sandte an Dr. Adenauer ein Telegramm, in welchem er darum ersuchte, dass scharfe Massnahmen ergriffen werden, die sich gegen die rechtsradikalen Elemente richten ’und verhindern sollen, dass die Naziverbrechen wieder aufleben. Der Nachrichtendienst der Christlich Demokratischen Partei verurteilt in aller Schärfe jede Form des Rassenhasses und der Rassenverfolgung. Der Anschlag gegen die Synagoge in Köln wird als ein Warnungssignal bezeichnet, durch welches das deutsche Volk zur Wachsamkeit aufgerufen wird, um gegen jede Form der rassischen Verfolgungen Front zu machen. Der Vorsitzende der Berliner Gemeinde, Heinz Galinski, forderte, dass die rechtsradikalen Gruppen der Justiz übergeben werden. Inzwischen wird bekannt, dass die Würzburger Polizei die Täter sucht, die in der Weihnachtsnacht eine christliche Kirche und ein protestantisches Denkmal in Seligenstadt profaniert haben. Dort lobt überhaupt nur ein Jude. Ein Mann in Hamburg erhielt einen anonymen Brief, in welchem gefordert wird, dass alle jüdischen Gangster hingerichtet werden. Es handelt sich um einen 85 Jahre alten Juden, der während der Verfolgungszeit sämtliche Familienangehörige in den Gaskammern verloren hat. In dem Brief heisst es, dass die Judenverfolgungen sofort wieder beginnen weide» sobald Adenauer nicht mehr an der Macht sein wird, fe dem gleichen Brief wird behauptet, dass die Kirehensehandungen in Seligenstadt Ton Juden begangen worden seien. (ITA) wor

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