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Jüdische Wochenschau · 1959-12-26 · 1742 (26.12.1959) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
20 (1959)
Issue
1742 (26.12.1959)
Date
1959-12-26
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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. *■ FRANQJEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 EMANA ISRAELITA EL EJEMPLAR) en toda la República í Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? iiq. T. E. 83 - 2613 AÑO XX. BUENOS AIRES. SABADO 26 DE DICIEMBRE DE 1959 No. 1742 Gibt es ein deutsches Dilemma? Anmerkungen zur Denkschrift des Amerikanischen Jüdischen Kongresses Als vor wenigen Wochen der Amerikanische Jüdische Kongress (American Jewish Congress) eine Denkschrift „The German Dilemma” (Das deutsche Dilemma) herausbrachte, meldet?!} j'-b «ieie Stimmen, die gegen diese Formulierung protestierten. Die meisten glaubten, dass die Wahl des Wortes Dilemma nicht der deutschen Gegebenheit entspräche. Was Dillemma heisst, hat Wilhelm Liebknecht in seinem bekannten Volksfremdwörterbuch folgendcrmassen umschrieben: „Die logische Form der Widerlegung aus dem Nichtzutreffen zweier allein übrigbleibender Möglichkeiten” oder die „notwendige Wahl zwischen zwei (meist unangenehmen) Auswegen oder Möglichkeiten.” Der Volksmund wird Dilemma am besten mit Klemme übersetzen. Die englischen Philologen wiederum geben dem Worte Dilemma eine etwas andere Interpretation, und da diese Broschüre in Englisch geschrieben worden ist, sollte man sich vielleicht mit der Swiftschen Interpretation in Vers. iorm zufriedengeben: „A strong dilemma in a desperate case! To act withTrJfr my, or quit the plaCe”. Äöts heisst: Ein starkes Dilemma in einem verzweifelten Falle, es bleibt nur übrig, ihm mit Infamie zu begegnen oder den Platz zu räumen”. Ich glaube, wer die Broschüre des American Jewish Congress wirklich gelesen hat, wird finden, dass lediglich die Wahl zwischen Untätigkeit uft'J Aktion gemeint ist. kürzlich war eine Berlinerin ftir mehrere Monate hierein Amerika, die mit vievon KURT R. GROSSMANN len Amerikanern und Immigranten aus Deutschland zusammenkam, und sie beklagte sich über das noch vorhandene starke Misstrauen gegenüber Deutschland. Man fürchtet, die neue deutsche Armee würde nichts weiter als ein Instrument in Händen ehrgeiziger Männer sein. Der Antisemitismus sei erheblich, und es habe sich „drüben” nicht viel geändert. Alle Argumente der guten Berlinerin wurden höflich damit quittiert, „Ja, wir wissen, liebe Frau Müller, Sie und Ihre Freunde sind die Ausnahme.” Es scheint mir nur gut zu sein, dass eine Organisation wie der American Jewish Congress, der von keinem anderen als dem hoch angesehenen Stephen S. Wise vor mehr als vierzig Jahren begründet wurde, sich mit dem Problem Deutschland objektiv auseinandersetzt. Diese Broschüre, die dem deutschen Botschafter übeigeben wur<Jb,'.w ist vor allem für die Amerikaner geschrieben, aber die deutsche Oeffentlichkeit hat ein berechtigtes Interesse, mehr über sie zu erfahren. Erst in den letzten Tagen berichteten New Yorker Zeitungen über den Fall Theodor Oberländer. Solche Meldungen können eigentlich nur verstanden werden, wenn das gesamte Problem in einer gedrängten Fassung dargelegt wird.) Warum wurde die Broschüre veröffentlicht und was enthält sie? Ihr Zweck wird von dem Präsidenten des American Jewish Congress in der Einleitung umrissén: „Der American Jewish Congress legt diese Studie als einen Diskussionsbeitrag über die Probleme vor, denen sich die neue westdeutsche Demokratie gegenübersieht. Deutschland ist von entscheidender Bedeutung für Europa. Es liegt geopolitisch gesehen zwischen Frankreich und der Sowjetunion. Was mit der Demokratie Deutschlands geschieht, ist daher nicht nur Sache der Juden in der Welt, sondern der Welt selbst.” Antisemitismus, in welcher Form auch immer er in Deutschland existiert, muss Zweifel über Fundierung und Gesundheit der deutschen Demokratie aufkommen lassen. Auf den folgenden 60 Seiten werden nun Vorfälle, wie der Fall Nieland in Hamburg, der Fall Zind und viele andere beschriefoenr- -und analysiert, [Wobei immer' wieder züfei Dinge ■ stgehalten wesefen: Es sjpfta, ’war hur wenige FälUemofr dass diese wenigen^aschi nöglich sind, „ beweist >chol."o^andensein eines günsS n Klimas. Die Broschüre is; weit mehr als eine generelle Verurteilung des- und Länderregierungen werden aufgeführt. Das Wichtigste ist natür- „The German Dilemma” ein lieh die Frage: Was tun? Da konstruktiver Beitrag sein will und aus Sorge um das neue Deutschland geschrieben worden ist, gebe ich kurz die Untersuchungsergebnisse und Aktionsvorschläge wieder, damit der Leser sich selbst ein Urteil zu bilden in der Lage ist. UNTERSUCHUNGS¬ ERGEBNISSE: Die Serie antisemitischer Vorfälle ist ernsthaft zu nehmen. Die Naziideologie in Deutschland ist nicht tot; es gibt eine Anzahl von politischen Organisationen, wenn auch bisher schwach, die ihr Ausdruck verleihen. Frühere Nazis sind rehabilitiert worden, und viele von ihnen haben wichtige Positionen in Verwaltung und Wirtschaft inne. Die Wiedergeburt der deutschen Armee ermutigt manche Veteranengruppen, zu den unheilvollen Ideen von gestern zurückkehren zu wollen (siehe „Deutsche Soldatenzeitung”). Die Mehrheit „des deutschen Volkes hat” sich mit der Vergangenheit noch «solcher Vorgänge, wie sie in. nicht aujss^inandergesetzt. Die Die Entwicklung geht weiter Der neuernannte Bischof in Israel, Chiappero, •'bestritt awar, dass seine Ernennung der erste Schritt zu einer Anerkennung Israels durch den Vatikan sei, äusserte sich jedoch in anderer Hinsicht sehr positiv über die Lösung vieler politischer Probleme. Das arabische Flüchtlingsproblem und der Status der heiligen Stätten müssten „realistisch betrachtet” werden, indem man bestehende Wirklichkeiten in Betracht ziehe. Das GewichJ^Jdas seitens König Husseins immer mehr dem transjordääischen Teil Jerusalems zugem^ssen würde, liessen die Chancen einer Internationalisierung der ganzen Stadt immer unwahrscheinlicher erscheinen. — Die Lage der Araber in Israel betrachtet er als zufriedenstellend; Transjordanien und Israel bezeugten auch Gewilltheit, Pilgern und Besuchern freien Zutritt zu den heiligen Stätten zu gewähren. Der neue Bischof wird mutmasslich seinen Sitz m Haifa nehmen, weil in diesem Hinterland diej meisten israelischen Christen leben. Wiederum hat Papst Johannes XXIII. ein Gebet geändert undjalle^tellen revidiert, die eine Verletzung von Juden und ¿Moslems bedeuten könnten. Es handelt sich um das Gebet,: in dem die Menszhhcit Christus, dem König, geweiht w|rd. Bisher lautete es: „Sei der König aller derer, die noch eingehüllt sind in die Dunkelheit der Abgötterei des Islams... Schaue schliesslich mit gnadenvollen Augen auf das Volk, das einst das Auserwählte war; möge das Blut, 'das sie angerufen haben, auf sie hinunterkommen als ein Reinigungsbad der Erlösung....” Das Gebet wird am letzten Oktobersonntag in den katholischen Kirchen gesagt. In der neuen Fassung heisst es nur? Sei der König derer, die im Irrtum leben und die von Dir durch Zwietracht getrennt sind.” Dids ist das zweite Mal, dass Papst Johannes XXIII. ein Gjfbel abänderte um damit Hinweise der Intoleranz gegeüPber anderen Glaubensbekenntnissen auszumerzen, Resolutionen viele^ Körperschaften wrB&Utscfeland zum Ausdruck gekommen ist. Sie bestrebt abzuwägen und erinnert daran, dass das gebrannte Kind sich vor Feuer fürchtet. W7as die Darstellung unterstreicht, ist die Dinge so zu sehen, wie sie sin^und nicht, wie wir sie sehen möchten. Es hilft den deutschen Demokraten nichts, wenn wir uns in einem von public relations- Firmen gewünschten Propagandarausch für das neue Deutschland ergehen und nicht wagen, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Die Broschüre stützt sich überwiegend auf deutsche Quellen. 'Licht und Schatten sind gerecht verteilt. Die Schattenseiten: Antisemitische sehe Vorfälle, Friedhofsschändungen, Nichtverarbeitung der Vergangenheit, Rückkehr von Nazis in wichtige Regierungspositionen, die Haltung der Gerichte (besonders in Entschädigungsverfahren), die Existenz antidemokratischer Gruppen einschl. Jugendverbände, Naziliteratur. Die Zusammenballung von Industrie und Hochfinanz als mächtiger politischer Faktor und schliesslich die Apathie der Mehrheit des Volkes sind die wichtigsten negativen Aspekte, denen gegenüber sich so viele verantwortliche Deutsche nicht weniger besorgt zeigen. Auf der Lichtseite spricht die Broschüre von der deutschen Jugend als einer Hoffnung für eine lebendige Demokratie in Deutschland in der Zukunft; die Presse, Radio und Fernsehen, das Deutschland- Israel-Abkommen, die Haitune der Mehrheit der Bunmeisteji Jungen Deutschen sind Arft»"'aen Generationen ihrer Väter und Grossväter nicht zu vergleichen, aber sie zeigen überwiegend eine besorgniserregende Apathie gegenüber den moralischen und demokratischen Ideen und wissen wenig von der Vergangenheit. Es gibt Kräfte in Deutschland, die den ernsthaften Versuch machen, das, was geschehen ist, wiedergutzumachen. Dazu gehören Konrad Adenauer und viele Mitglieder seines Kabinetts, die Führer der beiden wichtigsten Parteien, die Kirchen, Universitätsgruppen, Lehrer, ein grosser Teil der Presse, Fernseh. und Radiostationen und auch die Gewerkschaften. Der letzte Punkt lautet: „Die Zukunft der deutschen Judenheit und der deutschen Demokratie ist ungewiss. Keine simplen Prophezeiungen sind möglich gegenüber einem so komplizierten und mit so vielen Imponderabilien verknüpften Problem. Deutschland besitzt zwar demokratische Formen ünd Institutionen, aber es wäre übereilt, Voraussagen bezüglich der Stabilität seines politischen Systems oder seiner Fähigkeit, mit Krisen An unsere Leser Mit Rücksicht auf den staatlichen Feiertag am 1. Januar 1960 erscheint in der nächsten Woche nur eine Ausgabe der Jüdischen Wochenschau und zwar am Donnerstag) den 31. Dezember. Wir bitten unsere Leser, hiervon freundlichst Kenntnis nehmen zu wollen. Israel wird nicht nachgeben Jerusalem. — Israel Wird auf seinem Recht bestehen, den Suezkanal zu durohfahren, und sich nicht durch die „Piratenstückchen” Nassers davon abhalten lassen, seine Rechte in Zukunft zu verteidigen, so erklärte Aussenmiftister Gold Meir vor der Knesset. Frau Meir kündigte an, Israel werde neue Frachten durch den Kanal schicken. Sie erinnerte an die Beschlagnahme der „Inge Toft”, die sich im vergangenen Mai ereignete, an die Verhandlungen, die hierauf folgten, und erwähnte den letzten Zwischenfall, als der griechische Frachte „Astypalea” an der Weiterfahrt gehindert -wurde. Sie wies darauf hin, dass dieses Schiff unter den von UN-Generalsekretär Hammarskjold vorgeschlagenen Bedingungen durch den Kanal geschickt würde. Wie es heisst, war es Hammarskjold im vergangenen Sommer gelungen, von Nasser die Zusage zu erhalten, dass er die Durchfahrt israelischer Frachten gestatten werde, falls diese vorher von nichtisraelischen Käufern erworben sein würden. In der gleichen Sitzung legte Ministerpräsident Ben Gurion, noch heiser von seiner letzten Erkältung, den Amtseid als Premier- und Verteidigungs-Minister ab. Nachdem er sein neues Kabinett dem Staatspräsidenten Ben Zwi vorgestellt haben wird, tritt Ben Gurion Ferien an, die er an den Quellen von Tiberiades verbringen wird. (ITA) fertigzuwerden, zu machen, tsationeilen Journalismus der Das heutige-Deutschland ist ein prosfföriereiiciS? (Sfcapd, J und ultranationalistiscHen^ Bewegungen widersetzt man sich gewiss teilweise aus politischem Selbstinteresse. Ernsthafte wirtschaftliche Verschlechterung könnte dieses Bild ändern. Demokratie in Deutschland hängt von dem Umfange ab, in dem das deutsche Volk fähig sein wird, mit seiner Zukunft wie auch seiner Vergangenheit fertig zu werden.” Aus di4fe?q,.„Feststellungen ergeben siejiv/efänn die Empfehlungen;,Die Zeit ist gekommen,laut und deutlich zu erklären schrieb eine deutsche Zeiffog, „uass etwas gegenüber den antiserfjKischen Vorgängen getan werden muss.” Hier sind die Vorschläge der Verfasser; Das weitere Eindringen früherer Nazis in Verwaltungs- und Regierungsstellen muss im Interesse der deutschen Demokratie verhindert werden. Jene, die Juden beleidigen, sie antisemitisch anpöbeln, ihnen brutal sagen, dass Hitler leider vergessen habe, sie zu vergasen, müssen schnell und streng bestraft werden. Strafe löst zwar das Problem nicht, aber sie ist notwendig, um nicht jene, die zu ähnlichem Verhalten disponiert sind, durch das Versagen der Justiz zu ermutigen. Schnellste und liberalste Durchführung des Entschädigungswerkes ist eine Notwendigkeit — schon im Interesse der Geschädigten, aber auch um dieses schwierigste Nachkriegsproblem baldigst zu liquidieren. Deutsche politische Führer und jene, die etwas mit der Meinungserzeugung zu tun haben, müssen, sich bemühen, eine neue demokratische Temperatur in Deutschland zu erzeugen. Es handelt sich nicht nur darum, verkrampften Neonazismus zu bekämpfen sondern auch die mehr verfeinerte Methode alter Nationalsozialisten oder solcher, die sich in einem sengleichen-Methoden bedienen. . „ Am wicbPge^e feef^iEr^ehung ,%ndf Be rung: Die beigfwssenswj*--... Arbeitender BundesgetffÜle für Heimaidienst müsste unbedingt du^ch ein grösseres Budget als?>MMMjFJen DM pro Jahr erweitert werden. Die Jugend mus? für die neuen Ideen gewonnen und entsprechend erzogen und beeinflusst werden. Nur Venn diese - die Verganger-h.'sii äbTSKnf und die neuen demokratischen Ideen akzeptiert, hat dieses Deutschland die Garantie, als ein wichtiger neuer demokratischer Staat im Herzen Europas zu existieren. Dazu sind viele Dinge notwendig, nicht zuletzt die Herausgabe neuer Geschichtsbücher, die heute noch fehl|g. Das Dilemma, das sich dieser Gegenüberstellung negativer Elemente und der Notwendigkeit Her Aktion ergibt, ist Deutschlands vordringlichste Gegenwartsaufgabe. Flucht aus Ostdeutschland Bonn. — Das Bundesministerium für pangermanisehe Angelegenheiten gab bekannt, dass ständig jüdische Flüchtlinge in Westdeutschland eintreffen, die vor den Verfolgungen in der Deutschen Volksrepublik fliehen. In dem Bericht des Ministeriums heisst es, dass die in Sowjetdeutschland verbliebenen Juden zusammen mit den Mitgliedern aller anderen Religionen verfolgt werden. Die Jüdische Gemeinde in Ostberlin zählt heute 900 Mitglieder. Ausserdem leben noch rund 600 Juden in Ostdeutschland, und ihre Flucht bedeutet, das diese Gemeinschaft in wenigen Jahren ganz verschwunden sein wird. — (ITAf Registro de la Propiedad Intelectual N9 624.070 xnpreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3114 "LÉO BAECïT IHST.IOTS **vnm EEW

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