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Jüdische Wochenschau · 1960-01-05 · 1744 (5.1.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1744 (5.1.1960)
Date
1960-01-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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Jk Jemand Jste&lUa BUENOS AIRES, MARTES 5 DE ENERO DE I960 Antisemitische Welle in . von einem Sonderkorrespondenten Una Encuesta Alarmante Nueva York. — Una encuesta efectuada por el Congreso Judío Mundial entre sus organismos afiliados en 46 países se ha puesto de manifiesto la tendencia, cada vez más grave, de resolver "de una buena vez el problema judío por medio de la asimilación, reza un informe especial, firmado por el Dr. Isaac Schwarzbart. "Ahora estamos abocados a uno de los problemas más interesantes y difíciles", dice, "esto es, cómo mantener la conciencia judaica en condiciones de libertad e igualdad de derechos. A mi juicio, es posible resolverlo de una manera constructiva, pero para lograrlo, se requieren esfuerzos tremendos y concertados.'' Las conclusiones del Dr. Schwarzbart se basaron en las respuestas recibidas de 46 países a un extenso cuestionario. Entre los que contestaron figuran 17 comunidades hebreas de Europa y 13 de la América Latina^ aparte de las de Asia (incluso Israel), Africa y Australia. La encuesta arroja datos particularmente interesantes sobre las dificultades para educar a la nueva generación y sobre el creciente número de matrimonios mixtos. Estos se producen principalmente en los países de habla inglesa. HERBERT FRANKENSTEIN Eine alarmierende Umfrage New York. — Eine vom Jüdischen Weltkongress unter den ihm angeschlossenen Organisationen in 46 Ländern veranstaltete Umfrage hat die immer ernstere Tendenz erwiesen, „ein für allemal” das jüdische Problem durch die Assimilation zu lösen, wie ein Sonderbericht besagt, der von Dr. Isaac Schwarzbart unterzeichnet ist. „Heute stehen wir einem der interessantesten und schwierigsten Probleme gegenüber”, heisst es, „nämlich wie wir das jüdische Bewusstsein in Freiheit und Rechtsgleichheit bewahren sollen. Meiner Ansicht nach kann man es auf konstruktive Weise lösen, aber um dies zu erreichen, sind gewaltige und vorbedachte Bemühungen vonnöten.” Die Schlussfolgerungen von Dr. Schwarzbart gründeten sich auf die in einer ausgedehnten Umfrage aus 46 Ländern erhaltenen Antworten. Unter denen, die antworteten, befinden sich 17 jüdische Gemeinden aus Europa, 13 aus Lateinamerika ausser denen aus Asien (einschliesslich Israel), Afrika und Australien. Die Umfrage ergibt besonders interessante Angaben über die Schwierigkeiten, die neue Generation zu erziehen und über die wachsende Zahl von Mischehen. Diese geschehen hauptsächlich in den englischsprechenden Ländern. HERBERT FRANKENSTEIN Die antisemitischen Zwischenfälle in Deutschland haben seit dem Anschlag gegen die neu erbaute Kölner Synagoge bedrohliche Formen angenommen. Eine Reihe von anderen Synagogen wurden mit Hakenkreuzen beschmiert. Das gleiche Schicksal hatten Kirchen und andere öffentliche Gebäude, die von meist unbekannt gebliebenen Tätern mit Hakenkreuzen und antijüdischen Parolen beschmiert worden sind. Die Synagoge von Frankfurt am Main ist Opfer eines solchen Attentates geworden. Ein Gerichtsgebäude in einer kleinen bayerischen Stadt wurde bemalt. An verschiedenen Orten in Deutschland wurden Spruchbänder angeschrieben wie „Juden *raus” und „Deutschland erwache!” Nicht nur, wie bisher üblich in Rheinland- Westfalen, auch in Niedereachsen und Bayern sind solche Zwischenfälle zu ver- Die Zeitungen melden: „Eine Welle antisemitischer Ausschreitungen sucht Westdeutschland heim!” Lassen wir uns doch nichts vormachen. Diese Nachrichten können uns nicht erschrekken. Die schlechte jüdische Politik, die von den sich für besonders wichtig haltenden Repräsentanten des restlichen deutschen Judentums in Deutschland betrieben wurde, stellt sich jetzt als völlig verfehlt heraus. Man hat uns einreden wollen, dass es im „neuen” Deutschland keinen Antisemitismus mehr gäbe. Mit dieser simplen Formulierung hat man uns und die ganze Welt irreführen wolllen. Man hat damit Unrecht getan. Man glaubte, der jungen deutschen Republik einen politischen Gefallen zu erweisen, in Wahrheit hat man ihr geschadet, indem man die ungeheuren Schwierigkeiten verkleinerte, die antisemitizeichnen. In einigen Orten richteten sich die Angriffe nicht gegen öffentliche Gebäude oder Gotteshäuser, sondern gegen dort ansässige Juden, deren Geschäfte und Wohnungen bemalt worden sind. Bundespräsident Dr. Heinrich Luebke erliess einen öffentlichen Aufruf an die Bevölkerung, sie soll wachsam sein und weitere derartige Vorkommnisse verhindern. Aber auch dieser Aufruf erreichte nicht seinen Zweck, denn es wurden nachher noch weitere Zwischenfälle verzeichnet. Man hat den Eindruck, dass alle diese Vorfälle schon nicht mehr der Presse übergeben werden, weil das Echo aus dem Ausland auf diese Ereignisse für die Bundesrepublik ausserordentlich ungünstig ist. In Gelsenkirchen wurde die St. Hedwigskirche mit sehe Gefahr negierte und alles in einem rosigen Ton malte. Man wollte der Welt etwas zeigen, was nicht existiert, man wollte uns einreden, dass es nicht nur ein deutsches Wirtschaftswunder gäbe, sondern auch ein deut. sches politisches Wunder, die Abkehr von den Wahnideen des Nazismus und des Judenhasses. Wir wollen versuchen, diese Problematik so nüchtern darzustellen, wie dies bei diesem Thema möglich ist. Wir geben zu, dass wir Partei sind, dass wir die eine Front darstellen, die Front der von den Nazis Verfolgten, Geschlagenen, Entrechteten, Versklavten und Leidenden. Wir sind die Erben des zerbrochenen deutschen Judentums, wir sind die Söhne jenes jüdischen Volkes, das man in Europa zerschmettert hat. Wir sind die Trauernden um die sechs Millionen ermordeter Juden, Hakenkreuzen besudelt. Auch in anderen Städten haben sich die Täter kirchliche Gebäude ausgesucht, um sie mit Hakenkreuzen zu beschmieren. Die deutschen Behörden vermuten, dass die Täter aus den Reihen rechtsradikaler Gruppen wie Deutsche Reichspartei stammen. Genaue Informationen liegen jedoch nicht vor, obwohl es in einem oder zwei Fällen gelungen sein soll, den oder die Täter zu verhaften. Einige Landesregierungen haben hohe Belohnungen für die Mitwirkung bei der Verhaftung der Täter ausgesetzt. Inzwischen wurde von offizieller Seite mitgeteilt, dass es sich möglicherweise um eine grossangelegte Aktion der Kommunisten handeln würde, deren Zweck es sei, das deutsche Ansehen im Ausland zu mindern. Allerdie in den Wäldern des europäischen Ostens erschossen, in den KZ-Lagern vergast, ausgehungert, zu Tode gemartert worden sind. Wir haben nichts zu vergessen, aber wir haben viel hinzugelernt. Wir sind nicht mehr gewillt, uns von anderen etwas vormachen zu lassen, seien nun diese anderen sejbst Juden. Das Problem hat verschiedene Aspekte. I. Der Sachverhalt Der Antisemitismus war die Quintessenz der nazistischen Doktrin. Mehr als ein Jahrzehnt wurde das antisemitische Gift in den deutschen Volkskörper infiltriert, bis Hitler an die Macht kam, und der Antisemitismus zur offiziellen Staatsgrundlage gemacht wurde. Dennoch wäre es falsch, wenn man die antisemitische Aera erst mit dem Hitlerreich beginnen lassen würde. Denn kein Volk war so gründlich für antisemitische Hetzen und Lügen vorbereitet wie das deutsche. Der Antisemitismus war ein deutsches Gewächs. Die jüdische Geschichte in allen deutschen Landen ist ein permanenter Spiegel antijüdischer Massnahmen, antijüdischer Politik und Ausschreitungen, eine nicht endende Kette von Verfolgungen, Verleumdungen, Degradierungen, Pogromen und Austreibungen. Als die Emanzipation begann, standen hervorragende Männer auf, um für die Rechte der Juden einzutreten: Lessing und Humboldt, von Stein und Hardenberg, um nur wenige zu nennen. Aber ebenso schnell erhoben dings schenkt man allgemein solchen Meldungen keinen grossen Glauben, weil diese Methode der Ablenkung der öffentlichen Meinung der nazistischen Praxis entsprach, während demokratische Behörden derartige Vermutungen nicht preisgeben, bevor man die Sicherheit hat, dass es sich wirklich um einen kommunistischen Anschlag handeln würde. Man erinnert sich nur zu gut daran, dass die Kommunisten vor rund 27 Jahren beschuldigt worden sind, den Reichstag angesteckt zu haben. Man ist der Auffassung, dass die Polizei besser daran täte, die Täter zu fassen ,als sich in Prognosen zu ergehen, die garnicht zu ihrer Aufgabe gehören. Dass es sich um eine planmässige Aktion handeln muss, dürfte auch aus der Tatsache hervorgehen, dass sich ähnliche Vorfälle in Wien, Antwerpen und in Oslo ereignet haben. Mit grösserer Wahrscheinlichkeit dürfte man annehmen, dass die Nazis und ihre Handlanger in anderen ‘Ländern diese Attentate, z. B. gegen die einzige Synagoge in Wien, unternahmen, um die Aufmerksamkeit von sich abzulenken. Auch diese Vorkommnisse sprechen gegen die Version, die Kommunisen hätten ihre Hand im Spiel. Selbst in der englischen Stadt Bolton wurde eine Häuserwand mit den Worten sich jene, die darum kämpften, die Gleichberechtigung illusorisch zu machen, zu verhindern oder wieder aufzuheben. Hitler war ein grausamer Vollstrecker. Es erscheint zweifelhaft, ob er in einem anderen Kulturvolk seinen barbarischen ¡Feldzug gegen die Juden in dieser Form, in dieser Breite und mit dieser Gründlichkeit hätte führen können. Nachdem das Dritte Reich zusammengebrochen war, fanden sich die demokratischen Elemente zusammen, um in einer ungeahnten Kraftanstrengung die Westdeutsche Bundesrepublik aufzubauen. Der Welt sollte bewiesen werden, dass es nicht gerecht ist, das ganze deutsche Volk für die nazistischen Schandtaten verantwortlich zu machen. Eines dieser Beweismittel war der Bruch mit der antijüdischen Politik, der umso leichter war, weil es ja in Deutschland keine oder nur sehr wenige Juden noch gab. Wir glaubten der neuen Führung der Bundesrepublik, dass es ihr ernst sei, mit dieser Politik des Hasses uni der Verleumdung gegen die Juden zu brechen. Aber wir wussten, dass die Republik mit ungeheuren Schwierigkeiten wird kämpfen müssen, denn die Jahrzehnte der nazistischen Propaganda und die vielen Jahre der nazistischen Herrschaft mussten ihre tiefen Spuren hinterlassen haben. Man argumentierte, dass die Nazis ausgeschaltet seien. Aber waren denn wirklich nur diejenigen als ver¬ „Juden ‘raus” in deutscher Sprache verschmiert. Man erwartet energische Massnahmen der Bundesregierung, die allerdings bisher nicht erfolgten. In wenigen Tagen wird Dr. Nachum Goldmann nach Bonn kommen, wo er eine Besprechung mit dem Kanzler Dr. Adenauer über -die letzten antwortlich zu bezeichnen, die in der obersten nazistischen Führung gesessen haben. Konnten denn die Millionenmassen von einem Tage zum anderen verschwinden, die Hitlers Aufstieg ermöglichten, die ihm zujubelten, wenn er gegen die Juden tobte, die ihm Hilfsdienste leisteten, als er seine fanatische Ausrottungspoliik betrieb? Wer konnte denn glauben, dass all dieser Spuk sofort aufhören werde. Gewiss hatten sie nicht den Mut, sofort mit ihren alten Hassgesängen an die Oberfläche zu kommen. Aber sie waren immer noch da, die alten, eingefleischten Nazis, nur dass sie sich jetzt zurückhielten und auf ihre Stunde warteten. So kam es, dass selbst die demokratische Regierung auf Beamte zurückgreifen musste, die unter Hitler hohe Posten bekleidet haben, auch solche, die sich im „Kampf” gegen das „internationale Judentum” hervorgetan hatten. Und selbst der ehemalige Kommentator der Nürnberger Gesetze, mit denen die Juden ausserhalb jeden Rechtes gestellt wurden, kehrte in den Dienst zurück und wurde als Staatssekretär die „rechte Hand“ des Kanzlers, der für alle Welt sichtbar das geschhene Unrecht an den Juden brandmarkte und wiedergutmachen wollte. Auch für die Nazis war das Avancement Globkes, der vielleicht selbst von seinen alten Fehlern abgerückt ist, ein Zeichen dafür, dass die Hoffnung auf die Rückkehr aller Ehemali- Vorgänge haben wird. (Inzwischen sind auch in Stockholm und anderen nichtdeutschen Städten Hakenkreuze angeschmiert worden. Wenn es sich auch um vereinzelte Fälle handelt, dürfte man dennoch nicht fehdgehen, auf eine zentralgeleitete Aktion zu schliessen. Amn. d. Red.) gen nicht aufgegeben werden darf. Auf die Durchsetzung der deutschen Justiz mit früheren nazistischen Richtern und Staatsanwälten ist oftmals hingewiesen worden. Wir wollen ausdrücklich betonen, dass wir die Schwierigkeit verstehen, überall die notwendigen neuen, unbelasteten Kräfte heranzuziehen. Es waren eben zu viele Deutsche allzu getreue Vasallen Hitlers, als dass man auf sie verzichten könnte. II. Ausschreitungen Die Fülle der antisemitischen Zwischenfälle beweist diese Darstellung des Sachverhaltes. In den ersten Jahren der Republik erschreckte die grosse Zahl der Friedhofschändungen, die — trotz des erheblich kleineren deutschen Territoriums gegenüber der Weimarer Repuolik — die Zahl aller früheren Friedhofschändungen bei weitem überstieg. Man machte gegenüber diesen Untaten den ersten schweren Fehler: man bagatellisierte diese Verbrechen, behauptete, sie seien nicht bezeichnend, sie seien Kinderstreiche, Bubenstücke, Verfehlungen unverantwortlicher Elemente. Sicher waren sie das. Sicherlich waren sie nicht bezeichnend für die Haltung oder das Wollen der Regierenden, die ebenso erschrocken und ebenso gekränkt über diese Taten waren, wie jeder an« (BcfchwM auf s«i«e 1} Die Haltung des Vatikans Rom. — Die kürzliche Ernennung des zweiten Päpstlichen Patriarchen in Jerusalem durch den Vatikan sowie die Bestimmung der Hauptstadt Jerusalem zum neuen Sitz des Bischofs „ist eines der vielen Anzeichen der letzten Zeit, die eine Annäherung zwischen dem Vatikan und Israel beweisen.” — Diese Erklärung findet sich in Berichten der Nachrichtenagentur Italia, die hier vertrieben wird. Diese Agentur wird allgemein als offizielles Sprachrohr der Christlich-Demokratischen Partei angesehen, die innerhalb der italienischen Regierung eine beherrschende Position einnimmt. Eine andere italienische Nachrichtenagentur „Diplomatischer Dienst” teilt mit, dass die transjordanische Regierung an den Vatikan mit der Bitte herangetreten sei, zu der bevorstehenden offiziellen Anerkennung Israels Stellung zu nehmen. Wie verlautet, soll der Vatikan daraufhin mitgeteilt haben, dass ein solcher Schritt für den Augenblick nicht geplant sei. WIE ICH ES SEHE . .. — —^ Sie hetzen schon wieder ___ __ von JEHUDA GOTTHEIMER 010131000100

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