Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 20 (1959)
- Issue
- 1740 (18.12.1959)
- Date
- 1959-12-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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JÜDISCHE uiomu PUEYRREDON 2190 — l9 iaq. AfirO XX. JÜxJkMGJt&jfeAjCißlUcL BUENOS AIRES, VIERNES 18 DE DICIEMBRE DE 1959 T. E. 8 3 . 2 6 I * No. 1740 Kabinett mit nlänzenden fi " Jerusalem. — Premierminister Ben Gurion stellte der Knesset einen neuen Ministerrat vor, dem Vertreter von fünf Parteien angehören. Das Zustandekommen der Koalition wurde in letzter Minute durch die Entschlüsse ermöglicht, welche die Führer der Fraktionen der Linken, Mapam und Achdut Awoda, fassten, die eine vorläufige Formulierung der kollektiven Verantwortung der in der Regierung vertretenen Parteien akzeptierten. Ben Gurion umriss kurz die Pläne, welche die Regierung in den nächsten vier Jahren zu verwirklichen gedenkt. Er erwähnte u. a. die Beschleunigung des Projekts zur Ausnutzung der Jordan- .wasser für die Bewässerung der Negew-Wüste. Die Regierung der VAR hat gedroht, einen Krieg zu entfesseln, wenn dieses Programm zur Ausführung gelangen sollte. Das vorgeschlagene Kabinett gab eine Erklärung ab, in der es heisstj die Regierung „werde allen arabischen Staaten anbieten, die heutigen Waffenstillstands- Verträge durch Nichtangriffspakte zu ersetzen und sich zur Enthaltung von jeglicher feindseligen Aktion politischer, ökonomischer oder militärischer Art zu verpflichten, wofür die UN die feste Garantie übernehmen sollen. In politischen Kreisen ver. tritt man die Ansicht, dass die Abgeordneten dem neuen Kabinett und seinem Regierungsprogramm mit überwältigender Mehrheit ihr Vertrauen aussprechen dürften, da die Parteien der Koalition — Mapai, Mapam, Achdut Awoda, Progressive und National-Religiöse — 84 der 120 Knesset-Mandate auf sich vereinigen. Die Namen der neuen Mi- ____ » nister sind folgende: Ministerpräsident und Verteidigungs-Minister: David Ben Gurion (Mapai)i Ackerbau- Minister: Brigadier Mosche Dajan (Mapai), Finanzminister: Levi Eshkol (Mapai), Arbeits-Minister: Giora Josephthal (Mapai), Aussenminister: Golda Meir (Mapai), Handels- und Industrie-Minister: Pinchas Sapir (Mapai), Polizeiminister; Achor Hitreset (Mapai), Minister ohne Portefeuille: Abba Eban (Mapai), Innenminister: Mosche Schapiro (National-Religiöse Partei), Volkswohlfahrts-Minister: Solomon Joseph Burg (National-Religiöse Partei), Gesundheits-Minister: Israel Barzilai (Mapam,) Entwicklungs-Minister: Mordechai Bentow (Mapam), Transport- und Post- Minister: Jizchak Ben Aharon (Achdut Awoda), Justiz- Minister: Pinchas Rosen (Progressive), Religions-Minister: Rabbiner Jacob Mosche Toledano (parteilos), Erziehungs- und Kultur-Minister: Salman Aranne (Mapai). verschwunden und gemeinsam mit Malenkow, Kaganowitsch und Molotow in Ungnade gefallen. Die freund-, schaftlichen Beziehungen mit den Russen und anderen Ostmächten kühlten ab. Nasser jongliert weiter. Als Israel gegen Aegypten marschierte, um in berechtigter Notwehr einem Frontalangriff Nassers zuvorzukommen, wurde die westliche wie die östliche Welt davon überrascht, mit welcher Schnelligkeit die ägyptische Armee aufgerollt und in die Flucht geschlagen worden ist. Es besteht kein Zweifel daran, dass Israel den Kanal besetzt haben würde, wenn die Grossmächte, vor allem USA und die Sowjetunion, nicht sofort eingegriffen hätten. Bevor aber die beiden Blockführer intervenierten, stellten sich Frankreich und England auf die Seite Israels. Der französische Schritt kam nicht überraschend. Die britische Freundschaftserklärung stell, te aber eine Sensation dar. Anthony Eden, der Vater der Arabischen Liga, der Protektor der arabischen Interessen, der Fortsetzer einer unglückseligen britischen Palästina-Politik, der bis zur letzten Stunde einen Bündnisvertrag mit Israel abgelehnt hatte, hielt völlig unvermittelt, über Nacht, eine prozionistische Rede. Spötter meinen, dass die Mitglieder des zionistischen Aktionscomites nicht besser die israelischen Interessen vertreten könnten... Man kann nicht sagen, dass diese britische Umstellung der politischen Taktik in Israel Genugtuung ausgelöst haben würde. Die mit England gemachten Erfahrungen waren ao schlechte, dass selbst die unbedingten Verfechter einer probritischen Linie und die unentwegten Verteidiger der Eng. länder stutzig wurden. Un* WIE ICH ES SEHE Die Zitadelle von Kairo von JEHUDA GOTTHEIMER England und Aegypten haben beschlossen, die diplomatischen Beziehungen wieder aufzunehmen. Einige Tage nach diesem Beschluss forderte die britische Presse erneut den Abbruch dieser kaum wiederhergestellten diplomatischen Verbindung. Diese Unentschlossenheit, die nur die ungesunden politischen Verhältnisse — insbesondere im Verhältnis dieser beiden Länder — widerspiegelt, ist für die Haltung Grossbritanniens gegenüber Aegypten seit mehr als 75 Jahren charakteristisch, als Disraeli sich entschloss, die Aktienmehrheit der Suezkanal-Gesellschaft für seine Königin zu erwerben und das unbotmässige Aegypten zu besetzen, um es gleichzeitig dem Zugriff der Heiligen Pforte und Frankreichs zu entziehen. Seit drei Jahren, seit den Tagen des israelischen Vormarsches auf den Suezkanal, bestehen keine diplomatischen Beziehungen zwischen den Engländern und Aegyptern. Diese Tage sind längst vergessen; sie wirken in unserer schnellebigen Zeit beinahe prähistorisch. Viele Jahre hindurch haben sich die Briten gesträubt, in irgendwelche näheren Beziehungen zum jungen jüdischen Staat zu treten. Alle Verhandlungen mit dem damaligen englischen Ministerpräsidenten Anthony Eden und seinen Ministern, die Position Israels durch Waffenlieferungen oder in anderer Weise zu fördern, scheiterten an der Hartnäckigkeit der Downing Street, die seit Jahren versuchte, den Verpflichtungen aus der BaL four-Deklaration und dem Palästina-Mandat zugunsten der arabischen Machthaber zu entgehen. Die unzähligen Weissbücher, die sowohl die jüdische Einwanderung als auch den jüdischen Landkauf in einer ungesetzlichen Weise einschränkten, kann man als Meilensteine auf dem Wege der Ausserkraftsetzung des Mandates betrachten. Allmählich hatten die Briten aus dem Mandatsland eine Kolonie machen wollen, in der sie schal, teten, wie es ihnen zweckmässig erschien, ohne dass die Bestimmungen des Mandats gebührend berücksichtigt wurden, worauf bereits die Völkerbunds-Kommission wiederholt hingewiesen hatte. Als dann gegen den englischen Widerstand und die offenen britischen Sympathien für die arabische Sache der jüdische Staat seine Lebensfähigkeit bewiesen hatte, änderte sich die britische Einstellung langsam, wobei die öffentliche Meinung in England durchaus nicht mit den Irrwegen der britischen Politik in Palästina einverstanden gewesen ist. Aber Eden blieb seinem Prinzip treu, keine Bindungen mit Israel einzugehen, um die ohnedies mit Eng- Erleichterungen für Touristen Jerusalem. — Das israelische Schatzamt hat beschlossen, die ausländischen Touristen von der Verpflichtung zu befreien, ihren Besitz an Devisen bei ihrer Ankunft im 'Lande zu deklarieren, wie jetzt mitgeteilt wurde. Hierdurch glaubt man, den Fremdenverkehr fördern zu können. Die Verfügung dürfte in wenigen Wochen in Kraft treten, nachdem die technischen Vorbereitungen zu ihrer Durchführung beendet seih werden, da man Vorkehrungen zu treffen bemüht ist, damit diese neue Bestimmung nicht zu Manipulationen auf dem schwarzen Markt missbraucht wird. (ITA) land unzufriedenen Araber nicht zu verärgern. In Jahrhunderten hatte sich das britische Rezept bewährt, auf Kosten Dritter Konzessionen zu machen, um dann im Widerstreit der Interessen das eigene Vorhaben zu schützen. Die englisch - ägyptischen Beziehungen standen immer im Schatten des verzweifelten Freiheitskampfes, den die Aegypter gegen das mächtige Grossbritannien austrugen. Bemerkenswert genug dürfte die Tatsache sein, dass der grösste und stärkste, wohl auch reichste „arabische” Staat — eigentlich sind die Aegypter gar keine Araber — der letzte war, der seine völlige politische Unabhängigkeit erkämpfen konnte. Denn die arabischen Länder waren längst souverän, als der Suezkanal in ägyptische Oberhoheit überging, während er bis dahin durchaus keine internationale, sondern eine britische Wasserstrasse gewesen ist. Der Löwe des Union Jack war längst von der Zitadelle in Kairo eingezogen worden, aber britische Truppen standen immer noch am Kanal, wo sie und nicht die Aegypter, die Wacht hielten. Als dann Aegypten seine Souveränität gewann und Nasser unter grossem Pomp den Abzug der letzten britischen Truppen vom ägyptischen Boden feierte, waren die Beziehungen nicht nur zu England, sondern zu allen westlichen Ländern äusserst kritisch geworden. Nasser hatte den Russen die Tore in den Mittleren Osten geöffnet, was er später wahrscheinlich bereut hat. Damals aber erschien der russische Aussenminister Schepilow als der Vertreter der Sowjetunion, die man mit Vorschusslorbeeren als die Befreierin Arabiens vom imperialistischen Joch begrüsste. Von all diesem Zauber ist nur sehr wenig übrig geblieben. Schepilow ist inzwischen in der Versenkung LA VIDA JUDIA EN VILNA Baltimore. — Los sobreviviente* 15.000 judíos de Vilna, otrora importante centro de erudición judía, necesitan sólo una de las 85 sinagogas utilizadas antes del holocausto nazi, según informa el corresponsal del * Baltimore Sun”, desde esa ciudad lituana. — Antaño un orgullo de la judeidad oriental, Vilna es hoy día nada más que otro de los tantos recuerdos de las infamias de la segunda guerra mundial, dice el corresponsal. Cuando los judíos que lograron escapar, retomaron a esta "ciudad humeante", encontraron que sus familiares y amigos habían sido asesinados, sus escuelas y sinagogas arrasadas, y el antiguo ghetto dinamitado y quemado. Cita el corresponsal a los judíos locales para afirmar que ni un sólo judío que permaneció duranie el régimen nazi, sobrevivió a la ocupación. La sinagoga Shaarit Israel es ahora el único centro religioso judío de las 5 sinagogas grandes y las 80 pequeñas de antes de la guerra. De los 15.000 judíos que viven aciualmente en esa ciudad, unos 5 mil provienen de otras ciudades que sulrieron daños aún peores que Vilna, y otros 3.000 retornaron de las cárceles nazis en Alemania. — HERBERT WINTER Das jüdische Leben in Wilna Baltimore. — Die überlebenden 15.000 Juden von Wilna, das einst ein wichtiges Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit war, benutzen nur eine der 85 Synagogen, die vor der Massenausrottung durch die Nazis in Gebrauch waren, wie der Korrespondent der „Baltimore Sun” aus dieser litauischen Stadt berichtet. Wilna, das einst den Stolz der Ostjudenheit bildete, stellt heute nur noch eine der vielen Erinnerungen an die Schändlichkeiten des zweiten Weltkrieges dar, so sagt der Berichterstatter. Als die Juden, denen die Flucht gelang, in diese „rauchende Stadt” zurückkehrten, fanden sie, dass ihre Verwandten und Freunde ermordet, ihre Schulen und Synagogen dem Erdboden gleichgemacht worden waren, und dass das alte Ghetto mit Dynamit gesprengt und ein Opfer der Flammen geworden war. Der Korrespondent zitiert Aussagen der dortigen Juden, um den Beweis zu erbringen, dass nicht ein einziger Jude, der während der Naziherrschaft in der Stadt weilte, die Okkupation überlebt hat. Die Shaarit Israel-Synagoge ist jetzt das einzige religiöse Zentrum von 5 grossen Synagogen und 80 kleinen Gotteshäusern vor dem Kriege. Von den 15.000 Juden, die gegenwärtig in dieser Stadt leben, kommen 5.000 aus anderen Städten, die noch schwerere Schäden als Wilna erlitten haben, und weitere 3.000 kehrten aus den Nazikerkern in Deutschland zurück. HERBERT WINTER willkürlich dachte man an den Schreckensruf des Laokoon: „quidquid id est, timeo Danaos, et dona ferentes!”, „Was es auch immer sei, ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen!” Nur zu schnell sollte es sich erweisen, dass diese Skeptiker im Recht waren. Ohne von irgendjemandem gebeten oder beauftragt worden zu sein, stellten die Engländer den Aegyptern und den Israelim Ultimaten! Das hätte ihnen gefallen, die Rolle eines Schiedsrichters spielen zu können, obwohl sie doch eigene und grosse, wenn auch nur finanzielle und wirtschaftliche Interes. sen zu verteidigen hatten. Sehr schnell mussten sich alle darüber im klaren sein, dass die englische Intervention nicht auf Sympathien für Israel beruhte und nicht dadurch erklärt werden konnte, dass Grossbritannien einen gegen Israel mit russischen Waffen gerichteten Angriff vereiteln wollte. Heute wissen wir, dass das Endziel der israelischen Bestrebungen nur durch die britische Intervention nicht erreicht worden ist. Zwar hat der israelische Abwehrkrieg Ruhe an den Grenzen geschaffen, die bis heute — jedenfalls in weit grösserem Umfang als vordem — herrscht. Aber das Problem als solches ist ungelöst geblieben, weil sich Nasser aus der Affaire hat ziehen dürfen, wobei Amerikaner und Russen gleichermassen darum bemüht waren, ihm behilflich zu sein. Nassers wackelnder Thron wurde von Dulles und seinen sowjetischen Gegenspielern festgehalten. Nasser blieb, aber Eden musste gehen. Seine politische Laufbahn, die einst so glänzend und vielversprechend begonnen hatte, fand durch das britische Suez-Abenteuer einen jähen Abschluss. Edens Nachfolger, MacMillan, zu allen Konzessionen bereit, konnte bisher die unterbrochenen Beziehungen zu den Aegyptern nicht wiederherstellen. Drei Jahre hat er gebraucht, um seinen Bot- (Schluw auf Sert* 9 Wird Heuss Israel besuchen? Jerusalem. — Der vorgeschlagene Besuch, den Dr. Theodor Heuss, der frühere Präsident der Deutschen Bundesrepublik, Israel abzustatten gedenkt, wird nach den letzten Nachrichten Gegenstand der Beratung während der Anwesenheit von Botschafter Felix Shinar in Israel sein. Shinar ist Chef der israelischen Einkaufsmission in Köln und befindet sich gegenwärtig in Jeru Salem. Wie es heisst, hat Dr. Heuss den Wunsch ausgesprochen, Israel zu besuchen, doch ist noch kein Datum für seine Reise festgesetzt worden. ... wirdhier darauf verwiesen, dass Heuss augenblicklich kein offizielles Amt bekleidet, so dass sein Besuch inoffiziell sein würde und als privat bezeichnet werden kann. (ITA) bJ£0 ÜAijCA INSTITUTE / ' ' : Kr"' YORK 8