Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 20 (1959)
- Issue
- 1741 (22.12.1959)
- Date
- 1959-12-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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JÜDISCHE um FUEYRREDON 19 i*q. ARO XX. /k Jewtana JsA&elila T. E. 83-2619 BUENOS AIRES, MARTES 22 DE DICIEMBRE DE 1959 No. 1741 Das neue Kabinett stellt sich vor Jerusalem. — Mit 78 gegen 83 Stimmen sprach die Knesset dem neuen Kabinett aus fünf Parteien und dem von fien Gurion vorgelegten Programm ihr Vertrauen aus. ©agegen stimmten Agudas Israel, die Kommunisten, die 'Allgemeinen Zionisten und die Cherut. Rabbiner I. M. Lewin gab die Gründe an, ■warum sich die Agudas Israel nicht der neuen Regierung angeschlossen habe, Und führte aus, die Mapai sei auf zwei der ihr gestellten Bedingungen nicht eingegangen, nämlich das Verbot der christlichen Mission in Israel und das Gesetz gegen den Verkauf von Schweinefleisch. Finanzminister Levi Esh. fcol schloss die Debatte im Namen des Kabinetts in Vertretung Ben Gurions, der auf ärztliche Anordnung das Haus noch nicht verlassen darf. Eshkol bedauerte, dass sich nicht alle aufgeforderten Parteien der Koalition angeschlossen hätten. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Opposiion konstruktiv sein werde. Er verwies auf den ökonomischen Fortschritt in den letzten Jahren und unterstrich, dass das Investitions-Zentrum der Regierung in diesem Jahr Projekte in Höhe von 70 Millionen Dollar im Vergleich mit 15 Millionen im Jahr 1956 gebilligt habe. Er erinnerte ferner daran, dass die israelischen Exporte in diesem Jahr um 50 Prozent zugenommen haben. Das Programm der neuen Regierung enthält ausser dem Angebot an die arabischen Länder, eine beiderseitige und vollständige Abrüstung durchzuführen und die arabisch - israelischen Waffenstillstands - Abkommen zu Nichtangriffspakten zu erweitern, die Zusage, dass Israel den Juden in den „Ländern ihrer Leiden”, sowohl in Europa wie in Afrika und Asien, in verstärktem Masse zu helfen bemüht sein werde. Auch verspricht die Regierung, für alle die Einwanderer, die heute noch in den Uebergangslagern leben, Häuser zu bauen. Die weiteren Aufgaben der Regierung werden wie folgt umrissen: Der zionistischen Weltbewegung soll ,,in Uebereinstimmung mit ihren Statuten loyale Unterstützung zuteil werden.” In den höheren Schulen sollen Kinder bedürftiger Eltern unentgeltlichen Unterricht ¿WIE ICH ES SEHE - - ----- Und wurde Symbol des Volkes Es entspricht der allgemeinen Uebung oder Vorstellung, vom Chanukkafest etwa die folgende Schilderung *u geben, durch weif he zugleich erläutert wird, dass Chanukka „eigentlich” kein Feiertag sei. Der Charakter eines Volkes, so sagen jene Interpreten, offenbart sich in der Art, wie es seine Feste feiert, insbesondere wie es »eine Siegesfeiern begeht. In diesem Sinne sei Chanukka, das am 25. Kislev beginnt und acht Tage andauert, ein ganz spezifisch jüdisches Fest. Es ist das Denkmal für den Triumph eines friedlichen Bauernvolkes, das Jahrhunderte lang ungestört seine Scholle bebaut und sich des Gebrauchs der Waffen entwöhnt hatte, gegen einen kriegsgeübten Gegner, der an Zahl vielfach überlegen war. Aber das offizielle jüdische Schrifttum berichtet nichts von den Schlachten und Siegen, auch nicht die Orte, an denen sie stattgefunden haben. Nichts sonst erinnert bei uns in Haus und Betraum an jene Siege als ein Lichtlein, das sich acht Tage lang täglich um eines vermehrt, und eine stille von JEHUDA GOTTHEIMER Deutscher Antisemit verurteilt Kassel. — Der 47jährige Alfred Schmolke wurde von einem hiesigen Gericht wegen antisemitischer Aeusserungen zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte erklärt, „es seien noch nicht genug jüdische Schweine totgeschlagen worden, denn heute sässen die Juden wieder in führenden Posten in den Banken und in der Wirtschaft.” (ITA) Feier im Frieden des Hauses. — Denn wir feiern, so schliesst diese Schilderung, nicht die Siege der Makkabäer, sondern die Wiederaufnahme des Tempeldienstes, des Anzündens der Menora. Das Chanukka . Lichtlein deutet nur den Sinn des Sieges der Makkabäer an und das Mittel und Geheimnis des Sieges: „Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist spricht der Herr der Heerschaern.” (Secharja 4,6. — ) Diese Schilderung und Charakterisierung des Chanukkafestes stammt nicht aus den Tagen des finsteren Mittelalters, sondern wurde Von einem hervorragenden, modernen und fortschrittlich gesinnten Juden geschrieben. Sie zeigt, dass auch Inhalt und Form unserer Feste einem gewisen Wandel unterworfen sind, die dem mitunter so verpönten Zeitgeist wie alles unterliegen, was von Menschen gedacht, gelebt, empfunden und vei* ehrt wird. Und selbst im Rahmen der radikalen Orthodoxie gibt es zahlreiche Nuancen und Variationen, die zu erheblichen Gegenr sätzlichkeiten in den Auffassungen führen. Umso mehr dürfte es nur ein natürlicher Prozess in der Entwicklung eines Volkes sein, wenn sich die Anschauungen nicht starr an Schemen halten, sondern lebendig mit jeder Zeit mitgeformt und neu durchlebt werden. Für das jüdische Volk trat mit der Staatwerdung Israels gerade auf dem Gebiete der Feste und Feiertage ein tiefer Wandlungsprozess ein. Gebiete, die bis dahin nur einen „heiligen”, traditionellen, sicher aber nur einen recht theoretischen Charakter getragen haben, gewannen neues Leben und neuen Inhalt, weil das Volk, das auf seinen Boden zurückkehrte, wieder für seine Entwicklung, für seine Fruchtbarkeit, für seinen Schutz betete. Und wo das Volk das Beten verlernt hatte, da traten neue, andersdenkende Beziehungen zwischen dem Menschen und seinem Lande ein, die auf dem unmittelbaren Kontakt zwischen Land und Volk beruhten. Judentum, bisher abstrakt, entwurzelt, gelebt im Traumreich des selbst geschaffenen Ghetto mit seinem Zaun um die Lehre, jenes geistige Ghetto, das dem materiellen, dem wirklichen Ghetto vorausging, jenes Judentum einer zweitausendjährigen Entwurzelung, wurde plötzlich wieder ein bluterfülltes, gesund reagierendes Volk. Wir sind gewöhnt, dass unsere Weisen — auch diejenigen von heute — im Judentum vor allem einen geistigen Prozess sehen; sie betrachten das jüdische Volk als eine Art Heiliger unter den weniger heiligen oder unheiligen Völkern der Erde. Deswegen wird der Prophetensatz von der Ablehnung der Kraft und der Macht und von dem endlichen Sieg des Geistes immer und zu allen Zeiten zitiert. Er soll beweisen, welchen Geistes Kind das jüdische Volk ist und welchen frommen und stillen Mitteln ergeben, wir auf die Erlösung warten. Ohne jeden Zweifel spiegelt gerade dieser Satz des Propheten Secharja einen wundervollen Gedanken wider, den wir Juden gewiss als ein historisches Gesetz anerkennen sollten, der aber bisher jedenfalls nicht das beherrschende Prinzip im Leben der Völker gewesen ist, auch nicht im Leben des jüdischen Volke«. Wenß das jüdische Volk die Stürmp der Jahrtausende geniessen. Für mittellose Jugendliche werden Erziehungsbeiträge bereit gestellt werden. Von irgendeinem Wandel in den Beziehungen zwischen Staat und Religion ist nicht die Rede, doch wird erwähnt, dass die Erziehung „zum jüdischen Bewusstsein” in den staatlichen Schulen fortgesetzt werden soll. Die Krankenversicherung für die ganz. Bevölkerung soll erweitert werden und einem jeden Israeli das Recht gewähren, sich einer der bestehenden Krankenversicherungen anzuschliessen. Die Fortsetzung der Sicherheitsmassnahmen, im besonderen die Fortdauer der Militärregierung in den Grenzzonen, die hauptsächlich von Arabern bewohnt werden, ist vorgesehen. Hier wird hervorgehoben, dass dies wegen der Feindseligkeit der Nachbarvölker angebracht ist, doch sollen diese Bestimmungen auf ein Mindestmaas beschränkt und in jedem Falle unter dem Gesichtspunkt der nationalen Staatssicherheit nachgeprüft werden. Schliesslich setzt es sich die Regierung zur Aufgabe, in den von Arabern bewohnten Landesstellen Strassen zu bauen und das Stromnetz zu erweitern. Sie verpflichtet sich auch zur Ausarbeitung /on „Grundgesetzen”, um „die Verfassung endgültig zu vervollständigen.” (ITA) Informe Desde Gran Bretaña Londres. —Las pequeñas comunidad«* judias serán ayudadas a integrarse en 1* vida judía del P»i* para luchar contra la asimilación, de acuerdo a una decisión del Board of Deputier británico. , 4 El nuevo comité incluirá el Gran Rabino y el "Consejo Representativo". Esta decisión fué tomada e« una reunión en Newcastle y pidió dirección y consejo para la organización de las actividades judías de pequeñas comunidades. Otro problema que preocupa a las comunidades, grandes tanto como pequeñas, es el problema de Schechila en las provincias. Un informe del comité reveló que los inspectores de la Sociedad Real para la Protección y Cuidado de los Animales encontraron irregularidades en el matadero en Liverpool. El informe dice que ésto tiende a dar la impresión "que el actual proceso de shechita no es rápido, como ha establecido la evidencia de la Sociedad Protectora". Como resultado de la Shechita en lodo el país ha advertido que no deben permitirse estas irregularidades y ya se han lomado las medidas para remover la causa de la queja. El comité esté también estudiando medios de realizas inspecciones a cierto tiempo en los mataderos. M. ASHER Ein Bericht aus England London. — Den kleinen jüdischen Gemeinden soll geholfen werden, sich in das jüdische Leben des Landes einzugliedern, um gegen die Assimilation zu kämpfen. Dieser Beschluss wurde vom Board of Deputies der englischen Juden gefasst. Dem neuen Comité wird der Oberrabbiner und der Repräsentanten-Ausschuss angehören. Der Beschluss kam in einer Sitzung in Newcastle zustande und ersucht um Führung und Rat für die Organisation der jüdischen Aktivitäten der kleinen Gemeinden. Ein anderes Problem, das die Gemeinden, die grossen wie die kleinen, beschäftigt, ist die Frage des Schächtens in den Provinzen. Ein Bericht des Comités enthüllt, dass die Inspektoren des Königlichen Tierschutz-Vereins Unregelmässigkeiten im Schlachthaus von Liverpool entdeckten. Der Bericht besagt, dass dies den Eindruck erwecken könne, „der heutige Schächt-Prozess sei nicht rapide genug, wie dies die Prüfer des Tierschutz-Vereins festgestellt hätten. Daraufhin hat das Schâcht-Comité im ganzen Lande Anweisung erteilt, diese Unregelmässigkeiten nicht zu gestatten, und es sind schon Massnahmen ergriffen worden, um die Ursache der Beschwerde aus derr Wege zu räumen. Das Comité hat ebenfalls Mittel ins Auge gefasst, damit zu gewisser Zeit in den Schlachthäusern Inspektionen durrhgeführt werden. M. ASHER überlebt hat, so ist dieses Phänomen auch darauf zurückzuführen, dass die Welt eben nicht von der brutalen Gewalt, von der Macht oder der Kraft dominiert wird, sondern dass es andere bewegende und gestaltende Faktoren gibt, das Prinzip des Geistes, der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Freiheit, das letztlich triumphiert und jedeh äusseren Pomp, jede äussere Machtentfaltung und jede Form der Gewaltherrschaft überdauert. Deswegen birgt der Satz des „Nicht durch Kraft und nicht durch Macht, sondern durch meinen Geist” eine ewige Wahrheit. Es bleibt aber zu überlegen, ob diese Darstellung und diese Auffassung nicht einseitig ist und einen starken Glauben voraussetzt, über den der eine oder andere verfügt, den aber viele Menschen nicht besitzen. Auch für sie ist das Judentum der Träger ihrer Weltauffassung, auch für sie ist das .Judesein ihr Schicksal. Also muss man auch für jene weiten Kreise, die nicht mehr jene „Kraft zum Glauben” aufzubringen vermögen, einen Weg im Judentum suchen, eine Antwort auf die vielen Fragen, die das Leben an uns richtet, eine Antwort auf das Chanukka. Welche Gründe für dlette* verkennen, Tradition massgebend gewesen sein mögen, die Namen der Helden nicht zu nennen, ihren Führer zu erwähnen, und die Orte ihrer Kämpfe und Leiden geheimzuhalte*, wissen wir nicht, Interpretationen mag es viele geben. Wenn es nach nochmals zweitausend Jahren eine Diskussion geben sollte, warum eigentlich das „offizielle Schrifttum” ein so bedeutendes, das Leben unseres ganzes Volkes umgestaltendes Ereignis wie die Staatwerdung Israels in unseren Tagen nicht registriert hat, so werden wieder verschiedene Interpretationen für die gleiche Erscheinung gegeben werden. Manchesmal finden die Gelehrten vor allzu grosser Gelehrsamkeit nicht die richtige, die einfache, die naheliegende Erklärung. Es gibt noch kein jüdisches Gesetz, keine Anweisung eines Rabbiner _ Kollegiums oder einer sonstigen Stelle, die für sich in Anspruch nehmen kann, für das ganze Volk in all seinen Ausläufern und mit allen seinen nationalen und vor allem religiösen Unterscheidungen verbindlich den Jom Haazmauth zum religiös-nationalen Feiertage proklamiert zu haben. Warum ist das nicht geschehen? — Die Antwort ist nicht schwer zu geben: die zeitliche Nähe verbietet es uns, die wir diese Entwicklung mitgeschaffen und die wir sie miterlebt haben, unser eigenes Tun oder un sere eigene Leistung in den Kanon unserer Feste einzu gliedern. Aber das hindert uns durchaus nicht daran, uns der Grösse dieser Lei stung mit berechtigtem Stolz bewusst zu sein. Auch derjenige Mensch, der den Wert des Geistigen getreu in dem Sinne des zitierten Propheten _ Wortes schätzt, kann und darf nicht die Bedeutung des Maieriel- — -, denn dieses Materielle ist nichts anderes als die Grundlage für das Leben des Volkes, es ist die Volksstubstanz. Der Kampf der Makkabäer war ein Ringen um die Erhal tung des jüdischen Lebens. Man kann die Begriffe nicht zu fein säuberlich voneinander trennen, wie es den grossen Theoretikern im Dienste ihrer Systeme erforderlich erscheint und lieb wäre. Die Makkabäer haben einen sehr wirklichkeitsnahen Kampf geführt, der nicht mit geistigen Waffen ausgetragen worden ist, dessen Ziel gewiss der Schutz der jüdischen Gedankenwelt war, aber dessen Aufgabe zunächst darin bestand, die Feinde zu vernichten, um weiter als Menschen und Juden existieren zu können. Zu allen Zeiten haben die Juden, auch wenn sie nur wenig von der Chanukka- Geschichte wussten, weil die Bewertung des Chanukkafestes im Laufe der Jahrhunderte schwankte, in Chanukka mehr gesehen als den grossen Erfolg des Glaubens. Wo immer Juden in ihrer zweitausendjährigen Leidensgeschichte verfolgt und geschlagen worden sind, stieg in ihnen die Erinnerung an jene Tage auf, wo Juden sich nicht haben schlagen lassen. Dies dürfte wohl auch die gesündere Reaktion eines Volkes sein, das leben will. Gewiss mussten Juden Immer wieder die Scheiterhaufen besteigen, wo sie einen Märtyrertod für ihren Glauben, für ihre Ueberzeugung, für ihr Volk gestorben sind. Aber dort, wo sie nur die geringste Möglichkeit hatten, sich dem Mordtreiben ihrer Verfolger tSefeluw »vt Satt« 9 An unsere Leser Die nächste Ausgabe der Jüdischen Wochenschau kann wegen des Weihnachtstages, an dem es keine Postzustellung gibt, erst am Sonnabend, den 26. in den Besitz unserer Leser gelangen.